{"id":125009,"date":"2026-04-26T14:52:10","date_gmt":"2026-04-26T14:52:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/125009\/"},"modified":"2026-04-26T14:52:10","modified_gmt":"2026-04-26T14:52:10","slug":"beim-akw-tschernobyl-leben-im-schatten-von-strahlung-und-krieg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/125009\/","title":{"rendered":"Beim AKW Tschernobyl: Leben im Schatten von Strahlung und Krieg"},"content":{"rendered":"<p>            <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"ts-image\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/haus-autowrack-100.jpg\" alt=\"ein Haus und ein Autowrack in der Sperrzone von Tschernobyl\" title=\"ein Haus und ein Autowrack in der Sperrzone von Tschernobyl | ARD-Studio Kiew\"\/><\/p>\n<p>                    Reportage<\/p>\n<p class=\"metatextline\">Stand: 26.04.2026 \u2022 10:41 Uhr<\/p>\n<p class=\"article-head__shorttext\">\n        40 Jahre nach der Nuklearkatastrophe macht Russlands Krieg gegen die Ukraine Tschernobyl erneut zum Hochrisikogebiet. Und doch leben hier noch Menschen &#8211; trotz Strahlung, Drohnen und Minenfeldern. Eindr\u00fccke aus der Sperrzone.\n    <\/p>\n<p>                                    <a class=\"authorline__link\" href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/korrespondenten\/susanne-petersohn-102.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><br \/>\n                                        <img decoding=\"async\" class=\"authorline__img\" alt=\"Susanne Petersohn\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/susanne-petersohn-100.jpg\"\/><br \/>\n                                    <\/a><\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Die Sperrzone von Tschernobyl, etwa hundert Kilometer n\u00f6rdlich von Kiew: Vor vierzig Jahren ger\u00e4t hier ein Reaktortest au\u00dfer Kontrolle. Block 4 des Kernkraftwerks explodiert. Eine radioaktive Wolke zieht durch Europa. Es gilt als die schwerste Katastrophe der zivilen Kernenergie. Heute ist die verstrahlte Sperrzone rund um den havarierten Reaktorblock durch Russlands Angriffskrieg erneut zum Risikoraum geworden.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Kaum ein Au\u00dfenstehender darf in das Innere des Kernkraftwerks von Tschernobyl. Von den W\u00e4nden des alten Sowjetgeb\u00e4udes br\u00f6ckelt der Putz. In den d\u00fcsteren G\u00e4ngen h\u00e4ngt eine feuchte K\u00e4lte. Unter dicken Jacken muss spezielle Schutzkleidung getragen werden. Immer wieder warnen Schilder an den W\u00e4nden vor Radioaktivit\u00e4t.<\/p>\n<p class=\"absatzbild__info__text\">\n                        Am 26. April 1986 kommt es im AKW Tschernobyl zur bis heute gr\u00f6\u00dften zivilen Nuklearkatastrophe.\n                    <\/p>\n<p>    AKW in der Einflugschneise von Raketen<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Heute <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/ausland\/europa\/wissenschaftler-tschernobyl-ukraine-100.html\" title=\"Die verlassenen Wissenschaftler von Tschernobyl\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">arbeiten im Kraftwerk<\/a> etwa 500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Schichtbetrieb, rund um die Uhr. Sie k\u00fcmmern sich vor allem um die Kontrolle der Strahlenwerte. Einer von ihnen ist Ihor Tarykin. Der 37-J\u00e4hrige arbeitet im Kontrollraum der neuen Schutzh\u00fclle.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Das sogenannte New Safe Confinement wurde 2016 \u00fcber die alte Schutzh\u00fclle aus den 1980er-Jahren, den Sarkophag, geschoben und soll Strahlenauswirkungen zus\u00e4tzlich eingrenzen. Tarykin \u00fcberpr\u00fcft permanent die technischen Werte der neuen Schutzh\u00fclle, etwa Temperatur, Luftfeuchtigkeit oder Luftdruck.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Doch seit Russland die Ukraine \u00fcberfallen hat, ist zur Gefahr der Strahlung eine zus\u00e4tzliche gekommen: Die Sperrzone von Tschernobyl ist Einflugschneise f\u00fcr russische Angriffsdrohnen und Raketen. Und weil das Gebiet unmittelbar an Belarus grenzt, sind die Vorwarnzeiten besonders kurz.<\/p>\n<p class=\"absatzbild__info__text\">\n                        Tschernobyl liegt in der N\u00e4he der Grenze zu Belarus. Die Region ist daher besonders gef\u00e4hrdet, weshalb hier auch ukrainische Soldaten stationiert sind.