AfD-Pläne gefährden Rundfunk: MDR-Intendant warnt vor Kosten-Explosion

Droht dem Mitteldeutschen Rundfunk das Teil-Aus? Bei einem Wahlsieg der AfD in Sachsen-Anhalt könnte das Bundesland aus der ARD-Anstalt aussteigen. Im Interview mit dem Spiegel bezieht MDR-Intendant Ralf Ludwig nun klar Stellung zu den politischen Drohungen, drastischen Sparmaßnahmen und dem Vorwurf der Geldverschwendung. Alles zum Umgang des MDR mit der AfD.

MDR setzt auf Regionalität statt Ausgrenzung

Der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR) blickt mit Sorge auf die anstehende Landtagswahl in Sachsen-Anhalt. Sollte die AfD dort die absolute Mehrheit erringen, droht laut Intendant Ralf Ludwig der Ausstieg des Bundeslandes aus den Medienstaatsverträgen bis Ende 2028. Für die Beitragszahler hätte das gravierende Folgen, denn ein alternativer, verfassungskonformer Sender wäre laut Ludwig deutlich teurer. Trotz des anhaltenden Drucks von rechts positioniert sich der Senderchef im Gespräch mit dem Spiegel eindeutig gegen eine politische Instrumentalisierung: „Wir machen kein Programm für Rechtsextreme“. Der Rundfunkbeitrag sei ein Privileg, aus dem sich eine dienende Funktion für die gesamte Allgemeinheit ergebe.

Stärkerer Dialog mit den Wählern in der Region

Der Sender will künftig noch stärker in den ländlichen Regionen präsent sein, um den Sorgen der Menschen Gehör zu verschaffen. Viele Bürger fühlten sich dort abgehängt, was auch den Zuspruch für die AfD miterkläre. Ludwig betont jedoch gegenüber dem Nachrichtenmagazin, dass nicht jeder Wähler der Partei automatisch rechtsextreme Ansichten teile. Viele wollten schlicht eine Veränderung in ihrer vom Strukturwandel geprägten Heimat. „Unsere Aufgabe ist es, das, was die Menschen bewegt, in unserem Programm widerzuspiegeln“, stellt der Intendant mit Blick auf den Umgang des MDR mit der AfD klar. Eine pauschale Einstufung als Feindbild lehnt er ab und setzt stattdessen auf eine freie und ausgewogene Meinungsbildung.

Ludwig weist Vorwurf der Verschwendung zurück

Neben den politischen Herausforderungen belasten massive Budgetkürzungen die Rundfunkanstalt. Weil die Politik eine empfohlene Beitragserhöhung blockiert hat, muss der MDR aktuell mindestens 160 Millionen Euro einsparen. Vorwürfe, der Sender habe in der Vergangenheit unsolid gewirtschaftet oder Geld verschleudert, weist der Intendant vehement zurück. „Nein, wir haben nicht über unsere Verhältnisse gelebt“, entgegnet Ludwig im Interview. Man habe lediglich planmäßig die finanziellen Rücklagen abgebaut, wie es die Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs (KEF) jahrelang strikt vorgegeben hatte.

Kürzungen bei Tatort, Podcasts und Verwaltung

Um die schwarze Null zu erreichen, greift der Sender zu drastischen Sparmaßnahmen im gesamten Betrieb. So werden unter anderem die Produktion von beliebten Krimis wie „Tatort“ und „Polizeiruf 110“ für mindestens drei Jahre gestoppt. Auch bei den digitalen Angeboten wird der Rotstift angesetzt: Erfolglose Podcasts mit weniger als 6.000 Hörern im Monat fliegen aus dem Portfolio. Zudem werden die großen Programmdirektionen in Halle und Leipzig zusammengelegt, um teure Doppelstrukturen in der Verwaltung abzubauen. Ludwig bezeichnet diese Schritte als schmerzlich, sieht sie angesichts der mangelnden Bedarfsfinanzierung jedoch als absolut unvermeidbar an.

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200625 MDR Programmdirektion: MDR/Kirsten Nijhof