{"id":103148,"date":"2026-04-15T02:52:32","date_gmt":"2026-04-15T02:52:32","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/103148\/"},"modified":"2026-04-15T02:52:32","modified_gmt":"2026-04-15T02:52:32","slug":"fast-wie-comer-see-deutsche-ingenieure-bauen-europas-groesste-seenlandschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/103148\/","title":{"rendered":"Fast wie Comer See: Deutsche Ingenieure bauen Europas gr\u00f6\u00dfte Seenlandschaft"},"content":{"rendered":"<p>Deutschland z\u00e4hlt laut Umweltbundesamt mehr als 12.000 nat\u00fcrliche Seen. Dazu kommen hunderte k\u00fcnstliche Gew\u00e4sser: Allein 575 Braunkohletagebauseen wurden 2003 in Deutschland erfasst \u2013 und ihre Zahl wird in den kommenden Jahrzehnten weiter steigen, denn in den ehemaligen Kohelrevieren werden weitere Gruben geflutet. Die meisten davon liegen in Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Sachsen und Nordrhein-Westfalen. Doch keines dieser Projekte reicht auch nur ann\u00e4hernd an das heran, was in der Lausitz, zwischen Berlin und Dresden, gerade entsteht.<\/p>\n<p>          <img decoding=\"async\" class=\"c-ad__placeholder__logo\" src=\"https:\/\/static.euronews.com\/website\/images\/logos\/logo-euronews-stacked-outlined-72x72-grey-9.svg\" width=\"72\" height=\"72\" alt=\"\" loading=\"lazy\"\/><br \/>\n          WERBUNG<\/p>\n<p>          <img decoding=\"async\" class=\"c-ad__placeholder__logo\" src=\"https:\/\/static.euronews.com\/website\/images\/logos\/logo-euronews-stacked-outlined-72x72-grey-9.svg\" width=\"72\" height=\"72\" alt=\"\" loading=\"lazy\"\/><br \/>\n          WERBUNG<\/p>\n<p>Vom Tagebau zur k\u00fcnstlichen Wasserlandschaft<\/p>\n<p>Mehr als zwei Milliarden Tonnen Braunkohle holten in der DDR Bergleute aus Tiefen von \u00fcber 60 Metern. Der Abbau hinterlie\u00df gewaltige Krater in der Landschaft. Den Anfang des Wandels markierte die Flutung des Senftenberger Sees im Jahr 1967. Heute entsteht hier Europas gr\u00f6\u00dfte k\u00fcnstliche Wasserlandschaft \u2013 mit H\u00e4fen, zahlreichen Kan\u00e4len und Campingpl\u00e4tzen. In der Region gibt es sogar eine Gemeinde namens Neu-Seeland, rund um die sich die aus ehemaligen Tagebauen entstandene Wasserlandschaft entwickelt hat.<\/p>\n<p>Die Lausitz w\u00e4re ohne den Bergbau eine Region fast ohne Seen geblieben, denn die Altmor\u00e4nenlandschaft mit ihren durchl\u00e4ssigen Kiesen und Sanden bildet von Natur aus keine Seen. Der Name &#8222;Lausitz&#8220; geht \u00fcbrigens auf den westslawischen Begriff &#8222;Luzica&#8220; zur\u00fcck \u2013 was schlicht &#8222;Sumpfland&#8220; bedeutet.<\/p>\n<p>Gigantisches Ausma\u00df des Projektes<\/p>\n<p>Das Lausitzer Seenland umfasst als touristisches Ziel 23 k\u00fcnstlich angelegte Bergbaufolgeseen mit einer Gesamtwasserfl\u00e4che von 14.000 Hektar. Zehn davon sollen k\u00fcnftig \u00fcber Kan\u00e4le f\u00fcr die Freizeitschifffahrt miteinander verbunden sein \u2013 geplant ist eine durchg\u00e4ngig befahrbare Wasserfl\u00e4che von 7.000 Hektar. Von 13 geplanten schiffbaren Kan\u00e4len sind bereits vier fertiggestellt, sechs weitere befinden sich im Bau.<\/p>\n<p>Verantwortlich f\u00fcr die Sanierung und Flutung der ehemaligen Tagebaue ist die Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (LMBV) \u2013 ein Bundesunternehmen, das Anfang der 1990er Jahre 19 Tagebaugebiete in der Lausitz \u00fcbertragen bekam und seitdem deren Wiedernutzbarmachung organisiert. Insgesamt entwickelt die LMBV rund 50 gr\u00f6\u00dfere Bergbaufolgeseen, davon 24 allein in der Lausitz, erkl\u00e4rt Dr. Uwe Steinhuber von der LMBV auf Anfrage von Euronews. &#8222;Dies ist ein Prozess, der \u00fcber zwei Generationen zeitlich andauert&#8220;, so Steinhuber.<\/p>\n<p>Was die Umwandlung kostet<\/p>\n<p>Die Bergbausanierung in der Lausitz hat laut Steinhuber bisher rund 7 Milliarden Euro gekostet. Der Gesamtaufwand der LMBV inklusive mitteldeutscher Reviere liegt bei etwa 13,8 Milliarden Euro. Einen einzelnen langzeitsicheren See herzustellen, kostet dabei zwischen 200 und 600 Millionen Euro. Finanziert wird das Projekt zu 75 Prozent vom Bund und zu 25 Prozent vom jeweiligen Bundesland \u2013 EU-Mittel flie\u00dfen nicht in die Bergbausanierung. F\u00fcr die kommenden 25 Jahre werden laut Steinhuber voraussichtlich weitere 4,8 Milliarden Euro n\u00f6tig sein.