{"id":117079,"date":"2026-04-22T07:57:15","date_gmt":"2026-04-22T07:57:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/117079\/"},"modified":"2026-04-22T07:57:15","modified_gmt":"2026-04-22T07:57:15","slug":"cyberresilienz-im-gesundheitswesen-europa-ringt-mit-der-umsetzung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/117079\/","title":{"rendered":"Cyberresilienz im Gesundheitswesen: Europa ringt mit der Umsetzung"},"content":{"rendered":"<p>              Cyberresilienz im Gesundheitswesen: Europa ringt mit der Umsetzung<\/p>\n<p>Cyberangriffe auf Krankenh\u00e4user und andere Gesundheitseinrichtungen sind inzwischen an der Tagesordnung \u2013 die <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/thema\/Digital-Health\" rel=\"external noopener nofollow\" target=\"_blank\">Digitalisierung des Gesundheitswesens<\/a> schafft neue Angriffsfl\u00e4chen. Die Angriffe treffen Versorgung, Verwaltung und im Zweifel auch die Patientensicherheit. Auf dem Panel \u201eBuilding Cyber-Resilient Health Systems: Nordic and German Strategies in Practice\u201c diskutierten Dr. P\u00e4ivi Sillanaukee (Finnland), S\u00f8ren Bank Greenfield (D\u00e4nemark), Just Ebbesen (Norwegen) und Stephan Krumm (Deutschland) unter der Moderation von Beatrice Kluge (Gematik), warum der Abstand zwischen Strategie und Wirklichkeit im Gesundheitswesen noch immer gro\u00df ist.<\/p>\n<p>        Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p>Strategien gibt es genug \u2013 es fehlt an der Umsetzung<\/p>\n<p>Gleich zu Beginn wurde ein Grundproblem angesprochen: Auf europ\u00e4ischer und nationaler Ebene gibt es inzwischen zahlreiche Strategien, Vorschriften und politische Leitlinien. In der Praxis fehlt jedoch oft die \u00dcbersetzung in handhabbare Prozesse.<\/p>\n<p>S\u00f8ren Bank Greenfield, Leiter der Abteilung f\u00fcr Cyber- und Informationssicherheit bei der d\u00e4nischen Health Data Authority, verdeutlichte, dass Kooperation zwar unverzichtbar sei, \u201egeteilte Verantwortung\u201c allein in der Praxis aber nicht ausreiche. Entscheidend seien klar definierte Zust\u00e4ndigkeiten. Das eigentliche Defizit liege aus seiner Sicht darin, \u201edass Politik h\u00e4ufig Regeln formuliert, aber nicht ausreichend zeigt, wie diese in realen Organisationen umgesetzt werden sollen.\u201c<\/p>\n<p>Greenfield pl\u00e4dierte deshalb daf\u00fcr, politische Ma\u00dfnahmen immer mit konkreten Leitlinien, Pilotans\u00e4tzen und Umsetzungswerkzeugen zu verbinden. Vorschriften m\u00fcssten parallel zur Praxis gedacht werden, nicht von ihr losgel\u00f6st.<\/p>\n<p>Mensch bleibt gr\u00f6\u00dfte Schwachstelle<\/p>\n<p>Dr. P\u00e4ivi Sillanaukee, Sonderbeauftragte f\u00fcr Gesundheit und Wohlbefinden im finnischen Ministerium f\u00fcr Soziales und Gesundheit, lenkte den Blick auf den menschlichen Faktor. Viele Sicherheitsvorf\u00e4lle h\u00e4tten ihren Ursprung nicht in der Technik selbst, sondern in Fehlern bei Anwendung, Organisation und Aufsicht. Standards und Regeln seien wichtig, m\u00fcssten aber verstanden, einge\u00fcbt und kontrolliert werden.<\/p>\n<p>        Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p>Als Beispiel verwies Sillanaukee auf den bekannten finnischen Vastaamo-Datenskandal aus dem Jahr 2020, <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/news\/Finnland-Psychotherapeuten-gehackt-Erpressung-von-Praxis-und-Patienten-4939533.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">bei dem Patientendaten eines privaten Psychotherapieanbieters im Netz landeten<\/a>. Das Problem habe damals nicht in fehlender Regulierung gelegen, sondern darin, dass bestehende Vorgaben nicht umgesetzt worden seien. Daraus leitete sie die Notwendigkeit ab, neben Bewusstseinsbildung und \u00dcbungen auch die Aufsicht \u00fcber die tats\u00e4chliche Implementierung von Sicherheitsma\u00dfnahmen zu st\u00e4rken.