{"id":10013,"date":"2026-02-24T08:57:06","date_gmt":"2026-02-24T08:57:06","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/10013\/"},"modified":"2026-02-24T08:57:06","modified_gmt":"2026-02-24T08:57:06","slug":"captain-future-die-deutsche-fassung-vereinte-genie-und-wahnsinn-und-ist-bis-heute-kult","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/10013\/","title":{"rendered":"\u201eCaptain Future\u201c: Die deutsche Fassung vereinte Genie und Wahnsinn \u2013 und ist bis heute Kult"},"content":{"rendered":"<p>Er war der Held von vielen Kindern der 1980er und hat bis heute Kultstatus: Captain Future. Seine Abenteuer in ferner Zukunft auf exotischen Planeten profitierten von einer gelungenen deutschen Bearbeitung \u2013 die jedoch auch ihre T\u00fccken hatte.<\/p>\n<p class=\"is-first-paragraph\" data-external=\"Article.FirstParagraph\">Alter Wein in neuen Schl\u00e4uchen \u2013 in der Film- und Fernsehbranche ist dies seit jeher ein verl\u00e4ssliches Erfolgsrezept. Zahllos sind die Remakes, Reboots, Neuinterpretationen und Hommagen, in denen klassische, vertraute Stoffe in modernisierter Form und aktualisierter Verpackung zur\u00fcck auf den Bildschirm wanderten, um so ein neues, meist j\u00fcngeres Publikum zu finden.<\/p>\n<p>Ein Beispiel daf\u00fcr, das Nostalgiker mittleren Alters heute oft erw\u00e4hnen, wenn die Sprache auf ihre <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/geschichte\/article256304164\/Ferienprogramm-Das-Trostpflaster-fuer-daheimgebliebene-Kinder-in-den-1980ern.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/geschichte\/article256304164\/Ferienprogramm-Das-Trostpflaster-fuer-daheimgebliebene-Kinder-in-den-1980ern.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Lieblingssendungen aus der Kindheit und Jugend<\/a> kommt, ist die Welle von Zeichentrickserien, die in japanischen Studios produziert und vom ZDF in den 1970ern und -80ern ins Kinderprogramm genommen wurden. Der Manga- bzw. Anime-Look dieser Produktionen mit den gro\u00dfen Kulleraugen der Figuren und knalligen Farben war damals hierzulande noch neu und ungewohnt, geradezu gewagt. Nicht alle Eltern, die eher den klassischen Stil von Disney-Trickfilmen sch\u00e4tzten, waren davon angetan. Mancher Kritiker schm\u00e4hte die Serien gar als Schund. Aber die Kinder waren begeistert \u2013 und die Einschaltquoten hoch. <\/p>\n<p>Inhaltlich griffen die Produktionen wohlbekannte Stoffe auf. Wie die Serie \u201eWickie und die starken M\u00e4nner\u201c, die ab 1974 im ZDF lief. Sie beruhte auf Kinderb\u00fcchern des schwedischen Autors Runer Jonsson. <\/p>\n<p>Neben dem Inhalt und Look trug auch der Sound ma\u00dfgeblich zum Erfolg bei. So wurden markante Synchronsprecher ausgew\u00e4hlt, die bereits aus vielen Produktionen bekannt waren. Und die Musik stammt bei \u201eWickie\u201c und diversen anderen japanischen Trickfilmserien in den deutschen Versionen vom Meisterkomponisten Christian Bruhn, der wie kaum ein anderer die Gabe besa\u00df, mitrei\u00dfende Ohrwurm-Melodien zu kreieren. Bruhn komponierte etliche Schlager-Hits wie \u201eMarmor, Stein und Eisen bricht\u201c (gesungen von Drafi Deutscher) und \u201eWunder gibt es immer wieder\u201c (gesungen von Katja Ebstein), die viele heute noch ebenso schnell erkennen wie das Titellied \u201eHey, hey, Wickie! Hey, Wickie, hey! Zieh\u2018 fest das Segel an!\u201c<\/p>\n<p>Weitere ganz \u00e4hnlich gestrickte Zeichentrickserien jener Zeit waren etwa \u201eDie Biene Maja\u201c (ab 1976 im ZDF), basierend auf den Romanen von Waldemar Bonsels, \u201ePinocchio\u201c nach dem Kinderbuch-Klassiker von Carlo Collodi (ab 1977), \u201eHeidi\u201c, deren Vorlage das gleichnamige Buch von Johanna Spyri war (ab 1977) oder \u201eSindbad\u201c, eine Serie, die M\u00e4rchen aus der Sammlung Tausendundeine Nacht aufgriff; hierzulande war sie ab 1978 zu sehen.