Eine Sonderausgabe des ZDF-Kulturmagazins Aspekte wird sich mit dem Song Keine Angst des Rappers Danger Dan beschäftigen. Text und Aussagen des Liedes erforderten eine gründliche journalistische Einordnung, teilte das ZDF mit. Diese wolle man in der Sendung an diesem Samstag leisten.
Das Team der ZDF-Sendung Die Anstalt hatte noch am Donnerstagabend bei Instagram geschrieben, man hätte es »als öffentlich-rechtliche Pflicht« gesehen, das Lied zu
präsentieren und danach zu diskutieren. »Wir empfinden die
Entscheidung als mutlos – gerade jetzt, wo rechtsextreme Gewalt wieder
stark zunimmt«, hieß es in dem Post. Man distanziere sich von der Entscheidung des ZDF.
Nun hat das ZDF das Team der Anstalt damit beauftragt, sich in der Sonderausgabe von Aspekte mit
dem Lied und dessen Thema Widerstand gegen Rechtsextremismus zu befassen. Dabei solle es sich auch kritisch mit der Ausladung der Künstler auseinandersetzen. Den Unmut Danger Dans
über die Kurzfristigkeit der Absage könne man nachvollziehen, teilte
das ZDF mit. Ein Gesprächsangebot an ihn zur Erläuterung der
Entscheidung sei bisher unbeantwortet geblieben.
ZDF: Absage »nicht leicht gemacht«
Ein Sprecher des Senders teilt mit, das ZDF habe sich die Entscheidung der Absage
nicht leicht gemacht. »Aber nach
intensiver redaktioneller Bewertung, in die auch das Justiziariat des
ZDF eingebunden war, sind wir zu dem Schluss gekommen, dass der Text des
Liedes als Anleitung zum politischen Extremismus verstanden werden
kann, der Selbstjustiz propagiert und rechtswidrige Taten und Gewalt
nicht ausschließt.«
Zunächst hatte der Sender nicht genau gesagt, welche Passagen des Songs zum Auftrittsverbot geführt hatten. Nun teilte das ZDF mit: »Die vier Vornamen etwa, die am Ende der
letzten Strophe mit ›lieben Grüßen‹ bedacht werden, sind identisch mit
Vornamen einschlägig bekannter, zum Teil schon rechtskräftig
verurteilter Linksextremisten.«
In der letzten Strophe des Liedes heißt es: »Juristisch ist mal wieder die Grauzone geschrammt. Ich lasse ihn jetzt einfach mal im Raum, den Elefant. Ist eh klar was zu tun ist, ich sag nichts mehr dazu. Liebe Grüße an Lina, Gucci, Maja und Nanuk.«
»Nichts von dem, was ich da erzähle, ist illegal«
Im Interview mit dem Spiegel widerspricht Danger Dan dem Vorwurf des ZDF:
»Nichts von dem, was ich da erzähle, ist illegal«, sagte er dem Magazin. Auf die
Frage, ob er in Fällen, in denen Rechtsextreme selbst Gewalt ausüben,
linke Gewalt befürworte, sagte der Musiker, dass der Staat im Kampf
gegen Neonazi-Gruppen versage. »Ich glaube, es ist wichtig, sich solchen
Leuten in den Weg zu stellen. Und wenn man das tut, sollte man darauf
vorbereitet sein, dass sie irgendwann kommen.«
Auch der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) kritisiert das ZDF.
Die Ausladung der beiden Musiker durch die Intendanz sei ein
schwerwiegender Eingriff in die redaktionelle Freiheit, heißt es in
einer Pressemitteilung. »Ob das Lied
ausgestrahlt werden sollte oder nicht, entscheidet die Redaktion und
niemand sonst«, ließ sich der DJV-Bundesvorsitzende Mika Beuster
zitieren.
Ursprünglich sollte Danger Dan den Song mit Starpianist Igor Levit in der 100. Ausgabe der ZDF-Satiresendung Die Anstalt präsentieren,
die am kommenden Dienstag ausgestrahlt wird. Doch die beiden Künstler
wurden kurz vor der Aufzeichnung ausgeladen. Der Sender begründete das
damit, dass der Liedtext als Aufruf zu Gewalt verstanden werden könne.
Das stünde im klaren Widerspruch zu den Programmrichtlinien des ZDF.
Danger Dan
Z+ (abopflichtiger Inhalt);
Danger Dan und das ZDF:
Hier wird etwas übertrieben