<\/p>\n<p>Kliniken sitzen im Dilemma zwischen Schutz und Datennutzung<\/p>\n<p>Die Krankenhausperspektive brachte Just Ebbesen, Sonderbeauftragter f\u00fcr Gesundheit und zuk\u00fcnftige Krankenh\u00e4user am Universit\u00e4tsklinikum Oslo \/ Norway Health Tech, in die Diskussion ein. Er arbeitet an der Schnittstelle von k\u00fcnftiger Klinikorganisation, neuen Versorgungsmodellen, Digitalisierung und Industriekooperation. Aus seiner Sicht stehen Kliniken vor einem strukturellen Zielkonflikt: \u201eEinerseits m\u00fcssen sie Systeme absichern, andererseits sind sie zunehmend auf Datenintegration, externe Ger\u00e4te, Dienstleister und digitale Schnittstellen angewiesen\u201c.<\/p>\n<p>Gerade in spezialisierten Gesundheitseinrichtungen fallen heute enorme Datenmengen an. Wie diese Daten sicher genutzt werden k\u00f6nnen, ohne die Privatsph\u00e4re von Patientinnen und Patienten zu gef\u00e4hrden, erforscht etwa das Projekt <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/news\/Sicherer-Umgang-mit-medizinischen-Daten-AnoMed-geht-in-die-zweite-Runde-11229702.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">AnoMed \u2013 mit dem Ziel, Gesundheitsdaten f\u00fcr Forschung und KI-Entwicklung nutzbar zu machen<\/a>. Gleichzeitig sind Prim\u00e4rversorgung, Spezialversorgung und externe Datenquellen vielerorts noch unzureichend miteinander verbunden. Das erschwert nicht nur die Versorgung, sondern erh\u00f6ht auch die Komplexit\u00e4t bei der Absicherung.<\/p>\n<p>Deutschland: Regulierung, F\u00f6rdermittel und Monitoring<\/p>\n<p>Stephan Krumm, Fachreferent f\u00fcr Cybersicherheit und Interoperabilit\u00e4t beim Bundesministerium f\u00fcr Gesundheit, schilderte die deutsche Perspektive. F\u00fcr Krankenh\u00e4user gebe es bereits seit mehreren Jahren verbindliche Anforderungen an die Cybersicherheit. Die Herausforderung bestehe nun darin, sichtbarer zu machen, wo in der Praxis noch die gr\u00f6\u00dften L\u00fccken liegen.<\/p>\n<p>Zu diesen Baustellen geh\u00f6rten unter anderem Altsysteme, fehlende Netzwerksegmentierung und der sehr unterschiedliche Reifegrad einzelner Einrichtungen. Krumm verwies in diesem Zusammenhang <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/news\/Digitalradar-Krankenhaeuser-digitaler-Finanzierung-koennte-Fortschritt-stoppen-10462318.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">auf das Krankenhauszukunftsprogramm und den DigitalRadar<\/a>, mit dem auch Fortschritte im Bereich der digitalen Reife und Cybersicherheit beobachtet werden.<\/p>\n<p>Regulierung bleibt reaktiv<\/p>\n<p>Ein wiederkehrendes Thema des Panels war die Geschwindigkeit von Bedrohungen. Dass Regulierung in der Praxis oft zu langsam greift, zeigte sich zuletzt auch beim <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/news\/21-BSI-Sicherheitskongress-NIS-2-Umsetzung-weit-hinter-den-Erwartungen-11259349.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">BSI-Sicherheitskongress, wo die NIS-2-Umsetzung weit hinter den Erwartungen zur\u00fcckblieb<\/a>. Die Diskutierenden waren sich weitgehend einig, dass Regulierung fast zwangsl\u00e4ufig langsamer ist als die Entwicklung neuer Angriffsformen.<\/p>\n<p>Greenfield argumentierte, Politik k\u00f6nne immer nur auf bekannte Risiken reagieren. Statt zu versuchen, jede neue Bedrohung einzeln zu regulieren, m\u00fcsse der Fokus st\u00e4rker auf universelle F\u00e4higkeiten gelegt werden: Erkennung von Vorf\u00e4llen, Zusammenarbeit zwischen Organisationen, Krisenmanagement, Kommunikationswege und belastbare Vertrauensstrukturen.<\/p>\n<p>Kleine Einrichtungen als systemisches Risiko<\/p>\n<p>Ein besonders wichtiger Punkt kam von Greenfield: \u201eKleine Praxen, Kliniken und andere medizinische Einrichtungen sind oft die \u00fcbersehene Schwachstelle in einem immer st\u00e4rker vernetzten Gesundheitssystem.\u201c Diese Einrichtungen wollten die Regeln meist einhalten, h\u00e4tten aber weder die n\u00f6tigen Fachkr\u00e4fte noch die Zeit, sich tief in komplexe Sicherheitsanforderungen einzuarbeiten.