{"id":128758,"date":"2026-04-28T17:00:11","date_gmt":"2026-04-28T17:00:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/128758\/"},"modified":"2026-04-28T17:00:11","modified_gmt":"2026-04-28T17:00:11","slug":"wenig-licht-im-dunklen-reich-katja-kabanowa-am-musiktheater-linz-das-opernmagazin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/128758\/","title":{"rendered":"Wenig Licht im Dunklen Reich \u2013 \u201eKatja Kabanowa\u201c am Musiktheater Linz \u2013 DAS OPERNMAGAZIN"},"content":{"rendered":"<p>\t\t<a href=\"https:\/\/opernmagazin.de\/wenig-licht-im-dunklen-reich-katja-kabanowa-am-musiktheater-linz\/12170_300dpi\/\" rel=\"attachment wp-att-33162 nofollow noopener\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-33162\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/12170_300dpi-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\"  \/><\/a>Musiktheater Linz\/ KATJA KABANOWA\/Carina Tybjerg Madsen\/Foto: Reinhard Winkler<\/p>\n<p>Nicht allein die geographische N\u00e4he zu Tschechien ist f\u00fcr das Musiktheater Linz Anlass, sich dem \u0152uvre Leo\u0161 Jan\u00e1\u010deks zu widmen, vielmehr gr\u00fcndet dieser Fokus auf der Bedeutung, die der Komponist mit seiner am tschechischen Sprachduktus orientierten Kompositionstechnik und der tiefen Einf\u00fchlsamkeit und Authentizit\u00e4t seiner Werke f\u00fcr die Entwicklung des Musiktheaters auf dem Weg zur Moderne innehat. W\u00e4hrend in der vergangenen Saison \u201eDas schlaue F\u00fcchslein\u201c, in Linz in stark modernisierter deutschsprachiger \u00dcbersetzung und einer eigenwilligen Inszenierung von Peter Konwitschny als \u201eDie gerissene F\u00fcchsin\u201c gespielt, auf dem Programm stand und in der kommenden unter dem Titel \u201eVanishings\u201c ein Liederzyklus Jan\u00e1\u010deks mit \u201eDarknesse Visible\u201c von Thomas Ad\u00e8s und sieben ungarischen Liedern kombiniert wird, gelangte nun \u201eKatja Kabanowa\u201c zur Auff\u00fchrung, erneut in deutscher Sprache und unter Regie von Peter Konwitschny. Dieser l\u00e4sst in einem beeindruckenden B\u00fchnenbild die Idee durchblitzen, die Geschichte als anhand der zentralen Frauenfigur zugespitzte Kirchenkritik erz\u00e4hlen zu wollen, letztlich wird davon \u00fcber die Kulisse hinaus jedoch wenig sichtbar, stattdessen verhindern unpassend grotesk anmutende Szenen weitgehend das Aufkommen von Reflexion und Mitgef\u00fchl. Durch das stimmungsvolle Brucknerorchester und besonders Carina Tybjerg Madsen als bewegende Katja gelingt dennoch ein solider Premierenabend, der die Tiefe dieses Werkes zumindest h\u00f6rbar werden l\u00e4sst. (Rezension der Premiere v. 26. April 2026)<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>\u201eDie Frau ist zuhause? \u2013 In der Kirche.\u201c<\/p>\n<p>Bereits vor Einsatz der Handlung, w\u00e4hrend die B\u00fchne noch hinter einem transparenten Vorhang in Dunkelheit geh\u00fcllt ist, gewittert es. Dieses verfr\u00fchte Gewitter, das eigentlich erst w\u00fctet, wenn Katja ihren Ehebruch vor der versammelten Menge gesteht, macht deutlich, dass damit nicht blo\u00df ein Wetterph\u00e4nomen gemeint ist, sondern das weitere Bedeutungsfeld des russischen Wortes, mit dem das Drama von Alexander Ostrowski, auf dem die Oper basiert, bezeichnet ist, mitzudenken ist, dass es sich also um die Geschichte eines Schreckens, einer Katastrophe handelt, die im Suizid einer am engen moralischen