{"id":129759,"date":"2026-04-29T06:48:11","date_gmt":"2026-04-29T06:48:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/129759\/"},"modified":"2026-04-29T06:48:11","modified_gmt":"2026-04-29T06:48:11","slug":"kneecap-nutzen-ihren-moment-album-review-zu-fenian","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/129759\/","title":{"rendered":"Kneecap nutzen ihren Moment: Album-Review zu \u201eFenian\u201c"},"content":{"rendered":"<p>        <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/1775923994_698_rs-badge-recommendation.png\" alt=\"ROLLING STONE Badge\"\/><\/p>\n<p>Empfehlungen der\u00a0Redaktion<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.rollingstone.de\/tom-morello-kneecap-sind-das-ratm-von-heute-3039255\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/5be09bf0d8824b94aa70b651c8481d8f.gif\" alt=\"\" width=\"1\" height=\"1\"\/>Kneecap<\/a> sind ein politisch aufgeladenes, feierfreudiges und musikalisch explosives Rap-Kollektiv aus dem Norden Irlands, das seit fast einem Jahrzehnt aktiv ist. Trotzdem w\u00e4re es kaum verwunderlich, wenn man \u00fcber die Kontroversen, in die sie verwickelt waren, mehr w\u00fcsste als \u00fcber ihre Musik. Die Rapper Mo Chara und M\u00f3gla\u00ed Bap sowie DJ Pr\u00f3va\u00ed haben ihre linken \u00dcberzeugungen stets offen zur Schau gestellt. Beim Coachella 2025 projizierten sie den Satz \u201eIsrael is committing genocide\u201c auf die Leinw\u00e4nde hinter ihrer Performance. Im Katalog provokanter Musikerstatements klingt das nicht unbedingt so extrem \u2013 doch in unseren aufgew\u00fchlten Zeiten kostete es sie ihre US-Visa und eine komplette Nordamerika-Tour. Einige Monate zuvor, bei einem Londoner Konzert im Jahr 2024, hatte Mo Chara eine Hisbollah-Fahne hochgehalten. (Er behauptete, ein Fan habe sie auf die B\u00fchne geworfen.) Daraufhin wurde er nach dem britischen Terrorism Act von 2006 angeklagt. Die Anklage wurde zwar sp\u00e4ter fallen gelassen, und die Gruppe ver\u00f6ffentlichte ein Statement, in dem sie \u201ealle Angriffe auf Zivilisten, immer\u201c verurteilte \u2013 doch der Skandal schlug so hohe Wellen, dass sich der britische Premierminister Keir Starmer einschaltete <a href=\"https:\/\/www.rollingstone.com\/music\/music-album-reviews\/kneecap-fenian-new-music-1235554195\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">und den geplanten Auftritt von Kneecap beim Glastonbury Festival 2025 als \u201enicht angemessen\u201c bezeichnete. Die Band lie\u00df das kalt und konterte: \u201eWei\u00dft du, was \u201anicht angemessen\u2018 ist, Keir? Einen verdammten V\u00f6lkermord zu bewaffnen.<\/a>\u201c<\/p>\n<p>Die Zwangspause durch die abgesagte Tour nutzten Kneecap, um ihr drittes Album einzuspielen: \u201eFenian\u201c kn\u00fcpft an ihr gefeiertes 2024er-Album \u201eFine Art\u201c an und bettet ma\u00dfloses politisches Parolen-Feuer in einen aufgedrehten Punk-Rap-Sound. Diese Jungs haben die Aufmerksamkeit \u2013 und sie gedenken, das Beste daraus zu machen. \u201eFuck Keir Starmer\/Netanyahu\u2019s bitch, and genocide-armer\/Better off as compost for farmers\u201c, rappen sie auf \u201eLiar\u2019s Tale\u201c \u2013 ein Paradebeispiel ihrer F\u00e4higkeit, Invektiven auf Public-Enemy-Niveau mit Eminems Gesp\u00fcr f\u00fcr das Absurde zu verbinden. Auf \u201eCarnival\u201c greifen sie einen klassischen Hip-Hop-Topos auf \u2013 ein Skit, in dem sie vor einem lahmen, per\u00fcckentragenden Richter landen \u2013 und nutzen ihn als Sprungbrett f\u00fcr eine furiose Abrechnung mit ihren vielf\u00e4ltigen Karriere-Widrigkeiten und rechtlichen Verfolgungen. \u201eThat\u2019s double standards of the highest degree\/I think it has something to do with the subjects we speak\u201c, tragen sie vor. Auf \u201ePalestine\u201c, das eine Strophe des pal\u00e4stinensischen Rappers Fawzi enth\u00e4lt, der zur panarabischen Einheit aufruft, verkn\u00fcpft die Band den irischen Unabh\u00e4ngigkeitskampf mit dem Schicksal der Pal\u00e4stinenser: \u201eFrom the west of the city to the West Bank\/We won\u2019t stop until everyone is free.