{"id":106896,"date":"2026-04-16T21:45:32","date_gmt":"2026-04-16T21:45:32","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/106896\/"},"modified":"2026-04-16T21:45:32","modified_gmt":"2026-04-16T21:45:32","slug":"die-zeitlose-wucht-von-evil-empire","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/106896\/","title":{"rendered":"Die zeitlose Wucht von EVIL EMPIRE"},"content":{"rendered":"<p>Als <a href=\"https:\/\/www.metal-hammer.de\/?post_type=artists&amp;p=487089\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Rage Against The Machine<\/a>\u00a0am 16. April 1996 ihr zweites Album EVIL EMPIRE \u00fcber Epic Records ver\u00f6ffentlichten, war die Welt mehr als bereit f\u00fcr die Scheibe. Genau deshalb schlug die Platte ein wie eine Blendgranate. Vier Jahre lang hatten Fans auf neues Material gewartet, ausgehungert nach dem Deb\u00fct, das die Band praktisch \u00fcber Nacht zu Ikonen des politisch aufgeladenen Crossover machte.<\/p>\n<p>Doch hinter den Kulissen brodelte es: musikalische Richtungsstreits, unterschiedliche Einfl\u00fcsse, kreative Reibung. Gitarrist <a href=\"https:\/\/www.metal-hammer.de\/artists\/tom-morello\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Tom Morello<\/a> formulierte es sp\u00e4ter diplomatisch in der Tageszeitung <a href=\"https:\/\/books.google.de\/books?id=s-wjAAAAIBAJ&amp;dq=rage+against+the+machine+1996&amp;pg=PA39&amp;article_id=6668,3198270&amp;redir_esc=y#v=onepage&amp;q&amp;f=false\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">The Deseret News<\/a>: Man habe \u201edie richtige Kombination unserer sehr diversen Einfl\u00fcsse finden m\u00fcssen\u201c. Am Ende einigte man sich auf einen Sound \u201eirgendwo zwischen Public Enemy und <a href=\"https:\/\/www.metal-hammer.de\/artists\/the-clash\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">The Clash<\/a>\u201e\u00a0\u2013 und genau dort liegt die Sprengkraft dieses Albums.<\/p>\n<p>Ein Album, das nicht im Studio, sondern im Ausnahmezustand entstand<\/p>\n<p>W\u00e4hrend andere Bands f\u00fcr teures Geld in sterilen Studios verschwanden, entschieden sich Rage Against The Machine f\u00fcr das Gegenteil. Morello brachte es im <a href=\"http:\/\/www.mtv.com\/news\/articles\/1433600\/rage-builds-evil-empire.jhtml\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">Gespr\u00e4ch mit MTV<\/a> trocken auf den Punkt: \u201eWarum sollte man 2.000 Dollar pro Tag ausgeben, um in einem schicken Studio aufzunehmen? Dort w\u00fcrden wir doch nur versuchen, die Atmosph\u00e4re nachzumachen, die wir bei uns sowieso haben.\u201c Also schlug die Band kurzerhand ein Loch in die Wand, mietete die Zimmer gegen\u00fcber und zog die Kabel durch den Flur. Punk as hell \u2013 und genau so klingt EVIL EMPIRE.<\/p>\n<p>Aufgenommen wurde letztlich nur in November und Dezember 1995. Der Rest der vier Jahre bestand aus Streit, Suche und Selbstfindung. Doch das Ergebnis? Ein Album, das sofort Platz eins der Billboard 200 erklomm und sp\u00e4ter dreifach Platin in den USA erhielt. Doch der Erfolg schwappte auch auf unsere Seite des Teichs, wo Rage Against The Machine unter anderem die deutschen Charts st\u00fcrmten und sich Platz zwei sicherten.<\/p>\n<p>Empfehlungen der Redaktion<\/p>\n<p>Politik als Brandbeschleuniger<\/p>\n<p>Der Titel EVIL EMPIRE stammt aus einer Rede von Ronald Reagan, der in den Achtzigern die Sowjetunion so bezeichnete \u2013 ein Begriff, den konservative Amerikaner begeistert \u00fcbernahmen. Rage Against The Machine drehten die Bedeutung um. Eine Woche vor Release erkl\u00e4rte die Band in dem MTV\u2011Interview, dass die Kritikpunkte Reagans \u201eauch auf die Vereinigten Staaten passen\u201c. Ein Statement, das 1996 brisant war \u2013 und heute fast unheimlich aktuell wirkt. Die Band war ohnehin daf\u00fcr bekannt, Politik nicht nur zu besingen, sondern zu leben: Bei Konzerten verteilten sie Brosch\u00fcren, im Album\u2011Booklet listeten sie Lekt\u00fcreempfehlungen wie \u2018Das Kapital\u2019 von Karl Marx oder Che Guevaras Guerilla\u2011Handbuch.