{"id":1147,"date":"2026-02-19T19:21:07","date_gmt":"2026-02-19T19:21:07","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/1147\/"},"modified":"2026-02-19T19:21:07","modified_gmt":"2026-02-19T19:21:07","slug":"wie-rote-blutkoerperchen-den-blutzuckerspiegel-senken","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/1147\/","title":{"rendered":"Wie rote Blutk\u00f6rperchen den Blutzuckerspiegel senken"},"content":{"rendered":"<p>Die roten Blutk\u00f6rperchen versorgen unseren K\u00f6rper mit Sauerstoff. Doch offenbar geht ihre Funktion noch weit dar\u00fcber hinaus: Wie eine Studie nun zeigt, spielen sie auch eine wichtige Rolle bei der Regulation des Blutzuckers. Vor allem bei Sauerstoffmangel nehmen die roten Blutk\u00f6rperchen gro\u00dfe Mengen an Glukose auf und wandeln sie in ein Molek\u00fcl um, das ihnen dabei hilft, den verbleibenden Sauerstoff besonders effizient ans Gewebe zu liefern. Als positiven Nebeneffekt senken sie dadurch zugleich den Blutzuckerspiegel. Die Erkenntnisse k\u00f6nnten eine Erkl\u00e4rung daf\u00fcr liefern, warum Menschen, die in H\u00f6henlagen mit d\u00fcnner Luft leben, seltener an Diabetes erkranken.<\/p>\n<p>Unsere roten Blutk\u00f6rperchen, auch genannt Erythrozyten, sind winzige Zellen, die fast nur aus dem sauerstoffbindenden Blutfarbstoff H\u00e4moglobin bestehen. Sie werden im Knochenmark produziert und besitzen in reifer Form weder einen Zellkern noch Mitochondrien. Ihre Energie gewinnen sie, indem sie Glukose abbauen, ohne dabei Sauerstoff zu nutzen. Bislang wurde ihr Einfluss auf den Blutzuckerspiegel aber wenig beachtet. Stattdessen wurden die roten Blutk\u00f6rperchen in der wissenschaftlichen Betrachtung \u00fcblicherweise auf ihre Funktion als Sauerstofftransporter reduziert.<\/p>\n<p>R\u00e4tselhafter Zuckerschwund<\/p>\n<p>Doch offenbar spielen die Erythrozyten auch im Glukosestoffwechsel eine entscheidende Rolle \u2013 und zwar um so st\u00e4rker, je weniger Sauerstoff die Atemluft enth\u00e4lt. Zu diesem Ergebnis kommt ein Team um Yolanda Mart\u00ed-Mateos von den Gladstone Institutes in San Francisco. Alles begann mit einer \u00fcberraschenden Beobachtung an M\u00e4usen, die sauerstoffarmer Luft ausgesetzt waren: \u201eAls wir den M\u00e4usen unter Hypoxie Zucker verabreichten, verschwand dieser fast augenblicklich aus ihrem Blutkreislauf\u201c, berichtet Mart\u00ed-Mateos. \u201eWir untersuchten Muskeln, Gehirn, Leber \u2013 alle \u00fcblichen Verd\u00e4chtigen \u2013, aber nichts in diesen Organen konnte erkl\u00e4ren, was vor sich ging.\u201c<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich fanden die Forschenden die Zucker-Gro\u00dfverbraucher: die roten Blutk\u00f6rperchen. Unter Sauerstoffmangel steigt deren Menge stark an, um die Gewebe des K\u00f6rpers weiterhin mit dem lebenswichtigen Atemgas zu versorgen. Verhinderte das Team jedoch diesen Anstieg, indem es den hypoxischen M\u00e4usen regelm\u00e4\u00dfig Blut abnahm, blieb auch der massive Glukoseverbrauch aus. Andersherum verbrauchten M\u00e4use, die unter normalen Bedingungen gehalten wurden, mehr Glukose, wenn die Forschenden ihnen zus\u00e4tzliche rote Blutk\u00f6rperchen spritzten.