{"id":124618,"date":"2026-04-26T09:53:08","date_gmt":"2026-04-26T09:53:08","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/124618\/"},"modified":"2026-04-26T09:53:08","modified_gmt":"2026-04-26T09:53:08","slug":"malaria-tarnmechanismus-wie-der-parasit-den-koerper-austrickst","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/124618\/","title":{"rendered":"Malaria-Tarnmechanismus: Wie der Parasit den K\u00f6rper austrickst"},"content":{"rendered":"<p>Wer sich mit Malaria infiziert, sp\u00fcrt meist nach einigen Tagen bis Wochen zuerst Fieber, Sch\u00fcttelfrost, Kopf- und Gliederschmerzen. Doch w\u00e4hrend der K\u00f6rper gegen die Krankheit k\u00e4mpft, dringt der gef\u00e4hrlichste Malariaerreger in rote Blutk\u00f6rperchen ein, ver\u00e4ndert ihre Oberfl\u00e4che und kann sie an den W\u00e4nden kleinster Gef\u00e4\u00dfe festkleben lassen.<\/p>\n<p>Dadurch entgeht der Parasit der Immunabwehr \u2013 und das kann gef\u00e4hrlich werden. Bei manchen Menschen bleibt die Infektion vergleichsweise mild, bei anderen st\u00f6ren die verklebten Blutzellen den Blutfluss, im schlimmsten Fall auch im Gehirn. Forscher am <a href=\"https:\/\/www.bnitm.de\/aktuelles\/news\/malaria-wieder-auf-dem-vormarsch-innovative-tools-noetig\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">Bernhard-Nocht-Institut f\u00fcr Tropenmedizin<\/a> in Hamburg untersuchen nun, welche Tarnmechanismen dahinterstecken und wie KI helfen kann, gef\u00e4hrliche Verl\u00e4ufe fr\u00fcher zu erkennen.<\/p>\n<p>Erreger nutzt Tarnmechanismus: Wie Malaria den Blutfilter des K\u00f6rpers umgeht<\/p>\n<p>Der gef\u00e4hrlichste Malariaerreger, Plasmodium falciparum, nutzt eine besonders wirksame Strategie: Er schleust Eiwei\u00dfe in infizierte rote Blutk\u00f6rperchen ein, die deren Oberfl\u00e4che ver\u00e4ndern. Diese Proteine hei\u00dfen PfEMP1 und sorgen daf\u00fcr, dass sich die Zellen an den W\u00e4nden kleiner Gef\u00e4\u00dfe festsetzen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>F\u00fcr den K\u00f6rper wird das gef\u00e4hrlich, weil die Milz normalerweise auff\u00e4llige oder besch\u00e4digte Blutzellen aus dem Blut filtert. Bleiben infizierte Zellen jedoch in feinen Gef\u00e4\u00dfen h\u00e4ngen, entgehen sie diesem Kontrollsystem \u2013 und k\u00f6nnen zugleich den Blutfluss st\u00f6ren.<\/p>\n<p>Hinzu kommt, dass der <a href=\"https:\/\/smartup-news.de\/wissen\/toxoplasmose-im-gehirn-warum-sich-immunzellen-selbst-opfern\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">Parasit<\/a> sein Erscheinungsbild immer wieder ver\u00e4ndert. In seinem Erbgut liegen rund 60 Varianten dieser Oberfl\u00e4chenproteine bereit, von denen er jeweils nur eine nutzt und sp\u00e4ter wechseln kann. Die Immunabwehr muss sich dadurch st\u00e4ndig neu einstellen, was eine dauerhafte Bek\u00e4mpfung erschwert.<\/p>\n<p>Ob Malaria mild oder lebensgef\u00e4hrlich verl\u00e4uft, h\u00e4ngt von Proteinen ab<\/p>\n<p>\u201eUns interessiert besonders, warum manche Infektionen mild verlaufen, w\u00e4hrend andere lebensbedrohlich werden\u201c, sagt <a href=\"https:\/\/www.bnitm.de\/forschung\/forschungsgruppen\/pathogen\/abteilung-zellulaere-parasitologie\/laborgruppe-bachmann\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">Dr. Anna Bachmann<\/a> vom Bernhard-Nocht-Institut. Entscheidend seien dabei die unterschiedlichen PfEMP1-Varianten, denn einige sorgen daf\u00fcr, dass infizierte Zellen besonders stark an Gef\u00e4\u00dfw\u00e4nden haften.