{"id":105016,"date":"2026-04-16T00:21:12","date_gmt":"2026-04-16T00:21:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/105016\/"},"modified":"2026-04-16T00:21:12","modified_gmt":"2026-04-16T00:21:12","slug":"nahost-die-kalkulierte-strategie-den-iran-in-eine-zwickmuehle-zu-bringen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/105016\/","title":{"rendered":"Nahost: Die \u201ekalkulierte Strategie\u201c, den Iran in eine Zwickm\u00fchle zu bringen"},"content":{"rendered":"<p>Erstmals seit Jahrzehnten verhandeln Israel und der Libanon bei einem offiziellen Treffen \u00fcber eine Entwaffnung der Hisbollah. Die Miliz hat angek\u00fcndigt, dass sie weiterk\u00e4mpfen wird. Der Iran steht nun vor einem Dilemma \u2013 mit potenziellen Folgen f\u00fcr die ganze Region.<\/p>\n<p class=\"is-first-paragraph\" data-external=\"Article.FirstParagraph\">Man habe sich wieder \u201eauf die Wurzeln\u201c der Organisation besonnen, sagt der Kommandeur der <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/themen\/hisbollah\/\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/themen\/hisbollah\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Hisbollah<\/a>. Um der technischen \u00dcberlegenheit der \u201eZionisten\u201c zu begegnen und den Kampf fortsetzen zu k\u00f6nnen. Weil Israels Geheimdienste den Mobilfunk und andere Kommunikation \u00fcberwachen, w\u00fcrden Befehle teils \u201ehandschriftlich per Motorradkurier\u201c von Einheit zu Einheit \u00fcberbracht. Auch verwende die F\u00fchrung nur alte und abh\u00f6rsichere Funkger\u00e4te, sagt der 62-j\u00e4hrige Mann, der den Kampfnamen \u201eDschihad\u201c tr\u00e4gt, in einem Interview des <a class=\"is-link c-block-items__link is-external c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.npr.org\/\" target=\"_blank\" title=\"Link wird in einem neuen Tab ge\u00f6ffnet\" rel=\"nofollow noopener\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.npr.org\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\">US-Radiosenders NPR<\/a>. <\/p>\n<p>Ihren Nachschub an Raketen und anderen Waffen decke die Hisbollah teils durch \u201elokale Produktion\u201c tief unter der Erde, sagt der Kommandeur, man k\u00f6nne heutzutage die Herstellung von \u201efast allem\u201c \u00fcber das Internet lernen. Anderes Material werde importiert, etwa jene Panzer-Abwehr-Raketen aus iranischer Produktion, die \u00fcber zehn Kilometer genau treffen und kaum abgefangen werden k\u00f6nnen. \u201eEs gibt nichts, was man nicht \u00fcber <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/themen\/syrien-konflikt\/\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/themen\/syrien-konflikt\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Syrien<\/a> schmuggeln kann\u201c, sagt der Kommandeur. <\/p>\n<p>Mit einem Lachen erw\u00e4hnt er dann noch den Aufruf von Libanons Regierung, dass die Hisbollah sich entwaffnen m\u00fcsse. Ja, man habe offiziell schon Ausr\u00fcstung abgegeben, aber das seien vor allem \u201eleere Kisten\u201c gewesen. <\/p>\n<p>Es ist selten, dass ein Kommandeur der Hisbollah so offen spricht, zumal mit einem amerikanischen Medium. Der Zeitpunkt seiner Aussagen, die sich mit Recherchen internationaler Medien weitgehend decken, ist aber kein Zufall. <\/p>\n<p>Am Dienstagabend empf\u00e4ngt US-Au\u00dfenminister <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/themen\/marco-rubio\/\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/themen\/marco-rubio\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Marco Rubio <\/a>die libanesische Botschafterin Nada Hamadeh Moawad und ihren israelischen Kollegen Yechiel Leiter im Au\u00dfenministerium in Washington. Es ist der erste offizielle Kontakt beider L\u00e4nder seit Jahrzehnten. Der Libanon erkennt den j\u00fcdischen Staat nicht an, offiziell sind beide L\u00e4nder im Krieg. Man kann das Treffen als historisches Ereignis bezeichnen \u2013 zu dem die Hisbollah demonstrieren will, dass sie weiter k\u00e4mpfen kann