Es gibt kaum eine Wand, an der kein Bild hängt. Überall stehen afrikanische Figuren und Masken. Jean Schmiedel hat sich in seiner 140 Quadratmeter großen Wohnung in der Chemnitzer Innenstadt ein kleines Paradies geschaffen. Der Blick auf den Opernplatz ist sensationell. Für den 63 Jahre alten Künstler ist das seine Traumwohnung.

Umzug nach Berlin aus wirtschaftlichen Gründen

Trotzdem packt er seine Koffer und zieht nach Berlin: „Es sind hauptsächlich wirtschaftliche Gründe. Wenn man seit 40 Jahren Kunst in einer Stadt verkauft, da sind natürlich die Leute, die sich für meine Kunst interessieren, die haben alle schon Bilder. Manche können sie schon übereinander hängen. Ja, und die jungen Leute kaufen weniger. Es ist verschwindend gering, dass junge Leute Kunst kaufen.“

Wenn man seit 40 Jahren Kunst in einer Stadt verkauft, da sind natürlich die Leute, die sich für meine Kunst interessieren, die haben alle schon Bilder. Manche können sie schon übereinander hängen.

Jean Schmiedel
Künstler

Schmiedel hat neben seiner Chemnitzer Wohnung noch ein Haus auf Mallorca gemietet. Und jetzt noch zusätzlich einen Laden in Berlin. Das sei zu teuer. Jean Schmiedel musste sich entscheiden. Im Dezember 2025 habe er drei Ausstellungen in Chemnitz gehabt und kaum etwas verkauft. In Berlin, so hofft der extrovertierte Künstler, sieht das anders aus.

Überrascht über Neugier im Prenzlauer Berg

„In Berlin habe ich einen Laden mit drei großen Schaufenstern im angesagten Viertel Prenzlauer Berg. Die Leute helfen beim Ausladen, tragen mit rein, winken rein. Sie stehen an der Tür, klopfen und fragen: ‚Wann ist denn Eröffnung?‘ Da bin ich völlig überrascht, weil ich habe ja hier ein Schaufenster. Da hat das ganze Jahr über kein einziger angerufen und gefragt, ob sie mal das Atelier besuchen können.“

Schmiedel fühlt sich von Chemnitz und Stadtspitze ignoriert

Jean Schmiedel ist gelernter Maurer. Nach einem Unfall 1982 kommt er zur Kunst. Seit 1984 schafft er Tag und Nacht. Doch in seiner Heimat Chemnitz wird sein Erfolg nicht wirklich honoriert. „Da hab‘ ich mich damit abgefunden, dass ich 40 Jahre hier arbeite und von der Stadt noch nie jemand bei mir im Atelier war. Ich habe 2019 meine große Soloshow am Broadway in New York. Da war gab es eine große Pressekonferenz. Da war ich auf allen Titelblättern, die Kuratorin des MOMA war begeistert von meinen Sachen und und und. Und die Bürgermeisterin kommt auf der Straße gelaufen. Die kann nicht mal guten Tag sagen…“ 

Dennoch verlässt Schmiedel Chemnitz auch mit einem weinenden Auge. Seine Freunde werde er vermissen, auch sein Aquaristikgeschäft auf dem Kaßberg. Doch Jean Schmiedel ist optimistisch, dass er in Berlin schnell Anschluss bekommt – und dass seine Kunst viele Abnehmer findet.