{"id":109016,"date":"2026-04-17T22:36:14","date_gmt":"2026-04-17T22:36:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/109016\/"},"modified":"2026-04-17T22:36:14","modified_gmt":"2026-04-17T22:36:14","slug":"forscher-loesen-uraltes-raetsel-wie-planeten-tatsaechlich-entstehen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/109016\/","title":{"rendered":"Forscher l\u00f6sen uraltes R\u00e4tsel: Wie Planeten tats\u00e4chlich entstehen"},"content":{"rendered":"<p>Neue Planetensysteme bilden sich aus Gas und Staub. Fr\u00fch in diesem Prozess entsteht um einen jungen Stern eine rotierende, sogenannte proplanetare Scheibe. In ihr sammelt sich das Material, aus dem sp\u00e4ter <a href=\"https:\/\/smartup-news.de\/wissen\/riesenplanet-kreist-um-kleinen-stern-und-gibt-forschern-raetsel-auf\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">Planeten<\/a> hervorgehen. Lange galt der \u00dcbergang vom einstr\u00f6menden Gas zur Scheibe als klar abgegrenzt.<\/p>\n<p>Neue Messungen der <a href=\"https:\/\/www.uibk.ac.at\/de\/newsroom\/2026\/ratsel-der-entstehung-protoplanetarer-scheiben-um-junge-sterne-g\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">Universit\u00e4t Innsbruck<\/a> belegen nun pr\u00e4ziser, wie Planeten entstehen: Zwischen der \u00e4u\u00dferen Gash\u00fclle und der Scheibe liegt eine eigene Zone, in der sich die Bewegung des Materials Schritt f\u00fcr Schritt ver\u00e4ndert. Hinweise darauf liefert das junge Sternsystem L1527 IRS. Dort lie\u00df sich erstmals ein Bereich nachweisen, in dem das einfallende Material langsamer wird und in stabile Umlaufbahnen \u00fcbergeht. Die Untersuchung erschien im <a href=\"https:\/\/iopscience.iop.org\/article\/10.3847\/1538-4357\/ae4725\" type=\"link\" id=\"https:\/\/iopscience.iop.org\/article\/10.3847\/1538-4357\/ae4725\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">Astrophysical Journal<\/a>.<\/p>\n<p>Wie Planeten entstehen \u2013 und warum der \u00dcbergang so wichtig ist<\/p>\n<p>Der Raum zwischen der einstr\u00f6menden Gash\u00fclle und der rotierenden Scheibe war f\u00fcr Astronomen lange kaum greifbar. Dort ver\u00e4ndert sich die Bewegung des Materials. Aus dem nach innen fallenden Gas wird kein fertiges System auf einen Schlag, sondern es ordnet sich St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck neu. Die Forscher sprechen von einer \u00dcbergangszone zwischen H\u00fclle und Scheibe (\u201eEnvelope\u2013Disk Transition Zone\u201c, kurz ENDTRANZ).<\/p>\n<p>\u201eWir sehen hier erstmals im Detail, wie sich aus einstr\u00f6mendem Material eine geordnete Scheibenstruktur entwickelt\u201c, sagt der Astrophysiker <a href=\"https:\/\/www.researchgate.net\/profile\/Eduard-Vorobyov\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">Eduard Vorobyov<\/a>. Der Wechsel ist alles andere als abrupt, denn das Gas passt seine Geschwindigkeit und Richtung allm\u00e4hlich an. Erst dadurch entsteht die rotierende Scheibe, in der sp\u00e4ter Planeten wachsen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Ein junges Sternsystem zeigt den Prozess erstmals klar<\/p>\n<p>Beim Stern L1527 IRS wird das gut sichtbar. Das System liegt rund 450 Lichtjahre von der Erde entfernt. Seine Scheibe erstreckt sich \u00fcber etwa 70 Astronomische Einheiten, was einer Distanz von ca. 10,5 Milliarden Kilometern entspricht.<\/p>\n<p>In einem Bereich zwischen etwa 66,8 und 82,3 Astronomischen Einheiten f\u00e4llt eine Besonderheit auf: Die Zone ist rund 16 Astronomische Einheiten breit. Dort ver\u00e4ndert sich der sogenannte spezifische Drehimpuls sprunghaft. Hier geht das einfallende Gas in die Rotation der Scheibe \u00fcber.<\/p>\n<p>Messdaten zeigen Details bis auf wenige Astronomische Einheiten<\/p>\n<p>Die Beobachtungen reichen au\u00dfergew\u00f6hnlich tief ins System hinein. Die Aufl\u00f6sung liegt bei etwa 0,1 Bogensekunden, also rund 14 Astronomischen Einheiten. In den ausgewerteten Karten lassen sich Strukturen sogar bis auf etwa 2,1 Astronomische Einheiten unterscheiden.<\/p>\n<p>Auch die Bewegung des Gases l\u00e4sst sich genau verfolgen. Die Messungen erfassen Geschwindigkeiten mit einer Genauigkeit von 0,17 Kilometern pro Sekunde. Das Signal bleibt stabil genug, um den \u00dcbergang sauber von der Umgebung zu trennen.<\/p>\n<p>Neben den Messungen flossen auch Simulationen in die Auswertung ein. Ausgangspunkt war dabei eine gro\u00dfe Gaswolke mit etwa so viel Masse wie unsere Sonne. Daraus bildet sich im Modell nach rund 22.000 Jahren eine erste Scheibe um den jungen Stern. In den folgenden Zehntausenden Jahren w\u00e4chst sie weiter und erreicht schlie\u00dflich eine Gr\u00f6\u00dfe von etwa 100 Astronomischen Einheiten.