{"id":105327,"date":"2026-04-16T05:15:20","date_gmt":"2026-04-16T05:15:20","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/105327\/"},"modified":"2026-04-16T05:15:20","modified_gmt":"2026-04-16T05:15:20","slug":"eu-nach-abwahl-orbans-tschechien-und-slowakei-als-neue-blockierer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/105327\/","title":{"rendered":"EU nach Abwahl Orbans: Tschechien und Slowakei als neue Blockierer?"},"content":{"rendered":"<p>            <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"ts-image\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/fico-babis-102.jpg\" alt=\"Robert Fico und Andrej Babis\" title=\"Robert Fico und Andrej Babis | REUTERS\"\/><\/p>\n<p class=\"metatextline\">Stand: 15.04.2026 \u2022 19:03 Uhr<\/p>\n<p class=\"article-head__shorttext\">\n        Mit der Wahlniederlage Orbans endet die prorussische Blockadepolitik Ungarns in der EU. Werden Tschechien und die Slowakei nun diese Rolle \u00fcbernehmen? Russland jedenfalls d\u00fcrfte seinen Fokus der Einflussnahme umlenken.\n    <\/p>\n<p>                                    <a class=\"authorline__link\" href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/korrespondenten\/marianne-allweiss-101.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><br \/>\n                                        <img decoding=\"async\" class=\"authorline__img\" alt=\"Marianne Allweiss\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/allweiss-101.jpg\"\/><br \/>\n                                    <\/a><\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\"><a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/ausland\/europa\/eu-gipfel-orban-102.html\" title=\"EU-Gipfel beginnt mit Kritik an Orban wegen Ukraine-Blockade\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Ungarns Blockadepolitik<\/a> in der Europ\u00e4ischen Union d\u00fcrfte mit der Abwahl Viktor Orbans Geschichte sein. Die Ukraine <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/ausland\/ukraine-ungarn-hilfen-100.html\" title=\"FAQ: Was Magyars Wahlsieg in Ungarn f\u00fcr die Ukraine \u00e4ndert\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">kann auf frische Kredite hoffen<\/a>. Und Russland verliert seinen wichtigsten Verb\u00fcndeten in der EU. Moskau wird nicht in Feierlaune sein.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Aber auch in Tschechien und der Slowakei d\u00fcrften die Regierungschefs Andrej Babis und Robert Fico besorgt sein. Denn der Sieg des Pro-Europ\u00e4ers Peter Magyar in Ungarn zeigt: Populisten k\u00f6nnen abgew\u00e4hlt werden. Selbst der gr\u00f6\u00dfte von ihnen, der den Umbau einer Demokratie in einen illiberalen Staat mitten in Europa betrieb und das Drehbuch f\u00fcr den Aufstieg vieler nationalistischer Kr\u00e4fte lieferte.<\/p>\n<p>    Sorge bei tschechischen Orban-Freunden<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Orban hatte viele Fans in Tschechien, besonders in der aktuellen Regierung. Seit Dezember geben in Prag rechtsgerichtete EU-Kritiker den Ton an. Sie verfolgen eine &#8222;Light-Version&#8220; des ungarischen Ministerpr\u00e4sidenten &#8211; mit Angriffen auf die Zivilgesellschaft, unabh\u00e4ngige Medien und die freie Kultur.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Besonders der kleinste <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/ausland\/europa\/tschechien-koalitionsvertrag-100.html\" title=\"Rechtsb\u00fcndnis in Tschechien unterschreibt Koalitionsvertrag\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Regierungspartner, die Motoristen<\/a>, unterst\u00fctzte Orban. Filip Turek, Ehrenpr\u00e4sident der Partei, hielt Orban f\u00fcr einen Freiheitsk\u00e4mpfer wie Vaclav Havel. Die neue ungarische F\u00fchrung werde nun rein nach Br\u00fcsseler Vorgaben handeln: &#8222;Ich bef\u00fcrchte, dass wir einen sehr starken Verb\u00fcndeten in Br\u00fcssel verloren haben.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Die Motoristen sitzen im EU-Parlament mit Orbans Partei in der Rechtsau\u00dfen-Fraktion der Patrioten f\u00fcr Europa, genau wie die ANO-Partei von Tschechiens Premier Babis. Der Populist hatte zur Wahl von Orban aufgerufen.<\/p>\n<p>    Keine pro-russische Blockade-Politik aus Prag<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Nun freue er sich aber auf die Zusammenarbeit mit Orbans Nachfolger Magyar, erkl\u00e4rte Babis. Er betreibe eine Politik zum Wohl der Tschechischen Republik: &#8222;Dazu werde ich mit jedem zusammenarbeiten.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Der tschechische Orban- und Trump-Fan will nur noch die eigene Bev\u00f6lkerung unterst\u00fctzen. Milit\u00e4rhilfe f\u00fcr Kiew lehnt Babis ab. So wie Ungarn und die Slowakei b\u00fcrgt auch sein Land nicht f\u00fcr den Ukraine-Kredit der EU.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Anders als seine Koalitionspartner, zu der auch die rechtsextreme SPD z\u00e4hlt, \u00e4u\u00dfert sich der geb\u00fcrtige Slowake jedoch nicht russlandfreundlich. Au\u00dfenpolitische Entscheidungen in Br\u00fcssel hat Babis nicht blockiert. Der milliardenschwere Unternehmer verfolgt Gesch\u00e4ftsinteressen in halb Europa, auch in Deutschland.