{"id":111504,"date":"2026-04-19T10:07:10","date_gmt":"2026-04-19T10:07:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/111504\/"},"modified":"2026-04-19T10:07:10","modified_gmt":"2026-04-19T10:07:10","slug":"geruch-von-verdorbenem-essen-und-der-appetit-verschwindet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/111504\/","title":{"rendered":"Geruch von verdorbenem Essen und der Appetit verschwindet"},"content":{"rendered":"<p>Wer einmal etwas gegessen hat, das ihm nicht bekommen ist, meidet diese Nahrung oft dauerhaft. Dann reicht oft schon der Geruch, und der Appetit ist weg. Wie dieses Vermeidungslernen im K\u00f6rper entsteht, war bislang nicht genau gekl\u00e4rt. <a href=\"https:\/\/www.uni-bonn.de\/de\/neues\/074-2026\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">Forscher aus Bonn<\/a> zeigen nun: Neben Gehirn und Immunsystem spielen auch Fettzellen eine zentrale Rolle. In Experimenten mit Fruchtfliegen konnten sie einen Mechanismus nachweisen, bei dem Signale aus dem Fettgewebe das Verhalten gezielt ver\u00e4ndern.<\/p>\n<p>Im Gehirn wird diese Erfahrung offenbar dauerhaft abgespeichert. Es registriert nicht nur, dass eine Nahrung krank gemacht hat, sondern ver\u00e4ndert auch das Verhalten f\u00fcr k\u00fcnftige Situationen. Die in Neuron ver\u00f6ffentlichte <a href=\"https:\/\/www.cell.com\/neuron\/fulltext\/S0896-6273(26)00217-5?_returnURL=https%3A%2F%2Flinkinghub.elsevier.com%2Fretrieve%2Fpii%2FS0896627326002175%3Fshowall%3Dtrue\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">Studie <\/a>zeigt, wie eng dabei Nervensystem, Immunsystem und Fettgewebe zusammenarbeiten.<\/p>\n<p>Immunsystem erkennt Erreger nach verdorbenem Essen<\/p>\n<p>Die Ergebnisse stammen aus Versuchen mit <a href=\"https:\/\/smartup-news.de\/wissen\/fruchtfliegen-auf-kokain-was-ihre-sucht-ueber-uns-verraet\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">Fruchtfliegen<\/a>. Die Tiere mussten sich zwischen zwei Futterquellen entscheiden. Beide wirkten identisch. Eine enthielt jedoch krankmachende Bakterien. Anfangs w\u00e4hlten die Fliegen bevorzugt diese belastete Nahrung. Der Geruch wirkte f\u00fcr sie anziehend und signalisierte zun\u00e4chst eine geeignete Quelle.<\/p>\n<p>Nach der Aufnahme \u00e4nderte sich das Verhalten deutlich. Die Tiere mieden das belastete Futter. Diese Umstellung erfolgte schnell. Sie setzte innerhalb weniger Minuten ein. Der Geschmack spielte dabei keine entscheidende Rolle. Beide Varianten wurden zun\u00e4chst gleich angenommen.<\/p>\n<p>Sobald Bakterien in den K\u00f6rper gelangen, reagiert das Immunsystem. Es erkennt Bestandteile der Erreger und l\u00f6st Alarm aus. Diese Signale erreichen Nervenzellen nahe des Schlunds. Von dort geht die Information weiter in den K\u00f6rper. \u201eDa diese erlernte Nahrungsvermeidung in allen Tierarten zu finden ist, sind wir dieser Frage in einem Modellorganismus nachgegangen\u201c, erkl\u00e4rt <a href=\"https:\/\/www.physiologie.uni-bonn.de\/de\/forschung\/ag-grunwald\/ilona-grunwald-kadow\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">Prof. Dr. Ilona Grunwald Kadow <\/a>von der Universit\u00e4t Bonn. \u201eIn ihr k\u00f6nnen wir aufkl\u00e4ren, wie Hirn und K\u00f6rper miteinander interagieren.\u201c<\/p>\n<p>Nervenzellen aktivieren Fettzellen im Kopfbereich<\/p>\n<p>Die Nervenzellen stehen nicht nur mit dem Gehirn in Verbindung. Sie reichen auch bis in ein Fettdepot im Kopf. Dort geben sie Signale weiter. Ein Botenstoff namens Octopamin spielt dabei eine wichtige Rolle. Er wirkt \u00e4hnlich wie Adrenalin. \u201eIn unserem Experiment wurden bei ihnen Rezeptoren aktiviert, die auf Bestandteile der Bakterienwand ansprechen\u201c, sagt die Forscherin <a href=\"https:\/\/bonndoc.ulb.uni-bonn.de\/xmlui\/handle\/20.500.11811\/13536\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">Yujie Wang<\/a>. Diese Aktivierung setzt eine Kette von Reaktionen in Gang.