und wird. <\/p>\n<p>Das Treffen in Washington findet auf Druck von US-Pr\u00e4sident <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/themen\/donald-trump\/\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/themen\/donald-trump\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Donald Trump<\/a> statt, der auf einen diplomatischen Ausweg aus dem Krieg gegen den Iran dr\u00e4ngt. Das Regime in Teheran hatte zur Bedingung f\u00fcr weitere Gespr\u00e4che gemacht, dass Israel seine Angriffe auf die mit dem Iran verb\u00fcndete Miliz im Libanon einstellt. <\/p>\n<p>Laut einem hochrangigen US-Diplomaten, zitiert in <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/themen\/israel-politik\/\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/themen\/israel-politik\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Israels<\/a> regierungsnaher Zeitung \u201eIsrael Hayom\u201c, ist das langfristige Ziel der Gespr\u00e4che, die Hisbollah zu entwaffnen und den Libanon in die Friedensvertr\u00e4ge der <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/politik\/ausland\/article218126202\/Friedensabkommen-mit-Israel-Das-heikle-Coming-out-der-Golfaraber.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/politik\/ausland\/article218126202\/Friedensabkommen-mit-Israel-Das-heikle-Coming-out-der-Golfaraber.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Abraham-Abkommen<\/a> zwischen Israel und arabischen Staaten einzubinden. Aber ein solcher Durchbruch ist nicht in Sicht. Zu unterschiedlich sind die Zw\u00e4nge und Interessen der beteiligten Akteure.  <\/p>\n<p>Der Libanon ist kaum handlungsf\u00e4hig <\/p>\n<p><a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/debatte\/article69b5daea17184da7cffd9e48\/zerrissenes-land-im-schatten-des-iran-steuert-der-libanon-auf-eine-katastrophe-zu.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/debatte\/article69b5daea17184da7cffd9e48\/zerrissenes-land-im-schatten-des-iran-steuert-der-libanon-auf-eine-katastrophe-zu.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Libanons Premierminister Nawaf Salam<\/a> verk\u00fcndete, sein Land werde sich \u201ef\u00fcr ein Ende des Krieges\u201c sowie \u201ef\u00fcr einen Abzug der israelischen Truppen\u201c einsetzen. Der Druck ist hoch, seine Bev\u00f6lkerung leidet: Rund 600.000 Menschen aus dem S\u00fcdlibanon sind auf der Flucht. Israels Armee ist im Gebiet s\u00fcdlich des Litani-Flusses mit Bodentruppen im Einsatz und errichtet eine Pufferzone. Vor einer Woche hatte die Luftwaffe in noch nie dagewesenem Ausma\u00df Ziele in der Hauptstadt Beirut bombardiert.<\/p>\n<p>Zwar hatte sich Libanons Regierung bereits vor Monaten von der Hisbollah distanziert und ihre Entwaffnung gefordert. Diese Auffassung teilen viele Menschen im Libanon, die genug davon haben, in einen Krieg hineingezogen zu werden, den sie nicht selbst f\u00fchren. <\/p>\n<p>Aber die Hisbollah ist ein m\u00e4chtiger Staat im Staate. Die Miliz beherrscht den S\u00fcden des Landes nicht nur milit\u00e4risch, sondern auch fast alle Lebensbereiche der schiitischen Bev\u00f6lkerung, darunter Unternehmen, Schulen und Infrastruktur wie Tankstellen. Analysten sind sich zudem einig, dass die staatliche Armee des Libanon nicht stark genug w\u00e4re, um gegen die Islamisten vorzugehen. <\/p>\n<p>Erst am Wochenende hatte Israels Premier <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/themen\/benjamin-netanjahu\/\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/themen\/benjamin-netanjahu\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Benjamin Netanjahu <\/a>seine Soldaten im Libanon besucht. In Schutzweste und Helm sagte er, der Krieg werde noch weiter andauern, um die Gefahr des Beschusses von israelischen Ortschaften durch die Miliz einzud\u00e4mmen. \u201eEs gibt noch viel zu tun, und wir tun es\u201c, sagte Netanjahu. <\/p>\n<p>Israels Strategen wissen jedoch, dass eine rein milit\u00e4rische L\u00f6sung kaum Aussicht auf anhaltenden Erfolg hat. Bereits