{"id":10397,"date":"2026-02-24T12:46:07","date_gmt":"2026-02-24T12:46:07","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/10397\/"},"modified":"2026-02-24T12:46:07","modified_gmt":"2026-02-24T12:46:07","slug":"a-prayer-for-the-dying","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/10397\/","title":{"rendered":"A Prayer for the Dying"},"content":{"rendered":"<p> Inhalt \/ Kritik<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">W\u00e4hrend eines hei\u00dfen Sommers versucht der Kriegsveteran Jacob Hansen (Johnny Flynn), sowohl seine Familie als auch die Kleinstadt Friendship bestm\u00f6glich zu sch\u00fctzen. Als Sheriff, Bestatter und Pastor der Gemeinde sieht er sich berufen, durch seine Arbeit die S\u00fcnden seiner Vergangenheit zu b\u00fc\u00dfen. Als Friendship jedoch zus\u00e4tzlich von einer Pandemie heimgesucht wird, die der \u00f6rtliche Doktor (John C. Reilly) nicht eind\u00e4mmen kann, holt Hansen seine Vergangenheit ein und er verliert nach und nach selbst den Glauben daran, den Ort und seine Bewohner retten zu k\u00f6nnen<\/p>\n<p>Frontiermythos ohne Feindbild <\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fcr ihr Langfilmdeb\u00fct h\u00e4tte sich Dara van Dusen kaum einer monumentaleren Aufgabe stellen k\u00f6nnen. Auf dem Papier ist A Prayer for the Dying ein hochstilisierter Neo-Western, der sich zur Aufgabe macht, statt ritualisierter Gewalt und heroisierter Gesetzlosigkeit eine g\u00e4nzlich andere Geschichte zu erz\u00e4hlen. Anstatt menschlicher Brutalit\u00e4t sieht sich Friendship bedroht durch Naturgewalt, Krankheit und schleichenden Kontrollverlust. Die dr\u00fcckende Hitze des Hochsommers bereitet Jacob Hansen und seinen Sch\u00e4fchen genug Probleme, das Ausbrechen einer Pandemie gleicht einem Todesurteil. Hansens Pers\u00f6nlichkeit ist gepr\u00e4gt durch Ambivalenzen. Der dekorierte Veteran und Held des amerikanischen Unabh\u00e4ngigkeitskriegs ist stark belastet durch die erlebte Grausamkeit und die Lasten seiner Vergangenheit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Trotz dieser inh\u00e4renten Dunkelheit versucht der tiefgl\u00e4ubige Mann, Absolution durch N\u00e4chstenliebe und durch die spirituelle wie exekutive F\u00fchrung seiner Stadt Friendship zu erlangen. Sein F\u00fchrungsstil zeichnet sich durch Fairness und durch die Bereitschaft aus, Hilfe und Rat zu akzeptieren und umzusetzen. Dara van Dusen erschafft einen vielschichtigen Protagonisten und etabliert subtil eine Gegens\u00e4tzlichkeit zwischen Glaube und Wissenschaft, ein moralisches Dilemma zwischen Ehrlichkeit und dem Wohl der Allgemeinheit. Ausgehend von dieser vielversprechenden Pr\u00e4misse verliert sich A Prayer for the Dying aber bereits kurze Zeit sp\u00e4ter in den eigenen Ambitionen, narrativer Fragmentierung und einer manierierten Inszenierung, die echte Handlungstiefe verdr\u00e4ngt.\u00a0<\/p>\n<p>Seelenlose Symetrie<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dara van Dusen hat ein weit gr\u00f6\u00dferes Interesse an der audiovisuellen Wirkung ihres Films, als ihn substanziell zu unterf\u00fcttern. Die Vorgeschichte ihres Helden pr\u00e4sentiert sie durch fragmentierte, halluzinatorische R\u00fcckblenden und Tr\u00e4ume. Die Inh\u00e4renz dieser d\u00fcsteren Vergangenheit bleibt lediglich angedeutet. Abseits von Jacob Hansen etabliert sie eine ganze Bagage an Figuren, f\u00fcr deren charakterliche Ausgestaltung keine Zeit bleibt und zu denen keinerlei emotionaler Bezug aufkommen will. Entsprechend bedeutungslos bleiben die zahlreich versuchten Schockmomente. W\u00e4hrend die Analogie zwischen dem langsam n\u00e4herkommenden Feuer, der ausufernden Pandemie und dem schleichenden und gleichzeitig unausweichlichen Kontrollverlust funktioniert, bleibt die finale Aufl\u00f6sung unzufriedenstellend. A Prayer for the Dying kulminiert in einem CGI-Inferno g\u00e4hnender Leere, einem metaphorischen Gang durchs Fegefeuer, der au\u00dfer der vorangegangenen bildgestalterischen Poesie keine Gravitas liefert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dara van Dusens gestalterische Ans\u00e4tze sind ambitioniert. Jede Szene ist klar kontrolliert, die Kamerafahrten sind minuti\u00f6s abgestimmt. Zentrales Framing der Figuren sowie Bildsymmetrie definieren A Prayer for the Dying. W\u00e4hrend der Film abseits des Einsatzes computergenerierter Effekte w\u00e4hrend des Finales handwerklich sehr gut aussieht, fehlt van Dusen dabei ein Alleinstellungsmerkmal. Ihre Inspiration durch Wes Anderson und Stanley Kubrick ist deutlich, allerdings ist sie dabei nicht konsequent genug mutig in Extravaganz oder Neuerfindung, um den Film allein \u00fcber seine audiovisuelle Wirkung funktionieren zu lassen. In Kombination mit einer weitgehend uninspirierten Ensembleleistung und Johnny Flynns mangelnder F\u00e4higkeit, die Ambivalenzen seines von der Vergangenheit gezeichneten Helden greifbar zu vermitteln, ger\u00e4t der Film sp\u00fcrbar ins Stocken.<\/p>\n<p>Credits<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">OT: \u201eA Prayer for the Dying\u201c<br \/>Land: Norwegen, Griechenland, UK, Schweden<br \/>Jahr: 2026<br \/>Regie: Dara van Dusen<br \/>Drehbuch: Dara van Dusen<br \/>Musik: Beate Hlavenkova<br \/>Kamera: Kate McCullough<br \/>Besetzung: Johnny Flynn, John C. Reilly, Kristine Kujath Thorp, Gustav Lindh<\/p>\n<p> Kaufen \/ Streamen<\/p>\n<p>Bei diesen Links handelt es sich um sogenannte Affiliate-Links. 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