<\/p>\n<p>Das kann den Blutfluss behindern und im schlimmsten Fall auch das Gehirn betreffen, w\u00e4hrend andere Varianten eher mit milderen Verl\u00e4ufen zusammenh\u00e4ngen.<\/p>\n<p>KI setzt das genetische Puzzle gezielt zusammen<\/p>\n<p>Um diese Unterschiede genauer zu verstehen, analysieren die Forscher Blutproben von Erkrankten und untersuchen die RNA des Parasiten \u2013 also jene Baupl\u00e4ne, die gerade aktiv sind. Daraus l\u00e4sst sich ablesen, welche Proteinvariante der Erreger im K\u00f6rper nutzt.<\/p>\n<p>Die Auswertung ist jedoch komplex, weil die Daten aus vielen kleinen Fragmenten bestehen, die erst richtig zusammengesetzt werden m\u00fcssen, um ein vollst\u00e4ndiges Bild zu ergeben. Moderne bioinformatische Methoden und <a href=\"https:\/\/smartup-news.de\/technologie\/bmw-spart-in-der-batteriezellfertigung-dank-ki-ueber-50-prozent\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">KI<\/a> helfen dabei, diese Fragmente den passenden Genen zuzuordnen.<\/p>\n<p>Besonders schwierig sind die sogenannten var-Gene, da sie zu den variabelsten Genfamilien \u00fcberhaupt geh\u00f6ren und klassische Auswertungen schnell an ihre Grenzen bringen.<\/p>\n<p>\u201eWenn wir verstehen, welche Varianten wann und wo im K\u00f6rper zu finden sind, k\u00f6nnen wir besser nachvollziehen, wie unterschiedliche Krankheitsverl\u00e4ufe entstehen\u201c, so Bachmann. Langfristig k\u00f6nnte dieses Wissen helfen, Risiken fr\u00fcher zu erkennen und Patienten gezielter zu behandeln.<\/p>\n<p>Neue Daten zeigen, wie stark das Immunsystem reagiert<\/p>\n<p>Mit den neuen Analysen l\u00e4sst sich nachvollziehen, welche Immunzellen bei schwerer Malaria besonders stark reagieren. In einer weiteren Untersuchung analysierten die Forscher einzelne Immunzellen bei erkrankten Kindern und stellten fest, dass bestimmte Zelltypen besonders stark aktiviert sind, w\u00e4hrend entz\u00fcndliche Signalwege intensiver ablaufen.<\/p>\n<p>Diese Reaktionen k\u00f6nnen mitentscheiden, wie schwer eine Malaria verl\u00e4uft, weil ein \u00fcberm\u00e4\u00dfig starkes oder fehlgeleitetes <a href=\"https:\/\/smartup-news.de\/gesundheit\/chronische-schmerzen-dauern-bei-frauen-laenger-grund-gefunden\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">Immunsystem<\/a> den Krankheitsverlauf zus\u00e4tzlich beeinflusst. K\u00fcnftig k\u00f6nnten \u00c4rzte so besser einsch\u00e4tzen, bei welchen Patienten ein erh\u00f6htes Risiko besteht \u2013 und entsprechend fr\u00fcher eingreifen.<\/p>\n<p>Malaria bleibt weltweit eine gro\u00dfe Bedrohung<\/p>\n<p>Trotz medizinischer Fortschritte bleibt Malaria eine der bedeutendsten Infektionskrankheiten weltweit. Laut World Malaria Report der Weltgesundheitsorganisation (<a href=\"https:\/\/www.who.int\/teams\/global-malaria-programme\/reports\/world-malaria-report-2025\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">WHO<\/a>) gab es im Jahr 2024 rund 282 Millionen F\u00e4lle und etwa 610.000 Todesf\u00e4lle, wobei vor allem Kinder in Subsahara-Afrika betroffen sind.