Korsett der Gesellschaft und ihrer Familie zugrunde gehenden Frau m\u00fcndet. In diesem Gewitter werden schroffe Elemente, verwinkelte Gassen und aufragende W\u00e4nde sichtbar, die nach und nach als Kirchenraum zu identifizieren sind. Inmitten von Grabkreuzen, karg gestalteten Emporen, einer Kanzel, kubistisch anmutenden Kirchenb\u00e4nken, einem klassischen Beichtstuhl und einer d\u00fcrftig eingerichteten Sakristei, alles in Grau und in scharfen, an die Werke Lyonel Feiningers angelehnten Konturen gehalten, blitzt ein beinahe bedrohlich wirkendes Kreuz hervor, das \u00fcber einem stilisierten Hochaltar emporragt. In und an diesem Kirchengeb\u00e4ude, das die Institution der Kirche von Anfang an nicht als Ort der Geborgenheit, W\u00e4rme und des Mitgef\u00fchls, als welchen Katja den Gottesdienst in ihrer Kindheit wahrgenommen hat, sondern als kaltes, unterdr\u00fcckerisches, S\u00fcndenbewusstsein sch\u00e4rfendes soziales Kontrollorgan zeichnet, entfaltet sich sodann die Geschichte um Katja Kabanowa. Die Kirche wird zum Symbol f\u00fcr die Unterdr\u00fcckung des Individuums und seines Gl\u00fccks durch eine moralisch rigide, machtaus\u00fcbende Instanz. Zwar handelt es sich weder um eine neue noch eine besonders kreative Idee, mittels einer Operninszenierung Kirchenkritik zu \u00fcben, doch ist die Verlagerung der gesamten Handlung in das Umfeld einer, oder auch der, Kirche durchaus im eigentlich im Russland des 19. Jahrhunderts spielenden Werk angelegt und sind Glaube und Kirche, als Geb\u00e4ude, Institution und Versammlung gleicherma\u00dfen, durchg\u00e4ngig im Text pr\u00e4sent, gar lie\u00dfen sich einzelne Zeilen als Hinweis auf einen Kirchenraum als Schauplatz hin interpretieren. Peter Konwitschny gibt diesem klaren Bezug jedoch einen ver\u00e4nderten Rahmen, denn die hier pr\u00e4sente Kirche ist eine r\u00f6misch-katholische. Dies mag zwar dem Auff\u00fchrungsort angemessen sein, so egal, ob es eine russisch-orthodoxe, eine evangelische oder eine katholische Kirche ist, wie der Regisseur in einem im Programmheft abgedruckten Gespr\u00e4ch meint, ist es allerdings nicht, zumal besonders in der Gegenwart im kirchenkritischen Diskurs mit Blick auf sehr divergierende politische Zusammenh\u00e4nge durchaus zwischen den verschiedenen Kirchen differenziert werden m\u00fcsste. Der unmittelbaren Wirkung dieser Inszenierung tut diese konfessionelle Verlegung jedoch keinen Abbruch, wof\u00fcr vor allem das beeindruckende, durchdacht konstruierte, dabei durch Verzerrung und Aufbrechung gewohnter Raumgestaltungen die Br\u00fcchigkeit der Institution verdeutlichende und durch die Drehb\u00fchne \u00e4u\u00dferst klug verwandelbare B\u00fchnenbild von Karin Waltenberger Verantwortung zeichnet. So entsteht nicht nur eine szenisch gelungene Kulisse, sondern wird vor allem eine Atmosph\u00e4re geschaffen, die den Kern des St\u00fccks auf umfassende Weise einzufangen vermag.