{"id":118351,"date":"2026-04-22T20:55:09","date_gmt":"2026-04-22T20:55:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/118351\/"},"modified":"2026-04-22T20:55:09","modified_gmt":"2026-04-22T20:55:09","slug":"wir-haben-nicht-viel-hinterfragt-klavier-war-einfach-unsere-prioritaet-tereza-gugg-kalabova-und-johannes-gugg-gugg-piano-duo-im-mica-interview-mica","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/118351\/","title":{"rendered":"\u201eWir haben nicht viel hinterfragt. Klavier war einfach unsere Priorit\u00e4t.\u201c \u2013 Tereza Gugg-Kalabova und Johannes Gugg (Gugg Piano Duo) im mica-Interview &#8211; mica"},"content":{"rendered":"<p>Die aus Tschechien stammende Pianistin Tereza Gugg-Kalabova und der \u00f6sterreichische Pianist Johannes Gugg, beide Jahrgang 1998, stehen seit ihrer Jugend gemeinsam auf der B\u00fchne und haben sich fr\u00fch als Klavierduo zusammengefunden. Aus diesem fr\u00fchen Miteinander ist \u00fcber die Jahre eine au\u00dfergew\u00f6hnlich enge musikalische Verbindung entstanden, die sich in pr\u00e4zisem Zusammenspiel und einem ausgepr\u00e4gten gemeinsamen Gestaltungswillen widerspiegelt. Das Duo konnte sich in den vergangenen Jahren bei mehreren internationalen Wettbewerben erfolgreich behaupten und machte damit auch \u00fcber \u00d6sterreich hinaus auf sich aufmerksam. Einen weiteren wichtigen Meilenstein markiert nun die Aufnahme in das renommierte F\u00f6rderprogramm der BBC New Generation Artists, das als Sprungbrett f\u00fcr junge, international vielversprechende Musiker:innen gilt. Im Interview mit Michael Ternai sprechen die beiden \u00fcber ihren Werdegang, die Besonderheit ihres Duos und ihr Interesse an weniger bekannten St\u00fccken.<\/p>\n<p>Wie sieht eigentlich euer musikalischer Background aus? Was hat euch jeweils zur Klassik gef\u00fchrt?<\/p>\n<p>Tereza Gugg-Kalabova: Also so richtig angefangen habe ich mit f\u00fcnf Jahren Klavier zu spielen. Schon davor habe ich aber schon ein bisschen herumprobiert, weil meine Schwester sehr lange Klavier gespielt hat und f\u00fcr mich immer ein Vorbild war.<\/p>\n<p>Das Klavier stand bei uns zu Hause, und ich habe versucht, die St\u00fccke nachzuspielen, die sie ge\u00fcbt hat. Irgendwann haben mich meine Eltern dann zum Klavierunterricht zu einer Lehrerin gebracht, weil es so aussah, als w\u00fcrde mich das wirklich interessieren.<\/p>\n<p>Meine Lehrerin in Tschechien hatte eine Freundin in Graz, die an der Universit\u00e4t den Hochbegabtenlehrgang unterrichtet hat. Sie haben dann vereinbart, dass wir vielleicht jedes zweite Wochenende nach Graz kommen, damit ich auch bei der Lehrerin dort Unterricht nehmen kann.<\/p>\n<p>Johannes Gugg: Genau, das war meine Professorin.<\/p>\n<p>Tereza Gugg-Kalabova: Diese Professorin hatte dann auch die Idee, dass wir als Duo zusammenspielen. Und das ist dann auch passiert. Ich war, glaube ich, 14, und Johannes ist gerade 14 geworden. Das Duo war also nicht unbedingt unsere Entscheidung, sondern die Idee der Professorin.<\/p>\n<p>Johannes Gugg: Sie hatte damals eine relativ gro\u00dfe, beziehungsweise sehr gute Klasse und hat lange \u00fcberlegt, wer am besten zusammenpassen w\u00fcrde. Schlie\u00dflich hat sie sich dann f\u00fcr uns entschieden.<\/p>\n<p>Und hat es tats\u00e4chlich von Anfang an musikalisch gefunkt?