{"id":101850,"date":"2026-04-14T10:38:11","date_gmt":"2026-04-14T10:38:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/101850\/"},"modified":"2026-04-14T10:38:11","modified_gmt":"2026-04-14T10:38:11","slug":"was-sich-wirklich-hinter-dem-cockroaches-stunt-der-rolling-stones-verbirgt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/101850\/","title":{"rendered":"Was sich wirklich hinter dem Cockroaches-Stunt der Rolling Stones verbirgt"},"content":{"rendered":"<p class=\"is-first-paragraph\" data-external=\"Article.FirstParagraph\">Als Werbegag f\u00fcr ein m\u00f6gliches neues Album haben die Rolling Stones unter dem Namen \u201eThe Cockroaches\u201c \u2013 die Kakerlaken \u2013 eine Vinyl-Single in limitierter Auflage herausgebracht. Auf der ganzen Welt \u2013 jedenfalls in ihren zivilisierteren Teilen \u2013 stehen junge M\u00e4nner in kleinen Plattenl\u00e4den herum und nehmen mit ihren Smartphones den neuen Song \u201eRough and Twisted\u201c auf, der sich pausenlos auf dem Plattenteller dreht. <\/p>\n<p>Der Song \u2013 ein Blues im Stil des vorletzten Stones-Albums, <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/print\/die_welt\/kultur\/article159851742\/Die-Alten-mit-der-Mundharmonika.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/print\/die_welt\/kultur\/article159851742\/Die-Alten-mit-der-Mundharmonika.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">\u201eBlue and Lonesome\u201c<\/a> \u2013 klingt urt\u00fcmlicher und rauer als die vielen mit KI generierten angeblichen \u2013 und oft ziemlich guten \u2013 Stones-Songs, die t\u00e4glich auf YouTube hochploppen; und auch als die Songs der australischen Pub-Rock-Band \u201eThe Cockroaches\u201c, die in den 1980er-Jahren beinahe ganz gro\u00df herausgekommen waren und als Rolling-Stones-Cover-Band begannen. Den Namen w\u00e4hlten sie nicht zuf\u00e4llig, denn Fans wissen, dass die Stones gelegentlich das Pseudonym \u201eCockroaches\u201c f\u00fcr kleinere Live-Gigs verwendeten.<\/p>\n<p>Dass die Stones ausgerechnet dieses Pseudonym w\u00e4hlten, hat wiederum seine innere Logik; denn um 1963 herum, als die Gruppe in London ihre ersten Fans sammelte, hatte eine andere Gruppe, die sich \u201eK\u00e4fer\u201c nannte, bereits eine hysterische Massenbewegung ausgel\u00f6st, die von der Presse \u201eK\u00e4ferwahnsinn\u201c genannt wurde: Beatlemania.<\/p>\n<p>Ungeheures Ungeziefer<\/p>\n<p>K\u00e4fer und Kakerlaken waren die krabbelnden Antipoden jener nach Desinfektionsmitteln riechenden, blitzblanken Sauberkeit und Ordnung, die das Ideal der 1950er-Jahre waren. \u201eThe Beetles\u201c nannten sich \u00fcbrigens schon die Groupies der \u201eSchwarzen Rebellen\u201c, einer \u2013 \u00fcbrigens rein wei\u00dfen \u2013 Motorradgang, die in Laszlo Benedeks Film \u201eThe Wild One\u201c (1953) die B\u00fcrger einer amerikanischen Kleinstadt in Angst und Schrecken versetzen. <\/p>\n<p>Gang-Chef Marlon Brando \u2013 Jeans, Lederjacke, Schirmm\u00fctze \u2013 wurde zur Stilikone der \u201eHalbstarken\u201c in Westdeutschland, der \u201eRowdies\u201c in der DDR und der britischen \u201eTeddy-Boys\u201c, darunter in der Hafenstadt Liverpool ein gewisser John Lennon, der zehn Jahre sp\u00e4ter zusammen mit seinem Freund Paul McCartney den Rolling Stones ihren ersten Hit schreiben sollte: \u201eI Wanna Be Your Man\u201c. <\/p>\n<p>\u201eWild One\u201c-Regisseur Benedek war ungarischer Jude und wusste, was es bedeutete, als Ungeziefer bezeichnet zu werden. F\u00fcr deren Vernichtung \u2013 f\u00fcr die \u201eEntwesung\u201c entsprechender R\u00e4ume, wie der Fachbegriff hei\u00dft \u2013 gibt es ja Zyklon B. Doch schon 1912 lie\u00df Franz Kafka ahnungsvoll den Protagonisten Gregor Samsa aus unruhigen Tr\u00e4umen erwachen, um festzustellen, dass er \u201ezu einem ungeheuren Ungeziefer verwandelt\u201c worden sei, irgendwas zwischen K\u00e4fer und Kakerlake.