<\/p>\n<p>Das Fettgewebe reagiert direkt auf die Signale. Es bildet <a href=\"https:\/\/smartup-news.de\/wissen\/freude-macht-uns-schneller-dopamin-beschleunigt-bewegung\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">Dopamin<\/a>. Dieser Botenstoff gelangt ins Gehirn. Dort beeinflusst er Nervenzell-Netzwerke, die f\u00fcr Lernen wichtig sind.<\/p>\n<p>Grunwald Kadow beschreibt den Ablauf so: \u201eIn den Fettzellen veranlasst das Octopamin dann die Bildung eines weiteren Botenstoffs, des Dopamins.\u201c Und weiter: \u201eDas Dopamin wiederum wird ins Fliegengehirn transportiert und sorgt dort dauerhaft f\u00fcr eine verst\u00e4rkte Aktivierung von Nervenzell-Netzwerken.\u201c Die Folge: Die Tiere meiden k\u00fcnftig genau die Nahrung, die ihnen geschadet hat.<\/p>\n<p>Der entscheidende Unterschied: Das Dopamin kommt nicht aus klassischen Nervenzellen, sondern aus dem Fettgewebe. Damit ver\u00e4ndert sich der Blick auf die Rolle von Fett im K\u00f6rper:<\/p>\n<p>Fettzellen geben aktiv Signale ab<\/p>\n<p>Diese Signale erreichen das Gehirn<\/p>\n<p>Sie beeinflussen dauerhaft die Essentscheidung<\/p>\n<p>Das Fettgewebe wirkt damit wie ein Bindeglied zwischen Immunsystem und Verhalten.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/smartup-news.de-nach-verdorbenem-essen-reicht-oft-schon-der-geruch-so-reagiert-der-koerper-newsimage.jpeg\" alt=\"Gewebeschnitt durch den Kopf einer Fruchtfliege\" class=\"wp-image-55240\" style=\"width:602px;height:auto\"  \/>Ein Gewebeschnitt zeigt den Kopf einer Fruchtfliege: Gr\u00fcn markierte Nervenzellen mit dem Botenstoff Octopamin verbinden das Gehirn mit Organen im K\u00f6rper und steuern Reaktionen nach verdorbenem Essen. \u00a9 Mareike Selcho\/Universit\u00e4t Leipzig<\/p>\n<p>Bestimmte Abwehrstoffe sind f\u00fcr den Effekt n\u00f6tig<\/p>\n<p>Nicht jede Immunreaktion reicht aus. Entscheidend sind bestimmte Abwehrstoffe. Besonders wichtig ist ein Molek\u00fcl namens Diptericin B. Fehlt es, verlieren die Tiere die F\u00e4higkeit zur Unterscheidung. Dann w\u00e4hlen sie weiterhin die sch\u00e4dliche Nahrung. Der Schutzmechanismus f\u00e4llt aus. Das zeigt, wie pr\u00e4zise das System arbeitet.<\/p>\n<p>Die Analyse der Gene liefert weitere Hinweise. Nach der Aufnahme von Bakterien ver\u00e4ndern sich im Kopf besonders viele Gene. Dort steigt die Aktivit\u00e4t deutlich an. Im restlichen K\u00f6rper f\u00e4llt die Reaktion schw\u00e4cher aus. Das spricht f\u00fcr eine Schl\u00fcsselrolle des Fettgewebes im Kopf. Hier treffen Nervensignale, Immunreaktionen und Stoffwechsel besonders eng aufeinander.<\/p>\n<p>Nervenzellen steuern Fettgewebe gezielt<\/p>\n<p>Passend dazu zeigt sich auch die Struktur im K\u00f6rper. Nervenzellen reichen direkt bis in dieses Fettgewebe. Sie geben dort ihre Signale weiter. Diese Verbindung l\u00e4sst sich im Experiment klar nachweisen.<\/p>\n<p>Schon geringe Mengen von Octopamin aktivieren die Fettzellen. Kurz darauf steigt dort die Produktion von Dopamin. Die Reaktion setzt schnell ein und bleibt stabil.<\/p>\n<p>Die Anpassung beginnt innerhalb weniger Minuten<\/p>\n<p>Sie funktioniert unabh\u00e4ngig vom Ern\u00e4hrungszustand<\/p>\n<p>Sie bleibt auch unter wechselnden Bedingungen erhalten<\/p>\n<p>Bedeutung f\u00fcr den Menschen wird untersucht<\/p>\n<p>Die Ergebnisse stammen aus Versuchen mit Fruchtfliegen. Dennoch gibt es Parallelen. Auch beim Menschen produziert Fettgewebe Botenstoffe. Diese wirken auf das Gehirn und beeinflussen den Appetit. \u201eUnsere Ergebnisse zeigen eine bislang unbekannte Kommunikationsschleife zwischen Immunsystem und Gehirn\u201c, sagt Grunwald Kadow. Ob dieser Mechanismus beim Menschen \u00e4hnlich funktioniert, wird weiter untersucht.