{"id":108705,"date":"2026-04-17T18:52:16","date_gmt":"2026-04-17T18:52:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/108705\/"},"modified":"2026-04-17T18:52:16","modified_gmt":"2026-04-17T18:52:16","slug":"die-meerengen-die-kriege-entscheiden-diepresse-com","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/108705\/","title":{"rendered":"die Meerengen, die Kriege entscheiden \u2013 DiePresse.com"},"content":{"rendered":"<p>Es ist ein Nadel\u00f6hr f\u00fcr den Export von \u00d6l und Gas aus dem Golf in alle Welt. Irans Regime sperrte wochenlang die Stra\u00dfe von Hormus, die USA wollen den Iranern die Kontrolle \u00fcber den wichtigen Seeweg mit einer Gegenblockade entrei\u00dfen. Jetzt hei\u00dft es aus Teheran, dass die Wasserstra\u00dfe zumindest f\u00fcr die Zeit der Waffenruhe im Libanon f\u00fcr alle Schiffe vorerst wieder offen sei. <\/p>\n<p>F\u00fcr den Reserveoffizier der deutschen Marine und Experten f\u00fcr maritime Sicherheit, Moritz Brake, ist die angek\u00fcndigte US-Gegenblockade eine \u201esinnvolle Entscheidung\u201c. \u201eDie USA k\u00f6nnen damit die M\u00f6glichkeit des Iran einschr\u00e4nken, sich mit kriegswichtigen G\u00fctern zu versorgen, oder mit Exporten Geld zu verdienen, um den Krieg zu finanzieren\u201c, sagt der Gr\u00fcnder und Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der Beratungsfirma Nexmaris und Senior Fellow des Centers for Advanced Security, Strategic and Integration Studies CASSIS an der Uni Bonn, zur \u201ePresse\u201c. <\/p>\n<p>Der Iran verlangte von Schiffen eine Maut von zwei Millionen Dollar f\u00fcr die Durchfahrt durch die Stra\u00dfe von Hormus. Die USA k\u00f6nnten gegen Reedereien, die darauf eingehen, Sanktionen verh\u00e4ngen, meint Brake. \u201eDa Irans Revolutionsgarden als Terrororganisation eingestuft werden, gilt jeder, der dieses Schutzgeld zahlt, als Unterst\u00fctzer einer Terrororganisation.\u201c<\/p>\n<p>Die Stra\u00dfe von Hormus habe eine besondere Bedeutung, da es f\u00fcr die Schifffahrt hier keine Alternative gibt, schildert der Experte f\u00fcr maritime Sicherheit. \u201eEs gibt nur einen Ausgang aus dem Golf.\u201c Und an der Blockade der Stra\u00dfe von Hormus zeige sich, dass \u201edie Einschl\u00e4ge auf maritime Infrastruktur\u201c dichter werden. \u201eWir merken immer mehr, wie abh\u00e4ngig wir davon sind.\u201c <\/p>\n<p>Laut Brake werden 90 Prozent aller G\u00fcter \u00fcber das Meer transportiert. \u201eModerne Wirtschaft funktioniert nur, wenn man Zugang zum Meer hat oder im Falle von \u00d6sterreich, einem Binnenland, von befreundeten Staaten mit guter Verkehrsinfrastruktur bis zur K\u00fcste umgeben ist.\u201c Schifffahrt sei immer noch die effizienteste Art, um gro\u00dfe Mengen von Waren zu transportieren.<\/p>\n<p>Die Stra\u00dfe von Hormus ist nicht der einzige dieser sogenannten \u201eChoke Points\u201c \u2013 dieser maritimen Schl\u00fcsselstellen, die eine wichtige Verbindung darstellen und beim Seehandel nur schwer umgangen werden k\u00f6nnen. Es wird gesch\u00e4tzt, dass j\u00e4hrlich G\u00fcter im Wert von 192 Milliarden US-Dollar durch diese \u201eChoke Points\u201c transportiert werden. Und Blockaden sind laut Brake seit jeher Teil der Seekriegsf\u00fchrung \u2013 etwa die Blockade der spartanischen Soldaten auf der Insel vor Pylos durch die Athener. Brake verweist auch darauf, dass im Ersten Weltkrieg die Seeblockade der Alliierten gegen das Deutsche Kaiserreich ma\u00dfgeblich verantwortlich f\u00fcr die Kapitulation Deutschlands gewesen sei. <\/p>\n<p>Was sind heute au\u00dfer Hormus die wichtigsten \u201eChoke Points\u201c? Ein \u00dcberblick:<\/p>\n<p>Bab al-Mandab \u2013 ein Ass im \u00c4rmel der Iraner?