<\/p>\n<p>Kirchenkritik in einer Kirche, doch ohne Kritik<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/opernmagazin.de\/wenig-licht-im-dunklen-reich-katja-kabanowa-am-musiktheater-linz\/12169_300dpi\/\" rel=\"attachment wp-att-33163 nofollow noopener\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-33163\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/12169_300dpi-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\"  \/><\/a>Musiktheater Linz\/ KATJA KABANOWA\/Clarry Bartha, Carina Tybjerg Madsen, Michael Wagner, Ensemble\/Foto: Reinhard Winkler<\/p>\n<p>Umso st\u00e4rker tritt jedoch die Diskrepanz zwischen diesem atmosph\u00e4rischen B\u00fchnenbild, das zahlreiche Ans\u00e4tze in sich tr\u00fcge und infolge erwarten lie\u00dfe, und der vagen, nicht zu Ende gef\u00fchrten Ausgestaltung eben dieser hervor. Dass das der Oper zugrundeliegende Thema in Form von Kritik an der Institution Kirche zugespitzt werden soll, bleibt zwar durch die offensichtlichen Bez\u00fcge bestehen, wird allerdings szenisch und dramaturgisch zu wenig genutzt, um tats\u00e4chlich einen Diskurs zu er\u00f6ffnen. Fast f\u00fchlt man sich mit diesem Deutungsansatz etwas allein gelassen, doch wird man auch wenig dazu angeregt, diesem selbst reflektierend weiter nachzugehen. Es k\u00f6nnte auch der Verdacht aufkommen, es ging bei der Nutzung einer weit verbreiteten kritischen Haltung vorrangig um Positionierung ohne tats\u00e4chlichen Diskurs oder gar reine Provokation, die allerdings nicht ihre Wirkung erzielt h\u00e4tte. Tieferf\u00fchrende Gedanken lassen sich durch die Verortung der unterschiedlichen Szenen in bestimmten R\u00e4umen der Kirche erahnen. Dabei ist die Ansiedelung von Katjas Erz\u00e4hlung aus ihrer vertr\u00e4umten, freien Kindheit und ihrem Gest\u00e4ndnis, einen anderen Mann zu lieben, am und im Beichtstuhl zwar wenig originell, aber passend, auch die Nutzung der Sakristei als Wohnraum ist in diesem Konzept nur schl\u00fcssig. Besonders gelungen ist das letzte Aufeinandertreffen von Katja und Boris, das hier in der Gruft der Kirche stattfindet und bei dem jene auf den \u00fcber S\u00e4rgen, Gedenkkr\u00e4nzen und Trauerkerzen positionierten Balkon den bewegenden Satz \u201eIch w\u00fcnsche mir, an meinem Grab zu stehen und die Leute zu fragen: Wo wart ihr, als ich noch lebte?\u201c. Es ist diese Szene, die auch am meisten affektive Kraft entfaltet und etwas von dem inneren Konflikt Katjas inmitten der zu engen Gesellschaft sp\u00fcren l\u00e4sst. Dabei gelingt auch im Ansatz eine geschickte Einbindung der liturgischen Ausstattung, wenn Katja im Gespr\u00e4ch mit Boris, erkennbar schon den Tod im Blick, ihre H\u00e4nde in ein Weihwasserbecken senkt, sich dann aber doch von dem Wasser abwendet. Man (vermutlich nicht Konwitschny) f\u00fchlt sich an die Zur\u00fcckweisung des Wassers des Lebens in \u201eDie Frau ohne Schatten\u201c erinnert, noch st\u00e4rker wird aber klar, dass Katja in dieser Erinnerung der Taufe und S\u00fcndenvergebung eben keine Erl\u00f6sung erfahren, sondern nur im Tod befreit werden kann. Ob sie trotz der Kirche noch am Glauben an die Auferstehung festhalten konnte? An anderen Stellen werden vorhandene liturgische Objekte jedoch nicht in das Geschehen eingebunden, obwohl gerade dies symbolisches Potenzial in sich bergen w\u00fcrde. So wird zwar etwa ein Chorhemd geb\u00fcgelt und h\u00e4ngt ein violettes Parament am Kleiderhaken, ein klares Zeichen der hier wohl indoktrinierten Aufforderung zur Bu\u00dfe \u2013 oder nur ein Aufgreifen der Erw\u00e4hnung der Fastenzeit durch Dikoj \u2013, doch wirkt das weitere liturgische Ger\u00e4t eher wie \u00fcberfl\u00fcssig gewordene Dekoration. Man k\u00f6nnte darin die Intention vermuten, alles Liturgische, den Glauben selbst als \u00fcberkommen darstellen zu wollen, w\u00e4hrend nur die rigide Moral als Mittel der gesellschaftlichen Kontrolle \u00fcbrig