<\/p>\n<p>Johannes Gugg: Also die Musik hat uns auf jeden Fall von Anfang an sehr gut gefallen. Ich kann mich noch gut an das Einstudieren der ersten Werke f\u00fcr Duo erinnern. Zuerst nat\u00fcrlich alleine zu Hause, und da hat man schon gemerkt, dass noch etwas fehlt, dass es noch nicht die ganze Musik ist. Die St\u00fccke haben mich zumindest von Anfang an wirklich begeistert.<\/p>\n<p>Tereza Gugg-Kalabova: Die Zusammenarbeit war am Anfang nicht ganz einfach, auch weil ich damals noch nicht wirklich Deutsch sprechen konnte. Au\u00dferdem waren wir Teenager und kannten uns nicht. Es war also ein bisschen komisch, gleich gemeinsam an einem Klavier zu sitzen und etwas zu \u00fcben, bei dem sich vielleicht auch die H\u00e4nde kreuzen.<\/p>\n<p>Johannes Gugg: Genau, das erste St\u00fcck war ein Rondo von Schubert.<\/p>\n<p>Tereza Gugg-Kalabova: Die Anf\u00e4nge waren also nicht ganz einfach, und es hat nicht sofort geklappt. Das lag auch am Alter und an der Situation \u2014 gerade f\u00fcr uns als Kinder beziehungsweise Teenager war das nicht so leicht. Aber, wie Johannes gesagt hat, hat uns die Musik unglaublich gefallen. Wir sind dann sp\u00e4ter auch durch die Musik miteinander befreundet worden, und bald wurde das gemeinsame Musizieren zu einer gro\u00dfen Priorit\u00e4t f\u00fcr uns beide.<\/p>\n<p>Ihr seid sp\u00e4ter ja auch ein Paar geworden und mittlerweile verheiratet. Wann wurde euch bewusst, dass euer Duo auch euer Beruf sein w\u00fcrde?<\/p>\n<p>Johannes Gugg: Wir haben das Duo von Anfang an sehr ernst genommen, w\u00fcrde ich sagen \u2013 ebenso unsere Professorinnen, also ihre in Tschechien und unsere gemeinsame in Graz. Sie haben das Ganze ebenfalls sehr ernst genommen und uns von Beginn an dazu motiviert, an Wettbewerben teilzunehmen. Wobei ich mir jetzt nicht mehr ganz sicher bin ob der erste prima la musica war oder der internationale in Tschechien war.<\/p>\n<p>Tereza Gugg-Kalabova: Das wei\u00df ich nicht mehr ganz sicher. Vielleicht war der erste der prima la musica-Wettbewerb. Der Antrieb, an all diesen Wettbewerben teilzunehmen, kam schon von unseren Professorinnen, weil sie auch im Solo-Bereich immer sehr zielstrebig waren und uns regelm\u00e4\u00dfig f\u00fcr Wettbewerbe angemeldet haben. Und auch mit dem Duo war es uns von Anfang an ernst.<\/p>\n<p>Johannes Gugg: Nachdem die ersten Wettbewerbe gleich sehr gut gelaufen sind, war uns dann auch klar, dass das Potenzial hat und dass es sich wirklich lohnt, viel Energie hineinzustecken.<\/p>\n<p>Tereza Gugg-Kalabova: Und das hat auch wirklich viel Spa\u00df gemacht, weil wir bis dahin als Kinder kaum Kammermusik gespielt hatten \u2014 vielleicht ein bisschen \u00a0Korrepetieren, aber nie wirklich in einem festen Ensemble. Das war f\u00fcr uns etwas ganz Neues und hat uns gro\u00dfen Spa\u00df bereitet. Auch die Musik, die wir am Anfang gespielt haben, hat uns sehr gut gefallen. Nach den ersten Wochen oder Monaten, in denen es vielleicht noch etwas ungewohnt war, weil wir uns nicht so gut kannten, \u00a0wurde es dann f\u00fcr uns beide bald zu etwas Besonderem.