{"id":129599,"date":"2026-04-29T04:38:08","date_gmt":"2026-04-29T04:38:08","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/129599\/"},"modified":"2026-04-29T04:38:08","modified_gmt":"2026-04-29T04:38:08","slug":"wie-sehr-die-ukrainischen-angriffe-den-russischen-oelsektor-treffen-diepresse-com","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/129599\/","title":{"rendered":"Wie sehr die ukrainischen Angriffe den russischen \u00d6lsektor treffen \u2013 DiePresse.com"},"content":{"rendered":"<p>Der Iran-Krieg bringt mit seinen Auswirkungen auf den globalen Rohstoffhandel nicht nur die Weltwirtschaft zunehmend in Bedr\u00e4ngnis. Er hat auch im Ukraine-Krieg die Karten neu gemischt und diesen teilweise zu einem Rohstoffkrieg ver\u00e4ndert. Da n\u00e4mlich Russland durch die stark gestiegenen Preise f\u00fcr Erd\u00f6l, Erdgas und andere Rohstoffe als gro\u00dfer Profiteur gilt, versucht Kiew seit Wochen, die diesbez\u00fcglichen russischen Anlagen, insbesondere die Exportinfrastruktur, mit Drohnen zu treffen. In erster Linie geht es um den \u00d6lsektor, sprich Raffinerien und Anlagen in den wichtigen H\u00e4fen Primorsk und Ust-Luga an der Ostsee. Es ist ein Wettrennen zweier Kriegsparteien \u2013 mit zuletzt neuen Wendungen.<\/p>\n<p>Doch wie sehen die Zahlen in diesem Wettstreit aus? Wie die Nachrichtenagentur Reuters vor zweieinhalb Wochen kalkulierte, werde der russische Staat im April, wo der 73-prozentige Preissprung auf russisches \u00d6l vom M\u00e4rz steuerlich erstmals schlagend wird, diese Steuereinnahmen auf 700 Milliarden Rubel (9,3 Milliarden Dollar) verdoppeln k\u00f6nnen. Die \u00d6lsteuereinnahmen machen etwa ein Viertel der gesamten Budgeteinnahmen aus und tragen somit auch wesentlich zum Kriegsbudget bei.<\/p>\n<p>Die ukrainischen Erfolge wiederum bezifferte Pr\u00e4sident Wolodymyr Selenskyj dieser Tage selbst: Aufgrund der ukrainischen Angriffe w\u00fcrden sich Russlands Einnahmenverluste allein im M\u00e4rz \u201esch\u00e4tzungsweise auf mindestens 2,3 Milliarden US-Dollar\u201c belaufen, sagte er in einer Videoansprache am 19. April. \u201eWir setzen diese Arbeit im April fort.\u201c<\/p>\n<p>Um allerdings Russlands Budget mit Attacken auf die \u00d6lexportinfrastruktur wirklich zu schaden, braucht es einige Zeit. Der Grund: das Steuersystem, das im Unterschied zu fr\u00fcher nicht mehr das Exportvolumen als Bemessungsbasis hernimmt, sondern ausschlie\u00dflich die F\u00f6rdermenge im Land und den durchschnittlichen Monatspreis in den Exporth\u00e4fen. \u201eDer russische Staat erh\u00e4lt seine Einnahmen, wenn das \u00d6l gef\u00f6rdert wird, nicht wenn es das Land verl\u00e4sst\u201c, schrieb Alexander Kolyandr, Russland-Experte am Center for European Policy Analysis, neulich in einer Analyse. <\/p>\n<p>Um vor diesem Hintergrund die finanzielle Situation seit Beginn des Iran-Krieges Ende Februar zu erfassen, hat Sergey Vakulenko, soeben eine Studie ver\u00f6ffentlicht. Vakulenko, langj\u00e4hriger \u00d6lmanager in Russland sowie im Westen und seit 2022 Senior Fellow am Carnegie Russia Eurasia Center in Berlin, gilt als einer der intimsten Kenner des russischen \u00d6lgesch\u00e4fts. Das Fazit seiner Studie: \u201eObwohl die ukrainischen Angriffe zu einem sp\u00fcrbaren R\u00fcckgang der physischen Menge an russischen \u00d6lexporten gef\u00fchrt haben, wurde dies durch den Preisanstieg mehr als ausgeglichen.