{"id":112897,"date":"2026-04-20T06:43:11","date_gmt":"2026-04-20T06:43:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/112897\/"},"modified":"2026-04-20T06:43:11","modified_gmt":"2026-04-20T06:43:11","slug":"papier-aus-dem-bundesumweltministerium-kritik-an-eu-atomstrategie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/112897\/","title":{"rendered":"Papier aus dem Bundesumweltministerium &#8211; Kritik an EU-Atomstrategie"},"content":{"rendered":"<p>            <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"ts-image\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/zwischenlager-ahaus-100.jpg\" alt=\"Auf einem Schild in der \u00f6stlichen Lagerhalle f\u00fcr radioaktibe Castor Beh\u00e4lter in Ahaus steht &quot;Vorsicht - Erh\u00f6hte Strahlung&quot;. \" title=\"Auf einem Schild in der \u00f6stlichen Lagerhalle f\u00fcr radioaktibe Castor Beh\u00e4lter in Ahaus steht &quot;Vorsicht - Erh\u00f6hte Strahlung&quot;.  | dpa\"\/><\/p>\n<p>                    exklusiv<\/p>\n<p class=\"metatextline\">Stand: 20.04.2026 \u2022 06:00 Uhr<\/p>\n<p class=\"article-head__shorttext\">\n        Experten des Bundesumweltministeriums kritisieren die Pl\u00e4ne der EU-Kommissionspr\u00e4sidentin von der Leyen zum Einsatz kleiner, modularer Kernreaktoren. Das geht aus einem internen Papier des Ministeriums hervor, das dem SWR vorliegt.\n    <\/p>\n<p>Von Marcel Kolvenbach und Nick Schader, SWR\n                    <\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Nach den Pl\u00e4nen von EU-Kommissionspr\u00e4sidentin Ursula von der Leyen sollen in Zukunft Mini-AKW den europ\u00e4ischen Energiemix erg\u00e4nzen, um Klimaziele zu erreichen und die Versorgungssicherheit zu gew\u00e4hrleisten. Die &#8222;Strategie f\u00fcr die Entwicklung und den Einsatz von kleinen, modularen Reaktoren (Small Modular Reactors, SMR) in Europa&#8220; hatte von der Leyen im Rahmen des zweiten Nuclear Energy Summits am 10. M\u00e4rz 2026 in Paris vorgestellt.<\/p>\n<p>    Fachleute widersprechen<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Dem SWR liegt exklusiv ein internes Papier aus dem Bundesministerium f\u00fcr Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz (BMUV) vom 13. M\u00e4rz vor, das zu den SMR-Pl\u00e4nen Stellung nimmt. Das Papier soll die Position der zust\u00e4ndigen Fachabteilung im Ministerium wiedergeben und in die weitere Abstimmung der Bundesregierung zu der Strategie und den Beratungen auf EU-Ebene einflie\u00dfen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">&#8222;Die Fachleute sprechen Tacheles&#8220;, bewerten Insider des SPD-gef\u00fchrten Ministeriums den Inhalt des Papiers. Es widerspricht in zentralen Punkten den Positionen der EU-Kommission zu den angeblichen Vorteilen der kleinen, modularen Reaktoren.<\/p>\n<p>    &#8222;Zu teuer, zu unsicher, zu sp\u00e4t&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Kernaussagen des Papiers: Auch f\u00fcr SMR m\u00fcssten sehr hohe Anforderungen an die nukleare Sicherheit gelten. An den grundlegenden Risiken \u00e4ndere die kleinere Bauweise nichts. Daher h\u00e4tten &#8222;Mini-AKW&#8220; gegen\u00fcber herk\u00f6mmlichen AKW auch keinen Kostenvorteil &#8211; im Gegenteil. Um die Leistung eines gro\u00dfen Reaktors zu erreichen, m\u00fcssten etwa vier kleine Kernkraftwerke gebaut werden, von denen jedes einzelne die hohen Sicherheitsstandards erf\u00fcllen m\u00fcsse.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Ohne massive staatliche F\u00f6rderung g\u00e4be es daher f\u00fcr die SMR bisher keinen Markt, denn ein Kostenvorteil durch die &#8222;modulare Bauweise&#8220;, also industrielle Vorfertigung, w\u00fcrde erst bei einer Massenproduktion greifen. Diese sei derzeit nicht in Sicht. Und durch die n\u00f6tigen staatlichen Subventionen w\u00fcrden Mittel abgesch\u00f6pft, die an anderer Stelle f\u00fcr den Klimaschutz ben\u00f6tigt w\u00fcrden. Au\u00dferdem k\u00e4me die noch nicht ausgereifte SMR-Technologie zu sp\u00e4t f\u00fcr die jetzige Energiewende.<\/p>\n<p>    SMR: Spaltstoff f\u00fcr die Koalition?<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) hat sich immer wieder klar gegen den Wiedereinstieg in die Atomkraft positioniert. Bundeskanzler Friedrich Merz dagegen hatte wie von der Leyen den deutschen Atomausstieg als &#8222;strategischen Fehler&#8220; bezeichnet. <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/inland\/soeder-forderung-mini-akw-100.html\" title=\"S\u00f6der fordert Bau von Mini-Atomkraftwerken\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">CSU-Chef Markus S\u00f6der m\u00f6chte in Bayern auf SMR setzen<\/a> &#8211; und m\u00fcsste dazu mit Unterst\u00fctzung des Koalitionspartners SPD zun\u00e4chst das Bundesgesetz \u00e4ndern. Und Unionsfraktionschef Jens Spahn will <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/inland\/innenpolitik\/spahn-wiedereinstieg-atomkraft-100.html\" title=\"Spahn will \u00fcber Reaktivierung von Atomkraftwerken reden\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">eine Diskussion zur Wiederinbetriebnahme deutscher Atomkraftwerke.