geblieben ist, doch wird dies nicht ausreichend entfaltet. Besondere Aufmerksamkeit erweckt ein fragmentarisch gezeigtes Wandgem\u00e4lde des J\u00fcngsten Gerichts, das in der Szene des Gewitters, die auch im Original in der Ruine einer Kirche angesiedelt ist, Erw\u00e4hnung findet, hier aber bereits zuvor immer wieder drohend sichtbar wird. Obgleich es sich um eine gelungene k\u00fcnstlerische Umsetzung handelt, w\u00fcnschte man sich auch hier eine st\u00e4rkere bildhafte und vor allem inhaltliche Einbindung dieses weitreichenden Topos.<\/p>\n<p>Die Grenzen des Humors<\/p>\n<p>Die gelungene d\u00fcstere Atmosph\u00e4re und das nur, aber zumindest phasenweise zu Ende gedacht wirkende Konzept wird jedoch in der Szene des Rendez-vous der beiden Paare v\u00f6llig aufgebrochen. Wohl um zu zeigen, dass auch die Aff\u00e4re mit Boris nicht zu einer erf\u00fcllenden Liebesbeziehung f\u00fchren k\u00f6nnte, w\u00e4hlt Konwitschny hierf\u00fcr das Mittel der grotesken \u00dcberzeichnung, das schlichtweg unpassend und wie ein altgewohnter B\u00fchnentrick einer komischen Oper oder eines Musicals wirkt. Katja begegnet ihrem Boris als in der Luft schwebender Engel, und auch er ruft rasch einen B\u00fchnenarbeiter heran, um ihr, an ein aufblasbares Herz gebunden, hinterher zu fliegen. Sp\u00e4ter erscheinen auch Barbara und Kudrjasch als Phantasie-Schmetterling und Rabe. Zwar kann man zugeben, dass romantische Opernszenen wie diese an der Realit\u00e4t gemessen etwas \u00fcberzogen wirken, zudem ist den S\u00e4ngern h\u00f6chster Respekt daf\u00fcr zu zollen, in luftiger H\u00f6he noch mit solcher Sicherheit zu erklingen, doch bleibt es unerkl\u00e4rlich, wie in diesem Werk eine so parodistische, nur vermeintlich lustige Szene eingebaut werden kann. Dies spitzt sich w\u00e4hrend des Gewitters noch zu, wenn Katjas Schwiegermutter und Dikoj in klischeehaften Richterkost\u00fcmen erscheinen, als handle es sich um eine lockere Kom\u00f6die, in der nun das T\u00e4uschungsspiel aufgedeckt und ein gl\u00fcckliches Ende herbeigef\u00fchrt w\u00fcrden. In einem ernsten Werk aber, das sich mit h\u00f6chster Authentizit\u00e4t einer tragischen Frauenfigur widmet und allein in der Musik gr\u00f6\u00dftes Mitgef\u00fchl ausstr\u00f6mt, haben solche Szenen nichts verloren.<\/p>\n<p>\u201eVielen Dank f\u00fcr Ihre Anteilnahme\u201c?<\/p>\n<p>Die Schwierigkeit, mit den handelnden Personen mitzuf\u00fchlen, sei es in identifizierender oder ablehnender Haltung, entsteht jedoch auch durch die dramaturgische Gestaltung (Christoph Blitt), die oftmals etwas stockend und unnat\u00fcrlich wirkt. In manchen Szenen, besonders jenen zentralen der Katja, kann sich eine intensive Kraft entfalten, zu h\u00e4ufig aber wird das Geschehen, besonders das innere aller Figuren, aber auch das komplexe Beziehungsgef\u00fcge zwischen ihnen, nicht ausreichend emotional greifbar. Gelegentlich erscheinen Gesten komisch stilisiert, wodurch eher Befremden erweckt wird, und auch pl\u00f6tzliche Gewaltausbr\u00fcche, etwa zwischen Katja und Barbara oder in der Menge der religi\u00f6sen Fanatiker, die nach Katjas Gest\u00e4ndnis die Kirche zerst\u00f6ren, lassen sich nur schwer mit der eigentlichen Stimmung der jeweiligen Szene vereinbaren. Tichon ist eher als pedantischer Neuralgiker zu erleben denn als willensschwacher, ergebener Sohn, auch die Kabanicha bleibt trotz strengen Gewands, heuchlerischer