<\/p>\n<p>Lieder, die wie Molotowcocktails funktionieren<\/p>\n<p>Die einzelnen Lieder von EVIL EMPIRE wirken wie pr\u00e4zise gez\u00fcndete Brandbomben, die jeweils einen anderen wunden Punkt der amerikanischen Gesellschaft treffen. \u2018Bulls On Parade\u2019 richtet seine Attacke frontal gegen den milit\u00e4risch\u2011industriellen Komplex der USA und verwandelt Morellos Gitarren-Sounds in eine Art futuristische Sirene, die vor blindem Militarismus warnt. \u2018People Of The Sun\u2019 setzt sich mit der Unterdr\u00fcckung indigener Gemeinschaften auseinander und verbindet politische Wut mit einem der markantesten Grooves des Albums.<\/p>\n<p>\u2018Tire Me\u2019 steigert die Energie ins Rasende und gewann 1996 den Grammy f\u00fcr die beste Metal\u2011Performance. \u2018Year Of Tha Boomerang\u2019 und \u2018Tire Me\u2019 fanden ihren Weg in den Film \u2018Higher Learning\u2019 (1995) und unterstreichen mit kompromissloser Haltung, dass Rage Against the Machine nicht nur musikalisch, sondern auch thematisch konsequent blieben. Jeder dieser Tracks zeigt eine andere Facette der Band, doch gemeinsam formen sie ein Album, das ein bis heute notwendiges Manifest gegen politische Apathie bildet.<\/p>\n<p>Dann war da noch der legend\u00e4re \u2018Saturday Night Live\u2019\u2011Vorfall: Die Band sollte zwei Lieder spielen, begannen mit \u2018Bulls On Parade\u2019 \u2013 und h\u00e4ngte w\u00e4hrenddessen umgedrehte US\u2011Flaggen an ihre Verst\u00e4rker, um Gastgeber Steve Forbes, republikanischer Pr\u00e4sidentschaftskandidat, zu kritisieren. Der Auftritt wurde daraufhin von den Veranstaltern abgebrochen. Rage Against The Machine waren wieder einmal zu viel f\u00fcr den Mainstream \u2013 und genau deshalb so wichtig.<\/p>\n<p>Ein vielsagendes Cover<\/p>\n<p>Das Artwork zeigt eine modifizierte Version des Comic\u2011Helden Crimebuster aus \u2018Boy Comics\u2019, urspr\u00fcnglich von Mel Ramos gemalt. Das \u201eC\u201c auf der Brust wurde zum \u201eE\u201c, der Schriftzug \u201eCrimebuster\u201c wich dem Albumtitel. Der Stern im Hintergrund wurde farblich ver\u00e4ndert, sodass die Assoziation zu den USA noch deutlicher hervortritt.<\/p>\n<p>Ein Album wie ein Faustschlag<\/p>\n<p>EVIL EMPIRE ist kein nostalgisches Relikt, sondern ein Werk, das heute fast noch dringlicher wirkt als 1996. Authentisch, roh, politisch \u2013 und musikalisch ein Meilenstein. Rage Against The Machine lieferten ein Album ab, das nicht nur die Charts st\u00fcrmte, sondern ein ganzes Jahrzehnt definierte. Wenn man wissen will, wie sich Wut, Ideale und musikalische Pr\u00e4zision anh\u00f6ren, dann reicht ein Blick auf dieses Album. Oder besser: ein lauter, sehr lauter Durchlauf. Die Mischung aus sozialpolitischer Sch\u00e4rfe, antiautorit\u00e4ren Texten und musikalischer Wucht machte es zu einem pr\u00e4genden Album der Neunziger.<\/p>\n<p>\u2014<br \/>Bestens informiert \u00fcber dieses und alle weiteren wichtigen Themen im Metal bleibt ihr au\u00dferdem mit unserem Newsletter. Einmal pro Woche flattert euch \u00fcbersichtlich sortiert ein Update ins Postfach. <a href=\"https:\/\/www.metal-hammer.de\/news\/newsletter\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer nofollow\">Einfach anmelden<\/a>, damit euch auch sicher nichts entgeht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Als Rage Against The Machine\u00a0am 16. 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