<\/p>\n<p>Gravitation verteilt das Material im System neu<\/p>\n<p>Innerhalb der entstehenden Scheibe wirkt vor allem die <a href=\"https:\/\/smartup-news.de\/wissen\/asteroidenabwehr-mit-bumerang-effekt-ein-falscher-treffer-reicht\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">Gravitation<\/a>. Sie verschiebt den Drehimpuls innerhalb des Systems. Im \u00e4u\u00dferen Teil der \u00dcbergangszone nimmt das Gas den Drehimpuls auf \u2013 weiter innen wird er wieder abgegeben. So bewegt sich Material schrittweise nach innen in Richtung Stern.<\/p>\n<p>ENDTRANZ entsteht durch die Umverteilung von Masse und Drehimpuls, erkl\u00e4rt Astrophysikerin <a href=\"https:\/\/scholar.google.com\/citations?user=O07Bq9UAAAAJ&amp;hl=en\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">Indrani Das<\/a>. Dabei wird einstr\u00f6mendes Material schrittweise Teil der rotierenden Scheibe. Das Gas ver\u00e4ndert seine Bewegung dabei nach und nach.<\/p>\n<p>Fr\u00fchere Modelle treffen den Ablauf nur teilweise<\/p>\n<p>Viele Modelle gehen davon aus, dass das einfallende Gas schon auf halbem Weg zur Scheibe stark abgebremst wird.<br \/>Danach soll es sich erst neu ordnen und in die rotierende Scheibe \u00fcbergehen.<\/p>\n<p>Die neuen Berechnungen fallen anders aus. Der \u00dcbergang zieht sich \u00fcber einen breiteren Bereich. Das Gas wird also nicht an einer einzelnen Grenze abrupt gebremst. Es verliert Schritt f\u00fcr Schritt an Geschwindigkeit. Innerhalb dieser Zone sinkt das Tempo um etwa 70 bis 90 Prozent. Dieser Abschnitt pr\u00e4gt, wie sich Masse im System verteilt und wie sich die sp\u00e4tere Struktur der Scheibe entwickelt.<\/p>\n<p>Kurz zusammengefasst:<\/p>\n<p>Neue Daten zeigen, wie Planeten entstehen: Zwischen einfallendem Gas und Scheibe liegt eine \u00dcbergangszone, in der sich das Material Schritt f\u00fcr Schritt neu ordnet.<\/p>\n<p>Beim Stern L1527 IRS wurde dieser Bereich erstmals gemessen: Das Gas wird dort deutlich langsamer und geht \u00fcber eine Zone von etwa 16 Astronomischen Einheiten in die Rotation \u00fcber.<\/p>\n<p>Anders als lange angenommen erfolgt der \u00dcbergang nicht abrupt: Das Gas verliert in dieser Zone bis zu 70\u201390 Prozent seiner Geschwindigkeit, bevor es Teil der Scheibe wird.<\/p>\n<p>\u00dcbrigens: W\u00e4hrend Forscher kl\u00e4ren, wie Planeten entstehen, gibt es auch F\u00e4lle, in denen solche Systeme wieder auseinanderbrechen \u2013 ein Gasriese wurde aus seinem System geschleudert und treibt nun allein durch die Milchstra\u00dfe. Mehr dazu in unserem <a href=\"https:\/\/smartup-news.de\/wissen\/planet-ohne-stern-forscher-entdecken-einsamen-gasriesen-im-all\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">Artikel<\/a>.<\/p>\n<p>Bild: <a href=\"https:\/\/www.uibk.ac.at\/de\/newsroom\/2026\/ratsel-der-entstehung-protoplanetarer-scheiben-um-junge-sterne-g\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">Indrani Das\/ASIAA<\/a><\/p>\n<p>              0%<br \/>\n              Love<\/p>\n<p>              0%<br \/>\n              Funny<\/p>\n<p>              100%<br \/>\n              Wow<\/p>\n<p>              0%<br \/>\n              Sad<\/p>\n<p>              0%<br \/>\n              Angry<\/p>\n<p>\t\tBeitragsnavigation<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Neue Planetensysteme bilden sich aus Gas und Staub. Fr\u00fch in diesem Prozess entsteht um einen jungen Stern eine&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":109017,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[16],"tags":[699,46,42,610,3067,39114,1684,44,7094,39115,39116,97,96,10411,101,98,100,99],"class_list":{"0":"post-109016","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-wissenschaft-technik","8":"tag-astronomie","9":"tag-at","10":"tag-austria","11":"tag-forschung","12":"tag-gas","13":"tag-gravitation","14":"tag-messungen","15":"tag-oesterreich","16":"tag-planeten","17":"tag-planetenentstehung","18":"tag-proplanetare-scheibe","19":"tag-science","20":"tag-science-technology","21":"tag-stern","22":"tag-technik","23":"tag-technology","24":"tag-wissenschaft","25":"tag-wissenschaft-technik"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@at\/116422441961593468","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/109016","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=109016"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/109016\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media\/109017"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=109016"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=109016"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=109016"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}