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.wissenschaft.de\/wp-content\/uploads\/2\/6\/26-02-19-blutzucker2.jpg\" rel=\"attachment wp-att-341018 nofollow noopener\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-341018\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/26-02-19-blutzucker2-300x156.jpg\" alt=\"Mechanismus\" width=\"300\" height=\"156\"  \/><\/a>Wenn rote Blutk\u00f6rperchen unter sauerstoff\u00e4rmeren Bedingungen entstehen, tragen sie mehr zuckerbindende Rezeptoren auf ihrer Oberfl\u00e4che. \u00a9 Marti-Mateos et al.<br \/>\nHilfe bei der Sauerstoffversorgung<\/p>\n<p>Weitere Experimente enth\u00fcllten, dass die M\u00e4use unter Sauerstoffmangel nicht nur mehr rote Blutk\u00f6rperchen produzierten, sondern dass diese neu entstandenen roten Blutk\u00f6rperchen \u00fcberdies mehr Glukose verbrauchten als solche, die in Zeiten mit ausreichender Sauerstoffversorgung gebildet wurden. Verantwortlich daf\u00fcr ist der Studie zufolge ein Protein namens GLUT1, das auf der Zellmembran der roten Blutk\u00f6rperchen sitzt und f\u00fcr den Glukosetransport in die Zellen verantwortlich ist. Die unter hypoxischen Bedingungen gebildeten Erythrozyten besa\u00dfen deutlich mehr dieser Transportproteine und konnten deshalb in k\u00fcrzerer Zeit mehr Glukose aufnehmen.<\/p>\n<p>Doch was machen die Blutzellen mit dem Zucker? Auch darauf fanden Mart\u00ed-Mateos und ihr Team eine Antwort. \u201eDie hypoxischen Erythrozyten wandelten die Glukose innerhalb von Minuten in ein Molek\u00fcl namens 2,3-Diphosphoglycerat um\u201c, berichten die Forschenden \u201eDieses Molek\u00fcl bindet sich an H\u00e4moglobin und hilft dabei, Sauerstoff an das Gewebe abzugeben \u2013 genau das, was der K\u00f6rper ben\u00f6tigt, wenn der Sauerstoffgehalt in der Luft gering ist.\u201c Durch den erh\u00f6hten Zuckerverbrauch k\u00f6nnen die Erythrozyten demnach den wenigen zur Verf\u00fcgung stehenden Sauerstoff optimal ausnutzen. Da jede einzelne dieser Blutzelle eine Lebensdauer von etwa vier Monaten hat, bleibt der Effekt auch noch bestehen, nachdem l\u00e4ngst wieder gen\u00fcgend Sauerstoff verf\u00fcgbar ist.<\/p>\n<p>Aus Sicht der Forschenden k\u00f6nnte hier auch ein therapeutischer Ansatz zur Behandlung von Diabetes liegen. \u201eRote Blutk\u00f6rperchen stellen einen verborgenen Bereich des Glukosestoffwechsels dar, der bisher nicht beachtet wurde\u201c, sagt Mart\u00ed-Mateos Kollegin Isha Jain. \u201eDiese Entdeckung k\u00f6nnte v\u00f6llig neue Wege f\u00fcr die Kontrolle des Blutzuckers er\u00f6ffnen.\u201c Bekannt ist bereits, dass Menschen, die in H\u00f6henlagen mit d\u00fcnner Luft wohnen, seltener an Diabetes erkranken. Wom\u00f6glich k\u00f6nnten sich die Effekte des Sauerstoffmangels auch mit Medikamenten nachahmen lassen.<\/p>\n<p>Quelle: Yolanda Mart\u00ed-Mateos (Gladstone Institutes, San Francisco) et al., Cell Metabolism, <a href=\"https:\/\/www.cell.com\/cell-metabolism\/fulltext\/S1550-4131(26)00018-5\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">doi: 10.1016\/j.cmet.2026.01.019<\/a><\/p>\n<p class=\"entry-meta meta-small\"> \u00a9 wissenschaft.de &#8211; Elena Bernard<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Die roten Blutk\u00f6rperchen versorgen unseren K\u00f6rper mit Sauerstoff. 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