<\/p>\n<p>Fast so gro\u00df wie der Comer See<\/p>\n<p>Seit \u00fcber 25 Jahren koordiniert eine Flutungszentrale der LMBV in Senftenberg den Prozess: Aus den Fl\u00fcssen Nei\u00dfe, Spree und Schwarzer Elster wird Wasser entnommen und in die Seen geleitet. Ohne aktive Flutung w\u00fcrde es 80 bis 100 Jahre dauern, bis ein Tagebau allein durch Grundwasser und Regen gef\u00fcllt w\u00e4re. Geflutet wird nur, wenn die Bedingungen stimmen \u2013 Schifffahrt, Kraftwerke und Fischereiwirtschaft d\u00fcrfen dadurch nicht beeintr\u00e4chtigt werden.<\/p>\n<p>Jeder entstehende See stellt dabei eigene Herausforderungen: B\u00f6schungen m\u00fcssen geotechnisch gesichert, mineralisch belastete Grundw\u00e4sser ber\u00fccksichtigt und teilweise aufwendige Zu- und Ableiter gebaut werden, erkl\u00e4rt Steinhuber. Die schnelle Einleitung von neutralem Flusswasser erf\u00fcllt dabei einen wichtigen Zweck: Sie verhindert, dass saures Wasser aus den Kippenfl\u00e4chen in die Seen eindringt.<\/p>\n<p>Die Gesamtwasserfl\u00e4che betr\u00e4gt derzeit rund 130 Quadratkilometer. Am Ende sollen es 144 Quadratkilometer sein \u2013 fast so viel wie der italienische Comer See (146 Quadratkilometer), einer der bekanntesten Seen Europas. Der Unterschied: Der ostdeutsche See entsteht nicht durch die Natur, sondern durch Jahrzehnte gezielter Ingenieursarbeit. Vom Volumen der Restlkrater her sind laut Steinhuber bereits insgesamt 90 Prozent gef\u00fcllt.<\/p>\n<p>Die Seen erf\u00fcllen dabei l\u00e4ngst nicht nur touristische Zwecke: Sie dienen zunehmend auch als Wasserspeicher f\u00fcr die Fl\u00fcsse Spree und Schwarze Elster \u2013 besonders in Niedrigwasserphasen, wenn die Region unter Trockenheit leidet.<\/p>\n<p>Der Sedlitzer See: letzter Baustein<\/p>\n<p>Der Sedlitzer See \u2013 ehemals Tagebau Ilse-Ost, in Betrieb von 1938 bis 1980 \u2013 ist der letzte gro\u00dfe Projektbaustein, der noch auf seine Fertigstellung wartet. Rund 200 Hektar Totholz befinden sich laut dem Fernsehsender RBB noch unter der Wasseroberfl\u00e4che und m\u00fcssen zun\u00e4chst beseitigt werden. Die Sanierungsgeschichte des Sees reicht in die 1990er Jahre zur\u00fcck: Damals wurden zun\u00e4chst die Uferb\u00f6schungen gesichert, D\u00e4mme eingebaut und Ufer abgeflacht. Der See erreichte 2025 seinen Zielwasserstand.<\/p>\n<p>Mit 1.400 Hektar wird er Ende April erstmals zum Baden und Bootfahren freigegeben \u2013 und damit zum gr\u00f6\u00dften Freizeitsee des gesamten Lausitzer Seenlandes, rund 100 Hektar gr\u00f6\u00dfer als der bisherige Rekordhalter, der Senftenberger See. &#8222;Derzeit sind bereits vier der f\u00fcnf Seen fertiggestellt und k\u00f6nnen umfassend genutzt werden&#8220;, erkl\u00e4rt Kathrin Winkler, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin des Tourismusverbandes Lausitzer Seenland, auf Anfrage von Euronews. &#8222;Wir rechnen mit der Freigabe des Sedlitzer Sees am 24. April.&#8220;<\/p>\n<p>F\u00fcnf Seen verschmelzen im Sommer<\/p>\n<p>Am 29. Juni 2026 erreicht Europas gr\u00f6\u00dfte k\u00fcnstliche Wasserlandschaft ihren n\u00e4chsten Meilenstein: Senftenberger See, Geierswalder See, Partwitzer See, Sedlitzer See und Gro\u00dfr\u00e4schener See werden durch schiffbare Kan\u00e4le zu einer zusammenh\u00e4ngenden Wasserfl\u00e4che von rund 5.000 Hektar verbunden. Zum Vergleich: Deutschlands gr\u00f6\u00dfter Binnensee, die M\u00fcritz, misst etwa 11.300 Hektar. Wer alle Seen auf dem Wasser durchqueren m\u00f6chte, legt dabei rund 50 Kilometer zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Der neu entstandene Ilse-Kanal zum Gro\u00dfr\u00e4schener See sticht dabei besonders hervor: Er unterquert auf seinem Weg mehrere Bahnstrecken und eine Bundesstra\u00dfe. &#8222;Die gr\u00f6\u00dfte, von Menschenhand geschaffene Wasserlandschaft Europas nimmt Gestalt an&#8220;, sagt Winkler. &#8222;Die Freigabe markiert einen wichtigen Schritt f\u00fcr die Weiterentwicklung des Wassertourismus im Lausitzer Seenland.