{"id":114680,"date":"2026-04-21T03:31:14","date_gmt":"2026-04-21T03:31:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/114680\/"},"modified":"2026-04-21T03:31:14","modified_gmt":"2026-04-21T03:31:14","slug":"insiderhandel-geheimwissen-zu-geld-machen-di-21-04-2026-1300","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/114680\/","title":{"rendered":"Insiderhandel: Geheimwissen zu Geld machen | DI | 21 04 2026 | 13:00"},"content":{"rendered":"<p class=\"articleDate\">21. April 2026, 13:00<\/p>\n<p>Wohin US-Pr\u00e4sident Trump die Geschicke der Weltpolitik und des Weltmarktes als n\u00e4chstes lenken wird, ist nicht immer so ganz vorhersehbar. Zum Beispiel seine Zollpolitik im vergangenen Jahr: Ank\u00fcndigung, Versch\u00e4rfung, Fristverl\u00e4ngerung, Kurswechsel. Die B\u00f6rsen reagierten entsprechend mit starken Schwankungen: Kurssturz, Aufschwung. Was in der \u00d6ffentlichkeit erratisch wirkte, war f\u00fcr manche offenbar doch vorhersehbarer als f\u00fcr andere. Und wer wusste, was als N\u00e4chstes passieren w\u00fcrde, konnte damit richtig viel Geld machen. <\/p>\n<p>Die Kongressabgeordnete Marjorie Taylor Greene etwa, damals noch eine von Trumps treuesten Unterst\u00fctzerinnen, hatte Aktien um mehrere zehntausend Dollar gekauft, kurz bevor eine von Trumps Kehrtwenden die Kurse wieder nach oben schickte. Staatsanleihen im Wert von bis zu 100.000 Dollar stie\u00df sie zu einem ebenso g\u00fcnstigen Zeitpunkt ab. Die demokratische Opposition sah als erwiesen an, dass Regierungs-Insider im Voraus von der politischen Entscheidung wussten und damit an der B\u00f6rse profitierten. Der Vorwurf lautet: Insiderhandel.<\/p>\n<p>Am 9. M\u00e4rz dieses Jahres erkl\u00e4rte Trump in einem Interview, der Krieg im Iran sei &#8222;so gut wie beendet&#8220;. Die Nachricht stand zwar in deutlichem Widerspruch zur Realit\u00e4t, aber sie lie\u00df umgehend die \u00d6lpreise fallen. Doch bereits eine Dreiviertelstunde bevor das Interview online gegangen und die Information damit \u00f6ffentlich war, hatte es eine auff\u00e4llige H\u00e4ufung von Wetten auf einen sinkenden \u00d6lpreis gegeben. Die BBC hat diesen und noch weitere F\u00e4lle dokumentiert. Die US-Derivateaufsicht CFTC \u00fcberpr\u00fcft zurzeit eine Reihe von verd\u00e4chtigen Termingesch\u00e4ften auf \u00d6l. In \u00d6sterreich w\u00e4re unter anderem die Finanzmarktaufsicht zust\u00e4ndig. Insiderhandel ist strafrechtlich relevant.<\/p>\n<p>Insider haben exklusiven Zugang zu Informationen, die Kurse beeinflussen k\u00f6nnten &#8211; ein unfairer Vorteil auf den Kapitalm\u00e4rkten. Daher ist Insiderhandel in der Regel verboten &#8211; in \u00d6sterreich nach dem B\u00f6rsegesetz und der Marktmissbrauchsverordnung der EU. In den USA gab es schon fr\u00fch Regelungen gegen diese Praxis, die im US-amerikanischen Recht als Veruntreuung von Informationen gesehen wird &#8211; ein Foul auf dem Spielfeld des freien Marktes. Seit 2012 gilt das Verbot explizit auch f\u00fcr Amtstr\u00e4ger:innen, verurteilt wurde nach diesem Gesetz bis jetzt aber noch niemand. Dass Insiderinformationen zur Anwendung kommen, ist schwer nachzuweisen &#8211; die Geldfl\u00fcsse sind in der Regel anonym, und die Spekulant:innen behaupten, sie seien mit der Zeit einfach besser darin geworden, die Volten des US-Pr\u00e4sidenten vorherzusagen.<\/p>\n<p>Die aktuelle Eskalation im Nahen Osten verleiht dem Ph\u00e4nomen eine zus\u00e4tzliche, noch skrupellosere Dimension. Eine unverhohlene Genozid-Drohung des US-Pr\u00e4sidenten kurz vor einem Wochenende lie\u00df kurzzeitig das Schlimmste vermuten. Doch als die B\u00f6rsen in der darauffolgenden Woche wieder offen waren, schienen die Zeichen pl\u00f6tzlich auf Friedensverhandlungen zu stehen. Wer konnte das vorhersagen? Man konnte sogar buchst\u00e4blich darauf wetten. Und zwar auf so genannten Prognosem\u00e4rkten. Auf diesen virtuellen Handelsplattformen setzt man Geld auf die Eintrittswahrscheinlichkeit eines Ereignisses. Wer richtig err\u00e4t, wie das Wetter wird oder wer den Songcontest gewinnt, erh\u00e4lt eine Aussch\u00fcttung. Aber eben auch, wer wusste, dass Venezuelas Pr\u00e4sident Maduro entf\u00fchrt werden oder Irans Religionsf\u00fchrer Ali Chamenei get\u00f6tet werden w\u00fcrde. Insiderwissen, wie es eigentlich nur aus den innersten Zirkeln der Politik gekommen sein kann. Die Plattformen hei\u00dfen Kashi oder Polymarket, finanziert werden sie von Investoren wie Peter Thiel oder dem Pr\u00e4sidentensohn Donald Trump Jr. Und seit den letzten US-Wahlen und der zweiten Trump-Regierung boomen sie geradezu.<\/p>\n<p>Ger\u00e4t Insiderhandel au\u00dfer Kontrolle? Wie w\u00fcrde das die M\u00e4rkte ver\u00e4ndern? Wie verbreitet ist diese Form des Marktmissbrauchs, welche Formen nimmt sie an, was sind die Konsequenzen und greifen die gesetzlichen Regulative &#8211; oder sind die Insider:innen wirklich immer einen Schritt voraus? Zu Gast bei Xaver Forthuber ist Severin Glaser, Professor f\u00fcr Finanz- und Wirtschaftsstrafrecht an der Universit\u00e4t Innsbruck. Reden Sie mit: Rufen Sie in der Sendung an unter 0800 22 69 79 oder schreiben Sie ein E-Mail an punkteins(at)orf.at<\/p>\n<p>Sendereihe<\/p>\n<p>Gestaltung<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"21. 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