\u201c<\/p>\n<p>Das Leben im Westen Belfasts mit dem Leben im Westjordanland gleichzusetzen ist ein gewagter Schritt \u2013 auch wenn die Absicht redlich ist. Aber Kneecap sind gewiss nicht das erste politisch denkende Pop-Act, das bei den Feinheiten ein wenig ins Straucheln ger\u00e4t. Und bei vielem, das sie ansprechen, sind sie glasklar: ob sie auf \u201eSmugglers and Scholars\u201c Irlands revolution\u00e4re Vergangenheit romantisieren, auf \u201eAn Ra\u201c den britischen Kulturimperialismus durch den Kakao ziehen oder auf \u201eGael Phonics\u201c Ausdauer und Gr\u00f6\u00dfe der irischen Sprache feiern. Letzteres ist eine Leidenschaft, die sie auch in die Praxis umsetzen \u2013 Mo Chara und M\u00f3gla\u00ed Bap wechseln in ihren Reimen schwungvoll zwischen Englisch und Irisch. Sie d\u00fcrften als erstes Rap-Act in die Geschichte eingehen, das den Gewerkschaftsradikalen, Osteraufstand-Veteranen und republikanischen M\u00e4rtyrer James Connolly erw\u00e4hnt. Wer Verse wie \u201eDaoine gafa faoi smacht na nGall\/Saoirse Niamh agus Ois\u00edn de r\u00e9ir cos\u00falachta\u00ed ag teacht r\u00f3-mhall\u201c zum Bouncing bringt, ihnen Schwung und Flow verleiht und sie dabei tats\u00e4chlich hart klingen l\u00e4sst \u2013 der hat dem Rap-Kanon etwas Einzigartiges hinzugef\u00fcgt.<\/p>\n<p>Zwischen Pub und Protest<\/p>\n<p>Auch wenn der Stoff mitunter in unbequemes Terrain abdriftet \u2013 \u201eSmugglers and Scholars\u201c scheut sich nicht, IRA-Gewalt zu mythologisieren \u2013, wirkt dieses furios-zupackende Album insgesamt so gesellig wie ein gelungener Kneipenabend. Es verschmilzt Jahrzehnte Musikgeschichte zu einem koh\u00e4renten, verspielten Ganzen, produziert von Fontaines-DC- und Wet-Leg-Produzent Dan Carey. \u201eCarnival\u201c und \u201eCocaine Hill\u201c erinnern an den Trip-Hop der Neunziger von Massive Attack und Tricky; mit seinen rasenden Jungle-Beats und dem Feueralarm-Unterton verweist \u201eHeadcase\u201c auf den fr\u00fchen Prodigy; \u201eBig Bad Mo\u201c hallt nach Detroit-Techno; \u201ePalestine\u201c gleitet \u00fcber einen k\u00f6rnigen Grime-Track; und ihre Hip-Hop-Palette reicht von wortverliebten Indie-Spielereien bis zur d\u00fcsteren Gangsta-Bedrohung.<\/p>\n<p>An dieser Stelle findest du Inhalte aus Youtube<\/p>\n<p>Um mit Inhalten aus Sozialen Netzwerken zu interagieren oder diese darzustellen, brauchen wir deine Zustimmung.<\/p>\n<p>\tSoziale Netzwerke aktivieren<\/p>\n<p>Auf Songs wie \u201eCocaine Hill\u201c und \u201eCold at the Top\u201c schreiben Kneecap \u00fcber ihr Leben in Belfast \u2013 mit d\u00fcster-konkreten Einblicken in die Schattenseiten von Drogen und Feiern. Den Abschluss bildet \u201eIrish Goodbye\u201c, eine Hommage an eine geliebte, verstorbene Mutter. Auf \u201eOccupied 6\u201c \u2013 eine Anspielung auf die sechs Grafschaften Nordirlands \u2013 rappen sie \u201eit wasn\u2019t all about teenage kicks\u201c, eine beil\u00e4ufige Referenz an einen Punk-Klassiker der Siebziger \u00fcber jugendlichen \u00dcberschwang von den Belfast-Legenden The Undertones. Auf \u201eFenian\u201c sind Kneecap eher im Geiste eines anderen legend\u00e4ren Punk-Knallers aus Belfast jener \u00c4ra: Stiff Little Fingers\u2018 \u201eAlternative Ulster\u201c, ein mitrei\u00dfender Song \u00fcber die Sehnsucht nach einer besseren, gerechteren, freieren Zukunft als der, die einem die Geschichte beschert hat. Selbst wer nicht jede ihrer politischen Positionen teilt \u2013 oder Gerry Adams nicht von Jerry Lee Lewis unterscheiden kann \u2013 sollte dieses Verlangen nachvollziehen k\u00f6nnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Empfehlungen der\u00a0Redaktion Kneecap sind ein politisch aufgeladenes, feierfreudiges und musikalisch explosives Rap-Kollektiv aus dem Norden Irlands, das seit&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":129760,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[24],"tags":[46,42,147,10123,44199,153,154,44,390,148],"class_list":{"0":"post-129759","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-musik","8":"tag-at","9":"tag-austria","10":"tag-entertainment","11":"tag-irland","12":"tag-kneecap","13":"tag-music","14":"tag-musik","15":"tag-oesterreich","16":"tag-rap","17":"tag-unterhaltung"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@at\/116486662029499517","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/129759","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=129759"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/129759\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media\/129760"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=129759"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=129759"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=129759"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}