{"id":13031,"date":"2026-02-25T18:50:12","date_gmt":"2026-02-25T18:50:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/13031\/"},"modified":"2026-02-25T18:50:12","modified_gmt":"2026-02-25T18:50:12","slug":"radioastronomie-wo-das-herz-der-galaxis-tobt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/13031\/","title":{"rendered":"Radioastronomie: Wo das Herz der Galaxis tobt"},"content":{"rendered":"<p>Radioastronomie: Wo das Herz der Galaxis tobt &#8211; Spektrum der Wissenschaft<a id=\"top\" class=\"jump-to-content\" href=\"#main\" title=\"Direkt zum Inhalt\">Direkt zum Inhalt<\/a>Radioastronomie: Wo das Herz der Galaxis tobt<\/p>\n<p>Mit ALMA gelang die bislang detailreichste Kartierung der zentralen Molek\u00fclzone im Kernbereich unseres Milchstra\u00dfensystems. Die Daten enth\u00fcllen ein turbulentes Netzwerk aus kaltem Gas, komplexen Molek\u00fclen und rasanter Sternentstehung rund um das zentrale Schwarze Loch.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" alt=\"Ein farbenpr\u00e4chtiges astronomisches Bild zeigt den Kernbereich unseres Milchstra\u00dfensystems. Die Aufnahme zeigt komplexe, filamentartige Strukturen in leuchtenden Rot- und Pinkt\u00f6nen, die sich vor einem Hintergrund aus unz\u00e4hligen Sternen erstrecken. Der Nebel erscheint wie ein leuchtendes Band, das sich \u00fcber das Bild zieht, und hebt die dynamische und chaotische Natur solcher kosmischen Ereignisse hervor.\" class=\"full\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/eso2603a_9900.jpg\" title=\"Ein farbenpr\u00e4chtiges astronomisches Bild zeigt den Kernbereich unseres Milchstra\u00dfensystems. Die Aufnahme zeigt komplexe, filamentartige Strukturen in leuchtenden Rot- und Pinkt\u00f6nen, die sich vor einem Hintergrund aus unz\u00e4hligen Sternen erstrecken. Der Nebel erscheint wie ein leuchtendes Band, das sich \u00fcber das Bild zieht, und hebt die dynamische und chaotische Natur solcher kosmischen Ereignisse hervor.\"\/><\/p>\n<p> Vielschichtige Chemie | Die Aufnahme zeigt die komplexe Verteilung molekularen Gases in der zentralen Molek\u00fclzone im Kernbereich des Milchstra\u00dfensystems. Messungen im Wellenl\u00e4ngenbereich von 2,996 bis 3,06 Millimetern wurden zu einem Farbkompositbild kombiniert, wobei jede Wellenl\u00e4nge f\u00fcr bestimmte Molek\u00fcle besonders empfindlich ist. Dargestellt sind Schwefelmonoxid (cyan), Siliziummonoxid (gr\u00fcn), Isocyans\u00e4ure (rot), Cyanoacetylen (blau) und Kohlenstoffmonosulfid (magenta). Kartierungen des VISTA-Teleskops der ESO erg\u00e4nzen das Bild um Vordergrundsterne. <\/p>\n<p>Tief im Herzen unseres Milchstra\u00dfensystems verwehren dichte Staubwolken den Blick auf die Region um das extrem massereiche Schwarze Loch Sagittarius\u00a0A* (Sgr\u00a0A*). Doch gro\u00dfe Radioteleskopverb\u00fcnde wie das Atacama Large Millimeter\/submillimeter Array (ALMA) verm\u00f6gen diesen visuellen Schleier im Radiowellenbereich zu durchdringen. So gelang einem Team der Europ\u00e4ischen S\u00fcdsternwarte (ESO) mit dem Projekt <a href=\"https:\/\/sites.google.com\/view\/aces-cmz\/home\" rel=\"noopener nofollow\" target=\"_blank\">ALMA CMZ Exploration Survey (ACES)<\/a> die bislang <a href=\"https:\/\/www.eso.org\/public\/germany\/news\/eso2603\/?lang\" rel=\"noopener nofollow\" target=\"_blank\">gr\u00f6\u00dfte und detailreichste Aufnahme<\/a>\u00a0der sogenannten zentralen Molek\u00fclzone (englisch: central molecular zone, CMZ) im Inneren unserer Galaxis. Sie setzt sich aus zahlreichen Einzelbeobachtungen zusammen und enth\u00fcllt ein komplexes Netzwerk aus Gasfilamenten. Die abgebildete Region erstreckt sich \u00fcber mehr als 650\u00a0Lichtjahre\u00a0\u2013 das entspricht am Nachthimmel etwa drei nebeneinanderliegenden Vollmonden. Die umfassenden Daten des ACES-Projekts werden in f\u00fcnf Arbeiten im Fachjournal \u00bbMonthly Notices of the Royal Astronomical Society\u00ab ver\u00f6ffentlicht; eine sechste befindet sich noch in der Pr\u00fcfungsphase. <\/p>\n<p>Die CMZ selbst ist Teil eines weitaus gr\u00f6\u00dferen Gaskomplexes in der n\u00e4heren Umgebung des etwa vier Millionen Sonnenmassen schweren Schwarzen Lochs Sgr\u00a0A* im galaktischen Kern\u00a0\u2013 mit mehreren zehn Millionen Sonnenmassen zudem ungleich massereicher. Sie enth\u00e4lt vor allem kaltes, molekulares Gas. Dieses weist typischerweise Temperaturen von nur wenigen zehn Grad \u00fcber dem absoluten Nullpunkt auf, kann in den innersten Regionen