{"id":115851,"date":"2026-04-21T16:22:08","date_gmt":"2026-04-21T16:22:08","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/115851\/"},"modified":"2026-04-21T16:22:08","modified_gmt":"2026-04-21T16:22:08","slug":"lesen-schreiben-rechnen-und-neue-schulfaecher-diepresse-com","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/115851\/","title":{"rendered":"Lesen, Schreiben, Rechnen\u201c \u2013 und neue Schulf\u00e4cher \u2013 DiePresse.com"},"content":{"rendered":"<p>Es ist die Woche der Grundsatzreden und Visionen, die Infrastrukturminister Peter Hanke (SP\u00d6) am Montag mit einer zur Mobilit\u00e4t der Zukunft gestartet hat. Bildungsminister Christoph Wiederkehr (Neos) zog am Dienstag nach, wobei er seine erste Grundsatzrede bereits im November gehalten hat. In der k\u00fcndigte er einen \u201ePlan Zukunft\u201c f\u00fcr das Bildungssystem an, den er am Dienstag im GRG15 auf der Wiener Schmelz vor rund 180 G\u00e4sten vorstellte. Nicht unter den G\u00e4sten war, trotz Einladung, einer seiner sch\u00e4rfsten Kritiker: Paul Kimberger, oberster Gewerkschafter f\u00fcr die Pflichtschulen, blieb der Veranstaltung fern. <\/p>\n<p>Der Plan Zukunft sei nicht nur Vision, sondern \u201ekonkrete Handlungsanleitung, wie wir unser Bildungssystem wieder auf die \u00dcberholspur bringen\u201c, lie\u00df Wiederkehr wissen. Das Zieldatum gab er mit 2029 an, bis zum Ende der Legislaturperiode. Der Anlass f\u00fcr das strategische Konzept: \u201eDie Schule bereitet nicht ausreichend auf das Leben vor\u201c, meinte Wiederkehr. Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler sollten besser auf neue Herausforderungen (Desinformation auf Social Media, soziale Kompetenzen, Sprachdefizite, Wirtschaftsbildung) vorbereitet werden.  <\/p>\n<p>Prozess f\u00fcr den Plan<\/p>\n<p>Daf\u00fcr hat das Ministerium auf \u201ebreite Einbindung\u201c gesetzt, wie man betont. In Stra\u00dfenumfragen und B\u00fcrgerforen sowie in einer Online-Umfrage h\u00e4tten 49.000 Menschen ihre Ideen geteilt. Mit dem daraus destillierten Konzept wolle Wiederkehr nun \u201eeuropa- und weltweit an die Spitze kommen\u201c. Online ist das Programm via www.bildungfuersleben.at abrufbar.<\/p>\n<p>Elementarer Bereich<\/p>\n<p>Unter den f\u00fcnf Punkten, die Wiederkehr hervorhob, findet sich der elementare Bereich, dessen \u201eBildungsrahmenplan\u201c er nun im Zuge der Reformpartnerschaft reformieren will. 17 Jahre nach seiner Einf\u00fchrung werde er mit den Bundesl\u00e4ndern und unter \u201ebreiter Einbindung der Praxis\u201c erneuert, hei\u00dft es im \u201ePlan Zukunft\u201c. Das aber k\u00fcndigte auch schon die ehemalige Familien- und Frauenministerin Susanne Raab (\u00d6VP) wiederholt an. <\/p>\n<p>Wie sie verspricht nun auch Wiederkehr bundesweite Standards f\u00fcr Gruppengr\u00f6\u00dfen und Kernzeiten, die waren bisher allerdings am fehlenden Personal gescheitert. Der \u00dcbergang zur Volksschule solle durch Sprachstandserhebungen und mehr Informationsfluss zwischen Schule und Kindergarten harmonisiert werden. <\/p>\n<p>Neue Schulf\u00e4cher <\/p>\n<p>Nicht nur in der Oberstufe, wie die Regierung bereits beschlossen hat, sondern auch in der Sekundarstufe I (AHS-Unterstufe, Mittelschule) sollen neue F\u00e4cher eingef\u00fchrt werden: \u201eWirtschaftsbildung\/Berufsorientierung\u201c und \u201eDemokratie, Kommunikation &amp; Konfliktl\u00f6sung\u201c sollen sie hei\u00dfen. <\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich h\u00f6rt man bei Sch\u00fclern oft, dass sie sich mehr Finanz- und Wirtschaftsbildung w\u00fcnschen. Das Demokratie-Fach solle laut Plan ein \u201elebendiges Forum sein, in dem Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler sich darin erproben, f\u00fcr ihre Meinungen einzutreten, die Sichtweisen anderer zu verstehen, gemeinsam an L\u00f6sungen zu arbeiten und ihr Umfeld mitzugestalten.\u201c Stellt sich wie bei Latein die Frage, wo daf\u00fcr reduziert werden soll. Konkrete Antwort gibt es vorerst keine. Wiederkehr k\u00fcndigte eine \u201eExpertenkommission\u201c an, die Vorschl\u00e4ge erarbeiten werde.  <\/p>\n<p>Mittlere Reife<\/p>\n<p>Konkreter wurde der Minister bei der neuen Bildungspflicht: \u201eEs geht um die Basics: Lesen, Schreiben, Rechnen\u201c und um \u201ezu viele Sch\u00fcler, die nach neun Jahre Schulpflicht nicht sinnerfassend lesen k\u00f6nnen\u201c. Der Statistik Austria zufolge sind die Zahlen dazu (siehe Grafik) tats\u00e4chlich besorgniserregend: In \u00d6sterreich sind rund 29 Prozent der 16- bis 65-J\u00e4hrigen von \u201efunktionalem Analphabetismus\u201c betroffen. Das bedeutet, etwa eine Million Menschen im Land k\u00f6nnen l\u00e4ngere Texte nicht sinnerfassend verstehen. Die Lesekompetenz sank in den vergangenen zehn Jahren deutlich. Fast jede zweite Person mit Pflichtschulabschluss, jede dritte Person mit einem Lehrabschluss und jede f\u00fcnfte Person mit einem BMS-Abschluss fallen beim Lesen in die zwei niedrigsten Kompetenzstufen. <\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"figure__image\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/04.22-s08-Analphabeten-Lesekompetenzen-GK.png\" alt=\"\" width=\"1000\" height=\"600\" loading=\"lazy\" fetchpriority=\"low\"\/><\/p>\n<p>Ein Ansatzpunkt soll die neue Bildungspflicht und Mittlere Reife bieten, wie sie auch die Wirtschaft schon lange fordert. Sie ist im Regierungsprogramm verankert. Konkret bedeutet sie, dass nicht mehr reine Schuljahre gez\u00e4hlt werden. Erst wenn vorgeschriebene Grundkompetenzen erreicht werden, gilt die Bildungspflicht als erf\u00fcllt. Sp\u00e4testens mit dem 18. Lebensjahr ist sie das aber dann aber automatisch \u2013 mit dem Erreichen der Vollj\u00e4hrigkeit.  <\/p>\n<p>Datentransparenz<\/p>\n<p>Wie Wiederkehr bereits in der Vorwoche ank\u00fcndigte, werden Leistungsdaten der Schulen k\u00fcnftig transparent einsehbar sein. Das betrifft etwa die Leistung der Schule bei den Individuellen Kompetenz\u00fcberpr\u00fcfungen (iKM-Plus), der Deutschf\u00f6rderung oder die Ergebnisse der Zentralmatura.\u00a0Auch die Schulaufsicht soll auf viele Daten Zugriff erhalten: Lernstandserhebungen, Feedback von Sch\u00fclerinnen, Sch\u00fclern und Eltern oder die Auswertung von Evaluationsergebnissen. Im Plan Zukunft ist von einem \u201eMeilenstein f\u00fcr gelebte datenbasierte Schulentwicklung\u201c die Rede. <\/p>\n<p>Auch die gest\u00e4rkte Schulautonomie, etwa bei der Deutschf\u00f6rderung, solle dadurch messbar und \u00fcberpr\u00fcfbar sein, ob sie auch so wirkt wie intendiert. Die Daten sollen stets \u201eim fairen Vergleich\u201c miteinander stehen und keine Rankings zwischen allen Schulen erstellt werden. Verglichen werden sollen nur jene Schulen miteinander, die \u00e4hnliche Voraussetzungen haben (entlang der sogenannten S\u00d6L-Kriterien zu den Rahmenbedingungen, Anm.).<\/p>\n<p>Ausbildung der P\u00e4dagogen<\/p>\n<p>Die Ausbildung der Lehrerinnen und Lehrer will Wiederkehr \u201epraxisn\u00e4her\u201c in \u201eSchools of Education\u201c b\u00fcndeln. Dazu gibt es unterschiedliche Konzepte der Uniko und der FH\/HAW. Eine Idee w\u00e4re, die P\u00e4dagogischen Hochschulen (PH) aufzul\u00f6sen und in die Unis oder FH einzugliedern. Wiederkehr k\u00fcndigt zwar an, die bisher getrennten Ausbildungssystem \u201eorganisatorisch zu einer gemeinsamen School of Education zusammenzuf\u00fchren\u201c. Das steht auch im Regierungsprogramm. Wie genau das ausgestaltet sein soll, ist aber in der Koalition noch offen, wie es aus dem roten Wissenschaftsministerium auf Nachfrage hei\u00dft. Denn dazu gibt es unterschiedliche Konzepte, je nachdem, wen man fragt. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Es ist die Woche der Grundsatzreden und Visionen, die Infrastrukturminister Peter Hanke (SP\u00d6) am Montag mit einer zur&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":115852,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[6],"tags":[1493,46,42,44,43,45],"class_list":{"0":"post-115851","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-oesterreich","8":"tag-analyse","9":"tag-at","10":"tag-austria","11":"tag-oesterreich","12":"tag-republic-of-austria","13":"tag-republik-oesterreich"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@at\/116443621116721612","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/115851","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=115851"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/115851\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media\/115852"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=115851"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=115851"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=115851"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}