<\/p>\n<p>Johannes Gugg: Und in Graz, also auch im Hochbegabtenlehrgang beziehungsweise im Vorbereitungslehrgang, hatte unsere Professorin immer wieder Duos. Wir waren also nicht ihr erstes Duo in der Klasse. Dadurch hatten wir auch Vorbilder, die wir bereits von Konzerten kannten \u2014 etwa ein Geschwisterpaar, zwei Schwestern, die ebenfalls ein sehr gutes Duo waren oder noch immer sind. So hatten wir von Anfang an gewisserma\u00dfen einen Blick in die Zukunft und konnten sehen, wie gro\u00dfartig zwei Klaviere zusammenklingen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Tereza Gugg-Kalabova: Und wir haben auch nicht viel hinterfragt. Klavier war einfach unsere Priorit\u00e4t. Da macht man einfach mit, und es hat gro\u00dfen Spa\u00df gemacht. Man macht sich in diesem Alter noch nicht so viele Gedanken dar\u00fcber, wie es vielleicht mit 20 sein wird.<\/p>\n<p>Was w\u00fcrdet ihr sagen, macht euer Duo musikalisch aus? Ihr spielt die gro\u00dfen Komponisten, aber auch eher selten aufgef\u00fchrte St\u00fccke. Was unterscheidet euch musikalisch von anderen? Lasst ihr euch mehr Freiraum in den Interpretationen? Oder ist es die technische Perfektion, f\u00fcr die ihr bekannt seid?<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"683\" height=\"1024\" src=\"data:image\/svg+xml,%3Csvg%20xmlns=\" http:=\"\" alt=\"Bild Gugg Piano Duo\" class=\"wp-image-175191\" data-lazy- data-lazy- data-lazy-src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Gugg-Piano-Duo-\u00a9-Lex-Karelly-1-683x1024.jpg\"\/><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"683\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Gugg-Piano-Duo-\u00a9-Lex-Karelly-1-683x1024.jpg\" alt=\"Bild Gugg Piano Duo\" class=\"wp-image-175191\"  \/>Gugg Piano Duo \u00a9 Lex Karelly <\/p>\n<p>Johannes Gugg: Ich denke, dass es bei uns vor allem um das Zusammenspiel geht. Man merkt, dass wir als Einheit gewachsen sind \u2014 dass wir also nicht unabh\u00e4ngig voneinander mit v\u00f6llig unterschiedlichen Ausbildungen erst sp\u00e4ter zusammengefunden haben. Vielmehr sind wir im Prinzip von Anfang an mit derselben Schule aufgewachsen, auch wenn wir sehr unterschiedliche Pers\u00f6nlichkeiten sind.<\/p>\n<p>Tereza Gugg-Kalabova: Genau, auch mit einer gemeinsamen musikalischen Idee. Die entwickelt sich ja erst und ist ein endloser Prozess. Aber diese wichtige Zeit haben wir gemeinsam erlebt und uns zusammen entwickelt. Das tr\u00e4gt viel dazu bei, dass unsere musikalischen Vorstellungen sehr \u00e4hnlich sind und wir nicht viele Kompromisse machen m\u00fcssen, weil wir die Musik einfach \u00e4hnlich h\u00f6ren.<\/p>\n<p>Johannes Gugg: Identisch kann man nat\u00fcrlich nicht sagen, aber auf jeden Fall sehr \u00e4hnlich. Dass wir \u00e4hnliche Klangvorstellungen haben, stimmt auf jeden Fall.<\/p>\n<p>Tereza Gugg-Kalabova: Sp\u00e4ter ist uns aber auch bewusst geworden, dass wir eigentlich zwei komplett unterschiedliche Pers\u00f6nlichkeiten sind \u2014 auch musikalisch. Und gerade das macht es noch interessanter. Darauf haben uns vielleicht eher Juror:innen bei Wettbewerben oder Leute von au\u00dfen hingewiesen: dass wir in unseren Pers\u00f6nlichkeiten eigentlich Gegens\u00e4tze sind und es gerade deshalb so gut funktioniert beziehungsweise spannend wird.<\/p>\n<p>Woran l\u00e4sst sich dieser Unterschied festmachen?<\/p>\n<p>Johannes Gugg: Es ist schwer, das so verallgemeinert zu sagen, wie sich die Pers\u00f6nlichkeit am Klavier zeigt. Es hat auch mit dem vierh\u00e4ndigen Spiel zu tun, das unterschiedliche Aufgaben mit sich bringt. Aber ja, wenn man uns beobachtet, merkt man schon, dass unsere Zug\u00e4nge verschieden sind.