{"id":104076,"date":"2026-04-15T14:11:13","date_gmt":"2026-04-15T14:11:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/104076\/"},"modified":"2026-04-15T14:11:13","modified_gmt":"2026-04-15T14:11:13","slug":"das-netz-der-hisbollah-in-europa-diepresse-com","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/104076\/","title":{"rendered":"Das Netz der Hisbollah in Europa \u2013 DiePresse.com"},"content":{"rendered":"<p>In Pizza\u00f6fen und Waschmaschinen waren die Drogen versteckt. 30 Tonnen Captagon-Tabletten stellte die Polizei in der Pizzeria im Flachgauer B\u00fcrmoos im Jahr 2021 sicher. Hergestellt wurden die Drogen im Libanon, \u00fcber Italien sollten sie weiter nach Saudi-Arabien geschifft werden. In der Pizzeria, gef\u00fchrt von einem libanesisch-\u00f6sterreichischen Staatsb\u00fcrger, wurden sie zwischengelagert. Acht Angeklagte fassten im Jahr 2023 mehrj\u00e4hrige Haftstrafen aus. Es war einer der gr\u00f6\u00dften F\u00e4lle von Drogenhandel, der jemals in Salzburg aufgedeckt wurde.   <\/p>\n<p>Involviert in dieses Drogengesch\u00e4ft war auch die pro-iranische Terrormiliz Hisbollah. Sie betreibt in Europa ein weites Netzwerk illegaler Gesch\u00e4fte, um sich zu finanzieren. Zwar sei die Hisbollah in den vergangenen Jahren politisch und milit\u00e4risch geschw\u00e4cht worden, schreibt die Nahost-Expertin Lina Khatib. Ihre illegalen Gesch\u00e4fte und Netzwerke in Europa seien f\u00fcr die Terrorgruppe aber ein \u201ewichtiger Rettungsanker\u201c. <\/p>\n<p>Khatib arbeitet f\u00fcr die britische Denkfabrik Chatham House und hat f\u00fcr die \u00f6sterreichische Dokumentationsstelle Politischer Islam eine Studie \u00fcber die Finanzstrukturen und illegalen Aktivit\u00e4ten der Hisbollah in Europa verfasst. Es handelt sich um die erste Studie dieser Art. Sie st\u00fctzt sich auf \u00f6ffentlich zug\u00e4ngliche Quellen wie Gerichtsakten. Am Mittwoch stellte Khatib ihre Ergebnisse bei einem Hintergrundgespr\u00e4ch in Wien vor. <\/p>\n<p>Laut Sch\u00e4tzungen betr\u00e4gt das Budget der Hisbollah j\u00e4hrlich eine Milliarde US-Dollar. Es handle sich weltweit um die \u201ereichste islamistische Terrorgruppe\u201c, sagte Khatib. Erstens wird die Hisbollah vom Iran finanziert. Zweitens habe sie \u00fcber die vergangenen Jahrzehnte ein \u201eglobales, ausgekl\u00fcgeltes und diversifiziertes\u201c gesch\u00e4ftliches Netzwerk aufgebaut, schreibt Khatib in ihrer Studie: \u201eEs reicht so weit, dass die Hisbollah Gruppen der organisierten Kriminalit\u00e4t anbietet, deren Geld professionell zu waschen.\u201c Solange die Hisbollah in Europa ihre illegalen Gesch\u00e4fte fortsetzen k\u00f6nne, werde sie ihre Operationen im Nahen Osten fortsetzen, sagte Khatib. Aufgrund der engen Verbindungen der Terrormiliz zum Iran k\u00f6nnte das im Fall einer weiteren Eskalation im Iran-Krieg auch ein Sicherheitsproblem f\u00fcr Europa werden. <\/p>\n<p>Eine der wichtigsten Einnahmequellen der Hisbollah ist der Drogenhandel. In den vergangenen Jahren spielte die Droge Captagon eine wichtige Rolle. Hergestellt wurde sie im Libanon, aber auch in Syrien w\u00e4hrend der Diktatur des Assad-Regimes. Dieses kooperierte eng mit der Hisbollah und dem Iran. Verkauft wurde die Droge etwa in Saudi-Arabien. Der umst\u00e4ndliche Schmuggel der Drogen erfolgte aber \u00fcber Europa. Denn Transporte, die aus Europa kommen, werden in Saudi-Arabien weniger streng kontrolliert als jene aus dem Libanon. <\/p>\n<p>Khatib verweist darauf, dass nach dem Sturz des Assad-Regimes 2024 die Eink\u00fcnfte aus dem Captagon-Handel f\u00fcr die Hisbollah zur\u00fcckgehen. Daher versuche die Gruppe, ihren sonstigen Drogenhandel in Europa auszubauen. M\u00f6glichkeiten dazu hat die Hisbollah durch ihre Verbindungen zu s\u00fcdamerikanischen