\n                    <\/p>\n<p>    Keine Schutzm\u00f6glichkeit bei Alarm<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Tarykin ist besorgt. Die Schutzh\u00fclle des Reaktors sei nicht f\u00fcr Raketen- und Drohnenangriffe ausgelegt. W\u00e4hrend er das sagt, heulen drau\u00dfen die Sirenen, es ist wieder einmal Luftalarm. Drohnen und Raketen sind im Anflug auf die Ukraine. Doch in Sicherheit bringen k\u00f6nnen sich Tarykin und seine Kollegen nicht.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Der Arbeit im Kernkraftwerk, die Kontrolle der technischen Werte, muss jederzeit sichergestellt sein. Das betont auch Serhij Tarakanow, Generaldirektor des Kernkraftwerks von Tschernobyl. &#8222;Die Gew\u00e4hrleistung der nuklearen Sicherheit und des Strahlenschutzes ist ein fortlaufender Prozess&#8220;, sagt er. Ein Kernkraftwerk k\u00f6nne man nicht einfach stilllegen und verlassen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Wie gef\u00e4hrlich die Situation ohnehin schon ist, zeigt eine Drohnenattacke im Februar 2025 auf die Schutzh\u00fclle des zerst\u00f6rten Reaktors. Noch immer liegen die Tr\u00fcmmerteile im Hof. Bis heute konnte die Schutzh\u00fclle nicht vollst\u00e4ndig repariert werden. Sie ist undicht. An den Stellen des Einschlags dringt Regenwasser ein. Tarakanow sagt, ein weiterer Einschlag k\u00f6nne eine erneute nukleare Katastrophe zur Folge haben.<\/p>\n<p>    <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/multimedia\/bilder\/tschernobyl-262.html\" class=\"copytext-galerie columns twelve m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><br \/>\n        40 Jahre nach AKW-Explosion<br \/>\n        Todeszone Tschernobyl<br \/>\n    <\/a><\/p>\n<p>    Natur erobert Lebensraum zur\u00fcck &#8211; trotz Mutationen<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Rund um den zerst\u00f6rten Reaktor entstand nach der Katastrophe eine streng bewachte Sperrzone &#8211; ein Gebiet mit einem Radius von etwa drei\u00dfig Kilometern. Mehr als 300.000 Menschen mussten damals ihre Heimat \u00fcberst\u00fcrzt und f\u00fcr immer verlassen. Doch wo der Mensch verschwand, holt sich die Natur ihren Lebensraum zur\u00fcck.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Ranger Mykola Sabrodin berichtet von einer erstaunlichen Artenvielfalt: &#8222;Wir begegnen Pferden, Rehen, Elchen, Luchsen, W\u00f6lfen, sogar B\u00e4ren.&#8220; Hinzu k\u00e4men seltene V\u00f6gel wie der Steinadler. Und: Heute lebe hier eine der letzten wirklich wilden Pferdeherden Europas.<\/p>\n<p class=\"absatzbild__info__text\">\n                        Trotz der Auswirkung nuklearer Strahlung erholt sich die Natur bei Tschernobyl, sagt Ranger Mykola Sabrodin. Der Grund: Es gibt kaum Menschen.\n                    <\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Sogar eine wilde Kuhherde lebe heute in der Sperrzone, sagt Sabrodin. &#8222;Niemand h\u00e4tte gedacht, dass sie \u00fcberleben w\u00fcrden. Aber sie haben nicht nur \u00fcberlebt, sondern sich auch fortgepflanzt und sich gegen Raubtiere wie W\u00f6lfe und B\u00e4ren verteidigt. Die K\u00fche sind heute v\u00f6llig wild.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Zwar gebe es Hinweise auf Mutationen, geringere Lebenserwartung und weniger Nachwuchs. Doch dass der Mensch verschwunden ist, habe einen gr\u00f6\u00dferen Einfluss, sagt Sabrodin. Populationen w\u00fcrden sich erholen. Das zu beobachten, mache ihm Freude. Er liebe seinen Beruf &#8211; trotz der schwierigen Umst\u00e4nde.<\/p>\n<p class=\"absatzbild__info__text\">\n                        In der Sperrzone lebt auch eine der letzten wilden Pferdeherden Europas.\n                    <\/p>\n<p>    Heimat in der Sperrzone<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Unmittelbare Gefahr geht heute vor allem von Russlands Truppen aus &#8211; f\u00fcr Tier und Menschen. Erst vor wenigen Monaten seien drei seiner Kollegen get\u00f6tet worden, weil sie bei ihrer Arbeit auf eine russische Mine gefahren seien, sagt Sabrodin. In der gesamten Zone arbeiten heute wieder rund 4.000 Menschen &#8211; Wissenschaftler, Techniker, Ingenieure, Mitarbeiter des AKW. Hinzu kommen Soldaten. F\u00fcr sie alle ist die Sperrzone ein gef\u00e4hrlicher Arbeitsplatz.