{"id":121325,"date":"2026-04-24T11:26:07","date_gmt":"2026-04-24T11:26:07","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/121325\/"},"modified":"2026-04-24T11:26:07","modified_gmt":"2026-04-24T11:26:07","slug":"ideologen-und-pragmatiker-ringen-im-iran-um-die-macht-diepresse-com","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/121325\/","title":{"rendered":"Ideologen und Pragmatiker ringen im Iran um die Macht \u2013 DiePresse.com"},"content":{"rendered":"<p>Glaubt man Donald Trump, dann fetzen sich die Mitglieder der iranischen F\u00fchrung hinter den Kulissen \u201ewie Hunde und Katzen\u201c. Der US-Pr\u00e4sident beschreibt ein dysfunktionales Regime, bei dem nicht klar ist, wer Entscheidungen treffen darf und wer nicht. Der iranische Revolutionsf\u00fchrer Modschtaba Khamenei antwortete am Freitag, Trump betreibe \u201epsychologische Kriegsf\u00fchrung\u201c: Regime und Nation seien geeint und \u201est\u00e4hlern entschlossen\u201c. Die Wahrheit liegt zwischen den Behauptungen von Trump und Khamenei. Risse in der iranischen F\u00fchrung existieren, doch sie blockieren das Regime bisher nicht. <\/p>\n<p>Trump setzt die Spekulationen \u00fcber interne Spannungen in Teheran f\u00fcr seine eigenen Zwecke ein. Er begr\u00fcndet damit vor den amerikanischen W\u00e4hlern, warum der Krieg nach fast zwei Monaten immer noch nicht zu Ende ist, obwohl er mehrmals erkl\u00e4rt hatte, der Konflikt werde h\u00f6chstens f\u00fcnf Wochen dauern. Iran und USA k\u00f6nnen sich nicht auf die Fortsetzung von Friedensverhandlungen einigen und lassen den Streit um die Stra\u00dfe von Hormus eskalieren. Die \u00d6lpreise steigen weiter. Er warte darauf, dass sich die Iraner auf eine gemeinsame Position einigen, sagt Trump.<\/p>\n<p>Auf den Versuch des US-Pr\u00e4sidenten, Teheran die Schuld am Stillstand der Verhandlungen zu geben, reagiert der Iran mit Beteuerungen der Einigkeit, die zu laut und demonstrativ vorgetragen werden, um glaubw\u00fcrdig zu sein. Spitzenpolitiker und hochrangige Gener\u00e4le ver\u00f6ffentlichten teilweise gleichlautende Bekenntnisse zur Einheit des Staates. Dass Modschtaba Khamenei es f\u00fcr n\u00f6tig hielt, die Berichte \u00fcber Streit im Regime zur\u00fcckzuweisen, ist ebenfalls ein indirekter Hinweis auf Meinungsverschiedenheiten.<\/p>\n<p>Einigkeit in der iranischen F\u00fchrung gab es seit Gr\u00fcndung der Islamischen Republik 1979 ohnehin noch nie. Der Dauerstreit zwischen Verfechtern der reinen islamistischen Lehre und den Pragmatikern zieht sich durch die Geschichte des Staates. Nun trete dieser Streit st\u00e4rker als sonst hervor, sagt der Iran-Experte Arman Mahmoudian von der Universit\u00e4t S\u00fcd-Florida. Der fr\u00fchere Revolutionsf\u00fchrer Ali Khamenei habe die verschiedenen Fl\u00fcgel des Regimes z\u00fcgeln k\u00f6nnen, sagte Mahmoudian unserer Zeitung. Seit dem Tod des \u00e4lteren Khamenei bei einem amerikanisch-israelischen Luftangriff in Teheran am 28. Februar gibt es diese Z\u00fcgel nicht mehr.<\/p>\n<p>Modschtaba Khamenei ist als Nachfolger seines Vaters zwar auf dem Papier der entscheidende Mann im Iran. Doch der 58-J\u00e4hrige ist von der Revolutionsgarde abh\u00e4ngig, die seine Ernennung zum Regimechef durchsetzte.