{"id":117162,"date":"2026-04-22T08:51:09","date_gmt":"2026-04-22T08:51:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/117162\/"},"modified":"2026-04-22T08:51:09","modified_gmt":"2026-04-22T08:51:09","slug":"serotonin-koennte-tinnitus-verschlimmern-wissenschaft-de","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/117162\/","title":{"rendered":"Serotonin k\u00f6nnte Tinnitus verschlimmern &#8211; wissenschaft.de"},"content":{"rendered":"\n<p>Wer unter Tinnitus leidet, h\u00f6rt dauernd l\u00e4stige Ohrger\u00e4usche. Bei vielen Betroffenen geht die Erkrankung mit Depressionen und Angstzust\u00e4nden einher. Doch ausgerechnet Medikamente, die die psychischen Beschwerden lindern sollen, k\u00f6nnten zugleich den Tinnitus verst\u00e4rken, zeigt eine Studie. Versuche an M\u00e4usen legen nahe, dass der als Gl\u00fcckhormon bekannte Botenstoff Serotonin neuronale Schaltkreise aktiviert, die das Pfeifen im Ohr f\u00f6rdern. Sogenannte selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI), eine etablierte Therapie gegen Depressionen, k\u00f6nnen demnach bei Tinnitus kontraproduktiv sein.<\/p>\n<p>Rund 14 Prozent der Menschen weltweit sind von Tinnitus betroffen. Sie h\u00f6ren ohne \u00e4u\u00dfere Ger\u00e4usche ein st\u00e4ndiges Pfeifen, Klingeln, Rauschen oder Summen in den Ohren, was ihre Lebensqualit\u00e4t stark einschr\u00e4nken kann. Viele Betroffene leiden zus\u00e4tzlich unter Depressionen und Angstzust\u00e4nden. Eine etablierte Behandlung f\u00fcr diese psychischen Erkrankungen sind sogenannte selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI). Sie sorgen daf\u00fcr, dass das \u201eGl\u00fcckshormon\u201c Serotonin l\u00e4nger im Gehirn verf\u00fcgbar bleibt.<\/p>\n<p>Bereits fr\u00fcher gab es Hinweise darauf, dass diese Medikamente auch die Ohrger\u00e4usche beeinflussen k\u00f6nnen. In klinischen Studien wurde sogar getestet, ob sie wom\u00f6glich als Therapie gegen Tinnitus geeignet sind. Doch der erhoffte Erfolg blieb aus: \u201eEinige Patienten berichteten sogar, dass sich ihr Tinnitus verschlimmerte\u201c, erkl\u00e4rt ein Team um Meng-Ting Yu von der Anhui Universit\u00e4t in China. Auch bei Personen, die zuvor nicht unter Tinnitus litten, traten bei einer Behandlung mit SSRI teilweise Ohrger\u00e4usche auf.<\/p>\n<p>Schaltkreise aus dem Gleichgewicht<\/p>\n<p>Um den zugrundeliegenden Mechanismen auf den Grund zu gehen, haben Yu und ihr Team die Vorg\u00e4nge im Gehirn nun anhand von M\u00e4usen untersucht, bei denen sie k\u00fcnstlich einen Tinnitus ausl\u00f6sten. Dabei stellten sie fest, dass das Serotonin-System im Gehirn der Tinnitus-M\u00e4use tats\u00e4chlich gest\u00f6rt ist. Wichtige auditorische Hirnregionen waren hyperaktiv und wiesen \u00e4hnliche Signalmuster auf wie bei Menschen, die unter Tinnitus leiden. Mit Hilfe optogenetischer Methoden stimulierten die Forschenden gezielt Serotonin produzierende Nervenzellen in diesen Regionen und analysierten die Ver\u00e4nderungen im Gehirn und im Verhalten der M\u00e4use.<\/p>\n<p>\u201eWenn man die serotonergen Neuronen stimuliert, verst\u00e4rkt das die Hyperaktivit\u00e4t im auditorischen Bereich des Gehirns\u201c, berichtet Co-Autor Laurence Trussel von der Oregon Health and Science University in Portland. \u201eDas Verhalten der Tiere deutete darauf hin, dass sie tats\u00e4chlich Ohrger\u00e4usche h\u00f6rten.\u201c So waren die M\u00e4use in einem Test zwar in der Lage, externe Ger\u00e4usche zu h\u00f6ren, nahmen Stille aber nicht mehr als solche wahr. \u201eMit anderen Worten: Es werden Symptome hervorgerufen, die wir bei Menschen als Tinnitus deuten w\u00fcrden.\u201c Hemmten die Forschenden dagegen die Serotonin-Signalwege in den auditorischen Hirnregionen der M\u00e4use, verringerten sich die Anzeichen f\u00fcr Tinnitus im Gehirn und im Verhalten der Tiere.<\/p>\n<p>Zielgerichtete Therapien<\/p>\n<p>\u201eDiese Studie unterstreicht, wie wichtig es ist, dass medizinische Fachleute Berichte von Betroffenen \u00fcber medikamentenbedingte Verschlimmerungen des Tinnitus erkennen und ernst nehmen\u201c, sagt Trussel. \u201eMenschen mit Tinnitus sollten gemeinsam mit ihrem behandelnden Arzt eine Medikamententherapie finden, die ihnen ein Gleichgewicht zwischen der Linderung psychiatrischer Symptome wie Depressionen und Angstzust\u00e4nden und der Minimierung der Tinnitus-Beschwerden bietet.\u201c<\/p>\n<p>Die neuen Erkenntnisse zu den beteiligten Hirnschaltkreisen k\u00f6nnte aus Sicht der Forschenden auch dabei helfen, neue Behandlungsoptionen zu finden. \u201eEs k\u00f6nnte m\u00f6glich sein, zell- oder hirnregionsspezifische Medikamente zu entwickeln, die den Serotoninspiegel in bestimmten Hirnregionen erh\u00f6hen, in anderen jedoch nicht\u201c, sagt Trussel. \u201eAuf diese Weise k\u00f6nnte es gelingen, die positiven und wichtigen Wirkungen des Antidepressivums von den potenziell sch\u00e4dlichen Auswirkungen auf das Geh\u00f6r zu trennen.\u201c<\/p>\n<p>Quelle: Meng-Ting Yu (Anhui University, Hefei, China) et al., Proceedings of the National Academy of Sciences, <a href=\"https:\/\/www.pnas.org\/doi\/10.1073\/pnas.2509692123\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">doi: 10.1073\/pnas.2509692123<\/a><\/p>\n<p class=\"entry-meta meta-small\"> \u00a9 wissenschaft.de &#8211; Elena Bernard<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Wer unter Tinnitus leidet, h\u00f6rt dauernd l\u00e4stige Ohrger\u00e4usche. 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