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">F\u00fcr Walentyna Kuchartschuk aber ist sie Heimat. Die 87-J\u00e4hrige kehrte kurz nach der Reaktorkatastrophe hierher zur\u00fcck. &#8222;Alle dachten wohl, ich w\u00e4re verr\u00fcckt &#8211; aber ich wollte in der N\u00e4he meines Flusses sein und angeln gehen. Ich wollte einfach nach Tschernobyl. Deshalb sind mein Mann und ich gleich in den ersten Tagen nach dem Unfall wieder hergekommen&#8220;, erz\u00e4hlt sie in ihrem bauf\u00e4lligen Haus.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Wolodymyr Werbytskyj kennt die Menschen, die heute in der Sperrzone leben. Mehrere Jahre arbeitete er hier als Touristenf\u00fchrer, davor war er Ingenieur im Kernkraftwerk. Werbytskyj kann die Menschen verstehen, die ausgerechnet hier leben wollen. Fu\u0308r sie sei die Zeit in Tschernobyl in dem Moment stehengeblieben, als Reaktorblock 4 explodierte. &#8222;Rund drei\u00dfig \u00e4ltere Menschen sind zur\u00fcckgekehrt, leben noch hier. Die Beh\u00f6rden reagieren in den meisten F\u00e4llen mit Verst\u00e4ndnis.&#8220;<\/p>\n<p class=\"absatzbild__info__text\">\n                        Walentyna Kuchartschuk hat ihr ganzes Leben bei Tschernobyl verbracht und dort schon den Zweiten Weltkrieg erleben m\u00fcssen. Heute hat sie wieder Angst vor Raketen.\n                    <\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Es ist ein einsames Leben. Auch f\u00fcr die Walentyna Kuchartschuk. Die Rentnerin stellt Wurst, K\u00e4se und etwas Brot auf den Tisch. Heute lebt sie gemeinsam mit einigen Katzen in dem kleinen H\u00e4uschen. &#8222;Diese Stadt war wie ein M\u00e4rchen. Wer auch immer hergekommen ist, hat geheiratet und ist hier geblieben. Und unsere Natur ist sehr sch\u00f6n. Wir hatten hier so viele verschiedene Unternehmen.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Kuchartschuk ist in der Region geboren und hat hier ihr Leben verbracht. 1941 sei sie zweieinhalb Jahre alt gewesen, als w\u00e4hrend des Zweiten Weltkriegs Bomben fielen. &#8222;Meine Mutter bedeckte meine Ohren mit einem Kissen, und ich weinte. Und jetzt ein Krieg im 21. Jahrhundert? Wie kann das blo\u00df sein? Jetzt sind die Russen gekommen und lassen mich auch an meinem Lebensabend nicht mehr in Ruhe und gl\u00fccklich leben.&#8220; Oft k\u00f6nne sie nicht schlafen, weil russische Drohnen und Raketen \u00fcber ihr Zuhause fliegen und immer wieder Explosionen zu h\u00f6ren sind.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Sie zieht eine Flasche Schnaps aus dem K\u00fchlschrank und will ansto\u00dfen: &#8222;Auf den Frieden. Dass die Menschen gl\u00fccklich sind. Dass alles gut wird. Es sollte weniger Hass geben. Aber jetzt ist er leider \u00fcberall.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Den Film zur Reportage, &#8222;Tschernobyl heute: Gefahr im Krieg | Weltspiegel extra&#8220;, <a href=\"https:\/\/www.ardmediathek.de\/video\/weltspiegel\/tschernobyl-heute-gefahr-im-krieg\/wdr\/Y3JpZDovL3dkci5kZS9CZWl0cmFnLXNvcGhvcmEtOGIxNmQ3NWUtYzY1Ni00ZWJmLTk2YWUtYmQ5NDg1YzlkNzZj\" title=\"Tschernobyl heute: Gefahr im Krieg | Weltspiegel extra\" class=\"textlink--extern\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">finden Sie auch hier<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Reportage Stand: 26.04.2026 \u2022 10:41 Uhr 40 Jahre nach der Nuklearkatastrophe macht Russlands Krieg gegen die Ukraine Tschernobyl&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":125010,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[7740,732,17503,76,75,74,41082],"class_list":{"0":"post-125009","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-europa","8":"tag-atomkraft","9":"tag-ukraine","10":"tag-atomkraftwerk","11":"tag-eu","12":"tag-europa","13":"tag-europe","14":"tag-tschernobyl"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@at\/116471578534234204","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/125009","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=125009"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/125009\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media\/125010"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=125009"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=125009"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=125009"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}