Kreuzkette und giftiger Worte erstaunlich blass, obwohl sie beinahe die einzige Figur w\u00e4re, mit der in diesem Inszenierungsansatz die Rolle kirchlicher Amtstr\u00e4ger im Kontext von geistlichem und Machtmissbrauch aufgegriffen werden k\u00f6nnte. Erst im dritten Akt gelingt ein ber\u00fchrendes Gesamtbild, zun\u00e4chst in der Gruft, dann mit dem Offenbarwerden von Katjas Tod, der hier jedoch nicht direkt gezeigt wird. Stattdessen versammelt sich die Menge am B\u00fchnenrand, als w\u00e4re sie es, welche Katja, die sich, wohl als Opfer auch im religi\u00f6sen Sinne, auf den Altar legt, ertr\u00e4nkt. Dass der Schluss direkt ans Publikum gerichtet erklingt, ist beinahe etwas zu plakativ, schlie\u00dflich br\u00e4uchte es dies wohl nicht, um die Aussage des Werks auch als Appell an die heutige Gesellschaft deutlich zu machen, doch entfaltet er im Gesamtkontext der Szene eine durchaus \u00fcberw\u00e4ltigende Wirkung.<\/p>\n<p>Sprache zwischen Ann\u00e4herung und Entfremdung<\/p>\n<p>Nicht zuletzt wird auch die Entscheidung, das Werk in deutscher Sprache aufzuf\u00fchren, zu einem die tats\u00e4chliche Zug\u00e4nglichkeit auf gedanklicher und emotionaler Ebene verhindernden Element, obwohl damit eigentlich die Rezeption erleichtert werden sollte. Abgesehen von der Grundsatzfrage, ob es tats\u00e4chlich notwendig ist, ein Werk in die Muttersprache des Auff\u00fchrungsortes zu \u00fcbersetzen, um f\u00fcr besseres Verst\u00e4ndnis zu sorgen, zumal dies bei anderen, in der Oper h\u00e4ufigeren Fremdsprachen hierzulande nicht zur Diskussion steht, bedeutet dies bei Jan\u00e1\u010dek den Entzug eines der grundlegenden Elemente seiner Komposition. Aufgrund deren starker Orientierung an der tschechischen Sprache ist es somit nicht verwunderlich, wenn sich die deutsche \u00dcbersetzung h\u00e4ufig nicht harmonisch mit den Melodien zu vereinen vermag, sondern eher eine gewisse Widerspenstigkeit aufweist, die die Ann\u00e4herung an das Werk mehr verhindert als bef\u00f6rdert. Immerhin entschied man sich bei der Neu\u00fcbersetzung f\u00fcr eine zwar moderne, aber nicht so fast peinlich modernisierte Sprachgestalt, wie es bei \u201eDie gerissene F\u00fcchsin\u201c der Fall war.<\/p>\n<p>Innig-melancholische Streicherphrasen und eine im Dunkel strahlende Katja<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/opernmagazin.de\/wenig-licht-im-dunklen-reich-katja-kabanowa-am-musiktheater-linz\/12171_300dpi\/\" rel=\"attachment wp-att-33164 nofollow noopener\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-33164\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/12171_300dpi-200x300.jpg\" alt=\"\" width=\"200\" height=\"300\"  \/><\/a>Musiktheater Linz\/ KATJA KABANOWA\/Matja\u017e Stopin\u0161ek, Carina Tybjerg Madsen\/Foto: Reinhard Winkler<\/p>\n<p>W\u00e4hrend das Sprachenproblem f\u00fcr einige unstimmige Momente sorgt, bietet das Brucknerorchester Linz unter der Leitung von Markus Poschner, der mit dieser Produktion seine vorletzte Premiere als Chefdirigent bestreitet, eine einf\u00fchlsame, sehr differenziert gestaltete Interpretation. Bereits der \u00fcberaus sanfte, leise und doch intensive Beginn l\u00e4sst einen bitters\u00fc\u00dfen, an das Vorspiel des \u201eLohengrin\u201c erinnernden Streicherklang h\u00f6ren, der im Laufe des gesamten Abends immer wieder in innig gezogenen Melodien hervortritt, ohne dabei die stets melancholische F\u00e4rbung