<\/p>\n<p>Visegrad-B\u00fcndnis<\/p>\n<p>        Das lose Kooperationsforum ist nach der ungarischen Stadt Visegrad benannt, wo es am 15. Februar 1991 von den Pr\u00e4sidenten Ungarns, Polens und der damaligen Tschechoslowakei, die 1993 in zwei Staaten zerfiel, gegr\u00fcndet wurde. Hauptziel war der gemeinsame Beitritt der Teilnehmerl\u00e4nder zur Europ\u00e4ischen Union. In der EU sollten dann gemeinsam Interessen durchgesetzt werden. <\/p>\n<p>Im Jahr 2000 wurde das Forum durch seine bis heute einzige formelle Institution erg\u00e4nzt, den Visegrad-Fonds mit Sitz im slowakischen Bratislava. Er f\u00f6rdert grenz\u00fcberschreitende Regionalprojekte und vergibt Stipendien. Das B\u00fcndnis funktioniert formlos. Die Visegrad-Gruppe lebt von regelm\u00e4\u00dfigen Treffen ihrer Regierungschefs und Staatspr\u00e4sidenten in dem Land, das gerade den Vorsitz innehat.\n    <\/p>\n<p>    Isolation von Tschechien und der Slowakei?<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Die tschechischen Regierungspolitiker h\u00e4tten in Ungarn auf die falsche Karte gesetzt, kritisiert der Oppositionspolitiker Petr Sokol von der konservativen ODS. Das werde in Ungarn in Erinnerung bleiben.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">&#8222;Der Sieger Magyar f\u00e4hrt nicht nach Prag. Er f\u00e4hrt zuerst nach Warschau. Der Schwerpunkt der mitteleurop\u00e4ischen Visegrad-Staaten verlagert sich auf die Achse Budapest-Warschau.&#8220; Prag und das benachbarte Bratislava k\u00f6nnten als Tandem in der Region und in der EU in die Isolation geraten, so die Sorge.<\/p>\n<p>    Gibt Fico den neuen Orban?<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Das gelte besonders dann, wenn der slowakische Premier Fico aus dem Schatten von Orban heraustrete und weiterhin auf Konfrontation mit Br\u00fcssel setze, warnt der slowakische Oppositionsf\u00fchrer Michal Simecka. Robert Fico werde mit seinen prorussischen Positionen allein dastehen. Er sei enorm geschw\u00e4cht.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Doch die wichtigste Lehre der Ungarn-Wahl sei: &#8222;Ver\u00e4nderung ist m\u00f6glich, auch wenn ein Rechtsstaat verbogen ist und ein Staat oligarchisiert ist.&#8220; In Ungarn und, so die Hoffnung, auch in der Slowakei bei der Parlamentswahl im Jahr 2027.<\/p>\n<p>    Historische Konflikte flammen auf<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Fico, der eine linke Sozial- und Wirtschaftspolitik mit Rechtspopulismus kombiniert, gratulierte dem ungarischen Wahlsieger schriftlich. Er sei an freundschaftlichen Beziehungen interessiert. Beobachter erwarten allerdings, dass sich die Beziehungen zwischen den L\u00e4ndern verschlechtern werden. Historische Konflikte \u00fcber Vertreibungen und Enteignungen flammen bereits wieder auf. Etwa \u00fcber die Benes-Dekrete nach dem Zweiten Weltkrieg, so Milan Nic, Slowakei-Experte der Deutschen Gesellschaft f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Politik. Innenpolitisch verantworte Fico zahlreiche Verwerfungen, darunter Korruption und Verst\u00f6\u00dfe gegen die Rechtsstaatlichkeit.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Doch f\u00fcr die EU sei ein Ende der Vetopolitik in Sicht. Denn ohne Orban werde Fico ein anderer Akteur sein. Die Slowakei stehe unter gro\u00dfem Spardruck. Einen offenen Konflikt mit der EU-Kommission und ausbleibende EU-Gelder k\u00f6nne sich Bratislava nicht leisten. Bis zum vergangenen Jahr sei die Slowakei ohnehin eher proeurop\u00e4isch und pragmatisch eingestellt gewesen, erl\u00e4utert Nic.<\/p>\n<p>    Umlenken russischer Einflussversuche<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">In einem Punkt bleibt Fico jedoch hart: beim russischen Gas und \u00d6l. Br\u00fcssel m\u00fcsse daf\u00fcr sorgen, dass die Ukraine die Druschba-Pipeline instand setze, fordert er. Die Slowakei und Ungarn sind nach wie vor von russischen Rohstoffen abh\u00e4ngig. Der designierte ungarische Regierungschef will das \u00e4ndern.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Daher d\u00fcrften nun russische Einflussversuche in der Slowakei zunehmen, erwartet der slowakische Investigativ-Journalist Arpad Soltesz. Mit Ungarn habe Russland sein wichtigstes Projekt und Einflusstor in der EU verloren. Das sei eine schlechte Nachricht f\u00fcr die Slowakei.<\/p>\n<p>                    Riesige Ressourcen aus Ungarn werden nun in die Slowakei flie\u00dfen. <\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Das betreffe auch Finanzierungsinstrumente f\u00fcr rechte Bewegungen in ganz Europa wie die AfD, meint der slowakische Analyst Nic. Die EU sollte nicht untersch\u00e4tzen, was das f\u00fcr die gesamte vulnerable Region bedeute.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Stand: 15.04.2026 \u2022 19:03 Uhr Mit der Wahlniederlage Orbans endet die prorussische Blockadepolitik Ungarns in der EU. 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