&#8220;<\/p>\n<p>In den kommenden f\u00fcnf Jahren stehen laut Winkler vor allem die Etablierung der Fahrgastschifffahrt, neue Liegepl\u00e4tze und \u00dcbernachtungskapazit\u00e4ten im Fokus. Ziel sei es, das gesamte Lausitzer Seenland als einheitlich erlebbares Reisegebiet zu positionieren \u2013 von Rad- und Wassersport bis hin zu Kulturangeboten.<\/p>\n<p>Tourismus im Aufwind: vor allem aus Tschechien<\/p>\n<p>Der Wandel macht sich auch wirtschaftlich bemerkbar: 2025 wurden rund 800.000 \u00dcbernachtungen in Betrieben ab zehn Betten registriert, wie Winkler auf Anfrage von Euronews mitteilt. Besonders der tschechische Markt entwickelt sich stark: &#8222;Wir bearbeiten seit mehreren Jahren intensiv den tschechischen Markt und sehen hier bereits gro\u00dfe Erfolge&#8220;, sagt Winkler. 2025 verzeichnete die Region 23.063 tschechische \u00dcbernachtungen \u2013 ein Plus von 12,7 Prozent gegen\u00fcber dem Vorjahr. Als n\u00e4chsten Schritt hat der Tourismusverband nun den polnischen Markt im Visier. Das langfristige Ziel des Verbandes, dem aktuell mehr als 30 Gemeinden angeh\u00f6ren, liegt bei bis zu 1,5 Millionen \u00dcbernachtungen pro Jahr.<\/p>\n<p>Doch nicht nur Touristen von au\u00dfen profitieren. &#8222;Die einheimische Bev\u00f6lkerung profitiert in vielfacher Hinsicht&#8220;, sagt Winkler gegen\u00fcber Euronews. Durch den Ausbau der touristischen Infrastruktur entst\u00fcnden neue Arbeitspl\u00e4tze in Gastronomie, Hotellerie und Freizeitwirtschaft \u2013 auch f\u00fcr ehemalige Bergbauarbeiter und ihre Familien.<\/p>\n<p>Ein Modell f\u00fcr Europa?<\/p>\n<p>Ob die Lausitz auch anderen Kohleregionen auf dem Kontinent als Vorbild dienen kann, bejaht Winkler klar: &#8222;Die Kombination aus umfassender Bergbausanierung, nachhaltiger Landschaftsgestaltung und der zielgerichteten Entwicklung eines touristischen Wertsch\u00f6pfungskreislaufs bietet Impulse f\u00fcr Regionen, die einem \u00e4hnlichen Strukturwandel gegen\u00fcberstehen.&#8220; Bereits zur Zeit der Internationalen Bauausstellung (IBA, 2000 bis 2010) seien Workshops und Exkursionen mit internationalen Partnern durchgef\u00fchrt worden \u2013 &#8222;und auch heute stehen wir international zu diesem Thema im regen Austausch&#8220;, so Winkler auf Anfrage von Euronews.<\/p>\n<p>Die Lausitz Energie Bergbau AG (LEAG), die heute noch aktive Tagebaue in der Region betreibt, soll diese schrittweise ab 2030 stilllegen \u2013 den letzten voraussichtlich erst 2038. Auch diese riesigen Gruben werden dann geflutet werden m\u00fcssen. Was einst als Wunde in der Landschaft galt, w\u00e4chst somit St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck zu einem der ungew\u00f6hnlichsten Naturparadiese Europas zusammen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Deutschland z\u00e4hlt laut Umweltbundesamt mehr als 12.000 nat\u00fcrliche Seen. Dazu kommen hunderte k\u00fcnstliche Gew\u00e4sser: Allein 575 Braunkohletagebauseen wurden&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":103149,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[6606,257,76,75,74,5317,1035],"class_list":{"0":"post-103148","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-europa","8":"tag-brandenburg","9":"tag-deutschland","10":"tag-eu","11":"tag-europa","12":"tag-europe","13":"tag-natur","14":"tag-sachsen"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@at\/116406461681078796","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/103148","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=103148"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/103148\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media\/103149"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=103148"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=103148"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=103148"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}