
Markus Bauer
Markus spielt Videospiele, seit er denken kann, und schreibt seit über 25 Jahren über Gaming. Am PC liebt er Ego-Shooter und Echtzeit-Strategie, auf Konsolen vor allem Action-Adventures und Rennspiele. Mit seinen Kindern zockt er auch gerne Minecraft und Rocket League. Seit Jahrzehnten baut Markus seine PCs selbst – immer mit Blick auf das beste Preis-Leistungs-Verhältnis. Sein aktueller PC: ein Big Tower, damit auch moderne Grafikkarten bequem Platz finden.
Die Forderung von Stop Killing Games klingt eigentlich simpel: Wer ein Videospiel gekauft hat, sollte es auch dann noch spielen können, wenn der Publisher Jahre später seine Server abschaltet. Mehr als 1,29 Millionen bestätigte EU-Bürger unterstützten diese Idee mit ihrer Unterschrift. Doch rechtlich ist die Sache deutlich komplizierter.
Die Videospiel- und Digitalpolitik-Expertin Dr. Celia Pontin warnt davor, eine einzige Lösung auf sämtliche Spiele anzuwenden. Gegenüber The Game Business erklärte sie, dass möglicherweise eine Lücke zwischen dem besteht, was Spieler fordern, und dem, was technisch und rechtlich überhaupt umsetzbar ist. Das Problem beginnt bereits bei der Frage: Wann gilt ein Spiel eigentlich noch als spielbar?
Ein Singleplayer-Spiel ist einfacher zu retten als ein MMO
Bei einem Spiel wie Ubisofts The Crew, das den Ausgangspunkt für Stop Killing Games bildete, lässt sich die Forderung leicht verstehen. Ubisoft schaltete die Server ab und machte das 2014 veröffentlichte Rennspiel damit vollständig unspielbar.
Genau solche Fälle möchte die Initiative verhindern. Sie fordert, dass Publisher ihre Spiele am Ende des Supports in einem „vernünftig funktionierenden“ Zustand zurücklassen, ohne anschließend dauerhaft Server oder weitere Ressourcen bereitstellen zu müssen. Die offizielle EU-Initiative verlangte ausdrücklich nicht die Übertragung von Markenrechten oder geistigem Eigentum an die Spieler.
Bei einem klassischen Singleplayer-Spiel könnte beispielsweise ein Offline-Patch ausreichen. Bei einem MMO wird es deutlich komplizierter. Ist ein Online-Rollenspiel noch „spielbar“, wenn man zwar die Welt betreten kann, aber keine anderen Spieler mehr vorhanden sind? Was passiert mit Quests, Matchmaking oder Inhalten, die auf zentrale Server angewiesen sind?
Pontin sieht deshalb keine Lösung, die automatisch für jedes Spiel funktionieren würde. Die Branche reicht schließlich vom kleinen Ein-Mann-Studio bis zum Milliardenkonzern und vom einfachen Singleplayer-Spiel bis zu gigantischen Online-Welten mit komplexer Server-Infrastruktur.
The Crew wurde am 31. März 2024 abgeschaltet und war der Auslöser für „Stop Killing Games“. Es erschien am 2. Dezember 2014. – Bild: Ubisoft
Warum Publisher ein Spiel nicht einfach den Fans übergeben können
Eine häufig genannte Lösung lautet: Wenn der Publisher die Server abschalten möchte, soll eben die Community übernehmen. Auch das klingt einfacher, als es ist. Ein modernes Videospiel besteht nicht nur aus Programmcode, der einem einzigen Unternehmen gehört. Musik, Synchronsprecher, Grafiken, Marken, Middleware und andere Bestandteile können unterschiedlichen Lizenz-Vereinbarungen unterliegen.
Pontin beschreibt ein Videospiel deshalb als ein Bündel zahlreicher miteinander verbundener Urheberrechte. Selbst ein Publisher, der seinen Fans sämtliche notwendigen Dateien geben möchte, besitzt möglicherweise gar nicht die Rechte, dies vollständig zu tun. Dazu kommen externe Dienste. Ein Online-Spiel kann beispielsweise Server-Technologie, Datenbanken oder andere Systeme von Drittanbietern nutzen. Verschwindet einer dieser Anbieter später vom Markt, funktioniert möglicherweise auch die Community-Version nicht mehr. Dazu gesellen sich noch Themen wie Datenschutz, Alterskontrollen und Online-Sicherheit.
Genau diese Diskussion dürfte langfristig sogar wichtiger werden als einzelne Serverabschaltungen. Bei einer Disc bzw. einem Modul war die Sache früher zumindest praktisch einfach: Das Spiel lag im Regal und funktionierte weiter, solange Hardware und Datenträger funktionierten.
Eine einfache Regel wie „jedes Spiel muss für immer funktionieren“ dürfte juristisch und technisch schwer umzusetzen sein. Das bedeutet aber nicht, dass Publisher ihre Spiele einfach abschalten sollten, ohne vorher über das Ende nachzudenken. Vielleicht liegt die Lösung deshalb nicht darin, jedes Spiel für immer am Leben zu halten. Publisher müssten aber schon bei der Entwicklung wissen, was am letzten Tag mit einem gekauften Spiel passieren soll.
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