Am Mittwoch legte die Europäische Union (EU) offiziell ihre wenige Tage davor durchgesickerte „Made in Europe“-Strategie vor. Ausgerechnet dieser Vorstoß, in der aktuellen Form, werde die Autoindustrie aber schwächen, so Alexander Bamberger, der Geschäftsführer von BMW Österreich, und Harald Gottsche, Geschäftsführer BMW Motoren in Steyr, zur „Presse.“
Der Vorschlag mit dem Namen „Industrial Accelerator Act“ (IAA) soll die Nachfrage nach in Europa hergestellten sauberen Technologien und Produkten ankurbeln. Im Jahr 2024 machte die Fertigungsindustrie in der EU 14,3 Prozent der Wirtschaftsleistung aus. Bis 2035 soll dieser Anteil auf 20 Prozent steigen.
Der IAA soll vor allem für die öffentliche Beschaffung und für Förderungen für strategische Sektoren gelten, heißt es. Zu diesen zählen insbesondere Stahl, Zement und Aluminium, aber auch die Autoindustrie. So sollen sechs Monate nach Inkrafttreten zusammengebaute Elektroautos zu 70 Prozent ausgenommen Batteriekomponenten – in der EU gefertigt sein.
Warum will das die Autoindustrie nicht?
Was nach einem attraktiven Ziel klingt, stößt bei den beiden BMW-Managern auf Ablehnung. „Das bedeutet, dass die Investitionen, die wir im Bereich Forschung und Entwicklung in Europa tätigen, nicht zählen“, sagt Gottsche. Ein Beispiel: „Ein Fahrzeug zählt gemäß Freihandelsabkommen zwischen der EU und Südkorea mit 60 Prozent europäischer Komponenten in Südkorea als europäisches Fahrzeug und in Europa plötzlich nicht mehr“, erklärt der Chef des Motorenwerks in Steyr.
Entscheidend sei für die Autobauer, wo die Wertschöpfung stattfinde – also wo beispielsweise die Batteriezelle entwickelt wird. Das dürfe man nicht ausklammern, sagt Bamberger: „Die Konsequenz könnte dann lauten: Warum sollte ich Forschung und Entwicklung noch in Europa – oder konkret in Österreich – vornehmen?“ Und das koste im schlimmsten Fall hochqualifizierte Arbeitskräfte.
So wie der Vorschlag aktuell aussieht, schlage er den falschen Weg für die Autohersteller und Zulieferer ein, so die Manager unisono. „Solch ein Vorschlag muss Europa nachhaltig stärken. Innovation soll zählen, nicht Ideologie“, so Bamberger.
BMW hätte viel zu verlieren. Die europäischen Hersteller haben sich mittlerweile konsolidiert. Diesen Schwung konnte auch BMW in Österreich im Vorjahr mitnehmen. 2025 machte der Hersteller 9,67 Mrd. Euro Umsatz, das ist ein Plus von fünf Prozent im Vergleich zum Jahr davor. Ein Rekord „mit knapp 500 Mio. Euro mehr als unserem bisherigen Bestwert“, so Bamberger. Grund seien starke Zulassungszahlen in Zentral- und Südosteuropa, welche von Salzburg aus gesteuert werden.
Außerdem lag BMW auf Platz eins bei den Neuzulassungen von E-Fahrzeugen. Erstmals waren mehr als 60 Prozent der geleasten Fahrzeuge vollelektrisch.
Auch der Umsatz im BMW-Motorenwerk in Steyr stieg durch mehr Absatz weltweit leicht um ein Prozent (4,45 Mrd. Euro). Knapp über 1,2 Millionen Motoren produzierte Göttsches Team im Vorjahr. Für 2026 erwartet er noch mehr. Das Werk in Oberösterreich ist in gewisser Weise das Herzstück für die gesamte BMW-Gruppe. Jeder zweite Motor aller BMW-Fahrzeuge stammt aus der Stadt südlich von Linz.
Das Werk in Steyr hat sich gewandelt: Aus einer reinen Verbrennermotorenfabrik ist eine Hybridstätte geworden, in der nun parallel Benzin- und Elektroantriebe entstehen für die sogenannte „Neue Klasse“, also die ab 2025/2026 eingeführte vollelektrische Modellgeneration. Für die Parallelproduktion investiert der Konzern bis 2030 eine Milliarde Euro am Standort. Alte Flächen wurden umgebaut, ein neues Gebäude errichtet. Die Umschulung der Mitarbeiter auf den neuen E-Motor dauert etwa vier Wochen.
Mittelfristig sollen auch Wasserstoffmotoren in Steyr vom Band laufen. Im Fokus ist dabei nicht der heimische Markt, weil die Infrastruktur noch fehlt. Anders als in Japan oder Südkorea. „Dort setzt man bereits stark auf Wasserstoff“, so Gottsche. 50 Mio. Euro fließen vorerst in die Entwicklung und Produktion des neuen Motors – ein klares Commitment für den Standort.
Geht es nach der EU, sollen hier bis 2030 im Abstand von 200 Kilometern entlang der wichtigsten Verkehrsachsen sowie in allen urbanen Knotenpunkten Wasserstofftankstellen sein. Damit erwartet BMW mittelfristig auch lokale Nachfrage.
Bis 2027 will der Autobauer 40 neue und überarbeitete Fahrzeuge auf den Markt bringen. Eines davon ist der neue BMW iX3, der als erstes Serienmodell der Neuen Klasse noch diesen März auf den Markt kommt. Die Motorenproduktion hat im Vorjahr in Steyr begonnen. Hergestellt wird das neue Auto in Debrecen in Ungarn.
Das Fahrzeug hat einen „überdurchschnittlich hohen Recycling-Anteil“, sagt Bamberger. Über 30 Prozent der Komponenten seien aus recyceltem Material – doppelt so viel, wie das Vorgängermodell. Schon jetzt würden die Bestellungen über den Erwartungen liegen, so Bamberger.