<\/p>\n<p>Tereza Gugg-Kalabova: Genau, weil Johannes beim vierh\u00e4ndigen Spiel immer den unteren Part \u00fcbernimmt. So haben wir es von Anfang an gemacht, und deshalb haben wir auch nie versucht zu wechseln, weil sich diese Rollen so eingespielt haben, dass es mittlerweile schwierig w\u00e4re, den jeweils anderen Part genauso gut zu \u00fcbernehmen. Er sorgt f\u00fcr die Balance \u2014 im vierh\u00e4ndigen Spiel liegt der Bass unten, und mit den Basst\u00f6nen muss man sehr vorsichtig umgehen, damit die Balance erhalten bleibt.<\/p>\n<p>Johannes Gugg: Und das Pedal ist nat\u00fcrlich auch meine Aufgabe.<\/p>\n<p>Tereza Gugg-Kalabova: Und ich habe bei den klassischen Werken meist die melodische Linie. Das macht sich schon bemerkbar: Ich kann etwas freier musizieren, w\u00e4hrend Johannes das Ganze zusammenh\u00e4lt. Es ist sehr vereinfacht gesagt, aber im Grunde funktioniert es so.<\/p>\n<p>Johannes Gugg:\u00a0 Aber man muss schon sagen, dass das nur beim vierh\u00e4ndigen Spiel so ist. Auf zwei Klavieren schaut es nat\u00fcrlich ganz anders aus. Da ist es viel ausgeglichener oder gleichwertiger.<\/p>\n<p>Das Interessante bei euch ist auch, dass ihr nat\u00fcrlich die gro\u00dfen Komponisten spielt, aber immer wieder Herausforderungen sucht, indem ihr St\u00fccke spielt, die dem breiten Publikum nicht so bekannt sind. Ist das so eine Art Challenge an euch selbst, dass ihr euch nicht immer im selben Repertoire bewegt, oder worin liegt euer Interesse an solchen Herausforderungen?<\/p>\n<p>Johannes Gugg: Also erstens einmal ist es nat\u00fcrlich sehr sch\u00f6n, wenn man beim Spielen neue Musik entdeckt, die man vorher gar nicht gekannt hat und bei der man dann erstaunt ist, dass sie bislang sozusagen verborgen geblieben ist. Andererseits ist das Sch\u00f6ne beim Klavierduo, dass es als Genre allgemein nicht so bekannt ist. Das hei\u00dft, dass die meisten St\u00fccke aus dieser Richtung f\u00fcr das Publikum gr\u00f6\u00dftenteils unbekannt sind. Bis auf ein paar Gassenhauer, k\u00f6nnte man fast sagen \u2013 aber selbst diese, wie zum Beispiel die \u201eFantasie in f-Moll\u201c von Schubert, sind beim ganz breiten Publikum nicht wahnsinnig bekannt. Das ist eigentlich das Sch\u00f6ne daran, dass wir dem Publikum immer wieder ganz neue Dinge pr\u00e4sentieren k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Tereza Gugg-Kalabova: Das macht wirklich gro\u00dfen Spa\u00df, weil zum Beispiel im 19. Jahrhundert das vierh\u00e4ndige Spiel sehr verbreitet war \u2013 dieses h\u00e4usliche Musizieren oder das Musizieren im Freundeskreis. Und es waren nicht nur die gro\u00dfen Komponisten wie Schubert oder Mozart, die daf\u00fcr komponiert haben, sondern auch deren Zeitgenossen. Darunter findet sich wirklich wundersch\u00f6ne Musik, und es ist sehr spannend und bereitet gro\u00dfe Freude, diese Werke wieder zum Leben zu erwecken.<\/p>\n<p>Johannes Gugg: Und es ist nicht nur die Musik, sondern auch der Umstand, dass ein Klavierduo im Konzert nicht so oft zu h\u00f6ren ist. Wir glauben schon, dass es f\u00fcr das Publikum ein besonderes Erlebnis ist, wenn man zwei Personen \u2013 speziell beim vierh\u00e4ndigen Spiel \u2013 an einem Instrument sieht und miterlebt, was alles dazugeh\u00f6rt, damit daraus wirklich eine Einheit entsteht.