in den 1980er-Jahren war Israel in den Libanon einmarschiert, damals griffen pal\u00e4stinensische Gruppen von dort an. Israel hielt den S\u00fcden fast zwei Jahrzehnte lang besetzt. <\/p>\n<p>Koordinierte Explosion von Pagern<\/p>\n<p>In der Folge entstand die Hisbollah, die sich als Widerstand gegen die Besatzung inszenierte und politisch von Israels Pr\u00e4senz profitierte. Die Erinnerungen an Gefechte in dem h\u00fcgeligen Gel\u00e4nde sind bis heute traumatisch. Erst am Montag wurde ein israelischer Offizier im S\u00fcdlibanon bei einem Angriff auf sein gepanzertes Fahrzeug get\u00f6tet. <\/p>\n<p>Zwar hatte Israel gro\u00dfe Erfolge gegen die Hisbollah erzielt. Im Herbst 2024 gelang ihnen die T\u00f6tung des langj\u00e4hrigen Anf\u00fchrers Hassan Nasrallah. Mit der koordinierten Explosion von Pagern wurde nahezu die gesamte F\u00fchrungsriege ausgeschaltet \u2013 der <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/themen\/mossad\/\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/themen\/mossad\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Mossad<\/a> hatte die mit Sprengstoff gef\u00fcllten Ger\u00e4te \u00fcber eine eigens gegr\u00fcndete Firma an die Miliz verkauft. Aber jetzt, fast zwei Jahre sp\u00e4ter, schie\u00dft sie noch immer auf zivile Ziele in Israel und rekrutiert immer neue K\u00e4mpfer. <\/p>\n<p>Seit die Hisbollah am 2. M\u00e4rz mit Angriffen auf Israel in den Iran-Krieg eingetreten war, sind es t\u00e4glich etwa 30 Attacken, vor allem mit Raketen und Drohnen. Etwa 70 Prozent zielen auf die israelischen Gemeinden an der Grenze, andere erreichen St\u00e4dte wie Haifa.<\/p>\n<p>Nur kurz lie\u00dfen die Angriffe nach, als die USA und der <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/themen\/iran-politik\/\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/themen\/iran-politik\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Iran<\/a> vergangene Woche eine Waffenruhe ank\u00fcndigten. Das zeigt eine Auswertung des israelischen Alma Research Centers. Laut einer Recherche der Nachrichtenagentur Reuters verf\u00fcgte die Hisbollah zur Wiederaufr\u00fcstung vor dem Iran-Krieg \u00fcber rund 50 Millionen Dollar monatlich, der Gro\u00dfteil des Geldes kam aus Teheran. <\/p>\n<p>Im Norden Israels sei noch immer kein normales Leben m\u00f6glich, sagte der Unternehmer Nissan Zeevi aus dem Kibbuz Kfar Giladi nahe der libanesischen Grenze k\u00fcrzlich vor Journalisten. \u201eWenn sie wollen, k\u00f6nnen sie direkt in mein K\u00fcchenfenster schie\u00dfen.\u201c<\/p>\n<p>Laut einer aktuellen Umfrage des israelischen Senders Channel 12 f\u00fchlen sich im n\u00f6rdlichen Israel 65 Prozent der Menschen von der Politik im Stich gelassen. Entsprechend hoch ist der Druck auf die Regierung Netanjahu, das Hisbollah-Problem zu l\u00f6sen \u2013 zumal mit Blick auf die Wahlen im Herbst.<\/p>\n<p>Das Dilemma des Iran<\/p>\n<p>Aus Sicht des Iran steht mit der Hisbollah die gesamte Architektur seiner Stellvertreter in der Region auf dem Spiel, darunter die Huthis im Jemen und die Milizen im Irak. W\u00fcrde Teheran die Hisbollah aus den Waffenstillstands-Gespr\u00e4chen ausklammern, wie von den USA und Israel verlangt, k\u00f6nnte das die gegenseitige Unterst\u00fctzung infrage stellen \u2013 und damit Teherans Konzept, dass Angriffe auf den Iran immer Gegenreaktionen in der gesamten Region ausl\u00f6sen. <\/p>\n<p>Aber Teheran steht noch vor einem anderen Dilemma, schreibt Iran-Experte <a class=\"is-link c-block-items__link is-external c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.swp-berlin.org\/wissenschaftler-in\/hamidreza-azizi\" target=\"_blank\" title=\"Link wird in einem neuen Tab ge\u00f6ffnet\" rel=\"nofollow noopener\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.swp-berlin.org\/wissenschaftler-in\/hamidreza-azizi&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\">Hamidreza Azizi, Gastwissenschaftler bei der Deutschen Gesellschaft f\u00fcr Wissenschaft und