{"id":129542,"date":"2026-04-29T03:55:08","date_gmt":"2026-04-29T03:55:08","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/129542\/"},"modified":"2026-04-29T03:55:08","modified_gmt":"2026-04-29T03:55:08","slug":"dem-energieverbrauch-von-bitcoin-auf-der-spur-diepresse-com","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/129542\/","title":{"rendered":"Dem Energieverbrauch von Bitcoin auf der Spur \u2013 DiePresse.com"},"content":{"rendered":"<p>Ein Wiener Team untersucht wirtschaftliche, technische und \u00f6kologische Auswirkungen von Bitcoin. <\/p>\n<p>\u201eVor zehn Jahren wollte ich in einer Tabak-Trafik das erste Mal Bitcoin kaufen\u201c, erinnert sich Horst Treiblmaier: \u201eDie Verk\u00e4uferin hat mich angeschaut, als h\u00e4tte ich nach Waffen und Drogen gefragt und mich regelrecht rausgeschmissen.\u201c Auch der n\u00e4chste Versuch an einer Tankstelle verlief holprig. \u201eHaben wir nicht\u201c, bekam er von der Mitarbeiterin zu h\u00f6ren \u2013 bis sie im Computersystem Nachschau hielt und ihre Aussage revidieren musste. <\/p>\n<p>Mittlerweile ortet Treiblmaier, Professor f\u00fcr Internationales Management an der Modul University Vienna, \u201eeine gewisse Schizophrenie\u201c: Zum einen in der etablierten Finanzszene selbst, in der die rigide Abwehrhaltung gegen\u00fcber einem alternativen W\u00e4hrungssystem wie Bitcoin &amp; Co. deutlich zusammengeschmolzen ist und Banken mittlerweile selbst Kryptow\u00e4hrungen als Anlageprodukt anbieten. Zum anderen in der breiteren \u00d6ffentlichkeit, wo bei privaten Investoren mit der Aussicht auf Gewinne etwaige Kritikpunkte an etwaigen \u00f6kologischen Kollateralsch\u00e4den durch den Einsatz von Hardware und Energie \u201epl\u00f6tzlich weniger interessant werden\u201c (Treiblmaier). <\/p>\n<p>Der Blockchain-Experte, der sich seit \u00fcber zehn Jahren mit Kryptow\u00e4hrungen befasst und sich selbst als \u201ekryptofreundlich\u201c bezeichnet, zeigt aber Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die skeptischen Stimmen und will in einem seit Anfang 2025 laufenden, vierj\u00e4hrigen Forschungsprojekt \u2013 <a href=\"https:\/\/www.fwf.ac.at\/forschungsradar\/10.55776\/PAT9707423\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">gef\u00f6rdert wird es vom Wissenschaftsfonds FWF<\/a> \u2013 eine objektive Analyse als Diskussionsgrundlage erarbeiten. Zusammen mit zwei Doktoranden setzt er auf eine ganzheitliche Betrachtung. Untersucht werden neben dem wirtschaftlichen Aspekt auch technische und \u00f6kologische Faktoren der Nutzung von Bitcoin, der \u00e4ltesten \u2013 2009 als Open-Source-Software gestartet \u2013 und immer noch gr\u00f6\u00dften Kryptow\u00e4hrung. <\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich verwendet Bitcoin durch das \u201eProof of Work\u201c-Verfahren erhebliche Mengen an Energie: Denn die Coins und Token, wie die digitalen Verm\u00f6genswerte in der Kryptowelt hei\u00dfen, basieren auf Blockchain-Technologie. Daf\u00fcr braucht es Energie. Wie viel, dar\u00fcber gehen die Sch\u00e4tzungen auseinander. Laut Treiblmaier \u00fcbersteigt die Menge den \u00f6sterreichischen Stromverbrauch pro Jahr deutlich. Kritiker prangern das als Verschwendung und umweltbelastend an. Bef\u00fcrworter kontern mit dem Argument, dass Bitcoin niemandem Strom wegnehme, sondern bisher ungenutzte Energie nutzbar mache und sogar zur F\u00f6rderung erneuerbarer Energien beitrage, indem deren Ausbau vorangetrieben werde, um den Bedarf zu decken.