<\/p>\n<p>Gleichzeitig wird die Bek\u00e4mpfung zunehmend schwieriger, weil mehrere Faktoren zusammenkommen:<\/p>\n<p>zunehmende Resistenzen gegen Medikamente<\/p>\n<p>nachlassende Wirkung von Insektiziden<\/p>\n<p>ver\u00e4nderte Bedingungen durch den Klimawandel<\/p>\n<p>schwache Gesundheitssysteme in betroffenen Regionen<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.bnitm.de\/forschung\/forschungsgruppen\/data-science-center\/abteilung-digitale-infektionsbiologie\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">Prof. Thomas Otto<\/a>, Leiter der Abteilung Digitale Infektionsbiologie, bringt die Herausforderung auf den Punkt: \u201eDie genetische Vielfalt des Malariaparasiten ist enorm. Das macht ihn so schwer greifbar.\u201c Moderne Datenanalyse und KI sollen deshalb helfen, diese Vielfalt besser zu verstehen \u2013 und gef\u00e4hrliche Verl\u00e4ufe k\u00fcnftig fr\u00fcher zu erkennen.<\/p>\n<p>Kurz zusammengefasst:<\/p>\n<p>Malaria breitet sich wieder st\u00e4rker aus, weil Resistenzen zunehmen, Insektizide schlechter wirken und der Klimawandel neue Ausbreitungsr\u00e4ume schafft.<\/p>\n<p>Der Parasit t\u00e4uscht das Immunsystem gezielt, indem er zwischen rund 60 Proteinvarianten wechselt und so immer wieder unerkannt bleibt.<\/p>\n<p>K\u00fcnstliche Intelligenz hilft, diese Wechsel zu entschl\u00fcsseln, sodass sich schwere Krankheitsverl\u00e4ufe k\u00fcnftig besser erkennen und gezielter behandeln lassen.<\/p>\n<p>\u00dcbrigens: W\u00e4hrend Forscher den Malariaparasiten im Blut entschl\u00fcsseln, tauchen nun auch in der Arktis neue \u00dcbertr\u00e4ger auf. Erstmals wurden M\u00fccken in Island entdeckt. Was dieser Fund \u00fcber den Klimawandel verr\u00e4t und warum er als Warnsignal gilt, mehr dazu in unserem <a href=\"https:\/\/smartup-news.de\/wissen\/muecken-haben-island-erreicht-mit-ernsten-folgen-fuer-die-arktis\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">Artikel<\/a>.<\/p>\n<p>Bild: \u00a9 <a href=\"https:\/\/www.freepik.com\/free-photo\/mosquito_4108060.htm\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">Freepik<\/a><\/p>\n<p>              0%<br \/>\n              Love<\/p>\n<p>              0%<br \/>\n              Funny<\/p>\n<p>              0%<br \/>\n              Wow<\/p>\n<p>              0%<br \/>\n              Sad<\/p>\n<p>              0%<br \/>\n              Angry<\/p>\n<p>\t\tBeitragsnavigation<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Wer sich mit Malaria infiziert, sp\u00fcrt meist nach einigen Tagen bis Wochen zuerst Fieber, Sch\u00fcttelfrost, Kopf- und Gliederschmerzen.&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":124619,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[20],"tags":[46,42,610,124,828,123,2900,3281,508,11995,43102,44,43103,19060],"class_list":{"0":"post-124618","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-gesundheit","8":"tag-at","9":"tag-austria","10":"tag-forschung","11":"tag-gesundheit","12":"tag-hamburg","13":"tag-health","14":"tag-infektionskrankheiten","15":"tag-klimawandel","16":"tag-kuenstliche-intelligenz","17":"tag-malaria","18":"tag-medizinforschung","19":"tag-oesterreich","20":"tag-parasiten","21":"tag-tropenmedizin"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@at\/116470403584284925","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/124618","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=124618"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/124618\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media\/124619"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=124618"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=124618"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=124618"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}