{"id":109666,"date":"2026-04-18T09:39:10","date_gmt":"2026-04-18T09:39:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/109666\/"},"modified":"2026-04-18T09:39:10","modified_gmt":"2026-04-18T09:39:10","slug":"60-000-menschen-feiern-eine-streetparty-diepresse-com","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/109666\/","title":{"rendered":"\u201e60.000 Menschen feiern eine Streetparty!&#8220; \u2013 DiePresse.com"},"content":{"rendered":"<p class=\"lead\">Wenn einer Ph\u00e4nomen und Magie eines Marathons erkl\u00e4ren kann, dann der Engl\u00e4nder Hugh Brasher. Ein Gespr\u00e4ch \u00fcber Schritte, Community, Eliud Kipchoge, Laufkultur und was in Wien leichter gelingt als in London.<\/p>\n<p>        <img decoding=\"async\" class=\"figure__image\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/1776505149_501_kein Titel.webp\" alt=\"L\u00e4uferinnen und L\u00e4ufer beim Start des Wien-Marathons im Vorjahr. \" width=\"600\" height=\"360\" fetchpriority=\"high\"\/><\/p>\n<p>L\u00e4uferinnen und L\u00e4ufer beim Start des Wien-Marathons im Vorjahr. \u2003APA \/ APA \/ Eva Manhart<\/p>\n<p> Sie sind der Mann, der beim London-Marathon die F\u00e4den zieht. Was bedeutet Ihnen das Laufen, was ist Ihr gr\u00f6\u00dfter Wunsch? <\/p>\n<p> Hugh Brasher: Running ist positiv. Das gemeinsame Laufen \u00f6ffnet Arme und T\u00fcren. Ein Marathon kann die Menschen in einer Welt, in der wir st\u00e4rker voneinander getrennt sind als je zuvor, mit 42,195 Kilometern oder 26,2 Meilen zusammenbringen. Es geht um Community, ein Marathon ist etwas, woran du dich f\u00fcr den Rest deines Lebens erinnerst. Marathons haben starke wirtschaftliche und gesellschaftliche Effekte, es ist eine Kraft in unserer Welt. Es hilft der Seele zu atmen, dient der Gesundheit \u2013 ein Marathon bringt auch deine Psyche in Gang, denn du musst es auch mental wollen und schaffen. Mein Wunsch? Dass alle sehen, wie weit voneinander getrennt wir in diesen Zeiten mit Kriegen sind und wie nah wir sein k\u00f6nnten, wenn wir ein gemeinsames Ziel h\u00e4tten. <\/p>\n<p> Viele folgen mit jedem Schritt auch einer eigenen Philosophie. Sehen Sie das genauso? <\/p>\n<p> Das ist ein \u201eState of Mind\u201c, es ist mehr als das blo\u00dfe Herunterbeten von Zahlen oder Distanzen. Das ist Laufen f\u00fcr mich keinesfalls, es ist ein Gef\u00fchl. Wer bei einem City-Marathon mitmacht, erlebt wie diese Stadt erwacht, lebendig wird auf jedem Meter, den man schafft. An jeder Ecke stehen Menschen, die dich anfeuern und weil dein Name neben oder unter der Startnummer steht, rufen sie dich auch beim Namen. Tausende wildfremde Menschen feuern dich an \u2013 was willst du mehr? Im normalen Alltag sind wir doch heilfroh, wenn uns einer am Arbeitsplatz f\u00fcr die geleistete Arbeit dankt, oder? Die Zuschauer wollen dich an der Ziellinie sehen, das ist ein Abenteuer. Man will Helden, Sieger oder Menschen wie du und ich sehen, die das Unm\u00f6gliche schaffen. Das ist gelebte Philosophie mit N\u00e4chstenliebe. <\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"figure__image\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/20260408_084436.jpg\" alt=\"Er formte den London-Marathon zum weltgr\u00f6\u00dften Lauf: Hugh Brasher.\" width=\"1000\" height=\"600\" loading=\"lazy\" fetchpriority=\"low\"\/><\/p>\n<p>Er formte den London-Marathon zum weltgr\u00f6\u00dften Lauf: Hugh Brasher.