Während Fantasy-Fans 2026 geduldig auf Greta Gerwigs große Narnia-Neuverfilmung Ende des Jahres warten, startet Ende April schon ein anderes Kinoabenteuer, das vor Magie nur so strotzt und ebenfalls voller Fabelwesen und Parallelwelten steckt: Der Wunderweltenbaum.

Der Wunderweltenbaum will als Fantasy-Abenteuer hoch hinaus

Die Thompsons-Familie zieht aus der Stadt aufs Land. Die Eltern Tim (Andrew Garfield) und Claire (Claire Foy) wollen nochmal neu anfangen. Auch wenn das Leben, fernab von Internet oder sogar Strom, ihre technikabhängigen Kinder Beth (Delilah Bennett-Cardy), Joe (Phoenix Laroche) und Fran (Billie Gadsdon) wenig begeistert.

Während ihr Vater mit der familieneigenen Tomatensoße berühmt werden will, steht den Geschwistern die Erkundung der grünen Umgebung offen. Nur der nahe Wald ist tabu. Doch genau dorthin wird das jüngste Mädchen von Elfe Seidenhaar (Nicola Coughlan) eingeladen. Im Herz des Waldes, an der Spitze des Wunderweltenbaums, kommen jeden Tag neue magische Länder vorbei. In einem wachsen Leckereien auf Bäumen, im nächsten feiert man stets Geburtstag. Nur der Welt der bösen Madame Klaps (Rebecca Ferguson) sollte man besser fernbleiben …

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Der Wunderweltenbaum – Trailer (Deutsch) HD

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Die britische Autorin Enid Blyton mag vor allem für ihre Reihen der Fünf Freunde sowie Hanni & Nanni bekannt sein, schrieb aber zwischen 1939 und 1951 auch vier Bücher zu den Abenteuern dreier Geschwister im Zauberwald: die Wunderweltenbaum-Reihe. Nur eine international kaum bekannte, animierte BBC-Serie (Enid Blyton’s Enchanted Lands) versuchte sich 1997 an einer Verfilmung.

Wie C.S. Lewis‚ (erst später entstandene) Die Chroniken von Narnia-Romanreihe spielt die Fantasy-Geschichte von Der Wunderweltenbaum mit der Existenz von Parallelwelten, die ausschließlich magiegläubige Kinder betreten können. Nur dass hier jeden Tag etwas anderes im Schrank bzw. am Ende der Himmelstreppe wartet. Narnia als Roulette sozusagen.

Simon Farnaby,

Co-Drehbuchautor vom Paddington 2 und Wonka, hat die Romane zu einem warmherzigen Abenteuer adaptiert. Unter der Regie von Ben Gregor (StreetDance Kids) spricht der Film mit rasanten Rutschen, Pups-Witzen und erfüllten Kinderträumen (wie einem unendlichen Süßigkeitenvorrat) vor allem die Jüngeren an. Aber auch erwachsenen Familienmitgliedern dürfte dieser Fantasy-Ausflug immer wieder ein Schmunzeln abringen.

Der Wunderweltenbaum ist als Fantasyfilm sehr bunt und einfallsreich

Wie bringt man eine

87 Jahre alte Geschichte in die Gegenwart, ohne dass sie ihren Fantasy-Faktor verliert? Der Wunderweltenbaum des Jahres 2026 entfernt einfach Handys, Tablets und Spielekonsolen, indem die Thompsons in ihrem neuen Heim (das eher eine Scheune ist) von der Welt abgeschnitten werden. So erleben sie eine Reise in die Vergangenheit, ohne dafür eine Zeitmaschine zu brauchen. Dank Internet-Entzug müssen die Kinder hinaus in die Natur. Was wie ein erfüllter Elterntraum klingt, der es sich allzu leichtmacht, geht als Rechnung aber auf. Zumal der Film die Moderne immer wieder thematisiert und als Erzählelement ins Boot holt. („Oh nein, ich habe nur noch 3G statt 5G Empfang!“)

Ist die realistische Basis erst einmal gelegt, kann das Fantasy-Abenteuer beginnen. Insbesondere in den Baumkronen-Welten

geht es dabei sehr farbenfroh und wild zu.