<\/p>\n<p>Und 1980 startete eine Serie, die von den damaligen Zeichentrick-Produktionen heute wohl den gr\u00f6\u00dften Kult-Faktor hat: \u201eCaptain Future\u201c. Sie bot spannende, actionreiche Abenteuer in ferner Zukunft auf exotischen Planeten \u2013 und das kam nicht von ungef\u00e4hr. Denn das Science-Fiction-Genre war zu dieser Zeit sehr popul\u00e4r, was an dem globalen Mega-Erfolg des epochalen Blockbusters \u201eStar Wars\u201c (\u201eKrieg der Sterne\u201c, 1977) lag. Dieser zog <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/geschichte\/article254745266\/Star-Wars-Die-Ur-Trilogie-war-fuer-George-Lucas-ein-enormer-Kraftakt.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/geschichte\/article254745266\/Star-Wars-Die-Ur-Trilogie-war-fuer-George-Lucas-ein-enormer-Kraftakt.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">nicht nur Fortsetzungen<\/a> nach sich, sondern l\u00f6ste auch eine Welle von Nachahmer-Werken aus, <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/geschichte\/article255117870\/Kampfstern-Galactica-machte-George-Lucas-so-wuetend-dass-er-vor-Gericht-zog.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/geschichte\/article255117870\/Kampfstern-Galactica-machte-George-Lucas-so-wuetend-dass-er-vor-Gericht-zog.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">darunter \u201eKampfstern Galactica\u201c<\/a>. <\/p>\n<p>1978 griff das japanische Studio T\u014dei den Trend auf und produzierte mit \u201eCaptain Future\u201c eine Serie, die modern aussah und den aktuellen Zeitgeist verk\u00f6rperte \u2013\u00a0die aber wie die anderen beliebten Zeichentrickserien auf einer alten Vorlage basierte: n\u00e4mlich einer gleichnamigen Reihe amerikanischer Romanhefte von Edmond Hamilton aus den 1940er-Jahren. Letztere hatte auch \u201eStar Wars\u201c-Macher George Lucas als eine seiner vielen Inspirationsquellen genannt.<\/p>\n<p>In der Serie k\u00e4mpft der Titelheld Curtis Newton alias Captain Future mutig gegen das Verbrechen, und an Bord seines Raumschiffs \u201eComet\u201c sind seine Mitstreiter: der Android Otto und der Roboter Grag sowie Professor Simon Wright \u2013\u00a0bzw. dessen Gehirn, das einst seinem todkranken K\u00f6rper entnommen und in einen schwebenden, multifunktionalen Apparat \u00fcbertragen wurde, um ihm das Weiterleben zu erm\u00f6glichen. Unterst\u00fctzt wird Captain Future auch von der Agentin Joan Landor.<\/p>\n<p>\u201eCaptain Future\u201c lief erstmals am 27. September 1980 im ZDF, und die deutsche Version gl\u00e4nzte erneut durch ihre Synchronsprecher: Hans-J\u00fcrgen Dittberner gab den Titelhelden. Dittberner sprach unter anderem auch den Grash\u00fcpfer Flip aus \u201eBiene Maja\u201c und war sp\u00e4ter die Synchronstimme von Patrick Duffy alias Bobby Ewing in \u201eDallas\u201c. Den Androiden Otto gab Wolfgang V\u00f6lz, als Schauspieler und Sprecher bekannt aus etlichen Film- und TV-Produktionen sowie seit den 90ern als Stimme von K\u00e4pt\u2018n Blaub\u00e4r. Friedrich G. Beckhaus sprach den Roboter Grag, er war etwa aus der deutschen SciFi-Kultserie \u201eRaumpatrouille\u201c gel\u00e4ufig. Anita Kupsch lieh Joan Landor ihre Stimme und war sp\u00e4ter vor allem in der Serie \u201ePraxis B\u00fclowbogen\u201c popul\u00e4r.<\/p>\n<p>Bei der Filmmusik gelang wiederum Christian Bruhn ein weiterer Klassiker. F\u00fcr seine Ohrwurm-Titelmelodie griff er auf eine Komposition zur\u00fcck, die er urspr\u00fcnglich f\u00fcr einen Western angefertigt, dann aber nicht verwendet hatte. F\u00fcr \u201eCaptain Future\u201c modern umarrangiert wurde die Melodie ein bleibender Hit, der Jahre sp\u00e4ter von DJs aufgegriffen wurde und in neuen Dance-Varianten erschien.