<\/p>\n<p>Neben Hormus ist die Meerenge von Bab al-Mandab die zweite strategische Knotenpunkt, die der Iran unterbrechen k\u00f6nnte. Die Stra\u00dfe von Bab al-Mandab f\u00fchrt vom Roten Meer in den Golf von Aden und weiter in den Indischen Ozean. Sie ist an ihrer engsten Stelle 32 Kilometer breit. Mit vier Millionen Barrel \u00d6l pro Tag und etwa zw\u00f6lf Prozent des globalen Handels, der durch diese Stra\u00dfe flie\u00dft, ist sie eine \u00e4u\u00dferst wichtige Verkehrsverbindung. W\u00e4hrend des Gazakrieges griffen die mit Teheran verb\u00fcndeten Houthi-Milizen dort immer wieder den Schiffsverkehr an. Experte Brake bezweifelt, dass ein geschw\u00e4chtes iranisches Regime weiterhin in der Lage sei, die Houthis f\u00fcr seine eigenen Zwecke einzuspannen. Zudem habe die Bedrohung von Bab al-Mandab durch die Houthis mittlerweile viel von ihrem Schrecken verloren. Schifffahrtsunternehmen h\u00e4tten mittlerweile gelernt, mit der Situation umzugehen. Sie w\u00fcrden diesen \u201eChoke Point\u201c umfahren und etwa die zwei Wochen l\u00e4nger dauernde Route um das Kap der guten Hoffnung nehmen. <\/p>\n<p>Suez: der ewige Kampf um das Tor nach Asien<\/p>\n<p>Der 1869 k\u00fcnstlich angelegte Suezkanal, der durch die \u00e4gyptische W\u00fcste verl\u00e4uft, verbindet das Rote Meer mit dem Mittelmeer. Durch ihn flie\u00dfen etwa zw\u00f6lf Prozent des globalen Seehandels. T\u00e4glich werden etwa f\u00fcnf Millionen Barrel \u00d6l durch den Kanal transportiert, der an seiner engsten Stelle nur 225 Meter breit ist. Als ein Schiff im M\u00e4rz 2021 nach einem Unfall den Kanal blockierte, hatte das gewaltige Folgen f\u00fcr die Lieferketten. Die Auswirkungen waren auch ein halbes Jahr noch sp\u00fcrbar. Seitdem gilt der Kanal als \u201eMega-Choke-Point\u201c. Auch hier wird die Kontrolle letztlich von einem Staat ausge\u00fcbt. Die Sinai-Halbinsel ist heute Teil \u00c4gyptens. Schon im Ersten Weltkrieg wurde um das Gebiet von Suez gek\u00e4mpft. 1956 w\u00e4hrend der Suezkrise marschierten israelische Truppen zum Kanal und Gro\u00dfbritannien und Frankreich entsandten Truppen, um den vom \u00e4gyptischen Pr\u00e4sidenten verstaatlichten Verbindungsweg wieder unter ihre Kontrolle zu bekommen. Im Sechstageskrieg wurde die Sinai-Halbinsel neuerlich von Israel besetzt. Sie gelangte erst 1982, mehr als drei Jahre nach dem Camp David Abkommen, vollst\u00e4ndig zur\u00fcck an \u00c4gypten.\u00a0<\/p>\n<p>Taiwan: \u201eWiedervereinigung\u201c kappt Halbleiter-Versorgung<\/p>\n<p>Durch die Stra\u00dfe von Taiwan werden kostbare Halbleiter in die ganze Welt geliefert. Mehr als 20 Prozent des j\u00e4hrlichen globalen maritimen Handels flie\u00dfen zwischen Festland-China und der Insel Taiwan durch. China und Taiwan sind 130 Kilometer voneinander entfernt. Chinas F\u00fchrung sieht in Taiwan eine abtr\u00fcnnige Provinz und fordert die \u201eWiedervereinigung\u201c. Vergangenes Jahr f\u00fchrten die Chinesen Milit\u00e4r\u00fcbungen im April und Dezember und im Jahr davor \u201eGemeinsames Schwert 2024A\/B\u201c durch. Sie wurden rund um die Insel Taiwan abgehalten. Sollte China versuchen, Taiwan milit\u00e4risch zu erobern oder eine Blockade um die Insel zu errichten, w\u00e4ren die Folgen enorm. Der Transport von Halbleitern k\u00f6nnte nicht mehr durch die Stra\u00dfe von Taiwan erfolgen. Taiwan n\u00fctzt das als Warnung an die restliche Welt, die stark abh\u00e4ngig von den Halbleitern der Insel ist. Aber auch China k\u00f6nnte bei einem Krieg gegen Taiwan \u00fcber den Schiffsverkehr internationalen Druck aus\u00fcben. China kontrolliere 20 Prozent der Welthandelsflotten direkt, schildert Brake. 