Drogenkartellen. Bereits ab den fr\u00fchen 2000er-Jahren fing die Gruppe an, mit den Kartellen zu kooperieren. So kauft die Hisbollah Drogen, vor allem Kokain, von den Kartellen und verkauft diese in Europa weiter. Die Erl\u00f6se werden dann in legale G\u00fcter wie teure Autos und Uhren investiert und diese dann in Westafrika verkauft. Das Geld wandert in den Libanon zur\u00fcck, wo es beispielsweise f\u00fcr Waffenk\u00e4ufe verwendet wird. <\/p>\n<p>Laut der Expertin wird die Hisbollah auch als Geldw\u00e4scher f\u00fcr die Kartelle in Europa t\u00e4tig \u2013 und kassiert daf\u00fcr einen Prozentsatz der Gewinne. Auch der Kunst- und Diamantenhandel und der Handel mit Kryptow\u00e4hrungen seien wichtige Standbeine der Terrorgruppe. Khatib geht davon aus, dass die Hisbollah in Europa weiter Fu\u00df fassen k\u00f6nnte. <\/p>\n<p>\u00d6sterreich sei zwar nicht der zentrale Umschlagsplatz f\u00fcr die Gruppe, schilderte Khatib. Als Nachbarland von Deutschland, einem der wichtigsten L\u00e4nder f\u00fcr die Hisbollah-Gesch\u00e4fte, k\u00f6nnte aber auch \u00d6sterreich wieder in den Fokus r\u00fccken. Auf die Bedrohungen sieht Khatib Europa derzeit nicht ausreichend vorbereitet. Ein gro\u00dfes Problem sei, dass nur manche Staaten wie Deutschland und die Niederlande in Europa die Hisbollah in ihrer Gesamtheit als Terrororganisation einstufen. Andere Staaten wie Frankreich und \u00d6sterreich stufen nur den milit\u00e4rischen, nicht aber den politischen Fl\u00fcgel der Terror-Miliz als Terrororganisation ein. Khatib lehnt diese Unterscheidung aufgrund der engen Verzahnung dieser Fl\u00fcgel ab. <\/p>\n<p>Der unterschiedliche Zugang f\u00fchre zu Problemen bei der Strafverfolgung und der Kooperation der Beh\u00f6rden, sagt Khatib. So muss in manchen Staaten nachgewiesen werden, dass sichergestellte Finanzmittel dem milit\u00e4rischen Fl\u00fcgel der Hisbollah zugutekommen, was zu Beweisproblemen f\u00fchren kann. Auch kann die Hisbollah in L\u00e4ndern, in denen sie nur teilweise verboten ist, ihren Machenschaften leichter nachgehen. In \u00d6sterreich konnte etwa ein Hisbollah-Mitglied 13 Jahre lang zahlreiche Personen f\u00fcr die Gruppe anwerben. Er wurde 2021 in Klagenfurt zu mehreren Jahren Haft verurteilt. <\/p>\n<p>Ferdinand Haberl, Vize-Leiter der Dokumentationsstelle Politischer Islam, fordert in Reaktion auf die Studie, dass \u00d6sterreich sein Vereinsgesetz und weitere Gesetze evaluieren solle. Haberl begr\u00fc\u00dfte auch die Forderung des Innenausschusses des Nationalrats, eine Pr\u00fcfung zur Schlie\u00dfung des Iran-nahen Imam-Ali-Zentrum in Wien einzuleiten. Man m\u00fcsse sich \u00fcberlegen, ob man radikale und antisemitische Ideologien in \u00d6sterreich haben wolle. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"In Pizza\u00f6fen und Waschmaschinen waren die Drogen versteckt. 30 Tonnen Captagon-Tabletten stellte die Polizei in der Pizzeria im&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":104077,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[76,75,74,1519],"class_list":{"0":"post-104076","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-europa","8":"tag-eu","9":"tag-europa","10":"tag-europe","11":"tag-extremismus"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@at\/116409131657014489","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/104076","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=104076"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/104076\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media\/104077"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=104076"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=104076"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=104076"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}