{"id":104354,"date":"2026-04-15T16:54:05","date_gmt":"2026-04-15T16:54:05","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/104354\/"},"modified":"2026-04-15T16:54:05","modified_gmt":"2026-04-15T16:54:05","slug":"stiftungsrat-schiesst-sich-auf-ingrid-thurnher-ein-diepresse-com","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/104354\/","title":{"rendered":"Stiftungsrat schie\u00dft sich auf Ingrid Thurnher ein \u2013 DiePresse.com"},"content":{"rendered":"<p>Der Bericht \u00fcber den mittlerweile gek\u00fcndigten ORF-Generaldirektor zieht weite Kreise. Auch oder gerade weil er sicher in einem Safe liegt \u2013 und da auch bleiben wird. Viele wollen ihn nat\u00fcrlich sehen, zuv\u00f6rderst die gro\u00dfe Runde der Stiftungsr\u00e4te. Es gibt aber gute Gr\u00fcnde, warum er nur einer einzigen Person vorgelegt wurde.<\/p>\n<p>Und zwar rechtliche Gr\u00fcnde. Es sei \u201evon den involvierten Personen vor Beginn der Untersuchung verlangt worden, dass der Bericht vertraulich zu behandeln ist, das war Grundlage der Untersuchung\u201c, erfuhr die \u201ePresse\u201c dazu vom Wiener Rechtsanwalt Christopher Schrank. Immerhin ist man bei einer solchen Untersuchung angewiesen auf offene Aussagen und die Vorlage peinlichen Materials. Man habe sich darauf \u201egeeinigt, dass ausschlie\u00dflich die Generaldirektorin den Bericht bekommt und er nicht weitergegeben werden darf. An niemanden\u201c, so Schrank, der die Untersuchung mit zwei anderen durchf\u00fchrte. Ingrid Thurnher ist also die einzige Person, die den Bericht bekam. <\/p>\n<p>Was in der Causa Wei\u00dfmann besonders heikel ist. Denn zu Beginn wurde ja in einer Aussendung der Stiftungsratsspitze der Vorwurf der sexuellen Bel\u00e4stigung publik gemacht. Ein anderes Ergebnis w\u00e4re freilich f\u00fcr den ORF sehr viel angenehmer gewesen. Denn so wird Wei\u00dfmann gegen seinen langj\u00e4hrigen Arbeitgeber mit besseren Chancen vor Gericht gehen. <\/p>\n<p>Am Ergebnis l\u00e4sst Schrank keinen Zweifel aufkommen: Bei der Untersuchung sei \u201esofort\u201c klar gewesen, dass keine sexuelle Bel\u00e4stigung im Sinn des Strafrechts vorliege, also pr\u00fcfte man im Sinn des Gleichbehandlungsgesetzes. Dort gilt ein reduzierter Beweisma\u00dfstab: \u201eMan muss nur mit mehr als 50 Prozent Wahrscheinlichkeit\u201c zu dem Schluss kommen, dass etwas so passiert sei. Aber auch das habe sich durch eine Gesamtbetrachtung nicht erf\u00fcllt, weil es keinen beruflichen Konnex gab und sich \u2013 bei einer Gesamtbetrachtung \u2013 nicht zeigte, dass das Verhalten unerw\u00fcnscht war. \u201eDie Frau legte nicht die ganzen Chats vor, manches reichte sie nach, aber immer unvollst\u00e4ndig\u201c, so Schrank.<\/p>\n<p>Aus welchen Gr\u00fcnden auch immer einzelne Stiftungsr\u00e4te den Bericht gern gelesen h\u00e4tten: Gregor Sch\u00fctze, der stellvertretende Vorsitzende des Stiftungsrats, zeigte sich besonders erbost davon, dass das Schriftst\u00fcck dort nicht vorgelegt wurde. <\/p>\n<p>Erst am Dienstag kritisierte der \u00d6VP-Fraktionssprecher, wie der \u201eStandard\u201c berichtet, eine \u201evollst\u00e4ndige Unterdr\u00fcckung\u201c des Berichts. Kein freundschaftlicher Akt. Wird Thurnher vom Stiftungsrat unter Beschuss genommen? Dieses Bild zeigt sich auch aus anderen Gr\u00fcnden: Vieles wird dieser Tage Journalisten vom K\u00fcniglberg oder dem Stiftungsrat zugetragen. Im allgemeinen Raunen besonders laut: Thurnher werde vom Stiftungsrat doch nicht mehr f\u00fcr so f\u00e4hig gehalten wie gerade eben. Es ist nicht lange her, da wurde sie von ihm noch mit Lorbeeren bedacht, ihre Wahl als Interimschefin am 12. M\u00e4rz war einstimmig. <\/p>\n<p>Aber ein politisch besetzter Stiftungsrat hat kein gesteigertes Interesse an einer Frau auf dem Chefsessel, die nicht \u00fcber die \u00fcblichen Spie\u00dfrutenl\u00e4ufe ins Amt kam. Eine Frau, die politisch vielleicht nicht so leicht zu beeinflussen ist \u2013 und m\u00f6glicherweise l\u00e4nger bleiben k\u00f6nnte als nur bis zur n\u00e4chsten Wahl. Thurnher hat sich in der Frage, ob sie im Sommer als Generaldirektorin zur Wahl stehen wird, noch nicht ge\u00e4u\u00dfert.<\/p>\n<p>Und dann ist da noch diese OTS, die sehr, sehr teuer werden k\u00f6nnte. Jene Aussendung, die Lederer und Sch\u00fctze unter ihrem Namen verschickt haben und in der die Vorw\u00fcrfe der sexuellen Bel\u00e4stigung gegen Wei\u00dfmann \u00f6ffentlich gemacht wurden. Wie kam der Text zustande? Hierzu gibt es Angaben, die weit voneinander entfernt sind. Sch\u00fctze sagt dazu nun gegen\u00fcber der \u201ePresse\u201c: \u201eDie Formulierungen entstanden aus klarer anwaltlicher Empfehlung seitens des Rechtsanwalts Dr. Gerlach. Beteiligt waren Ingrid Thurnher, Stefanie Groiss-Horowitz, Eva Schindlauer, Harald Kr\u00e4uter, Josef Lusser, Martin Biedermann, Heinz Lederer, Gregor Sch\u00fctze, Ewald Aschauer und Rechtsanwalt Gerlach.\u201c Aus dem ORF h\u00f6rt man allerdings von verschiedenen Quellen, dass die OTS keinesfalls eine Zusammenarbeit war, sondern ein Mann bei der Aussendung federf\u00fchrend. Und zwar der Vorsitzende des Stiftungsrats, Heinz Lederer. <\/p>\n<p>Die Frage, wer hier wie involviert war, k\u00f6nnte auch juristische Folgen haben. Unterzeichnet ist die \u201evoreilige Ver\u00f6ffentlichung ungepr\u00fcfter Vorw\u00fcrfe\u201c, wie Arbeitsrechtsexpertin K\u00f6rber-Risak die Aussendung k\u00fcrzlich nannte, nur von Lederer und Sch\u00fctze. K\u00f6rber-Risak argumentierte deshalb schon vor einigen Tagen: Wenn Wei\u00dfmann Schadensersatzanspr\u00fcche gegen das Haus erheben sollte, dann k\u00f6nne sich der ORF \u00fcberlegen, einen Regressanspruch gegen die beiden geltend zu machen. Fragt sich: Wer w\u00fcrde das entscheiden? Ein neuer ORF-Chef, den der Stiftungsrat w\u00e4hlt?<\/p>\n<p>Die ORF-Journalisten haben derweil einen ernsthaften Schritt gesetzt und sprechen vier Mitgliedern des Stiftungsrats in einer Resolution das Misstrauen aus, namentlich Heinz Lederer, Gregor Sch\u00fctze, Peter Westenthaler und Thomas Prantner. Der ORF sei \u201ein einer schweren Krise\u201c, der mit Entpolitisierung und Aufkl\u00e4rung begegnet werden m\u00fcsse. Gefordert wird eine Neuaufstellung des Gremiums. Und: Man unterst\u00fctze das Bem\u00fchen um l\u00fcckenlose Aufkl\u00e4rung durch\u00a0Thurnher. Diese d\u00fcrfe \u201eweder von innen noch von au\u00dfen behindert werden\u201c.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Der Bericht \u00fcber den mittlerweile gek\u00fcndigten ORF-Generaldirektor zieht weite Kreise. 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