60 Prozent der Welthandelsflotten w\u00fcrden durch chinesische Kredite finanziert. Bei einem Krieg gegen Taiwan k\u00f6nnte Peking versuchen, den Westen zu erpressen und von einer Unterst\u00fctzung Taiwans abzubringen. <\/p>\n<p>Der Gigant der Meerengen: die Stra\u00dfe von Malakka<\/p>\n<p>Zwischen Malaysia, Singapur und Indonesien verl\u00e4uft die Stra\u00dfe von Malakka. Sie verbindet den Indischen Ozean mit dem S\u00fcdchinesischen Meer. Hier gehen 80 Prozent der chinesischen \u00d6limporte sowie 40 Prozent des globalen Handels durch. Durch diesen \u201eChoke Point\u201c werden 23 Millionen Barrel \u00d6l pro Tag verschifft. Er hat eine extrem gro\u00dfe strategische Bedeutung f\u00fcr China. Im vergangenen Jahr kam es zu 108 F\u00e4llen von Piraterie in der Stra\u00dfe von Malakka. Zudem sprachen Malaysia und Singapur \u00fcber die Einf\u00fchrung einer Geb\u00fchr f\u00fcr die passierenden Schiffe, was den Verkehr durch die Stra\u00dfe hemmen w\u00fcrde. Das Argument von Malaysia und Singapur f\u00fcr eine Maut: Die Kosten f\u00fcr eine sichere Durchfahrt w\u00fcrden momentan von den Anrainerstaaten gedeckt werden, obwohl die ganze Welt von einer sicheren Stra\u00dfe von Malakka profitiere.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"figure__image\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Brake_Dr_Moritz.jpg\" alt=\"Marine-Experte Moritz Brake\" width=\"1000\" height=\"600\" loading=\"lazy\" fetchpriority=\"low\"\/><\/p>\n<p>Marine-Experte Moritz Brake\u2003privat<\/p>\n<p>Der Panama-Kanal schneidet sich durch das mittelamerikanische Land und verbindet den Pazifik mit dem Karibischen Meer. Durch ihn werden pro Tag zwei bis drei Millionen Barrel \u00d6l verschifft. 40 Prozent des US-amerikanischen Containerverkehrs und 95 Prozent des Petroleumgasexports der USA nach Asien verlaufen durch den Panamakanal. Der 1914 erbaute Kanal verf\u00fcgt \u00fcber ein ausgekl\u00fcgeltes System, das die Schiffe auf verschiedenen Seeh\u00f6hen durch den Kanal navigiert. Der Kanal ist sehr eng, teilweise nur 225 Meter breit. Das erm\u00f6glicht eine volle Kontrolle \u00fcber den Kanal. Die Wasserstra\u00dfe ist f\u00fcr China und die USA interessant. Panama ist das erste lateinamerikanische Land, das an Chinas Belt-and-Road-Initiative teilnahm. Gleichzeitig kaufte ein US-gef\u00fchrtes Konsortium unter Leitung von BlackRock  wichtige Anteile an Hutchison Port Holdings, das zuvor wichtige Kan\u00e4le unter chinesischer Verwaltung hielt. Washington scheint durch den 22,8-Milliarden-Dollar-Deal vorerst den Einfluss in seinem Vorgarten von Peking zur\u00fcckergattert zu haben, doch wird es dabei bleiben?<\/p>\n<p>Um k\u00fcnftig Szenarien wie jene in Hormus zu vermeiden, brauche es strategische Innovation, meint der Marine-Experte Brake. Es sei nicht mehr tragbar, mit zwei bis drei Millionen teuren Flugabwehrraketen eine 50.000 teure Drohne zu zerst\u00f6ren. Es g\u00e4be auch gute ferngelenkte oder autonome Systeme, die Minen unter Wasser aufsp\u00fcren k\u00f6nnen. Wichtig sei au\u00dferdem die Kooperation mit den Golfstaaten, um im Interesse Europas die maritime Infrastruktur zu sch\u00fctzen. <\/p>\n<p>        Zur Person<\/p>\n<p>Moritz Brake ist Reserveoffizier der deutschen Marine, Gr\u00fcnder und Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der Beratungsfirma Nexmaris und Senior Fellow des Centers for Advanced Security, Strategic and Integration Studies CASSIS an der Uni Bonn.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Es ist ein Nadel\u00f6hr f\u00fcr den Export von \u00d6l und Gas aus dem Golf in alle Welt. 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