{"id":109745,"date":"2026-04-18T10:34:08","date_gmt":"2026-04-18T10:34:08","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/109745\/"},"modified":"2026-04-18T10:34:08","modified_gmt":"2026-04-18T10:34:08","slug":"hisbollah-mitten-in-europa-neue-studie-deckt-geheime-finanznetzwerke-auf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/109745\/","title":{"rendered":"Hisbollah mitten in Europa: Neue Studie deckt geheime Finanznetzwerke auf"},"content":{"rendered":"<p>Eine neue Studie der Dokumentationsstelle Politischer Islam (DPI) sorgt f\u00fcr Aufsehen: Die Untersuchung zeigt, wie weitverzweigt die Finanzierungsstrukturen der schiitisch-islamistischen Hisbollah in Europa sind \u2013 und dass auch \u00d6sterreich in diesen Netzwerken eine Rolle spielt. Die Analyse beleuchtet legale wie illegale Gesch\u00e4ftsmodelle, internationale Verflechtungen und Schw\u00e4chen im europ\u00e4ischen Rechtssystem, die von der Organisation offenbar gezielt genutzt werden.<\/p>\n<p>Autorin Lina Khatib mit dem stellvertretenden DPI-Direktor Ferdinand Haberl (Copyright: Dokumentationsstelle\/DPI)<\/p>\n<p>Die neue Publikation der Dokumentationsstelle Politischer Islam wurde unter der Leitung von Lina Khatib erstellt, Associate Fellow bei Chatham House, dem Royal Institute of International Affairs in London. Unterst\u00fctzt wurde die Arbeit von Anrike Visser, Expertin f\u00fcr Finanzkriminalit\u00e4t und Terrorfinanzierung.<\/p>\n<p>Die Studie untersucht die weitreichenden Finanzstrukturen der religi\u00f6s-extremistischen Hisbollah in Europa. Grundlage der Analyse sind \u00f6ffentlich zug\u00e4ngliche Quellen, darunter Gerichtsakten, Unternehmensregister und Regierungsberichte. Die Autoren legen offen, wie eng die Organisation mit global operierenden Unternehmen verflochten ist und wie sie legale und illegale Gesch\u00e4ftsmodelle miteinander verbindet.<\/p>\n<p>                Hisbollah trotz Schw\u00e4chung weiterhin global vernetzt                                    <\/p>\n<p>Die Islamische Republik Iran und ihre Verb\u00fcndeten sind durch ihre direkte oder indirekte Beteiligung an milit\u00e4rischen Konflikten im Nahen Osten in den vergangenen Jahren verst\u00e4rkt in den Fokus geraten. Eine zentrale Rolle spielt dabei die im Libanon entstandene schiitisch-islamistische Hisbollah, die lange Zeit als st\u00e4rkste nicht-staatliche bewaffnete Miliz weltweit galt.<\/p>\n<p>Als B\u00fcndnispartner der vom Iran unterst\u00fctzten \u201eAchse des Widerstands\u201c war sie auch in den durch den Terrorangriff der Hamas am 7. Oktober 2023 ausgel\u00f6sten Krieg in Israel und Gaza involviert. Zwar gilt die Hisbollah inzwischen milit\u00e4risch und politisch als deutlich geschw\u00e4cht, doch ihre transnationalen Netzwerke im Nahen Osten, in Lateinamerika, Afrika und Europa bestehen laut der Studie weiterhin.<\/p>\n<p>Demnach ist die Organisation unter anderem in den Handel mit Drogen, Kunstwerken und Blutdiamanten sowie in \u00d6l-Schmuggel und Geldw\u00e4sche verstrickt.<\/p>\n<p>                EU-Staaten uneins bei Einstufung als Terrororganisation                                    <\/p>\n<p>Von besonderer Bedeutung f\u00fcr die gesch\u00e4ftlichen Aktivit\u00e4ten der Hisbollah in der Europ\u00e4ischen Union ist ihre unterschiedliche rechtliche Behandlung in den einzelnen Staaten. W\u00e4hrend in Deutschland, der Schweiz und den Niederlanden inzwischen die gesamte Organisation als Terrororganisation eingestuft wird, listen viele andere L\u00e4nder \u2013 darunter auch \u00d6sterreich \u2013 lediglich den milit\u00e4rischen Fl\u00fcgel als terroristisch.