der CMZ aber mehrere Hundert Grad Celsius erreichen. Derartige Molek\u00fclwolken beherbergen h\u00e4ufig organische Molek\u00fcle und viel Staub. Sie bilden den Rohstoffvorrat f\u00fcr neue Sterngenerationen. Denn nur kaltes Gas kann zu leuchtenden Gaskugeln kollabieren, in deren Innerem schlie\u00dflich die Kernfusion einsetzt. <\/p>\n<p> ALMA hat den Durchblick | Die zentrale Molek\u00fclzone (CMZ) ist reich an dichten und komplexen Gaswolken, bleibt im Visuellen jedoch verborgen. Die Einblendung zeigt die Position der CMZ hinter den dichten Staubwolken im Band der Milchstra\u00dfe innerhalb des s\u00fcdlichen Sternbilds Sch\u00fctze. Sie erstreckt sich \u00fcber eine Ausdehnung von etwa 650\u00a0Lichtjahren im Radiobereich, so gro\u00df wie drei volle Mondscheiben nebeneinander. Es ist das gr\u00f6\u00dfte Bild, das je mit ALMA aufgenommen wurde. Die scharfen Kanten entlang des Molek\u00fclwolke r\u00fchren aus der nicht vollst\u00e4ndigen Abdeckung des gezeigten Bildbereichs durch ALMA her. <\/p>\n<p>Entsprechend \u00fcberrascht es nicht, dass die Daten der ACES-Himmelsdurchmusterung Dutzende unterschiedlicher Molek\u00fcle in der CMZ offenbaren\u00a0\u2013 von einfachen wie Siliziummonoxid bis hin zu komplexeren organischen Verbindungen wie Methanol, Aceton oder Ethanol. Entlang riesiger Filamente str\u00f6mt das Gas ins Innere der Molek\u00fclwolken und speist dort junge, sich bildende Sterne. Tats\u00e4chlich beherbergt die CMZ einige der massereichsten Sterne unserer Heimatgalaxie. Diese f\u00fchren jedoch nur ein kurzes Leben von wenigen Millionen Jahren, enden in gewaltigen Super- oder sogar Hypernova-Explosionen und w\u00fchlen damit ihr Umfeld regelrecht auf. So finden sich in der CMZ gro\u00dfe Strukturen wie der Radiobogen des galaktischen Zentrums, Supernova-\u00dcberreste oder Emissionsnebel.<\/p>\n<p>Die Bedeutung der Beobachtungsdaten reicht weit \u00fcber unsere eigene Galaxie hinaus: In ihrer Beschaffenheit \u00e4hnelt die Region jenen Galaxien des fr\u00fchen Universums, in denen sich Sterne unter chaotischen und extremen Bedingungen bildeten. In der CMZ koexistieren dichte Gas- und Staubwolken, starke Gravitationskr\u00e4fte sowie eine hohe Rate an Sterngeburten und -toden. Es handelt sich um ein \u00e4u\u00dferst turbulentes Umfeld und das einzige seiner Art in unserer n\u00e4heren Umgebung. Daher bietet es eine einzigartige M\u00f6glichkeit, Modelle der Sternentstehung unter den au\u00dfergew\u00f6hnlichen Bedingungen eines galaktischen Kerns auf die Probe zu stellen. <\/p>\n<p>Diesen Artikel empfehlen:<\/p>\n<p> ist Astrophysiker und Redakteur f\u00fcr Astronomie. <\/p>\n<p>Digitalausgaben Printausgaben Topseller Bundles<\/p>\n<p> Longmore, S. et al., arXiv 10.48550\/arXiv.2602.20340, 2026 <\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"\" height=\"1\" src=\"https:\/\/vg06.met.vgwort.de\/na\/d579e43f5f4645289f479d27f8c30cd3\" width=\"1\"\/><\/p>\n<p>Bitte erlauben Sie Javascript, um die volle Funktionalit\u00e4t von Spektrum.de zu erhalten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Radioastronomie: Wo das Herz der Galaxis tobt &#8211; Spektrum der WissenschaftDirekt zum InhaltRadioastronomie: Wo das Herz der Galaxis&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":13032,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[16],"tags":[7666,699,46,42,7667,7672,44,7673,7669,7671,97,96,7670,7674,101,98,100,99,7668],"class_list":{"0":"post-13031","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-wissenschaft-technik","8":"tag-alma","9":"tag-astronomie","10":"tag-at","11":"tag-austria","12":"tag-milchstrasse","13":"tag-molekuelwolke","14":"tag-oesterreich","15":"tag-radioastronomie","16":"tag-sagittarius-a","17":"tag-schwarzes-loch","18":"tag-science","19":"tag-science-technology","20":"tag-sgr-a","21":"tag-sternentstehung","22":"tag-technik","23":"tag-technology","24":"tag-wissenschaft","25":"tag-wissenschaft-technik","26":"tag-zentrum"},"share_on_mastodon":{"url":"","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13031","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13031"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13031\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media\/13032"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13031"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13031"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13031"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}