{"id":115199,"date":"2026-04-21T09:38:09","date_gmt":"2026-04-21T09:38:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/115199\/"},"modified":"2026-04-21T09:38:09","modified_gmt":"2026-04-21T09:38:09","slug":"trump-will-keinen-papst-neben-sich-dulden-diepresse-com","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/115199\/","title":{"rendered":"Trump will keinen Papst neben sich dulden \u2013 DiePresse.com"},"content":{"rendered":"<p>Erst vor einem halben Jahr haben wir an dieser Stelle den Papst etwas unbedacht als den \u201eUnscheinbaren\u201c bezeichnet. Das w\u00e4re er vermutlich noch einige Zeit geblieben, wenn er kein Amerikaner w\u00e4re und wenn sich nicht Donald Trump ihn zum Gegner gew\u00e4hlt h\u00e4tte. Nie seit Napoleon hat ein politischer F\u00fchrer den Papst so angegriffen wie jetzt Trump seinen Landsmann Leo XIV. Aber wie seinerzeit Papst Pius VII. erweist sich auch der milde Leo als nicht so leicht zu nehmender Opponent, den man mit ein paar Spr\u00fcchen aus dem Repertoire von Wahlkampfreden (\u201eweak on crime\u201c und \u201efurchtbar in der Au\u00dfenpolitik\u201c oder ein \u201eliberal\u201c) einsch\u00fcchtern oder \u00fcberrumpeln kann. \u201eIch habe keine Angst vor der Trump-Regierung\u201c, richtete Leo von seiner Afrika-Reise dem Pr\u00e4sidenten aus, und man darf es ihm glauben.<\/p>\n<p>Als die Kardin\u00e4le vor einem Jahr Robert Prevost zum Papst gew\u00e4hlt haben, musste ihnen klar sein, was sie taten. Sie entschieden sich f\u00fcr ihn nicht, obwohl er ein US-Amerikaner ist. Man muss annehmen, sie haben ihn gew\u00e4hlt, weil er ein Amerikaner ist, allerdings ein \u201eentamerikanisierter Weltb\u00fcrger\u201c, wie ihn jemand genannt hat, den \u201esanften L\u00f6wen aus Chicago\u201c. Chicago, Inbegriff des wilden Amerika und eine katholische Hochburg, ist der Heimatort des Papstes, der sich das Vorschusslob nun zu verdienen scheint.<\/p>\n<p>Die Wahl des Amerikaners zeugt jedenfalls von einem betr\u00e4chtlichen Selbstbewusstsein der Kardin\u00e4le. Es sei \u201edie kl\u00fcgste Wahl\u201c gewesen, die sie angesichts der Weltlage treffen konnten, sagte Philosoph Peter Sloterdijk, nicht gerade ein ausgewiesener Freund der katholischen Kirche. Der Katholizismus sei \u201eohnehin dazu verurteilt, weiterhin auf die Karte der Weltkirche zu setzen. Also musste es wohl dieser Herr Prevost werden.\u201c Ein interessanter, aber wohl richtiger Gedanke, den Universalismus der Kirche ausgerechnet mit einem Amerikaner zu verbinden. Es haben ja auch die USA entgegen der isolationistischen MAGA-Rhetorik ihren universalistischen Anspruch nicht aufgegeben.<\/p>\n<p>Auch wenn sie sicher keinen Anti-Trump w\u00e4hlen wollten, mussten die Kardin\u00e4le damit rechnen, dass Trump neben sich keinen anderen Amerikaner in einer f\u00fchrenden Rolle auf der Weltb\u00fchne so einfach dulden w\u00fcrde. Das ist jetzt schneller eingetreten, als man absehen konnte, und Trumps latenter Feind-Instinkt hat in Leo ein Objekt gefunden. Der Papst seinerseits muss den Schluss ziehen, dass auch Worte, die nicht politisch gemeint sein m\u00f6gen, politisch verstanden und ben\u00fctzt werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Der Papst darf sich auch nicht in amerikanische politische H\u00e4ndel ziehen lassen, f\u00fcr die ihn die jetzige