Im Geburstagsland glitzern 80er-Jahre-Feen auf Rollerblades. Im Land der Allwissenden sind die Weisen an ihren Bärten zur Haarpyramide zusammengewachsen. Fast glaubt man, man sei in Charlie und die Schokoladenfabrik gestolpert, so quietschbunt geht es hier zu. Eine gewisse Toleranz für Überdrehtheit sollte man mitbringen.

Die herrlich skurrilen Figuren mit ihren expressiven Gesichtern, knalligen Kostümen und unmöglich erscheinenden Turmfrisuren machen aber auch einen Großteil des Charmes aus.

Etwa wenn eine diabolische Rebecca Ferguson sich auf ihrer Gefängnisburg beschwert, dass sie sich von Madame Katsche in Madame Klaps umbenennen musste, weil das Schlagen von Kindern nicht länger erlaubt sei.

In diesem Film muss nicht erklärt werden, warum der schwerhörige „Pfannenmann“ (Dustin Demri-Burns) eine Vielzahl Töpfe und Bratpfannen am Leib trägt, solange er nur lustig genug dahinklappert. Oder woher Frau Wasch (Rentierbaby-Star Jessica Gunning) so viel dreckige Wäsche hat, wenn sie dafür jedes Land am Wunderweltenbaum-Glücksrad kennt.

Zugleich darf Bridgerton-Star Nicola Coughlan als Fee Seidenhaar nicht nur die Kinder mit in ihre magische Welt nehmen, sondern selbst noch Lektionen in Feminismus erhalten. („Definierst du dich wirklich nur über deine schönen Haare?“) So verliert die Fantasy-Geschichte selbst dann, wenn sie kaum weiter von der Realität entfernt sein könnte, nie den Bezug zur Wirklichkeit. Entsprechend verwandelt sich Bruder Joe mit seinem Geburtstagswunsch in einen Minecraft-ähnlichen Videospiel-Charakter.

Zum Glück hat Der Wunderweltenbaum seine Wurzeln am richtigen Fleck

Wenn Kinder als Piloten durch Wolkenberge segeln oder sich Twin Peaks-mäßig rückwärts durch einen Raum bewegen müssen, um einen Zauber zu brechen, stellt der Film seine Effekte mal stolz, mal augenzwinkernd aus. Hier hätte das Fantasy-Abenteuer leicht zu einer seelenlosen Effekthascherei mit rotierender Weltenkulisse verkommen können.

Anders als die auf diese Weise misslungene Romanadaption Das Zeiträtsel vor ein paar Jahren behält Der Wunderweltenbaum seine Charaktere aber fest im Blick. Die zuweilen abgehobene Albernheit wird durch die Familiengeschichte geerdet. Sicher, Andrew Garfield war selten überdrehter als dieser Möchtegern-Italiener, der in bunter Strickweste Tomantenträume hegt und abends ein Familienlied anstimmt, bei dem keiner mitsingen will. Aber wenn am Tagesende das Ziel zu scheitern droht, fiebert man eben doch mit, dass die fünf liebenswerten Thompsons ihre Wünsche nicht nur im Geburtstagsland erfüllt bekommen.

Leicht hätte Der Wunderweltenbaum sich mit seinen hippen Aussteiger-Sentiments in die Nesseln des Zauberwalds setzen können. (Ein Film, in dem die ältere Generation der neuen ihre Wünsche in Form von dicken Büchern als Handy-Ersatz aufdrückt?) Stattdessen holt die erste Kinoadaption der Enid-Blyton-Geschichte die mittlerweile etwas angestaubte Vorlage in die Jetztzeit und strickt aus den damals wie heute zeitlosen Familienwerten ein süßes Fantasy-Abenteuer für Junge und Junggebliebene.

Der Wunderweltenbaum startet am 30. April 2026 in den deutschen Kinos.