\u2003Die Presse Fotos extern<\/p>\n<p> Gibt es diesen Mythos hinter einem Marathon wirklich oder ist alles blo\u00df Fiktion? <\/p>\n<p> Ja, ich denke, das Erfolgsgeheimnis jedes Marathons ist das Erlebnis, das Miterleben dieses Rennens. F\u00fcr die, die laufen, ist es ein Lebenstraum, der in Erf\u00fcllung geht. F\u00fcr die, die an der Stra\u00dfe stehen und dich anfeuern, ist es Begeisterung. Es kann auch Erstaunen sein, wenn einer sich verausgabend vorbeil\u00e4uft, aber meistens ist es Applaus. Dazu all der L\u00e4rm entlang dieser verdammt langen Strecke, in einer Stadt, die du zuvor vielleicht so noch nie erlebt hast und nach dem Rennen auch nie wieder so sehen wirst, weil jeder Lauf eben anders ist. Es ist eine Feier. Wir sagen immer: \u201eLondon hat die gr\u00f6\u00dfte Street-Party der Welt. Mit 60.000 Menschen, die 26,2 Meilen laufen.\u201c Das ist real, keine Fiktion. <\/p>\n<p> England ist auch ein Land mit gro\u00dfer Sportkultur, befl\u00fcgelt das auch das Interesse am Laufsport? <\/p>\n<p> London liebt Sport, ja. Erinnern Sie sich an 2012 und die Sommerspiele, oder die Frauen-Fu\u00dfball-EM. Gehen Sie zu Arsenal oder Tottenham, die hassen sich zwar wie die Pest, aber es ist gro\u00dfartiger Fu\u00dfball. Rugby, Cricket, Laufen \u2013 wir lieben es, ja. Aber es sind nicht \u00fcberall immer die gleichen Menschen, jeder hat andere Interessen. Je mehr, desto besser. <\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"figure__image\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/FILES-ATHLETICS-KEN-KIPTUM-OBIT.webp\" alt=\"Kelvin Kiptum feierte 2023 einen bemerkenswerten Sieg. \" width=\"1000\" height=\"600\" loading=\"lazy\" fetchpriority=\"low\"\/><\/p>\n<p>Kelvin Kiptum feierte 2023 einen bemerkenswerten Sieg. \u2003APA \/ AFP \/ Justin Tallis<\/p>\n<p> Aber der Unterschied ist offensichtlich: Da gibt es ein gegeneinander, eine Liga, eine Meisterschaft. Hier ist es ein Rennen. <\/p>\n<p> Es geht um den Menschen, die man in dieser Serie mit ihren Events willkommen hei\u00dft, sie mitrei\u00dft. In einer Gesellschaft gelingt das nicht immer oder nur \u00e4u\u00dferst schwer, wenn Neue dazukommen, bleibt immer eine gewisse Distanz. Im Marathon gibt es die nicht, du bist sofort mittendrin in der Masse und Teil von ihr mit Shirt, Short, Startnummer und Schuhen. Man hilft sich untereinander, reicht auch Fremden die H\u00e4nde, wenn man Hilfe braucht. Darum kommen auch immer mehr Frauen und j\u00fcngere Starter hinzu, es gibt keine Farben, Logos, St\u00e4mme, Tore oder Rivalit\u00e4t, sondern nur eine Ziellinie f\u00fcr alle. Ich bin mir auch nicht wirklich sicher, ob es immer einen Sieger braucht, weil jeder Teilnehmer ein Gewinner ist, wenn er sein Ziel erreicht hat. Jeder l\u00e4uft aus eigenen Beweggr\u00fcnden, f\u00fcr seine Gesundheit etwa, in Memoriam eines verlorenen Freundes oder als Feierlichkeit f\u00fcr eine bestandene Pr\u00fcfung. Da kann man in den Menschen nicht hineinschauen, manchen geht es sicher auch nur rein um die Zeit. Da spielen die ganzen Nebenger\u00e4usche wie Sorgen und Angst keine Rolle. \u201eMind over Matter\u201c, es geht um das Laufen, das Ankommen. <\/p>\n<p> Auch Sie m\u00fcssen Zweifel oder \u00c4ngste haben im Vorfeld eines Laufes. Da sind sich Wien und London sicher gleich: allerorts gibt es B\u00fcrokratie, Beh\u00f6rden, Regeln. <\/p>\n<p> Ach (lacht). Es kostet Energie und Nerven. Aber Rettung, Polizei, Feuerwehr, B\u00fcrgermeister, Busfahrer, Freiwillige etc. m\u00fcssen doch auch Teil des Ganzen sein, ohne sie geht es eben nicht. In London haben wir errechnet, dass jeder der 60.000 Starter t\u00e4glich an 2,2 Standorten mindestens auftaucht. Dazu all seine Begleiter, es ist ein Millionen-Publikum pl\u00f6tzlich in der Stadt und das muss man doch zusammenarbeiten. <\/p>\n<p> Wie gro\u00df ist die Auszeichnung f\u00fcr einen Marathon, wenn der Sieger in Weltrekordzeit einl\u00e4uft? <\/p>\n<p> Finisher, die