Administration instrumentalisieren m\u00f6chte. Er identifiziert sich ohnehin weiter mit seiner Heimat, wenn er sich etwa in einen Streitfall in seiner Heimatdi\u00f6zese Chicago einmischt: \u201eIch w\u00fcrde darum bitten, dass wir gemeinsam versuchen, als Menschen \u2013 in diesem Fall als amerikanische Staatsb\u00fcrger und B\u00fcrger des Bundesstaates Illinois \u2013 und auch als Katholiken zu sagen: Wir m\u00fcssen den Weg finden, den wir als Kirche gehen wollen. Ich wei\u00df nicht, ob jemand die ganze Wahrheit kennt, aber die Lehre der Kirche zu jedem dieser Themen ist klar.\u201c<\/p>\n<p>Unterdessen versucht Leo, die Kontroverse zwischen Trump und ihm \u00fcber den Iran-Krieg, die w\u00e4hrend seiner zehnt\u00e4gigen Reise durch vier afrikanische L\u00e4nder ausgebrochen ist, zu beruhigen. Er betont, seine Reden und Aufforderungen zum Frieden nicht als Politiker gehalten zu haben. Er habe sich oft gar nicht direkt an Trump gewendet. Die Ansprache bei einer Gebetsversammlung in Kamerun f\u00fcr den Frieden wurde vor zwei Wochen vorbereitet, \u201ealso lange bevor der Pr\u00e4sident sich \u00fcberhaupt zu meiner Person und zu der Friedensbotschaft, f\u00fcr die ich eintrete, ge\u00e4u\u00dfert hat\u201c. Jedoch seien seine \u00c4u\u00dferungen so verstanden worden, \u201eals w\u00fcrde ich erneut versuchen, mit dem Pr\u00e4sidenten zu debattieren, was \u00fcberhaupt nicht in meinem Interesse liegt\u201c.<\/p>\n<p>Ob und wie Trump darauf eingeht, ist nicht abzusehen. Bischof \u00adRobert Barron, ein Prediger mit einem weitverzweigten Mediennetz und Millionenpublikum, der k\u00fcrzlich bei einem Gebet im Wei\u00dfen Haus aufgetreten ist, fordert dezidiert: \u201eDer Pr\u00e4sident muss sich beim Papst entschuldigen.\u201c Das hat der Pr\u00e4sident, wie man ihn kennt, sofort abgelehnt. Trump hat durch seine gleicherma\u00dfen l\u00e4cherliche wie blasphemische Inszenierung als Christus-\u00e4hnliche Figur viele Christen, nicht nur Katholiken, abgesto\u00dfen. Die Katholiken als die mit Abstand gr\u00f6\u00dfte Religionsgemeinschaft in den USA sind f\u00fcr ihn aber entscheidend, sie haben beide Male, als er gew\u00e4hlt wurde, f\u00fcr ihn den Ausschlag gegeben.<\/p>\n<p>Daf\u00fcr ist der vor sieben Jahren zum katholischen Glauben konvertierte Vizepr\u00e4sident J.\u2009D. Vance ausger\u00fcckt. Im Gegensatz zum ebenfalls katholischen Au\u00dfenminister Marco Rubio geht Vance keiner Debatte \u00fcber religi\u00f6se Fragen aus dem Weg: \u201ePapst Leo verk\u00fcndet das Evangelium, wie es seiner Rolle entspricht, und das bedeutet zwangsl\u00e4ufig, dass er seine Meinungen zu den moralischen Fragen der Gegenwart \u00e4u\u00dfert. Der Pr\u00e4sident \u2013 und die gesamte Administration \u2013 arbeiten daran, diese moralischen Prinzipien in einer chaotischen Welt anzuwenden.\u201c Es klingt f\u00fcr die meisten Katholiken nicht nur in den USA anmassend, wenn Vance den Papst mahnt, bei theologischen \u00c4u\u00dferungen zu Krieg und Frieden \u201evorsichtig\u201c zu sein.