<\/p>\n<p>Die Forschenden vermuten einen Zusammenhang mit Essverhalten und Stoffwechsel. St\u00f6rungen in diesem Zusammenspiel k\u00f6nnten eine Rolle bei Erkrankungen wie Magersucht oder <a href=\"https:\/\/smartup-news.de\/gesellschaft\/geburtsmonat-beeinflusst-uebergewicht-und-essgewohnheiten\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">\u00dcbergewicht<\/a> spielen.<\/p>\n<p>Kurz zusammengefasst:<\/p>\n<p>Nach verdorbenem Essen speichert der K\u00f6rper die Erfahrung schnell und zuverl\u00e4ssig, weil Immunsystem und Gehirn gemeinsam eine Warnreaktion ausl\u00f6sen.<\/p>\n<p>Fettzellen greifen aktiv ein: Sie setzen Dopamin frei, das im Gehirn Lernprozesse ver\u00e4ndert und daf\u00fcr sorgt, dass die belastete Nahrung k\u00fcnftig gemieden wird.<\/p>\n<p>Entscheidend sind pr\u00e4zise Signale und Abwehrstoffe wie Diptericin B \u2013 f\u00e4llt dieser Mechanismus aus, kann die Schutzreaktion versagen und das Essverhalten kippen.<\/p>\n<p>\u00dcbrigens: Auch bei Zucker speichert der K\u00f6rper Erfahrungen \u2013 Fructose kann den Stoffwechsel gezielt auf Fettaufbau umstellen. Warum dieser Zucker f\u00fcr den K\u00f6rper mehr ist als nur eine Kalorienquelle, mehr dazu in unserem <a href=\"https:\/\/smartup-news.de\/gesundheit\/fructose-foerdert-fettbildung-offenbar-staerker-als-anderer-zucker\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">Artikel<\/a>.<\/p>\n<p>Bild: \u00a9 <a href=\"https:\/\/unsplash.com\/de\/fotos\/frau-halt-teller-mit-kuchen-R9-N8kkRdDk\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">Unsplash<\/a><\/p>\n<p>                Tags: <a href=\"https:\/\/smartup-news.de\/tag\/appetit\/\" rel=\"tag nofollow noopener\" target=\"_blank\">Appetit<\/a>,<a href=\"https:\/\/smartup-news.de\/tag\/bakterien\/\" rel=\"tag nofollow noopener\" target=\"_blank\">Bakterien<\/a>,<a href=\"https:\/\/smartup-news.de\/tag\/dopamin\/\" rel=\"tag nofollow noopener\" target=\"_blank\">Dopamin<\/a>,<a href=\"https:\/\/smartup-news.de\/tag\/ernaehrung\/\" rel=\"tag nofollow noopener\" target=\"_blank\">Ern\u00e4hrung<\/a>,<a href=\"https:\/\/smartup-news.de\/tag\/fettzellen\/\" rel=\"tag nofollow noopener\" target=\"_blank\">Fettzellen<\/a>,<a href=\"https:\/\/smartup-news.de\/tag\/forschung\/\" rel=\"tag nofollow noopener\" target=\"_blank\">Forschung<\/a>,<a href=\"https:\/\/smartup-news.de\/tag\/fruchtfliegen\/\" rel=\"tag nofollow noopener\" target=\"_blank\">Fruchtfliegen<\/a>,<a href=\"https:\/\/smartup-news.de\/tag\/gehirn\/\" rel=\"tag nofollow noopener\" target=\"_blank\">Gehirn<\/a>,<a href=\"https:\/\/smartup-news.de\/tag\/gesundheit\/\" rel=\"tag nofollow noopener\" target=\"_blank\">Gesundheit<\/a>,<a href=\"https:\/\/smartup-news.de\/tag\/immunsystem\/\" rel=\"tag nofollow noopener\" target=\"_blank\">Immunsystem<\/a>,<a href=\"https:\/\/smartup-news.de\/tag\/octopamin\/\" rel=\"tag nofollow noopener\" target=\"_blank\">Octopamin<\/a>,<a href=\"https:\/\/smartup-news.de\/tag\/verdauung\/\" rel=\"tag nofollow noopener\" target=\"_blank\">Verdauung<\/a>            <\/p>\n<p>              0%<br \/>\n              Love<\/p>\n<p>              0%<br \/>\n              Funny<\/p>\n<p>              0%<br \/>\n              Wow<\/p>\n<p>              0%<br \/>\n              Sad<\/p>\n<p>              0%<br \/>\n              Angry<\/p>\n<p>\t\tBeitragsnavigation<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Wer einmal etwas gegessen hat, das ihm nicht bekommen ist, meidet diese Nahrung oft dauerhaft. 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