<\/p>\n<p>Nach Einsch\u00e4tzung der Studienautoren er\u00f6ffnet genau das problematische Spielr\u00e4ume: Der politische Arm k\u00f6nne trotz enger Verbindungen zu den \u00fcbrigen Strukturen in zahlreichen europ\u00e4ischen Staaten legal t\u00e4tig sein und etwa \u00fcber gemeinn\u00fctzige oder religi\u00f6se Organisationen Spenden sammeln.<\/p>\n<p>Laut Berichten der US-Regierung finanziert sich die Hisbollah zu rund einem Drittel \u00fcber kriminelle Aktivit\u00e4ten weltweit. Europa spiele dabei eine wichtige Rolle.<\/p>\n<p>                Enge Zusammenarbeit mit iranischen Revolutionsgarden                                    <\/p>\n<p>Bei vielen Operationen arbeitet die Hisbollah laut Studie eng mit den iranischen Islamischen Revolutionsgarden zusammen. Diese wurden seit Anfang 2026 von der EU als Terrororganisation eingestuft.<\/p>\n<p>Angesichts der instabilen Lage im Libanon und insbesondere des Ende Februar 2026 begonnenen Iran-Krieges gewinnen die internationalen Netzwerke und Finanzstrukturen der Hisbollah offenbar noch st\u00e4rker an Bedeutung. Ein besonders brisanter Punkt: Finanztransaktionen laufen demnach zunehmend \u00fcber Kryptow\u00e4hrungen, um Geldfl\u00fcsse anonymer und schneller abwickeln zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>                Kriminelle Kooperationen reichen weit \u00fcber Europa hinaus                                    <\/p>\n<p>Die Studie zeichnet das Bild eines internationalen Geflechts, das l\u00e4ngst nicht an europ\u00e4ischen Grenzen endet. Die Hisbollah kooperiere bei vielen ihrer Operationen mit kriminellen Netzwerken in anderen Weltregionen, etwa mit Drogenkartellen.<\/p>\n<p>Lina Khatib erkl\u00e4rt dazu: Europa sei f\u00fcr die Hisbollah eine wichtige Drehscheibe f\u00fcr unterschiedlichste Gesch\u00e4ftsaktivit\u00e4ten. Die aufgebauten und weitverzweigten Strukturen, das breite Firmengeflecht sowie die fehlende einheitliche Einstufung der Hisbollah als Terrororganisation w\u00fcrden es der Gruppe innerhalb der EU erleichtern, legal Spenden zu sammeln und Finanzgesch\u00e4fte zu betreiben. Die Zusammenarbeit mit internationalen kriminellen Netzwerken mache zudem die globale Dimension der Hisbollah-Finanzierung deutlich. Aus Sicht der Autorin brauche es daher nicht nur eine einheitliche rechtliche Position der EU, sondern auch eine deutlich konsequentere internationale Zusammenarbeit.<\/p>\n<p>                Auch \u00d6sterreich taucht in der Analyse auf                                    <\/p>\n<p>Im Rahmen der Untersuchung wurden auch der Hisbollah zugeordnete Aktivit\u00e4ten in \u00d6sterreich beleuchtet. Ein Beispiel ist jener Fall eines Hisbollah-Kommandeurs, der 2020 und 2021 in Klagenfurt zu mehreren Jahren Haft verurteilt wurde. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der libanesische Staatsb\u00fcrger seit 2006 Mitglied der Hisbollah war, rund 250 Jugendliche und M\u00e4nner f\u00fcr die Organisation anwarb und sich sowohl an ideologischen Schulungen als auch an milit\u00e4rischen Ausbildungen beteiligte.<\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus soll er \u00fcber viele Jahre hinweg auch in \u00d6sterreich an der Finanzierung der Organisation mitgewirkt haben.