<\/p>\n<p>Tereza Gugg-Kalabova: Ich w\u00fcrde es daher nicht als Challenge bezeichnen, sondern das ergibt sich eigentlich ganz nat\u00fcrlich, weil es doch einige Komponisten gibt, die man heute zwar kaum kennt, die aber f\u00fcr das vierh\u00e4ndige Spiel geschrieben haben. Wenn man zum Beispiel f\u00fcr Wettbewerbe etwas sucht \u2013 etwa in Polen \u2013 bekommt man dort manchmal eine Liste mit Pflichtst\u00fccken von Komponisten, von denen man noch nie geh\u00f6rt hat, die aber wundersch\u00f6ne Musik f\u00fcr Klavierduo geschrieben haben. Auf diese Weise sind wir eigentlich zu den meisten unbekannten Werken gekommen.<\/p>\n<p>Johannes Gugg: Aber es ist jedenfalls sch\u00f6n, dass es, obwohl es eine Nische ist, dennoch so viel wunderbare Musik gibt, die man noch nicht kennt, und dass man immer wieder Neues entdecken kann.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"683\" height=\"1024\" src=\"data:image\/svg+xml,%3Csvg%20xmlns=\" http:=\"\" alt=\"Bild Gugg Piano Duo\" class=\"wp-image-175192\" data-lazy- data-lazy- data-lazy-src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Gugg-Piano-Duo-\u00a9-Stephan-Polzer-683x1024.jpg\"\/><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"683\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Gugg-Piano-Duo-\u00a9-Stephan-Polzer-683x1024.jpg\" alt=\"Bild Gugg Piano Duo\" class=\"wp-image-175192\"  \/>Gugg Piano Duo \u00a9 Stephan Polzer<\/p>\n<p>Wie sieht es eigentlich mit neueren, zeitgen\u00f6ssischen St\u00fccken aus? Haltet ihr auch nach solchen Ausschau?<\/p>\n<p>Johannes Gugg: Ja, da gibt es sogar sehr viele. Mir kommt vor, dass zeitgen\u00f6ssische Komponistinnen und Komponisten sehr gern speziell f\u00fcr zwei Klaviere beziehungsweise f\u00fcr vierh\u00e4ndiges Klavier schreiben. Ich glaube, dass das kompositorisch besonders interessant ist. Auch in diesem Bereich entdecken wir immer wieder Werke, die wir davor gar nicht gekannt haben und die sehr spannend sind, oft auch mit einem eher experimentellen Ansatz. Wobei uns nat\u00fcrlich nicht alles gef\u00e4llt. Wir sind da schon w\u00e4hlerisch und \u00fcberlegen genau, was wir tats\u00e4chlich ins Programm aufnehmen. Ich w\u00fcrde auch nicht sagen, dass wir Spezialisten f\u00fcr zeitgen\u00f6ssische Musik sind, aber ausgew\u00e4hlte Werke spielen wir sehr gern.<\/p>\n<p>Tereza Gugg-Kalabova: Genau, und es ist auf jeden Fall nichts, wonach man lange suchen muss, wenn man ein zeitgen\u00f6ssisches St\u00fcck f\u00fcr Klavierduo sucht. Es gibt wirklich sehr viele, und wir bekommen auch immer wieder Anfragen von Komponistinnen und Komponisten. Anscheinend schreiben viele sehr gern f\u00fcr zwei Klaviere, aber auch f\u00fcr vierh\u00e4ndiges Spiel.<\/p>\n<p>Ihr musiziert ja wirklich von Anfang an gemeinsam und habt schon sehr fr\u00fch eine beachtliche Karriere hingelegt \u2013 mit zahlreichen Auszeichnungen, Wettbewerbserfolgen und internationalen Konzertreisen. Wenn man etwa in euren aktuellen Kalender schaut, stehen Auftritte in ganz Europa und sogar in den USA auf dem Programm. Wann ist euch eigentlich bewusst geworden, dass sich eure T\u00e4tigkeit nicht nur auf den heimischen Raum oder auf Nachbarl\u00e4nder beschr\u00e4nkt, sondern dass ihr auch international gefragt seid? Und wann sind die ersten Anfragen aus dem Ausland gekommen?