Österreich gilt bei Bauvorschriften als besonders streng, auch im Bereich Dämmung. Wie bewerten Sie diese Standards?
Landler: Hohe energetische Standards sind grundsätzlich sinnvoll und notwendig, gerade mit Blick auf Energieeffizienz, Versorgungssicherheit und Klimaziele. Entscheidend ist aber, dass diese Anforderungen wirtschaftlich umsetzbar bleiben und nicht zu unnötiger Komplexität führen. Gleichzeitig braucht es faire Wettbewerbsbedingungen. Dieselben Standards, dieselbe Qualität und dieselbe Verlässlichkeit müssen auch im Markt konsequent abgesichert werden.

Initiativen wie „Bauen außerhalb der Norm“ sollen Baukosten senken und Anforderungen vereinfachen. Sehen Sie darin eher Chancen oder Risiken für Ihr Geschäft?
Landler: Ansätze zur Vereinfachung können sinnvoll sein, wenn sie Kosten reduzieren, ohne die Qualität zu gefährden. Gerade im Bereich Energieeffizienz darf es jedoch keine Rückschritte geben.

Baupreise stiegen 2025 kaum noch, Löhne und Energiekosten dagegen deutlich stärker. Wie sind Sie mit diesem Kostengefüge umgegangen?
Landler: Die Entkoppelung von Baupreisen und steigenden Lohn- beziehungsweise Energiekosten bleibt herausfordernd. Wir reagieren darauf mit Effizienzmaßnahmen und einer laufenden Optimierung unserer Prozesse.

Wo legt HIRSCH Servo aktuell den strategischen Schwerpunkt?
Ein zentraler Fokus liegt für uns auf der thermischen Sanierung der Gebäudehülle. Es macht wenig Sinn, in neue Heizsysteme zu investieren, wenn über eine unzureichend gedämmte Gebäudehülle weiterhin Energie verloren geht. Gleichzeitig haben wir bereits kreislauffähige Lösungen für EPS-Dämmstoffe mit reduziertem CO₂-Fußabdruck beziehungsweise Recyclinganteil im Programm und treiben deren Positionierung im Markt gezielt voran. Aufgrund der derzeit noch höheren Verkaufspreise ist die Nachfrage derzeit noch verhalten. Wir sind aber überzeugt, dass sich nachhaltige und ressourcenschonende Systeme langfristig im Markt durchsetzen werden.

Wo sehen Sie aktuell die größten Chancen und Herausforderungen für Ihr Unternehmen?
Landler: Die größten Chancen liegen für uns klar im Sanierungsbereich und in der weiter steigenden Bedeutung energieeffizienter Gebäude. Ein großer Teil des Gebäudebestands in Europa gilt nach wie vor als energetisch ineffizient. Entsprechend groß ist das Potenzial. Eine gut gedämmte Gebäudehülle kann den Energiebedarf für Heizen und Kühlen deutlich senken und damit auch die CO₂-Emissionen massiv reduzieren. Gleichzeitig ergeben sich wirtschaftliche Vorteile, weil sich Investitionen über eingesparte Energiekosten in überschaubaren Zeiträumen amortisieren können und zur langfristigen Wertsteigerung der Immobilie beitragen. Die größten Herausforderungen bleiben die anhaltende wirtschaftliche und geopolitische Unsicherheit sowie die zunehmende Regulatorik auf EU-Ebene. Umso wichtiger sind verlässliche Rahmenbedingungen und ein klarer Fokus auf nachhaltige, langfristig wirksame Maßnahmen im Gebäudesektor.