{"id":108378,"date":"2026-04-17T15:26:15","date_gmt":"2026-04-17T15:26:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/108378\/"},"modified":"2026-04-17T15:26:15","modified_gmt":"2026-04-17T15:26:15","slug":"wien-als-drehkreuz-fuer-geheimdienste-diepresse-com","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/108378\/","title":{"rendered":"Wien als Drehkreuz f\u00fcr Geheimdienste \u2013 DiePresse.com"},"content":{"rendered":"<p>Internationale Organisationen ziehen ausl\u00e4ndische Agenten und Agentinnen an. Der Historiker Thomas Riegler ver\u00f6ffentlichte nun die unterschiedlichen konspirativen Schaupl\u00e4tze und Treffpunkte Wiens. Diese Woche pr\u00e4sentierte er es im Wiener Caf\u00e9 Korb.<\/p>\n<p>Der britische Thriller \u201eDer dritte Mann\u201c mit dem US-Regisseur und Schauspieler Orson Welles aus dem Nachkriegswien im Jahr 1949 hat vielfach den Ruf Wiens als Hauptstadt der Geheimdienste begr\u00fcndet. Das stimme so nicht, sagt der Historiker und Politikwissenschaftler Thomas Riegler. In Europa falle diese Zuschreibung eindeutig auf Br\u00fcssel, dem Hauptquartier der EU und der Nato. Dann w\u00fcrden als europ\u00e4ische Spionagezentren Wien gemeinsam mit Genf und Den Haag folgen und nat\u00fcrlich auch der Finanzplatz London, meinte Riegler in dieser Woche bei der Pr\u00e4sentation seines Buches \u201eSpionagestadt Wien\u201c.<\/p>\n<p>Thomas Riegler sieht seine Recherchen auch als Forschungsdisziplin. Der Autor ist Mitarbeiter im <a href=\"https:\/\/acipss.org\/\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">\u201eAustrian Center f\u00fcr Intelligence, Propaganda and Security Studies\u201c<\/a> (Acipss), ein vor etwa 20 Jahren gegr\u00fcndetes internationales gemeinn\u00fctziges Forschungszentrum, das mit der<a href=\"https:\/\/www.uni-graz.at\/de\/\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\"> Universit\u00e4t Graz<\/a> kooperiert. Im Fokus stehen Fragen regionaler und internationaler Sicherheit, die Erforschung von Geheim- und Nachrichtendiensten sowie deren Propaganda. Zu den sicherheitsbezogenen Fragestellungen z\u00e4hlen unter anderem hybride Bedrohungen, Terrorismus, radikale Ideologien, Konflikte, Krisen und Kriege. Ge\u00f6ffnete Archive f\u00f6rdern neue Erkenntnisse zutage. So konnte auch Riegler bisher nicht ver\u00f6ffentlichte Prim\u00e4rquellen aus dem \u00d6sterreichischen Staatsarchiv f\u00fcr sein Wien-Buch erschlie\u00dfen.<\/p>\n<p>Wien wird als wichtiges Drehkreuz gesehen. Hier befinden sich etwa 50 internationale und quasi-internationale Organisationen, allen voran die Opec, dann die OSZE, die UNO und Unido. Die Stadt ist auch die Mitte vieler Verkehrswege sowie Gas- und Stromverbindungen. Und schlie\u00dflich kommt die laxe \u00f6sterreichische Spionagegesetzgebung dazu. Wenn \u00f6sterreichische Interessen nicht ber\u00fchrt wurden, kam es zu keiner Verfolgung. Obwohl schon mehrere Spionagef\u00e4lle beh\u00f6rdlich aufgedeckt wurden, gab es hierzulande noch keine Verurteilung eines ausl\u00e4ndischen Agenten. Erst vor einigen Jahren setzte eine politische Diskussion um eine wirksamere Gesetzgebung ein. Und in diesem Jahr soll auch ohne tats\u00e4chlichen Schaden f\u00fcr \u00d6sterreich ein Strafbestand verankert werden.<\/p>\n<p>Wann, wo und wie wurde in Wien von \u00f6stlichen und westlichen Geheimdiensten spioniert? Riegler beleuchtet in seinem Buch (Untertitel: \u201eEin historischer Reisef\u00fchrer\u201c) die Schaupl\u00e4tze, die er mit Namen und Anschriften aufz\u00e4hlt. Die Agenten und ihre Mittelsm\u00e4nner trafen sich in der N\u00e4he der Botschaften, in Hotels, Kaffeeh\u00e4usern und Gastst\u00e4tten. Ein prominentes Ringstra\u00dfen-Caf\u00e9 wurde intern als \u201eCaf\u00e9 der Spione\u201c bezeichnet. Eine Besonderheit sind die ausl\u00e4ndischen Milit\u00e4rattach\u00e9s, \u201edie geduldete Spione sind, auch was \u00d6sterreich betrifft\u201c (Riegler). Auch gegen Satellitensch\u00fcsseln auf Botschaftsgeb\u00e4uden k\u00f6nne man nichts unternehmen. <\/p>\n<p>Anschlie\u00dfend f\u00fchrt der Autor detailreich acht F\u00e4lle auf, vom britischen Doppelagenten Kim Philby in der Zwischenkriegszeit bis zur aktuellen Verfolgung des offensichtlich russischen Geheimdienstmitarbeiters Jan Marsalek. <\/p>\n<p>Zur klassischen Ost-West-Spionage sind neue Szenarien hinzugekommen. So gilt \u00d6sterreich heute als wichtige Drehscheibe f\u00fcr die jihadistische Terrorszene. Und schlie\u00dflich, so Thomas Riegler: \u201eDie Rezepte der Vergangenheit haben endg\u00fcltig ausgedient.\u201c \u00d6sterreich m\u00fcsse neue Wege finden, um mit der radikal ge\u00e4derten geopolitischen Lage und dem damit verbundenen h\u00f6heren Spionageaufkommen umzugehen.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"figure__image\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/spionagestadt.jpg\" alt=\"&#10;Thomas Riegler: &lt;strong&gt;\u201eSpionagestadt Wien\u201c&lt;\/strong&gt; (239 Seiten, Promedia Verlag, 26 Euro)\" width=\"1000\" height=\"600\" loading=\"lazy\" fetchpriority=\"low\"\/><\/p>\n<p>\nThomas Riegler: \u201eSpionagestadt Wien\u201c (239 Seiten, Promedia Verlag, 26 Euro)\u2003<\/p>\n<p>    Lesen Sie mehr zu diesen Themen:<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Internationale Organisationen ziehen ausl\u00e4ndische Agenten und Agentinnen an. 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