<\/p>\n<p>Nicht alles an der deutschen Fassung von \u201eCaptain Future\u201c war indes so gelungen, vielmehr war sie an anderer Stelle h\u00f6chst eigenwillig, sie vereinte sozusagen Genie und Wahnsinn. Denn beim Schnitt agierten die Macher ziemlich l\u00e4ssig, um nicht zu sagen hemmungslos. <\/p>\n<p>Damit die Folgen ins Sendeschema passten, wurden sie teils radikal gek\u00fcrzt, auf ganze Handlungsstr\u00e4nge wurde verzichtet, sodass beispielsweise die Backstory von Captain Future wegfiel; die Zuschauer erfuhren hierzulande nicht, wer die Eltern des Titelhelden waren, wie sie auf dem Mond den Gehirntransfer von Professor Wright vornahmen, wer sie ermordete und warum das sp\u00e4ter eine Rolle spielte. <\/p>\n<p>Auch wurden einige Episoden weggelassen und die verbliebenen nicht in der Original-Reihenfolge gesendet, obwohl mehrere Folgen Fortsetzungsgeschichten waren, sodass einiges nun inhaltlich mehr als konfus war.<\/p>\n<p>Ein derart rustikaler Umgang mit angekauftem Material war damals beim ZDF nicht ungew\u00f6hnlich. So nahm der Sender etwa US-Slapstick-Klassiker in der Serie \u201eV\u00e4ter der Klamotte\u201c ins Programm und zeigte in \u201eWestern von gestern\u201c alte amerikanische Cowboy-und-Indianer-Serien \u2013 allerdings <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/geschichte\/article255138904\/Schwarz-Weiss-Klassiker-Wie-das-ZDF-aus-alter-Ware-Kult-Serien-schuf.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/geschichte\/article255138904\/Schwarz-Weiss-Klassiker-Wie-das-ZDF-aus-alter-Ware-Kult-Serien-schuf.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">in \u201eaufgem\u00f6belten\u201c Fassungen<\/a>, umgeschnitten und freih\u00e4ndig vertont, ohne viel R\u00fccksicht auf die einstigen Intentionen der Filmemacher zu nehmen. Aber daf\u00fcr mit gro\u00dfem Erfolg.<\/p>\n<p>Auch war man beim ZDF in Sachen \u201eSchnodderdeutsch\u201c-Synchronisationen ganz vorn dabei, wobei in den deutschen Fassungen viele Kalauer und lockere Spr\u00fcche zu h\u00f6ren waren, die im Original gar nicht vorhanden waren, aber jetzt f\u00fcr etliche Lacher sorgten. Legend\u00e4res Beispiel: <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/geschichte\/article256118622\/Die-Zwei-Mit-Schnodderdeutsch-wurde-die-Serie-in-Deutschland-zum-Kult.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/geschichte\/article256118622\/Die-Zwei-Mit-Schnodderdeutsch-wurde-die-Serie-in-Deutschland-zum-Kult.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">\u201eDie Zwei\u201c mit Tony Curtis und Roger Moore<\/a>.<\/p>\n<p>So wurde \u201eCaptain Future\u201c in Deutschland einerseits wegen der gelungenen Aspekte der deutschen Version, andererseits trotz ihrer Schw\u00e4chen zu einem gro\u00dfen Hit im Kinderprogramm. Und nat\u00fcrlich, weil die Bilder und Geschichten des Originals so faszinierend waren.<\/p>\n<p>Bei vielen Zuschauern hinterlie\u00df dies einen bleibenden Eindruck, sodass \u201eCaptain Future\u201c bis heute Kultstatus hat. Neben der deutschen Version haben Fans heute auch die M\u00f6glichkeit, die Serie im japanischen Original (mit Untertiteln) zu sehen: ab 2016 erschienen entsprechende Blu-ray-Editionen.<\/p>\n<p>F\u00fcr WELTGeschichte blickt <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/autor\/martin-klemrath\/\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/autor\/martin-klemrath\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Martin Klemrath<\/a> neben klassischen historischen Themen auch regelm\u00e4\u00dfig auf popkulturelle Ph\u00e4nomene vergangener Jahrzehnte zur\u00fcck. Darunter eine bahnbrechende Sitcom der 80er und 90er: <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/geschichte\/article255276978\/Eine-schrecklich-nette-Familie-Mit-Brachialhumor-begeisterte-Al-Bundy-seine-Fans-und-entgeisterte-Kritiker.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/geschichte\/article255276978\/Eine-schrecklich-nette-Familie-Mit-Brachialhumor-begeisterte-Al-Bundy-seine-Fans-und-entgeisterte-Kritiker.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">\u201eEine schrecklich nette Familie\u201c<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Er war der Held von vielen Kindern der 1980er und hat bis heute Kultstatus: Captain Future. 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