<\/p>\n<p>Dieser Widerspruch war f\u00fcr Treiblmaier Ansto\u00df und Ausgangspunkt, sich wissenschaftlich dem Thema anzunehmen. Denn der wahre Verursacher des Energieverbrauchs sei nicht Bitcoin an sich. \u201eKurz gesagt ist es Geldgier, die da ins Spiel kommt und es liegt im Ermessen der Bitcoin-Miner, welche Energiequelle sie ersetzen.\u201c<\/p>\n<p>Ein weiteres Konfliktfeld betrifft die Sicherheit des Netzwerks. Wer Rechenleistung f\u00fcr das Erzeugen von Datenbl\u00f6cken und neuer Bitcoin bereitstellt, sichert das Netzwerk gegen unautorisierte \u00c4nderungen ab \u2013 so lautet das Narrativ der Bef\u00fcrworter. Denn ein potenzieller Angreifer m\u00fcsste f\u00fcr eine erfolgreiche Attacke mindestens 51 Prozent der vorhandenen Rechenleistung im Netzwerk \u00fcber einen l\u00e4ngeren Zeitraum kontrollieren, um einen Einfluss nehmen zu k\u00f6nnen. Diese Gefahr sei gering, so Treiblmaier. Und selbst mit einer \u201e51-Prozent-Attacke\u201c k\u00f6nne man Bitcoin nicht so wie Geld bei einem Bankeinbruch stehlen.\u00a0<\/p>\n<p>Kritiker entgegnen, Kryptow\u00e4hrungen seien nur ein Instrument f\u00fcr Geldw\u00e4sche und Terrorismusfinanzierung. Doch erst unl\u00e4ngst konnten Ermittler mithilfe von Bitcoin-Spuren im Darknet einen millionenschweren Betrugsfall aufdecken. Die gro\u00dfe Herausforderung bestand darin, die \u00f6ffentlich einsehbaren Transaktionsdaten so zu analysieren, dass man der Spur der Coins auch folgen konnte. Ist das Bitcoin-System also gut oder schlecht? Treiblmaier warnt jedenfalls vor falschen Erwartungen: \u201eEs wird keine einfache Antwort geben, die man in einen Satz packen kann.\u201c<\/p>\n<p>        Lexikon<\/p>\n<p>\u201eMining\u201c hei\u00dft der Mechanismus zur Schaffung neuer Coins. Dazu ist leistungsstarke Computerhardware notwendig, die im Fall von Bitcoin global rund eine Trilliarde Berechnungen pro Sekunde durchf\u00fchrt.<\/p>\n<p>Das FWF-Projekt \u201eDer Energieverbrauch von Bitcoin\u201c leitet Horst Treiblmaier an der Modul University.<\/p>\n<p>    Lesen Sie mehr zu diesen Themen:<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Ein Wiener Team untersucht wirtschaftliche, technische und \u00f6kologische Auswirkungen von Bitcoin. \u201eVor zehn Jahren wollte ich in einer&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":129543,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[14],"tags":[46,42,95,90,89,11433,91,94,44,93,92],"class_list":{"0":"post-129542","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-unternehmen-maerkte","8":"tag-at","9":"tag-austria","10":"tag-business","11":"tag-companies","12":"tag-companies-markets","13":"tag-kryptowaehrungen","14":"tag-markets","15":"tag-maerkte","16":"tag-oesterreich","17":"tag-unternehmen","18":"tag-unternehmen-maerkte"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@at\/116485981702548278","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/129542","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=129542"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/129542\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media\/129543"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=129542"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=129542"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=129542"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}