<\/p>\n<p>Tereza Gugg-Kalabova: Ich w\u00fcrde sogar sagen, dass es f\u00fcr uns tats\u00e4chlich zuerst im Ausland begonnen hat. Wir haben anfangs eher weniger zu Hause gespielt. Ich glaube, dass das vor allem mit den Auszeichnungen und Wettbewerben zusammenhing. \u00dcber diesen Weg sind Kontakte entstanden, die dazu gef\u00fchrt haben, dass wir zum Beispiel \u00f6fter nach Rum\u00e4nien gekommen sind. Durch diese Vernetzungen bei den Wettbewerben ergibt sich schon einiges.<\/p>\n<p>Johannes Gugg: Das kann sich dann nach und nach erweitern, eine Sache ergibt die n\u00e4chste. In j\u00fcngerer Vergangenheit hat vor allem der Schubert-Wettbewerb noch einmal einen sp\u00fcrbaren n\u00e4chsten Schritt gebracht.\u00a0<\/p>\n<p>Tereza Gugg-Kalabova: Auch NASOM (New Austrian Sound of Musik; Anm.) war diesbez\u00fcglich eine riesige Hilfe.<\/p>\n<p>Johannes Gugg: All diese Dinge machen es leichter, in neue L\u00e4nder zu kommen, in denen man zuvor noch nicht aufgetreten ist \u2026<\/p>\n<p>Tereza Gugg-Kalabova: \u2026 oder Projekte zu realisieren, die sonst l\u00e4nger gedauert h\u00e4tten oder vielleicht gar nicht m\u00f6glich gewesen w\u00e4ren.<\/p>\n<p>Vielleicht eine generelle Frage zur Klassikszene: Wie bedeutend sind Wettbewerbe? Geht es auch ohne sie, dass man irgendwie Fu\u00df fasst?<\/p>\n<p>Johannes Gugg: Sie sind auf jeden Fall eine sehr gute M\u00f6glichkeit. Ob es ganz ohne geht, kann ich schwer beurteilen. Ich glaube, das h\u00e4ngt stark von der pers\u00f6nlichen Situation ab. Wenn man zum Beispiel aus einer sehr musikalischen Familie kommt, in der vielleicht auch die Eltern als Musiker viel unterwegs sind, dann ist es m\u00f6glicherweise leichter, auch ohne Wettbewerbe Kontakte zu kn\u00fcpfen und ein Netzwerk aufzubauen. Wettbewerbe allein reichen allerdings auch nicht, das muss man ebenfalls sagen. Aber sie sind ein n\u00fctzliches Werkzeug, um das Netzwerk zu erweitern.<\/p>\n<p>Tereza Gugg-Kalabova: Ich glaube schon, dass es auch ohne gehen w\u00fcrde. Aber jeder hat seinen eigenen Weg, und es gibt viele unterschiedliche M\u00f6glichkeiten.<\/p>\n<p>Johannes Gugg: Es h\u00e4ngt au\u00dferdem extrem viel von Timing, Zufall und Gl\u00fcck ab. Aber das betrifft nicht nur Klavierduos, sondern ist in der Musikszene allgemein so.<\/p>\n<p>Ihr seid ja nicht nur musikalisch verbunden, sondern auch privat \u2013 ihr seid verheiratet. Wie sehr erleichtert oder erschwert es, gemeinsam auf Tour zu sein?<\/p>\n<p>Tereza Gugg-Kalabova: Es ist beides. (lacht) Einerseits k\u00f6nnen wir uns \u00fcberhaupt nicht vorstellen, alleine unterwegs zu sein. Das ist schon ein gro\u00dfer Vorteil, dass wir das wirklich als Familie machen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Johannes Gugg: Dadurch, dass wir von Anfang an so viel zusammen ge\u00fcbt haben, haben wir uns einfach daran gew\u00f6hnt, viel Zeit miteinander zu verbringen. Und das funktioniert auch nur, weil man sich auch privat gut versteht. Ganz pragmatisch gesehen macht es als Paar vieles leichter, weil man ohnehin zusammenlebt und immer Gelegenheit hat, gemeinsam zu \u00fcben.<\/p>\n<p>Tereza Gugg-Kalabova: Ich kann mir gut vorstellen, dass es schwieriger gewesen w\u00e4re, wenn wir erst sp\u00e4ter zusammengekommen w\u00e4ren oder uns erst sp\u00e4ter kennengelernt h\u00e4tten. Die Kommunikation w\u00e4re dann vielleicht anspruchsvoller, weil man mehr Kompromisse eingehen oder erst lernen m\u00fcsste, miteinander umzugehen \u2013 gerade in den oft stundenlangen Proben.