Politik<\/a>. Das Regime m\u00fcsse zwei sich widersprechende innenpolitische Interessen ausbalancieren: Einerseits sei Irans Bev\u00f6lkerung kriegsm\u00fcde und unterst\u00fctze mehrheitlich eine Waffenruhe, andererseits fordere die hoch ideologische und gut organisierte Basis des Machtapparates, die Hisbollah zu unterst\u00fctzen. Es sei m\u00f6glich, dass sich die USA und Israel das zunutze machen wollten, indem sie keine Bereitschaft zeigten, den Libanon in ein Abkommen f\u00fcr eine Waffenruhe einzubeziehen. <\/p>\n<p>In Teheran interpretierten Analysten die Situation zunehmend als \u201ekalkulierte Strategie\u201c, den Iran in eine \u201eZwickm\u00fchle\u201c zu bringen, schreibt Azizi auf dem meist gut \u00fcber das <a class=\"is-link c-block-items__link is-external c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/amwaj.media\/en\/media-monitor\/irans-lebanon-dilemma-has-tehran-abandoned-hezbollah\" target=\"_blank\" title=\"Link wird in einem neuen Tab ge\u00f6ffnet\" rel=\"nofollow noopener\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/amwaj.media\/en\/media-monitor\/irans-lebanon-dilemma-has-tehran-abandoned-hezbollah&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\">Regime informierten Portal amwaj.media.<\/a> Die Logik dahinter sei: Sollte der Iran als Reaktion auf israelische Angriffe milit\u00e4risch wieder eskalieren, riskiere er, \u201einnenpolitisch f\u00fcr den Bruch des Waffenstillstands verantwortlich gemacht zu werden\u201c. Im Iran werde nun die Frage diskutiert, ob man die \u201eFronten entkoppeln\u201c k\u00f6nne\u00a0\u2013 also weitere Verhandlungen mit den USA bei anhaltenden Gefechten mit Israel. <\/p>\n<p>Bisher ist in dieser verzwickten Lage nur eines sicher: Israel kommt mit direkten Gespr\u00e4chen mit dem Libanon dem Wunsch von US-Pr\u00e4sident Trump nach einer Deeskalation zumindest teilweise nach, aber ohne die K\u00e4mpfe gegen die Hisbollah einstellen zu m\u00fcssen. Dabei erh\u00f6ht Jerusalem den diplomatischen Druck auf die Regierung in Beirut, die aber gar nicht \u00fcber die Mittel verf\u00fcgt, um gegen die Miliz vorzugehen.  <\/p>\n<p>Laut einer Einsch\u00e4tzung des israelischen <a class=\"is-link c-block-items__link is-external c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/israel-alma.org\/\" target=\"_blank\" title=\"Link wird in einem neuen Tab ge\u00f6ffnet\" rel=\"nofollow noopener\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/israel-alma.org\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\">Alma Research Centers<\/a> w\u00e4re eine Vereinbarung mit dem Libanon dann auch das \u201ePapier nicht wert, auf dem sie steht\u201c, solange Beirut nicht Vertreter der Hisbollah aus seiner Regierung entfernt, die iranische Botschaft schlie\u00dft und mithilfe der internationalen Gemeinschaft die Finanzstr\u00f6me und Schmuggelrouten austrocknet. <\/p>\n<p>Nur: Damit dieses Szenario Chancen hat, m\u00fcsste die Miliz im Libanon noch mehr an R\u00fcckhalt in der Bev\u00f6lkerung verlieren. Eine andere L\u00f6sung w\u00e4re, dass die Hisbollah sich auf l\u00e4ngere Sicht politisch vom Iran lossagt und im Libanon ihre eigenen Interessen vertritt. Dann w\u00e4re das Problem zwar nicht gel\u00f6st, aber die Miliz h\u00e4tte gute Gr\u00fcnde, den Beschuss auf Israel einzustellen. <\/p>\n<p><a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/autor\/philip-volkmann-schluck\/\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/autor\/philip-volkmann-schluck\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Philip Volkmann-Schluck,<\/a> Leitender Redakteur im Ressort Au\u00dfenpolitik, berichtet f\u00fcr WELT \u00fcber internationale Politik mit einem besonderen Fokus auf den Nahen Osten, China und S\u00fcdosteuropa.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Erstmals seit Jahrzehnten verhandeln Israel und der Libanon bei einem offiziellen Treffen \u00fcber eine Entwaffnung der Hisbollah. 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