{"id":108302,"date":"2026-04-17T14:36:10","date_gmt":"2026-04-17T14:36:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/108302\/"},"modified":"2026-04-17T14:36:10","modified_gmt":"2026-04-17T14:36:10","slug":"der-universelle-rhythmus-der-natur","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/108302\/","title":{"rendered":"Der universelle Rhythmus der Natur"},"content":{"rendered":"\n<p>Sei es das Blinken von Gl\u00fchw\u00fcrmchen, das Zirpen von Grillen oder der Beat menschlicher Pop-Musik: Sie alle haben einen Grundrhythmus von etwa zwei Schl\u00e4gen pro Sekunde. Eine Studie legt nun nahe, dass es sich dabei um eine universelle Frequenz handelt, die die Kommunikation von Menschen und Tieren \u00fcber Artgrenzen hinweg pr\u00e4gt. Demnach entspricht diese Wiederholungsrate genau dem Rhythmus, in dem die Nervenzellen im Gehirn Signale optimal verarbeiten k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Bei Feldforschungen in Thailand im Jahr 2022 machte ein Team um Guy Amichay von der Northwestern University in Illinois eine erstaunliche Beobachtung: Eigentlich wollten die Forschenden Gl\u00fchw\u00fcrmchen der Art Pteropyx malaccae beobachten, die daf\u00fcr bekannt sind, synchron zu blinken. \u201eW\u00e4hrend wir die Gl\u00fchw\u00fcrmchen filmten, fiel uns auf, dass die Grillen in der N\u00e4he synchron mit den Gl\u00fchw\u00fcrmchen zu zirpen schienen\u201c, berichtet Amichay. \u201eWir fanden es verr\u00fcckt, dass diese beiden nicht miteinander verwandten Arten auf diese Weise interagieren sollten.\u201c<\/p>\n<p>Im gleichen Tempo<\/p>\n<p>Also gingen die Forschenden dieser Beobachtung weiter nach. Bei genaueren Analysen ihrer Aufnahmen stellten sie fest, dass die Grillen nicht wirklich genau gleichzeitig mit dem Blinken der Gl\u00fcchw\u00fcrmchen zirpten. Stattdessen wiederholten sie ihr Zirpen nur im gleichen Tempo wie die Gl\u00fchw\u00fcrmchen ihr Blinken, n\u00e4mlich mit 2,4 Hertz, also etwas mehr als zwei Wiederholungen pro Sekunde. \u201eWarum sollten diese beiden unterschiedlichen Arten in einem so \u00e4hnlichen Tempo agieren, wo sie doch im Prinzip aus einer Vielzahl von Optionen w\u00e4hlen k\u00f6nnten?\u201c, fragten sich die Forschenden,<\/p>\n<p>Um diese Frage zu kl\u00e4ren, durchforsteten Amichay und seine Kollegen zahlreiche ver\u00f6ffentlichte Studien zur Kommunikation verschiedener Tierarten. Dabei stellten sie fest: \u201eEs scheint eine Vielzahl von Organismen zu geben, die in einem relativ engen Tempo-Bereich signalisieren oder kommunizieren\u201c, berichtet Amichay. \u201eSie scheinen alle bei etwa zwei oder vielleicht drei Hertz zu bleiben.\u201c Das galt neben Gl\u00fchw\u00fcrmchen und Grillen unter anderem auch f\u00fcr Krebse, Fr\u00f6sche, V\u00f6gel, Seel\u00f6wen und Affen. \u201ePrinzipiell k\u00f6nnten sie auch in anderen Rhythmen kommunizieren\u201c, sagt Amichay. \u201ePhysikalisch hindert sie nichts daran, beispielsweise bei zehn Hertz zu kommunizieren, doch sie tun es nicht.\u201c<\/p>\n<p>Neuronaler Takt<\/p>\n<p>Auch in der menschlichen Popmusik ist dieses Tempo weit verbreitet. Die meisten Hits haben etwa 120 Schl\u00e4ge pro Minute, also zwei Schl\u00e4ge pro Sekunde. \u201eDieser Rhythmus passt zu unserem K\u00f6rper; er passt zu unseren Gliedma\u00dfen\u201c, sagt Amichay. \u201eWir gehen mit etwa zwei Schritten pro Sekunde, daher f\u00e4llt es uns leicht, zu Musik mit zwei Hertz zu tanzen.\u201c Tiere dagegen haben je nach Gr\u00f6\u00dfe ganz andere Schrittgeschwindigkeiten. Warum also scheinen zwei Hertz auch f\u00fcr sie der nat\u00fcrlichste Rhythmus zu sein?<\/p>\n<p>Die Erkl\u00e4rung liegt wahrscheinlich im Gehirn. Unsere Nervenzellen, ebenso wie die von Gl\u00fchw\u00fcrmchen, Vogel oder Seel\u00f6we, ben\u00f6tigen eine gewisse Zeit, bis sie nach einem Signal erneut feuern k\u00f6nnen. Treffen die Signale zu schnell hintereinander ein, erzielen sie keine zus\u00e4tzliche Wirkung. Am effektivsten funktioniert die Verarbeitung im Gehirn, wenn die Signale im Abstand von etwa einer halben Sekunde eintreffen \u2013 also mit der beobachteten Frequenz von zwei Hertz. \u201eWir vermuten, dass es f\u00fcr eine effiziente Kommunikation entscheidend ist, das Tr\u00e4ger-Signal im richtigen Tempobereich zu haben\u201c, erkl\u00e4rt Amichays Kollege Daniel Abrams. \u201eEs ist vielleicht nicht so, dass das Tempo selbst Informationen vermittelt, sondern es dient lediglich als Grundlage, um Aufmerksamkeit zu erregen, wobei der eigentliche Inhalt dar\u00fcber gelegt wird, \u00e4hnlich wie Noten, die dem Takt eines Liedes folgen.\u201c<\/p>\n<p>Aus Sicht der Forschenden k\u00f6nnte diese Erkenntnis dabei helfen, die Kommunikation und das Sozialverhalten von Tieren \u00fcber Artengrenzen hinweg besser zu interpretieren. \u201eEs ist verlockend zu glauben, dass hier ein tieferer Zusammenhang besteht \u2013 dass wir vielleicht alle auf derselben Wellenl\u00e4nge sind\u201c, sagt Amichay. \u201eAber wir sind noch dabei zu erforschen, was das bedeuten k\u00f6nnte.\u201c<\/p>\n<p>Quelle: Guy Amichay (Northwestern University, Illinois, USA) et al., PLOS Biology, <a href=\"https:\/\/journals.plos.org\/plosbiology\/article?id=10.1371\/journal.pbio.3003735\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">doi: 10.1371\/journal.pbio.3003735<\/a><\/p>\n<p class=\"entry-meta meta-small\"> \u00a9 wissenschaft.de &#8211; Elena Bernard<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Sei es das Blinken von Gl\u00fchw\u00fcrmchen, das Zirpen von Grillen oder der Beat menschlicher Pop-Musik: Sie alle haben&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":108303,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[20],"tags":[46,42,124,38964,123,38965,5317,44,24514,38966,1332],"class_list":{"0":"post-108302","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-gesundheit","8":"tag-at","9":"tag-austria","10":"tag-gesundheit","11":"tag-gluehwuermchen","12":"tag-health","13":"tag-lebewesen","14":"tag-natur","15":"tag-oesterreich","16":"tag-rhythmen","17":"tag-rhythmus","18":"tag-tiere"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@at\/116420554628153389","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/108302","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=108302"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/108302\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media\/108303"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=108302"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=108302"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=108302"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}