<\/p>\n<p>Bei Klavierduos, besonders beim vierh\u00e4ndigen Spiel, kommt ja noch dazu, dass man sich unglaublich nahe ist, auch k\u00f6rperlich. Man hat einfach nicht viel Platz am Instrument. Auch damit muss man in langen Proben erst umgehen lernen. F\u00fcr uns war es ein gro\u00dfer Vorteil, dass wir das alles nach und nach gemeinsam entwickelt haben und dadurch in der Kommunikation und beim \u00dcben weniger Probleme hatten.<\/p>\n<p>Johannes Gugg: Und dadurch, dass wir uns nicht so schnell auf die Nerven gehen, k\u00f6nnen wir auch l\u00e4ngere Zeit an Details arbeiten. (lacht)<\/p>\n<p>Tereza Gugg-Kalabova: Genau, aber selbstverst\u00e4ndlich ist das nicht. Man muss die Kommunikation wirklich in den Vordergrund stellen, sonst kann das schnell kippen. Was das Reisen und Touren betrifft, ist es f\u00fcr uns aber eindeutig ein Vorteil, dass wir den anderen immer dabeihaben und das gemeinsam erleben k\u00f6nnen. Das erleichtert auch vieles organisatorisch. F\u00fcr uns \u00fcberwiegen klar die Vorteile.<\/p>\n<p>Gibt es bei euch \u00dcberlegungen, in Zukunft die Klassik auch einmal Klassik sein zu lassen und euch in andere musikalische Bereiche vorzuwagen? Oder vielleicht sogar selbst St\u00fccke zu schreiben? W\u00e4re ein eigenes Programm mit eigenen Kompositionen f\u00fcr euch vorstellbar \u2013 m\u00f6glicherweise auch jenseits der klassischen Musik, etwa mit Einfl\u00fcssen aus dem Jazz?<\/p>\n<p>Johannes Gugg: In Richtung Jazz zu gehen, also gemeinsam zu improvisieren \u2013 auf zwei Klavieren oder auf einem \u2013 w\u00e4re schon ein sehr spannendes Projekt. Aber da h\u00e4tten wir wahnsinnig viel Arbeit vor uns. In naher Zukunft ist das daher zumindest nicht realistisch. Trotzdem w\u00e4re das auf jeden Fall eine coole Sache.<\/p>\n<p>Tereza Gugg-Kalabova: Ich kann es mir im Moment noch nicht vorstellen, ich m\u00fcsste daf\u00fcr wahrscheinlich noch einmal studieren gehen. Ich habe nicht das Gef\u00fchl, dass ich daf\u00fcr die n\u00f6tige Kompetenz habe. Die Idee an sich ist, wie Johannes gesagt hat, ziemlich spannend, aber die F\u00e4higkeiten sehen wir derzeit noch nicht bei uns.<\/p>\n<p>Johannes Gugg: Selbst zu komponieren probiert man zwischendurch nat\u00fcrlich schon einmal gerne aus, aber so richtig das Bed\u00fcrfnis danach haben wir eigentlich nicht. Es gibt noch so viele Werke, die wir noch nicht gespielt haben.<\/p>\n<p>Tereza Gugg-Kalabova: Uns geht es eher so, dass wir lieber neue Noten aufschlagen \u2013 etwas, das wir noch nicht gespielt haben \u2013 und uns damit besch\u00e4ftigen, als dass wir das Bed\u00fcrfnis h\u00e4tten, selbst etwas Neues zu schaffen. Vielleicht kommt das sp\u00e4ter einmal, aber im Moment ist dieses Bed\u00fcrfnis nicht da.<\/p>\n<p>Johannes Gugg: Arrangements selbst zu machen, k\u00f6nnen wir uns hingegen auf jeden Fall vorstellen.<\/p>\n<p>Tereza Gugg-Kalabova: Genau, da haben wir immer wieder Ideen, was f\u00fcr zwei Klaviere oder f\u00fcr vier H\u00e4nde spannend sein k\u00f6nnte. Das w\u00fcrde uns eher reizen, als komplett neue Werke zu schreiben.