Ein internationales Fachgremium hat erstmals eine einheitliche Definition des Begriffs „Darmgesundheit“ vorgelegt und damit eine wissenschaftliche Grundlage für dessen künftige Verwendung geschaffen. Die einheitliche Definition soll künftig in Forschung, Medien und Werbung für mehr Klarheit sorgen.

Der Begriff „Darmgesundheit“ wird in sehr unterschiedlichen Zusammenhängen verwendet, etwa bei der Bewerbung von Lebensmitteln, bei der Beschreibung von Ursachen für Beschwerden oder Erkrankungen sowie in der wissenschaftlichen Forschung. Bislang war jedoch nicht eindeutig festgelegt, was darunter jeweils zu verstehen ist. Nach Einschätzung der beteiligten Fachleute erschwert diese uneinheitliche Verwendung nicht nur die Vergleichbarkeit von Forschungsergebnissen, sondern beeinflusst auch die öffentliche Wahrnehmung und Kaufentscheidungen.

Auch innerhalb der Wissenschaft wird der Begriff nicht einheitlich verwendet. Erschwert wird dies dadurch, dass Symptome und Erkrankungen nicht zwangsläufig übereinstimmen. So kann bei entzündlichen Darmerkrankungen in beschwerdefreien Phasen ein gesunder Darmzustand vorliegen, während umgekehrt Menschen ohne Beschwerden dennoch eine eingeschränkte Darmgesundheit aufweisen können.

Um diese Unklarheiten zu beseitigen, berief die International Scientific Association for Probiotics and Prebiotics (ISAPP) im September 2024 ein internationales Expertengremium ein. Dieses definiert Darmgesundheit nun als „Zustand normaler Magen-Darm-Funktion ohne aktive Magen-Darm-Erkrankungen oder darmbezogene Symptome, die die Lebensqualität beeinträchtigen“.

Neben der Definition beschreibt das Gremium auch klinisch relevante Methoden zur Beurteilung der Darmgesundheit. Demnach reicht es nicht aus, sich allein auf Labortests oder die Analyse des Darmmikrobioms zu stützen. Vielmehr soll das subjektive Befinden der Betroffenen mit objektiven Messungen der Darmfunktion kombiniert werden.

Die Fachleute weisen darauf hin, dass es weiterhin an zuverlässigen Tests zur Messung der Darmgesundheit fehlt. Viele Funktionsmessungen seien bislang nicht ausreichend für einen Normalbereich validiert oder korrelierten nur schlecht mit Patientenergebnissen. Insbesondere bei der Untersuchung des Darmmikrobioms sehen sie weiteren Forschungsbedarf.

Literatur:

1. Marco M.L., Cunningham M., Bischoff S.C. et al.: The International Scientific Association for Probiotics and Prebiotics (ISAPP) consensus statement on the definition and scope of gut health. Nat Rev Gastroenterol Hepatol (2026). https://doi.org/10.1038/s41575-026-01176-x

Quelle: Universität Hohenheim, Pressemeldung vom 02.03.2026