{"id":105844,"date":"2026-04-16T11:01:09","date_gmt":"2026-04-16T11:01:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/105844\/"},"modified":"2026-04-16T11:01:09","modified_gmt":"2026-04-16T11:01:09","slug":"mark-mobius-stirbt-mit-89-jahren-diepresse-com","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/105844\/","title":{"rendered":"Mark Mobius stirbt mit 89 Jahren \u2013 DiePresse.com"},"content":{"rendered":"<p>Er hat die \u201eEmerging Markets\u201c erfunden, als diese noch als Dritte Welt galten. Am 15. April 2026 ist der legend\u00e4re Schwellenland-Investor Mark Mobius 89-j\u00e4hrig in Singapur gestorben. <\/p>\n<p>In \u00d6sterreich hat Mark Mobius durch den Dokumentarfilm \u201eLet&#8217;s Make Money\u201c (2008) von Erwin Wagenhofer breitere Bekanntheit erlangt. Der Film will aufzeigen, wie westliche Kapitalfl\u00fcsse in arme L\u00e4nder dort die L\u00f6hne dr\u00fccken und die Umwelt zerst\u00f6ren. Mark Mobius kommt in diesem Film prominent zu Wort und sagt: \u201eIch glaube nicht, dass ein Investor verantwortlich ist f\u00fcr die Ethik, f\u00fcr die Verschmutzung oder das, was eine Firma tut. Sein Job ist es, zu investieren und Geld f\u00fcr seine Klienten zu verdienen.\u201c Dadurch erhielt er hierzulande das Image des r\u00fccksichtslosen Kapitalisten, das ihm bei n\u00e4herer Betrachtung gar nicht gerecht wird. <\/p>\n<p>Mobius war \u00fcberzeugt, dass Kapitalfl\u00fcsse in arme L\u00e4nder die einzige M\u00f6glichkeit seien, um diese aus der Armut zu holen, und viele Anleger, die sich dar\u00fcber moralisch emp\u00f6rten, \u00fcber ihre Pensionsfonds davon profitierten. In seinen sp\u00e4teren Jahren investierte er ausschlie\u00dflich in Unternehmen mit hohen ESG-Standards (Environment, Social, Governance). Er begr\u00fcndete das damit, dass Firmen, die ihre Arbeiter schlecht behandeln oder die Umwelt zerst\u00f6ren, schlechte Investments seien, weil ihr Gesch\u00e4ft unter Streiks und Klagen leiden w\u00fcrde. <\/p>\n<p>Mark Mobius wurde 1936 in Hempstead, New York, als Sohn eines deutschen Schiffkochs und einer Puerto-Ricanerin geboren. Er studierte Kommunikationswissenschaft und \u00d6konomie in Boston, erhielt ein Stipendium f\u00fcr japanische Kultur in Kyoto \u2013 und verbrachte von da an den gr\u00f6\u00dften Teil seines Lebens in Asien. Er reiste so viel, dass er sich als \u201eIndiana Jones der Finanzwelt\u201c einen Namen machte. Verheiratet war er nie. Zun\u00e4chst betrieb er eine Vermarktungsfirma f\u00fcr Snoopy-Merchandise, sp\u00e4ter arbeitete er f\u00fcr eine Investmentgesellschaft in Taiwan. <\/p>\n<p>Dort traf er Sir John Templeton, einen Pionier des globalen Investierens, der einen der weltweit ersten Investmentfonds f\u00fcr Schwellenl\u00e4nder aufbauen wollte. Mobius trat 1987 die Stelle als Fondsmanager an. Wenige Monate nach dem Fondsstart kam der Schwarze Montag und vernichtete ein Drittel des Fondsverm\u00f6gens. Mobius erkannte, dass er breiter investieren m\u00fcsse, auch in Regionen, in denen damals noch niemand investierte. \u201eMan muss dorthin gehen, wo das Kapital knapp ist und die Erwartungen niedrig sind\u201c, sagte er. <\/p>\n<p>Er reiste pers\u00f6nlich zu Finanzministern in Asien, Afrika und Lateinamerika und \u00fcberzeugte sie, ihre M\u00e4rkte f\u00fcr Investoren zu \u00f6ffnen. Er war oft der Erste, der eine Lizenz erhielt. Da es so etwas wie Aktienindizes nicht gab, musste er sich jedes Unternehmen selbst anschauen. Er \u00fcbernachtete in Billigabsteigen von Brasilien bis Botswana, um nahe bei den Firmen zu sein. \u201eGlaube niemals den Bilanzen, die man dir schickt. Geh hin und schau dir die Fabrik selbst an\u201c, riet er den Investoren. Zwangsl\u00e4ufig war er ein radikaler Value-Investor, der in Unternehmen investierte, die er f\u00fcr unterbewertet hielt und die niemand sonst wollte. Er war es, der Schwellenl\u00e4nder f\u00fcr Investoren interessant machte, als andere noch von \u201eDritter Welt\u201c sprachen. Er lenkte Milliarden in diese Regionen, was wesentlich zu deren wirtschaftlicher Entwicklung beitrug.<\/p>\n<p>30 Jahre lang leitete Mobius das Schwellenl\u00e4nder-Team bei Franklin Templeton. Laut Morningstar erzielte der Schwellenland-Fonds von 1989 bis zu seiner Aufl\u00f6sung eine durchschnittliche j\u00e4hrliche Rendite von 13,4 Prozent. Seit 2001, als der MSCI Emerging Markets Index eingef\u00fchrt wurde, \u00fcbertraf der Templeton-Fonds diese Benchmark um durchschnittlich 1,9 Prozent pro Jahr, wie Bloomberg berichtet. 2018 gr\u00fcndete Mobius schlie\u00dflich seine eigene Investmentfirma mit ESG-Fokus. Er beriet auch die Weltbank in Fragen der Corporate Governance und verfasste zahlreiche B\u00fccher.<\/p>\n<p>\u201eDen Optimisten geh\u00f6rt die Welt\u201c, lautete das Motto von Mobius. W\u00e4hrend des tiefen Aktienmarkteinbruchs 2020 infolge von Covid sagte er eine schnelle Erholung voraus \u2013 und sollte recht behalten. Auch w\u00e4hrend der Asienkrise 1997 und dem russischen Marktschock 1998 war er auf der K\u00e4uferseite. Nach der Finanzkrise sagte er den Beginn des Bullenmarkts exakt voraus. 2012 gab er der \u201ePresse\u201c ein <a href=\"https:\/\/www.diepresse.com\/756054\/mobius-vielen-chinesen-ist-europa-zu-unsicher\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Interview<\/a>. Am 15. April 2026 ist er nun in Singapur gestorben. <\/p>\n<p>    Lesen Sie mehr zu diesen Themen:<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Er hat die \u201eEmerging Markets\u201c erfunden, als diese noch als Dritte Welt galten. Am 15. April 2026 ist&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":105845,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[14],"tags":[46,42,95,90,89,91,94,934,44,93,92],"class_list":{"0":"post-105844","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-unternehmen-maerkte","8":"tag-at","9":"tag-austria","10":"tag-business","11":"tag-companies","12":"tag-companies-markets","13":"tag-markets","14":"tag-maerkte","15":"tag-nachruf","16":"tag-oesterreich","17":"tag-unternehmen","18":"tag-unternehmen-maerkte"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@at\/116414047079599238","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/105844","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=105844"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/105844\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media\/105845"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=105844"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=105844"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=105844"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}