<\/p>\n<p>Johannes Gugg: Sehr interessant w\u00e4re es zum Beispiel, mit eigenen Arrangements ein Programm zu gestalten, das auch Menschen anspricht, die mit klassischer Musik bisher kaum in Ber\u00fchrung gekommen sind \u2013 etwa popul\u00e4re Werke einzubauen, Filmmusik zu integrieren und eigene Bearbeitungen zu pr\u00e4sentieren. So etwas k\u00f6nnen wir uns auf jeden Fall vorstellen, und das w\u00fcrden wir gerne einmal realisieren.<\/p>\n<p>Ihr seid in der kommenden Jeunesse-Saison einer der drei Featured Artists. Was kann man von euch erwarten \u2013 und was erwartet ihr euch selbst davon?<\/p>\n<p>Tereza Gugg-Kalabova: Worauf wir uns am meisten freuen, ist nat\u00fcrlich das Konzert in Wien im Musikverein. Das ist wirklich so etwas wie ein Meilenstein.<\/p>\n<p>Johannes Gugg: Der Goldene Saal ist schon etwas ganz Besonderes. Den kennt man ja von den Neujahrskonzerten, schon seit der Kindheit.<\/p>\n<p>Tereza Gugg-Kalabova: Wir freuen uns auch sehr darauf, mit Orchestern zu spielen. Das kommt sonst nicht so oft vor. Au\u00dferdem haben wir bisher noch nicht wahnsinnig h\u00e4ufig in \u00d6sterreich gespielt, und jetzt bekommen wir die M\u00f6glichkeit, auch in den Bundesl\u00e4ndern aufzutreten, unser Netzwerk weiter auszubauen, neue Orte kennenzulernen und vor neuem Publikum zu spielen.<\/p>\n<p>Letzte Woche ist auch bekannt geworden, dass ihr BBC New Generation Artists geworden seid. Eine besondere Ehre.<\/p>\n<p>Johannes Gugg: Auf jeden Fall. Das ist ein sehr gro\u00dfes und bekanntes Programm des BBC Radio 3. Damit verbunden sind Studioaufnahmen f\u00fcr die BBC, Auftritte in England und auch mit den BBC-Orchestern. N\u00e4here Details dazu haben wir allerdings noch nicht. Aber wir freuen uns sehr und sind schon gespannt.<\/p>\n<p>Vielen Dank f\u00fcr das Interview.<\/p>\n<p>Michael Ternai<\/p>\n<p>++++<\/p>\n<p>Links:<br \/><a href=\"https:\/\/www.guggpianoduo.com\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Gugg Piano Duo<\/a><br \/><a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/gugg.piano.duo\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Gugg Piano Duo (Facebook)<\/a><br \/><a href=\"https:\/\/www.instagram.com\/gugg.piano.duo\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Gugg Piano Duo (Instagram)<\/a><\/p>\n<p>\t\t<script async src=\"\/\/www.instagram.com\/embed.js\"><\/script><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Die aus Tschechien stammende Pianistin Tereza Gugg-Kalabova und der \u00f6sterreichische Pianist Johannes Gugg, beide Jahrgang 1998, stehen seit&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":118352,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[22],"tags":[46,42,147,41670,44,116,148],"class_list":{"0":"post-118351","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-unterhaltung","8":"tag-at","9":"tag-austria","10":"tag-entertainment","11":"tag-gugg-piano-duo","12":"tag-oesterreich","13":"tag-steiermark","14":"tag-unterhaltung"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@at\/116450356404623530","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/118351","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=118351"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/118351\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media\/118352"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=118351"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=118351"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=118351"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}