schnellste Frau, der schnellste Mann: Es ist immer nur die \u201eKirsche\u201c auf dem Kuchen, nicht mehr. Wirklich. Das Wichtigste f\u00fcr mich sind immer diese 60.000 L\u00e4ufer, die einen perfekten Tag erleben sollen. Und wenn man bedenkt, dass wir f\u00fcr die heurige Auflage am 24. April 1,1 Millionen Antr\u00e4ge f\u00fcr einen Startplatz hatten, ist mehr als belegt, dass wir ein geliebtes Rekord-Event sind. <\/p>\n<p> Sie gelten als treibende Kraft hinter der Serie \u201eEuropean Marathons Classics\u201c, die acht L\u00e4ufe in Frankfurt, Rom, Madrid, Lissabon, London, Kopenhagen, Wien und Warschau eint. Was ist da das Ziel? <\/p>\n<p> Es ist ebenso der Zusammenhalt. Jeder macht gro\u00dfartige Jobs, jeder hat seine Vorteile, Nachteile. In dieser Serie schlie\u00dfen wir uns zusammen, tauschen Logistik und Know-how aus. Als Gruppe werden wir gr\u00f6\u00dfer, und als London-Marathon, dem gr\u00f6\u00dften der Welt, versp\u00fcre ich eine gewisse Verantwortung, das eben alle anderen auch wachsen. <\/p>\n<p> Wien ist ein popul\u00e4res Event in Europa oder erst seit dem Lauf von Eliud Kipchoge, er blieb 2019 in 1:59 Stunden als erster Mensch unter der Zwei-Stunden-Marke, Fixbestandteil der Marathon-Welt? Wie kam es eigentlich dazu, dass er in Wien diese magischen 1:59,40 Stunden l\u00e4uft? <\/p>\n<p> Moment, es ist ein gro\u00dfartiger Lauf seit vielen Jahrzehnten. Und wie sich das Rennen entwickelt hat, dazu kann man nur stolz applaudieren. Wir arbeiten enger seit 2019 mit dem VCM-Team zusammen, <a href=\"https:\/\/www.diepresse.com\/5705177\/die-mondlandung-im-prater#slide-1-1\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">wir haben Eliud Kipchoge<\/a> nach dem gescheiteren Versuch in Monza hierhergebracht. Ich war im Juni 2019 also hier, Wolfgang Konrad f\u00fchrte mich herum. Es hatte 30 Grad und ich bekam pl\u00f6tzlich G\u00e4nsehaut, als ich die vier Kilometer lange Hauptallee sah. Ohne Wind, perfektes Licht, die hohen B\u00e4ume, es war ein Traum. Dann haben wir unsere Maschinerie gestartet und daheim Nachforschungen betrieben. Mit Laser, Algorithmen, Technikern \u2013 ich wusste schnell, es ist die Strecke, wo Eliud unter zwei Stunden laufen kann. <\/p>\n<p> So einfach geht das in Wien sicher nicht. Was haben Sie dann getan? <\/p>\n<p> Ich bin wieder nach Wien geflogen und traf Konrad und Gerhard Wehr erneut. Ich fragte ihn, ob der B\u00fcrgermeister (Michael Ludwig, Anm.) diese Idee gut finden w\u00fcrde. Es ist ja nicht selbstverst\u00e4ndlich, dass wir die Allee blockieren und den ganzen Wirbel hier abhalten. Wolfgang sagte: \u201eOne Moment\u201c. Dann rief er den B\u00fcrgermeister an, allein das hat mich schon verwundert, denn ich habe die Nummer des London-B\u00fcrgermeisters nicht. Und es wurde noch besser: Wolfgang legte auf und sagte: \u201eOk, Wien macht mit.\u201c Dann fuhren wir in eines der Hotels im Prater, man zeigte uns alle Zimmer. Ich fragte, ob es denn eines gibt mit Zimmernummer 159, das wollte ich unbedingt f\u00fcr Eliud haben \u2013 als Motivation. Ja, damit wurde in Windeseile Geschichte geschrieben, mit einzigartiger Unterst\u00fctzung vor einer wundervollen Zuschauerkulisse, den besten Pacemakers, Sky, Ineos, all der Technik, dem perfekten Vorausauto mit penibel genauem Tempo, alles war auf den Millimeter genau. Wien ist eine Running-City, darauf sollte jeder stolz sein. <\/p>\n<p>    Lesen Sie mehr zu diesen Themen:<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Wenn einer Ph\u00e4nomen und Magie eines Marathons erkl\u00e4ren kann, dann der Engl\u00e4nder Hugh Brasher. 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