<\/p>\n<p>                Drogenroute f\u00fchrte \u00fcber \u00d6sterreich                                    <\/p>\n<p>Ein weiteres Fallbeispiel in der Studie betrifft ein Schmuggelnetzwerk, das von \u00f6sterreichischen Beh\u00f6rden erfolgreich aufgedeckt wurde. Die T\u00e4tergruppe soll gro\u00dfe Mengen Captagon und Kokain unbemerkt nach Saudi-Arabien geschleust haben. Die im Libanon hergestellten Drogen wurden dabei in Ger\u00e4ten wie Pizza\u00f6fen oder Waschmaschinen versteckt und \u00fcber Belgien und \u00d6sterreich nach Italien in verschiedene Hafenst\u00e4dte transportiert.<\/p>\n<p>Besonders brisant: Als Tarnung diente in diesem Fall eine Pizzeria in einem Salzburger Ort. Die Route sei laut Analyse deshalb gew\u00e4hlt worden, weil Waren aus Europa in Saudi-Arabien in der Regel weniger streng kontrolliert werden. Der Drogenring rund um die damalige Pizzeria wurde 2021 im Rahmen der \u201eOperation El Capta\u201c zerschlagen. Mehrere Beteiligte wurden vom Landesgericht Salzburg verurteilt.<\/p>\n<p>Wie die Studie weiter ausf\u00fchrt, ist die Hisbollah nicht nur im Captagon-Handel im Nahen Osten t\u00e4tig, sondern auch am internationalen Kokainhandel beteiligt. Dessen Route verl\u00e4uft demnach von Lateinamerika \u00fcber Westafrika bis nach Europa.<\/p>\n<p>                Studie zeigt Muster und politische Schwachstellen auf                                    <\/p>\n<p>Die DPI-Publikation beschreibt detailliert, wie die globalen Netzwerke der extremistischen Organisation ineinandergreifen, wie legale und illegale Gesch\u00e4ftspraktiken miteinander verbunden werden und wie die Hisbollah dabei gezielt L\u00fccken im europ\u00e4ischen Rechtssystem nutzt.<\/p>\n<p>Anhand ausgew\u00e4hlter Fallstudien werden zentrale Muster der Finanzgesch\u00e4fte aufgezeigt und die daraus resultierenden politischen Herausforderungen benannt. Die Studie versteht sich damit als fundierter Beitrag zur Entwicklung wirksamer Ma\u00dfnahmen gegen die Finanzierung der Hisbollah in Europa.<\/p>\n<p>                Grafik und Studie kostenlos abrufbar                                    <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Eine neue Studie der Dokumentationsstelle Politischer Islam (DPI) sorgt f\u00fcr Aufsehen: Die Untersuchung zeigt, wie weitverzweigt die Finanzierungsstrukturen&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":109746,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[268,274,76,75,74,270,272,275,40,265,44,266,269,271,109,264,263,267,273,66],"class_list":{"0":"post-109745","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-europa","8":"tag-chronik","9":"tag-diskussion","10":"tag-eu","11":"tag-europa","12":"tag-europe","13":"tag-gesellschaft","14":"tag-mediengeschehen","15":"tag-meinung","16":"tag-nachrichten","17":"tag-nordtirol","18":"tag-oesterreich","19":"tag-osttirol","20":"tag-politik","21":"tag-presseklick","22":"tag-sport","23":"tag-suedtirol","24":"tag-unsertirol24","25":"tag-ut24","26":"tag-ut24-blog","27":"tag-welt"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@at\/116425265268807240","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/109745","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=109745"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/109745\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media\/109746"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=109745"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=109745"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=109745"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}