<\/p>\n<p>Zudem wurde er bei einem Luftangriff verletzt und ist seit seiner Wahl zum Revolutionsf\u00fchrer am 8. M\u00e4rz bisher nicht \u00f6ffentlich aufgetreten; auch seine Botschaft vom Freitag lie\u00df er \u00fcber die Staatsmedien verbreiten. Laut einem Bericht der \u201eNew York Times\u201c hat Khamenei schwere Verbrennungen im Gesicht erlitten und kann kaum sprechen. Er regiert demnach aus einem Versteck heraus mit handschriftlich verfassten Anweisungen. Khameneis Abwesenheit habe ein Vakuum im Zentrum der iranischen Politik geschaffen, sagt Mahmoudian.<\/p>\n<p>Konkurrierende Lager in der F\u00fchrung wollen dieses Vakuum f\u00fcllen. Zu den Ideologen geh\u00f6ren der Chef der Revolutionsgarde, Ahmad Vahidi, und Hossein Taeb, der fr\u00fchere Geheimdienstchef der Garde. Auf der anderen Seite des Grabens stehen nach Mahmoudians Einsch\u00e4tzung pragmatischere Garde-Gener\u00e4le und Parlamentschef Mohammad Baker Kalibaf. Auch Pr\u00e4sident Massud Peseschkian und Au\u00dfenminister Abbas Araghchi geh\u00f6ren zu den Pragmatikern, sind aber weniger einflussreich als Kalibaf oder die Kommandeure.<\/p>\n<p>Aus diesen ideologischen Differenzen ergeben sich unterschiedliche Priorit\u00e4ten f\u00fcr die Verhandlungen mit den USA. Kabilbaf r\u00e4umt \u00f6ffentlich ein, dass der Iran die Supermacht USA milit\u00e4risch nicht besiegen k\u00f6nne. Medien der Hardliner tun so, als seien die USA hoffnungslos unterlegen. <\/p>\n<p>Einig sind sich alle Lager in ihrem Misstrauen gegen\u00fcber Trump und Israel. Alle Mitglieder der F\u00fchrung m\u00fcssen zudem auf die Anh\u00e4ngerschaft des Regimes achten. Diese ist zwar eine Minderheit \u2013 Experten sch\u00e4tzen die Gefolgschaft der Islamischen Republik auf etwa 15 Prozent der Iraner. Doch die Basis ist einflussreich, weil sie das Regime st\u00fctzt. Kompromisse wirken aus ihrer Sicht leicht als Ausverkauf hart erk\u00e4mpfter iranischer Erfolge.<\/p>\n<p>Sollten die Verhandlungen fortgesetzt werden, d\u00fcrfte der Iran deshalb auf das Recht auf Urananreicherung beharren \u2013 auch wenn er sich bereit erkl\u00e4ren k\u00f6nnte, f\u00fcr einige Jahre auf die Anreicherung zu verzichten. Zudem wird Teheran fordern, dauerhaft an der Verwaltung der Meerenge von Hormus beteiligt zu werden.<\/p>\n<p>Die USA werden nicht allem zustimmen, was in Teheran konsensf\u00e4hig ist. Das wird die iranische F\u00fchrung zu internen Kompromissen zwingen, denn alle Lager wollen einen neuen Krieg vermeiden. Das Regime sieht sich bisher als Sieger, weil es den Krieg \u00fcberlebt hat. Doch der eigentliche H\u00e4rtetest f\u00fcr den Teheraner Machtzirkel k\u00f6nnte noch bevorstehen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Glaubt man Donald Trump, dann fetzen sich die Mitglieder der iranischen F\u00fchrung hinter den Kulissen \u201ewie Hunde und&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":121326,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[12],"tags":[1493,40,41,39,66,65,64],"class_list":{"0":"post-121325","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-welt","8":"tag-analyse","9":"tag-nachrichten","10":"tag-news","11":"tag-schlagzeilen","12":"tag-welt","13":"tag-world","14":"tag-world-news"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@at\/116459443604015356","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/121325","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=121325"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/121325\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media\/121326"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=121325"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=121325"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=121325"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}