\u201c<\/p>\n<p>Konkret sei im untersuchten Zeitraum zwischen 25. M\u00e4rz und 11. April das t\u00e4gliche Exportvolumen, das \u00fcber russische H\u00e4fen verschifft wurde, von zuvor 5,2 Millionen Barrel (159 Liter) auf 3,5 Millionen Barrel gesunken, weshalb Russland in diesem Zeitraum rund 30 Mio. Barrel (4,2 Mio. Tonnen) an Auslandsverk\u00e4ufen entgangen seien. Das meiste davon aber sei nicht verbrannt, sondern in den reichlich vorhandenen Lagern gelandet, sodass es zu einem sp\u00e4teren Zeitpunkt verkauft werde. Ob der Preis daf\u00fcr sp\u00e4ter niedriger oder sogar noch h\u00f6her sei, lasse sich jetzt nicht sagen. Jedenfalls \u201egibt es noch keinen Grund zu der Annahme, dass Russland bereits gezwungen war, die Produktion zu drosseln, oder kurz davorsteht.\u201c Solange aber der Exportr\u00fcckgang zu keinem F\u00f6rderr\u00fcckgang f\u00fchre, k\u00f6nne das Budget von Verwerfungen in den H\u00e4fen sogar profitieren, da diese die Preise weiter hochtreiben w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Auch auf die \u00d6lkonzerne selbst hielten sich die Auswirkungen der Drohnenattacken bislang Grenzen, weil der Gro\u00dfteil der Verk\u00e4ufe nicht in russischen H\u00e4fen, sondern viele Wochen sp\u00e4ter in chinesischen oder indischen H\u00e4fen stattfinde. Vakulenkos Schluss: Erst wenn die ukrainischen Angriffe \u201enoch ein oder zwei Monate in gleichem Umfang wie Ende M\u00e4rz andauern, k\u00f6nnte Russland gezwungen sein, die \u00d6lf\u00f6rderung zu drosseln, und daran gehindert sein, die bisherigen Einbu\u00dfen bei den Exportmengen rasch auszugleichen.\u201c<\/p>\n<p>Sehr wahrscheinlich, dass Russland diesem Negativszenario vorbeugen will. \u201eMoskau ist schlie\u00dflich daran interessiert, bei den derzeit hohen Preisen so viel \u00d6l zu exportieren wie nur m\u00f6glich\u201c, sagt Vladislav Inozemcev, einst Kremlberater und sp\u00e4ter Co-Gr\u00fcnder Center for Analysis and Strategies in Europe, zur \u201ePresse\u201c.<\/p>\n<p>Dass Russland just dieser Tage mitgeteilt hat, ab 1. Mai die Durchleitung von \u00d6l aus Kasachstan durch seine Pipeline Druschba bis nach Deutschland einzustellen, hat nicht nur zu einem Schock gef\u00fchrt, weil die deutsche PCK-Raffinerie in Schwedt stark auf dieses \u00d6l angewiesen ist und signifikante Treibstoffengp\u00e4sse in Berlin und Brandenburg drohen. Es hat auch zu Erkl\u00e4rungsversuchen gef\u00fchrt, nachdem Russland lediglich von \u201etechnischen Gr\u00fcnden\u201c gesprochen hatte. Ex-\u00d6lmanager Vakulenko sieht darin \u201eden Versuch, Deutschland zur Wiederaufnahme der russischen \u00d6limporte zu zwingen\u201c, wie er gegen\u00fcber der \u201ePresse\u201c erkl\u00e4rt. Er h\u00e4lt aber noch einen anderen Grund f\u00fcr m\u00f6glich: \u201eDer russische \u00d6lpipelinebetreiber Transneft k\u00f6nnte vorschlagen, den \u00d6lstrom nun in die H\u00e4fen Primorsk und Ust-Luga umzuleiten, sodass das kasachische \u00d6l dort auf Tanker verladen und \u00fcber Danzig und Rostock nach Schwedt transportiert w\u00fcrde. Dahinter st\u00fcnde die Idee, dass dies als Schutzschild gegen ukrainische Angriffe auf Primorsk und Ust-Luga dienen k\u00f6nnte.\u201c<\/p>\n<p>Diese Version schien am Dienstag schon wenige Stunden sp\u00e4ter ihre Best\u00e4tigung zu bekommen: Kasachstan werde Roh\u00f6l, das bisher \u00fcber die Druschba-Pipeline nach Deutschland geliefert wurde, nun in russische H\u00e4fen umleiten, teilte das kasachische Energieministerium am Dienstagnachmittag mit.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Der Iran-Krieg bringt mit seinen Auswirkungen auf den globalen Rohstoffhandel nicht nur die Weltwirtschaft zunehmend in Bedr\u00e4ngnis. 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