<\/a><\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Das CDU-gef\u00fchrte Bundesministerium f\u00fcr Wirtschaft und Energie r\u00e4umt zwar ein, dass laut Koalitionsvertrag ein Wiedereinstieg in die Atomenergie nicht anstehe, bezieht auf Anfrage des SWR aber klar Stellung im Richtungsstreit Atomkraft: &#8222;Deutschland darf Technologien wie SMR nicht vorzeitig vernachl\u00e4ssigen, auch, um am Ende unsere Resilienz zu st\u00e4rken&#8220;, hei\u00dft es dazu in einer schriftlichen Antwort des Ministeriums. &#8222;Deshalb schauen wir nicht nur auf erneuerbare Energien, Speicherkapazit\u00e4ten und die Digitalisierung der Netze, sondern auch auf SMR.&#8220;<\/p>\n<p>    &#8222;Im Augenblick kein Kostenvorteil&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Der interne Kurzvermerk aus dem Bundesumweltministerium widerspricht aber gerade den Argumenten f\u00fcr die besondere Wirtschaftlichkeit &#8211; der &#8222;erschwinglichen Energie&#8220; der Mini-AKW. Das Papier verweist darauf, dass die Baukosten von SMR zwar vordergr\u00fcndig geringer erscheinen als bei gro\u00dfen AKW. &#8222;Skaliert man auf die Leistung, sieht man aber, dass SMR im Augenblick keinen Kostenvorteil gegen\u00fcber gro\u00dfen AKW bieten&#8220;.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Bisher gibt es weltweit kein kommerziell betriebenes SMR-Kernkraftwerk, und das habe einen Grund, so die Experten: Wahrscheinlich seien am Ende &#8222;die Kosten pro Megawatt Leistung sogar h\u00f6her&#8220; als bei konventionellen AKW.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Das bisher weltweit einzige SMR-Projekt wird als Referenz herangezogen: &#8222;F\u00fcr das SMR-Projekt (geplant vier SMR) in Darlington in der kanadischen Provinz Ontario (CAN) werden bisher Gesamtkosten von 13,3 Mrd. Euro angegeben&#8220;, hei\u00dft es in dem Papier. Aufgrund der geringeren elektrischen Leistung l\u00e4gen die spezifischen Kosten pro Megawattstunde bei SMR derzeit \u00fcber denen gro\u00dfer Atomkraftwerke. Fazit: &#8222;Die h\u00e4ufig angef\u00fchrten Kostenvorteile durch Modularit\u00e4t sind bislang nicht empirisch belegt.&#8220;<\/p>\n<p>    Zweifel am preiswerten Atomstrom<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Zu \u00e4hnlichen Ergebnissen waren auch schon <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/wissen\/technologie\/mini-akw-atomkraft-kraftwerke-energiemix-100.html\" title=\"Mini-AKW - wie sinnvoll sind sie?\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">andere Wissenschaftler<\/a> gekommen. So hatten Experten von der Technischen Universit\u00e4t Berlin und dem Deutschen Institut f\u00fcr Wirtschaftsforschung berechnet, dass eine Kilowattstunde Strom aus den Mini-AKW je nach Konzept 18 bis 50 Cent kosten w\u00fcrde. Zum Vergleich: Eine Kilowattstunde Windstrom kostete zuletzt vier bis neun Cent.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Und auch bei den radioaktiven Abf\u00e4llen bieten SMR offenbar keine Vorteile. Eine Auswertung des Bundesamtes f\u00fcr die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE) kam vor Kurzem zu dem Ergebnis, dass SMR bezogen auf die Leistung sogar mehr hochradioaktiven Abfall erzeugen k\u00f6nnten als herk\u00f6mmliche Kernreaktoren.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Insgesamt kommt das Bundesumweltministerium auf Anfrage des SWR zu dem Ergebnis, dass es &#8222;weder zum Durchbruch der SMR-Technologie kommen wird noch eine \u00f6ffentliche F\u00f6rderung derartiger Konzepte sinnvoll ist.&#8220;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"exklusiv Stand: 20.04.2026 \u2022 06:00 Uhr Experten des Bundesumweltministeriums kritisieren die Pl\u00e4ne der EU-Kommissionspr\u00e4sidentin von der Leyen zum&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":112898,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[12],"tags":[7740,20840,76,40,41,39,66,65,64],"class_list":{"0":"post-112897","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-welt","8":"tag-atomkraft","9":"tag-akw","10":"tag-eu","11":"tag-nachrichten","12":"tag-news","13":"tag-schlagzeilen","14":"tag-welt","15":"tag-world","16":"tag-world-news"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@at\/116435681616935973","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/112897","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=112897"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/112897\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media\/112898"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=112897"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=112897"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=112897"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}