<\/p>\n<p>Wenn sich der Sturm gelegt hat, werden sich dem Papst zwei Aufgaben stellen: Er muss als Amerikaner im Vatikan sein Verh\u00e4ltnis zu den USA kl\u00e4ren und darf sich nicht zum Anti-Trump machen, als den ihn Trump vielleicht gern h\u00e4tte. Zugleich wird er schon im Blick auf eine k\u00fcnftige US-Administration konstruktive Beziehungen zu den USA als Ordnungsmacht der Welt aufrechterhalten m\u00fcssen. Dabei sollte ihm zugute kommen, dass er nicht wie sein Vorg\u00e4nger im Amt an einem antiwestlichen Komplex leidet. Gerade die Reise in die vier afrikanischen L\u00e4nder d\u00fcrfte ihm vor Augen gef\u00fchrt haben, was schlechte Regierung bedeutet. Wenn er beklagte, dass die Welt von einer Handvoll von Diktatoren verw\u00fcstet werde, sa\u00dfen wom\u00f6glich die T\u00e4ter neben ihm auf der B\u00fchne.<\/p>\n<p>Zu kl\u00e4ren wird der Papst auch die Frage haben, wie sich die Kirche zum Krieg verh\u00e4lt und ob die alte augustinische Lehre vom \u201egerechten Krieg\u201c noch tragf\u00e4hig ist. Die flammenden Friedensaufrufe des Papstes klingen oft pazifistisch. \u201eWie kann man sagen, dass Gott niemals auf der Seite derer steht, die das Schwert f\u00fchren?\u201c, fragte Vance. Sei Gott nicht auf der Seite der amerikanischen Truppen gestanden, die im Zweiten Weltkrieg Frankreich und Europa von der Naziherrschaft befreit haben? Die Frage ist nicht respektlos, sie darf auch von Laien wie Vance gestellt werden, die Antwort muss aber nicht von einem vielleicht theologisch gebildeteren Gespr\u00e4chspartner kommen, sondern vom Papst als Tr\u00e4ger des kirchlichen Lehramts.<\/p>\n<p>Dass sie nicht so einfach zu beantworten ist, hat Andrea Tornielli, Mediendirektor des Vatikans, gezeigt: Selbst das Recht auf Notwehr in einem Verteidigungskrieg sei an strenge Voraussetzungen gebunden. Angesichts der modernen Waffensysteme sei die M\u00f6glichkeit eines gerechten Kriegs immer unwahrscheinlicher, so der Vatikan-Experte, denn die Zerst\u00f6rungskraft der Waffen mache jeden erhofften Nutzen eines auch gerechten Kriegs zunichte.<\/p>\n<p>F\u00fcr einen amerikanischen Pr\u00e4sidenten, der vor der Entscheidung steht, ob er den Iran angreifen soll, um zu verhindern, dass dieses Land Atomwaffen erwirbt, um erkl\u00e4rterma\u00dfen ein anderes Land auszul\u00f6schen, ist Torniellis Analyse wenig hilfreich. Der Papst wird eine konkretere Antwort geben m\u00fcssen.<\/p>\n<p>        Der Autor<\/p>\n<p>Hans Winkler war langj\u00e4hriger Leiter der Wiener Redaktion der \u201eKleinen Zeitung\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Erst vor einem halben Jahr haben wir an dieser Stelle den Papst etwas unbedacht als den \u201eUnscheinbaren\u201c bezeichnet.&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":115200,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[8],"tags":[13647,40,41,39,38],"class_list":{"0":"post-115199","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-nachrichten","8":"tag-deja-vu","9":"tag-nachrichten","10":"tag-news","11":"tag-schlagzeilen","12":"tag-top-meldungen"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@at\/116442032222784859","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/115199","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=115199"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/115199\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media\/115200"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=115199"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=115199"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=115199"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}