<\/p>\n<p>Und auf diese Erz\u00e4hlung, die auf Englisch \u201eThe Metamophosis\u201c hei\u00dft, spielt das Rolling-Stones Album \u201eMetamorphosis\u201c (1975) an, auf dessen Cover die Rolling Stones mit K\u00e4fer- und Kakerlakenk\u00f6pfen zu sehen sind. In Kafkas Erz\u00e4hlung schafft es Gregor nur einmal, die T\u00fcr seines Schlafzimmers aufzumachen, und wird sofort vom Vater aus dem gutb\u00fcrgerlichen Wohnzimmer zur\u00fcckgescheucht, wo er, nur von der Schwester gepflegt, an der ihm vom Vater mit einem geworfenen Apfel zugef\u00fcgten Wunde elend zugrunde geht. <\/p>\n<p>50 Jahre sp\u00e4ter haben die K\u00e4fer und Kakerlaken \u2013 und es hatte seine Richtigkeit, dass die Beatles vom homosexuellen Juden, vom doppelt verfemten Brian Epstein gemanagt wurden \u2013 zuerst die Schlafzimmer der B\u00fcrgerst\u00f6chter, dann die Wohnzimmer selbst und dann sogar die Wirtschaft selbst \u00fcbernommen. Aus Kafkas Apfel wurde die Beatles-Firma \u201eApple Corps\u201c, deren Name sich der junge Beatle-Fan Steve Jobs f\u00fcr sein kleines Tech-Unternehmen auslieh. <\/p>\n<p>Wenn die Rolling Stones nun an diese Urspr\u00fcnge erinnern, ist es mehr als ein Werbegag. Und mehr als Nostalgie. Denn die Stones wissen am besten, dass der Rock\u2019n\u2019Roll nie wieder das sein kann, was es f\u00fcr Millionen einst war. Wie Mick Jagger und Keith Richards schon 1978 im Song \u201eRespectable\u201c schrieben: \u201eJetzt sind wir S\u00e4ulen der Gesellschaft \/ Egal, was wir einst waren \/ Nehmen Heroin mit dem Pr\u00e4sidenten \/ Klar gibt\u2019s ein Problem, Sir, aber was l\u00e4sst sich schon machen?\u201c <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Als Werbegag f\u00fcr ein m\u00f6gliches neues Album haben die Rolling Stones unter dem Namen \u201eThe Cockroaches\u201c \u2013 die&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":101851,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[24],"tags":[46,42,147,17604,6573,29383,153,154,44,35399,23304,37302,210,290,29386,148],"class_list":{"0":"post-101850","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-musik","8":"tag-at","9":"tag-austria","10":"tag-entertainment","11":"tag-jagger","12":"tag-keith","13":"tag-mick","14":"tag-music","15":"tag-musik","16":"tag-oesterreich","17":"tag-pop-ks","18":"tag-richards","19":"tag-singles-ks","20":"tag-texttospeech","21":"tag-the-beatles","22":"tag-the-rolling-stones","23":"tag-unterhaltung"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@at\/116402631572690653","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/101850","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=101850"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/101850\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media\/101851"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=101850"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=101850"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=101850"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}