zu verlieren. W\u00e4hrend in den lyrischen Momenten differenzierte Emotionen h\u00f6rbar werden, ger\u00e4t es an anderen Stellen gelegentlich etwas ins Stocken, die einzelnen Stimmen scheinen sich nicht immer harmonisch miteinander zu vereinen, doch schafft es Poschner, die sich \u00fcber das gesamte Werk ziehende Dramatik des Werks zu bewahren. Dies bedeutet jedoch keine \u00dcberdramatisierung \u2013 manchmal k\u00f6nnten es sogar mehr H\u00e4rte und Bissigkeit sein \u2013, sondern vielmehr eine h\u00f6chst vielseitige, alle Facetten der Musik auskostende Interpretation, in der schroffe Streichereinw\u00fcrfe, harte Paukenschl\u00e4ge und Kl\u00e4nge des Blechs ebenso ihren Platz finden. Auch der Chor des Landestheaters Linz \u00fcberzeugt sowohl mit lamentierenden Ges\u00e4ngen aus der Ferne als auch besonders mit dem klangstarken, eindringlichen Finale, das die hier optisch etwas desperat wirkende Menge in ihrer doch vorhandenen Kraft zum Ausdruck bringt.<\/p>\n<p>In der Besetzung des Abends sind durchwegs respektable Leistungen festzustellen, aus denen manche auf besondere Weise hervorstechen, so bereits Michael Wagner als Savjol Prokofjewitsch Dikoj, der als stark betrunkener, despotischer, letztlich aber bemitleidenswerter Kaufmann nicht nur darstellerisch, sondern vor allem gesanglich mit gewohnt kerniger, klangstarker Stimme \u00fcberzeugt. In seiner ausdrucksstarken Interpretation, die heftige Ausbr\u00fcche ebenso kennt wie in der Grobheit beinahe verletzlich wirkende sanfte T\u00f6ne, gelingt ihm eine stimmige Verk\u00f6rperung der Figur, bei der auch die deutsche Sprache harmonisch zur Musik findet. Matja\u017e Stopin\u0161ek wirkt als Boris Grigorjewitsch wom\u00f6glich etwas zu wenig jugendlich-verliebt und romantisch veranlagt, was jedoch auch bewusst so gestaltet sein k\u00f6nnte, bringt mit strahlenden T\u00f6nen jedoch eine unbeschwerte Frische in die Figur, die besonders im zweiten Akt zum Vorschein kommt und durch das Schweben in luftigen H\u00f6hen nichts an Klangqualit\u00e4t einb\u00fc\u00dft. Als \u00fcber die gesamte Familie herrschende Kabanicha zeigt Clarry Bartha zwar einige \u00fcberzeugende Momente, insgesamt erscheint ihre Verk\u00f6rperung der Figur allerdings etwas bem\u00fcht und wenig ausdrucksstark. Klanglich stechen manche gekonnt bissigen T\u00f6ne hervor, doch bleibt es oft zu wenig geformt und gestaltet, um eine Autorit\u00e4t auch h\u00f6ren zu lassen, gelegentlich geht sie gar zu sehr unter. Christian Drescher zeigt einen etwas zu nerv\u00f6sen, unrunden Tichon, kann allerdings mit schneidenden und pr\u00e4zis artikulierten Passagen \u00fcberzeugen, wenngleich seine Stimme gelegentlich etwas zu eng und gepresst wirkt. Dagegen l\u00e4sst Jonathan Hartzendorf als Wanja Kudrjasch ein hohes Ma\u00df an Leichtigkeit und Strahlkraft h\u00f6ren, die nie ins Forcieren ger\u00e4t, sondern stets einen wohlgeformten, zarten Klang bewahrt. Ebenso bietet Manuela Leonhartsberger eine jugendliche, unbek\u00fcmmerte Barbara, die mit starken T\u00f6nen und samtig-warmem Klang durchwegs aufh\u00f6ren l\u00e4sst. Von den kleineren Rollen ist besonders Gregorio Changhyun Yun als Kuligin hervorzuheben, der bereits zu Beginn mit kr\u00e4ftiger, wohl gef\u00fchrter Stimme \u00fcberzeugt.