{"id":127985,"date":"2026-04-28T08:18:08","date_gmt":"2026-04-28T08:18:08","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/127985\/"},"modified":"2026-04-28T08:18:08","modified_gmt":"2026-04-28T08:18:08","slug":"sandra-hueller-brilliert-in-historischem-drama-rose","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/127985\/","title":{"rendered":"Sandra H\u00fcller brilliert in historischem Drama &#8222;Rose&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>Surreal sind die Bilder, die Markus Schleinzer in seinem dritten Spielfilm entwirft. Auch wenn es sich bei &#8222;Rose&#8220; dem Inhalt nach um einen Historienfilm handelt, angesiedelt zur Zeit des Drei\u00dfigj\u00e4hrigen Kriegs.<\/p>\n<p>Frage nach Selbstbestimmung steht im Mittelpunkt des Films<\/p>\n<p>Die ersten Szenen entf\u00fchren in den S\u00fcdharz. Tote B\u00e4ume ragen in den Himmel, rei\u00dfen mit ihren kahlen Spitzen die Nebeldecke auf. Und doch verirrt sich kein w\u00e4rmender Sonnenstrahl auf das Gesicht des einsamen Soldaten, der verloren auf einem kargen H\u00fcgel steht und verwundert das karnevaleske Treiben einiger Dorfleute betrachtet. Wie Derwische jagen sie johlend hintereinander her, tragen Tierfelle und Masken. Ihr wahres Gesicht werden sie schneller zeigen, als es dem stillen Beobachter lieb ist. <\/p>\n<p>Irritierend und albtraumhaft sch\u00f6n ist das Anfangsszenario dieses historischen Dramas, dessen Schwarz-Wei\u00df-Bilder n\u00fcchterne Authentizit\u00e4t suggerieren und den Blick aufs Wesentliche richten: die vom Film aufgeworfenen Fragen nach Identit\u00e4t und Selbstbestimmung. <\/p>\n<p>Rose nimmt m\u00e4nnliche Identit\u00e4t an <\/p>\n<p>Auch Titelfigur Rose, gespielt von Sandra H\u00fcller, tr\u00e4gt in gewisser Weise eine Maske. Seit dem Krieg gibt sie sich als Mann aus, hat ihr Vaterland verteidigt, auf dem Schlachtfeld ihr Leben riskiert und ihr von der Gesellschaft diktiertes Dasein als privilegienarme Geb\u00e4rmaschine begraben. <\/p>\n<p>Rose ist jetzt ihr eigener Herr. Mehr sogar: In dem Dorf, das sie im Soldatengewand zu Filmbeginn aufsucht, \u00fcbernimmt sie einen brachliegenden Hof, die Papiere, die sie als Besitzer ausgeben, hat sie in der Tasche. Und auch wenn niemand diesen wortkargen Kriegsheimkehrer mit dem von einer Schusswunde entstellten Gesicht als einen der ihren erkennt, sein Geld nehmen Angestellte und Gesch\u00e4ftspartner gern. <\/p>\n<p>Regisseur Schleinzer entwirft dichtes Gesellschaftspanorama<\/p>\n<p>Weit schwerer zu erwerben ist allerdings das Vertrauen der Dorfgemeinschaft. Wie auf dem Duellierplatz stehen sich Roses Hoffnung auf ein besseres Leben und die ablehnende Skepsis der anderen gegen\u00fcber. Es ist ein feindseliges Umfeld, ein Kriegsschauplatz im Kleinen, und eine in die Gegenwart hineinreichende Situation, die Genderfragen ebenso thematisiert wie Machtgef\u00fcge und die Angst vor Fremden und Ver\u00e4nderung. <\/p>\n<p>Wen wundert&#8217;s da noch, dass Rose die Kugel um den Hals tr\u00e4gt, die vor Jahren ihre rechte Gesichtsh\u00e4lfte zerrissen hat. Immer wieder bei\u00dft sie gedankenverloren auf dem verformten Metallst\u00fcck herum, als sei sie dazu verdammt, die K\u00e4lte und H\u00e4rte des Lebens zu schmecken, selbst wenn sich das Gl\u00fcck auf ihre Seite zu schlagen scheint. <\/p>\n<p>Dieser Film h\u00e4tte mehr Auszeichnungen verdient<\/p>\n<p>Regisseur Schleinzer liefert mit &#8222;Rose&#8220; ein meisterhaft verdichtetes Gesellschaftspanorama ab. Wie schon in seinen ersten beiden Filmen erkennt man seine Verbundenheit mit klugen Kinoverst\u00f6rern wie Michael Haneke, Jessica Hausner oder Uli Seidl. Hauptdarstellerin Sandra H\u00fcller hat f\u00fcr ihre bravour\u00f6s geerdete Leistung den Silbernen B\u00e4ren als beste Darstellerin gewonnen. Warum die Berlinale-Jury dem Film nicht noch mehr Preise verliehen hat, ist eine der vielen Fragen, die man nach dieser 90-min\u00fctigen Arthouse-Glanzleistung mit nach Hause nimmt. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Surreal sind die Bilder, die Markus Schleinzer in seinem dritten Spielfilm entwirft. 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