<\/p>\n<p>Deshalb warb Greenfield f\u00fcr einfache und robuste Unterst\u00fctzungssysteme, die kleinere Einrichtungen technisch entlasten. Wenn immer mehr Akteure digital miteinander verbunden w\u00fcrden, dann m\u00fcsse man auch die schw\u00e4chsten Glieder dieser Kette gezielt absichern.<\/p>\n<p>Norwegische Sicht: Pragmatismus statt Perfektion<\/p>\n<p>Ebbesen argumentierte mehrfach f\u00fcr einen pragmatischen Ansatz. \u201eGesundheitssysteme k\u00f6nnten nicht vollst\u00e4ndig abgeschottet werden, wenn sie zugleich moderne, datengetriebene Versorgung anbieten wollen. Entscheidend sei deshalb, Mittel dort einzusetzen, wo sie den gr\u00f6\u00dften Nutzen f\u00fcr Sicherheit und Versorgung gleichzeitig stiften.\u201c<\/p>\n<p>Europa soll seine Kr\u00e4fte b\u00fcndeln<\/p>\n<p>Zum Ende weitete sich die Diskussion auf die europ\u00e4ische Ebene aus. Sillanaukee hob hervor, dass nordische Kooperation, gemeinsame \u00dcbungen und langfristige Austauschstrukturen wertvolle Erfahrungen geliefert h\u00e4tten. Solche Formate m\u00fcssten konsequenter auf europ\u00e4ischer Ebene gedacht werden.<\/p>\n<p>Krumm unterstrich schlie\u00dflich, \u201edass Europa bei k\u00fcnftigen KI-gest\u00fctzten Bedrohungen nicht nationalstaatlich denken kann. Kein einzelnes Land wird auf Dauer mit den Ressourcen gro\u00dfer internationaler Technologieanbieter mithalten k\u00f6nnen.\u201c Wenn Europa eigene Antworten entwickeln wolle, m\u00fcsse es Kompetenzen, Wissen und F\u00e4higkeiten st\u00e4rker b\u00fcndeln.<\/p>\n<p>Das Panel war sich einig, dass Cybersicherheit im Gesundheitswesen weit mehr ist als ein IT-Thema. Es gehe um Organisation, Zust\u00e4ndigkeiten, Ausbildung, Standards, Finanzierung und internationale Zusammenarbeit. Die gr\u00f6\u00dften Probleme l\u00e4gen nicht unbedingt im Fehlen von Strategien, sondern darin, sie unter realen Bedingungen in Krankenh\u00e4usern, Praxen und anderen Einrichtungen wirksam umzusetzen.<\/p>\n<p>        Lesen Sie auchMehr anzeigenWeniger anzeigen<\/p>\n<p>(<a class=\"redakteurskuerzel__link\" href=\"https:\/\/www.heise.de\/news\/mailto:vza@heise.de\" title=\"Dr. Volker Zota\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">vza<\/a>)<\/p>\n<p>\n      Dieser Link ist leider nicht mehr g\u00fcltig.\n    <\/p>\n<p>Links zu verschenkten Artikeln werden ung\u00fcltig,<br \/>\n      wenn diese \u00e4lter als 7\u00a0Tage sind oder zu oft aufgerufen wurden.\n    <\/p>\n<p>Sie ben\u00f6tigen ein heise+ Paket, um diesen Artikel zu lesen. Jetzt eine Woche unverbindlich testen \u2013 ohne Verpflichtung!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Cyberresilienz im Gesundheitswesen: Europa ringt mit der Umsetzung Cyberangriffe auf Krankenh\u00e4user und andere Gesundheitseinrichtungen sind inzwischen an der&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":117080,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[2164,17915,1444,76,75,74,103,24661,5276,9323],"class_list":{"0":"post-117079","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-europa","8":"tag-datenschutz","9":"tag-digital-health","10":"tag-digitalisierung","11":"tag-eu","12":"tag-europa","13":"tag-europe","14":"tag-it","15":"tag-it-infrastruktur","16":"tag-regulierung","17":"tag-sicherheitsluecken"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@at\/116447298097930218","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/117079","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=117079"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/117079\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media\/117080"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=117079"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=117079"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=117079"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}