<\/p>\n<p>\u00dcberstrahlt wird das gesamte Ensemble jedoch von Carina Tybjerg Madsen als Katja Kabanowa. Sie vermag es nicht nur, das tiefe Gef\u00fchlsleben der Figur nach au\u00dfen zu tragen und mitf\u00fchlen zu lassen, sondern sorgt auch stimmlich f\u00fcr eine \u00fcberaus gelungene Interpretation. Mit einem stets weichen, doch strahlenden Sopran, der immer eine leicht melancholische F\u00e4rbung bewahrt, gelingen ihr sowohl die vertr\u00e4umten Erinnerungen an die Kindheit als auch die zwischen Verzweiflung und Selbstbestimmtheit schwankenden letzten Worte an Boris. Zwar geraten manche T\u00f6ne etwas zu eng, doch tut dies dem Gesamteindruck, aus dem vor allem die zahlreichen Klangfacetten hervorstechen, keinen Abbruch.<\/p>\n<p>Doch ein Lichtstrahl im Dunkeln<\/p>\n<p>Dieser Katja Kabanowa sowie dem Orchester ist es vor allem zu verdanken, dass Jan\u00e1\u010deks Oper zu einer durchaus bewegenden Auff\u00fchrung gelangte, auch wenn die Musik in der szenischen Umsetzung keine v\u00f6llige Entsprechung fand und dadurch die Gesamtwirkung etwas an Innigkeit einb\u00fc\u00dfen musste. Von manchen schlichtweg unpassenden, grotesken Szenen abgesehen, die in ihrer parodistischen Absicht in diesem Kontext fehl am Platz sind, entsteht aufgrund der hervorragenden B\u00fchnengestaltung eine Inszenierung mit durchaus atmosph\u00e4rischer Qualit\u00e4t, auch wenn zu vermutende Ideen oft im fast plakativen Ansatz stecken bleiben. Doch kann man mit Blick auf manch k\u00fcrzlich zur\u00fcckliegende Arbeit Peter Konwitschnys wohl letztlich froh sein, wenn er eher zu wenige Ideen und Konzepte bietet als zu viele\u2026<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Rezension von Elena Deinhammer \/ Red. DAS OPERNMAGAZIN<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.landestheater-linz.at\/stuecke\/detail?ref=202520261837\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Musiktheater Linz \/ St\u00fcckeseite<\/a><br \/>\nTitelfoto: Musiktheater Linz\/ KATJA KABANOWA\/Carina Tybjerg Madsen, Manuela Leonhartsberger\/Foto: Reinhard Winkler<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Musiktheater Linz\/ KATJA KABANOWA\/Carina Tybjerg Madsen\/Foto: Reinhard Winkler Nicht allein die geographische N\u00e4he zu Tschechien ist f\u00fcr das&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":128759,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[30],"tags":[46,42,43883,43524,43971,4928,43972,36766,184,16753,43532,26910,43882,44,43973],"class_list":{"0":"post-128758","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-linz","8":"tag-at","9":"tag-austria","10":"tag-brucknerorchester-linz","11":"tag-carina-tybjerg-madsen","12":"tag-elena-deinhammer-das-opernmagazin","13":"tag-karin-waltenberger","14":"tag-katja-kabanova","15":"tag-leos-janacek","16":"tag-linz","17":"tag-markus-poschner","18":"tag-matjaz-stopinsek","19":"tag-michael-wagner","20":"tag-musiktheater-linz","21":"tag-oesterreich","22":"tag-peter-konwitschny"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@at\/116483406247723007","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/128758","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=128758"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/128758\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media\/128759"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=128758"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=128758"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=128758"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}