{"id":130382,"date":"2026-04-29T12:57:07","date_gmt":"2026-04-29T12:57:07","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/130382\/"},"modified":"2026-04-29T12:57:07","modified_gmt":"2026-04-29T12:57:07","slug":"opec-austritt-und-gipfel-boykott-die-golfstaaten-kaempfen-jetzt-alle-fuer-sich-allein-diepresse-com","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/130382\/","title":{"rendered":"Opec-Austritt und Gipfel-Boykott: Die Golfstaaten k\u00e4mpfen jetzt alle f\u00fcr sich allein \u2013 DiePresse.com"},"content":{"rendered":"<p>Als die Regierung der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) den Austritt ihres Landes aus dem \u00d6lkartell Opec verk\u00fcndete, sprach sie von \u201eJahrzehnten der konstruktiven Zusammenarbeit\u201c im Dienst der \u00d6lstaaten. Doch die entscheidenden Worte in der langen Erkl\u00e4rung lauteten: \u201eunser nationales Interesse\u201c. <\/p>\n<p>Am selben Tag, an dem die VAE mit ihrer Entscheidung ihre Nachbarn in der Opec schockten, schw\u00e4nzte der Oman ein Gipfeltreffen des Golf-Kooperationsrats zum Iran-Krieg. Dabei ist das Sultanat Oman der einzige arabische Staat, der direkt mit dem Iran \u00fcber die Zukunft der f\u00fcr alle Golf-L\u00e4nder wichtigen Meerenge von Hormus verhandelt. Es h\u00e4tte also viel zu besprechen gegeben.<\/p>\n<p>Schon vor dem Iran-Krieg waren die arabischen Staaten bei verschiedenen Themen zerstritten. Der Konflikt, der alle arabischen Golf-Anrainer hart traf, f\u00fchrt nicht zu mehr Einigkeit angesichts gemeinsamer Bedrohungen und Unw\u00e4gbarkeiten, sondern zerschl\u00e4gt die Bem\u00fchungen um mehr Zusammenarbeit. Am Golf k\u00e4mpft jeder f\u00fcr sich allein.<\/p>\n<p>Zum Teil geht es ums Geld. Die omanische Regierung sprach in den vergangenen Wochen mit dem Iran \u00fcber eine gemeinsame Verwaltung der Stra\u00dfe von Hormus mit Einnahmen aus Mautgeb\u00fchren f\u00fcr beide Staaten. Von anderen Golf-Staaten kam Kritik.<\/p>\n<p>Die VAE wollen nach dem Austritt aus der Opec zum 1. Mai ihre \u00d6lf\u00f6rderung von drei Millionen Barrel (je 159 Liter) pro Tag steigern, weil sie dann nicht mehr an die Quoten f\u00fcr die Mitglieder des Kartells gebunden sein werden. Bis Anfang 2027 d\u00fcrfte ihre \u00d6lproduktion laut Medienberichten auf f\u00fcnf Millionen Barrel pro Tag anwachsen. Mit zus\u00e4tzlichen Exporten k\u00f6nnten die Emirate mehr Geld verdienen, um es in die Reparatur zerst\u00f6rter Infrastruktur zu stecken.<\/p>\n<p>Unterschiedliche politische Interessen lassen die Golf-Staaten noch weiter auseinanderdriften. Die VAE sind schon jetzt die entschiedensten Gegner des Iran und der engste Partner Israels unter den arabischen Staaten. Nun r\u00fccken sie noch enger an die Seite Israels und von US-Pr\u00e4sident Donald Trump, der die Opec h\u00e4ufig kritisiert. Dazu passt, dass die Emirate mit Trumps Regierung \u00fcber finanzielle Hilfen der USA verhandeln. <\/p>\n<p>Die VAE wurden w\u00e4hrend des Kriegs zum Hauptziel der Iraner und mussten mehr als 2000 Geschosse abwehren, rund ein Drittel der Gesamtmenge an Raketen und Drohnen, mit denen Teheran auf die Golf-Staaten zielte. Hilfe der arabischen Nachbarn blieb aus, doch Israel schickte ein Flugabwehrsystem. Eine gemeinsame Position der Golf-Staaten zum Iran-Krieg gibt es bis heute nicht.<\/p>\n<p>Aus Ver\u00e4rgerung dar\u00fcber, dass Pakistan als Vermittler zwischen Teheran und Washington im Iran-Konflikt neutral blieb, forderten die VAE k\u00fcrzlich von Islamabad die sofortige R\u00fcckzahlung von Krediten in H\u00f6he von 3,5 Milliarden Dollar. Saudiarabien musste einspringen, um Pakistan finanziell aus der Klemme zu helfen. Alle Golf-Staaten h\u00e4tten eine eigene Iran-Politik verfolgt, und alle seien \u201eerb\u00e4rmlich gescheitert\u201c, sagte der emiratische Regierungsberater Anwar Gargasch am Tag vor dem Opec-Austritt seines Landes. <\/p>\n<p>Differenzen zwischen den VAE und Saudiarabien k\u00f6nnten sich nun weiter versch\u00e4rfen. Die beiden L\u00e4nder, die vor wenigen Jahren noch Partner waren, sind Konkurrenten beim Versuch, internationale Investoren und Touristen anzulocken. Zudem stehen sie in den Konflikten im Jemen und im Sudan auf verschiedenen Seiten.<\/p>\n<p>Potenzieller Nutznie\u00dfer des Streits unter den Arabern ist der Iran. Noch vor wenigen Jahren war die Islamische Republik in der Region isoliert. Dann normalisierte Teheran nach Vermittlung durch China seine Beziehungen zur arabischen F\u00fchrungsmacht Saudiarabien. Katar und Oman fungierten als Vermittler zwischen dem Iran und den USA. Jetzt k\u00f6nnten iranische Diplomaten versuchen, die internen Spannungen bei den arabischen Golf-Staaten f\u00fcr ihr Land auszunutzen.<\/p>\n<p>Mit seinen Angriffen auf die Golf-Staaten in den vergangenen Wochen zerschlug der Iran zwar viel politisches Porzellan. Aber wichtige L\u00e4nder brachen den Kontakt nicht ab. Erst vor wenigen Tagen zeigte sich bei Telefonaten des iranischen Au\u00dfenministers Abbas Araghchi mit seinen Kollegen in der Region, dass nicht nur Regierungspolitiker in Oman zu Gespr\u00e4chen bereit waren, sondern auch Minister in Saudiarabien und Katar.<\/p>\n<p>Diese Verhandlungsbereitschaft d\u00fcrfte den Graben zwischen den VAE und anderen Golf-Staaten weiter verbreitern. Zu Beginn des Krieges seien sich die Emirate und Saudiarabien noch im Widerstand gegen die Iraner einig gewesen, schrieb Stephen Cook von der US-Denkfabrik CFR in einer Analyse. Doch dann h\u00e4tten sich die Saudis auf die Seite der Staaten geschlagen, die eine diplomatische L\u00f6sung mit dem Iran anstreben. Die Emirate dagegen wollen nach Einsch\u00e4tzung von Cook vor allem sicherstellen, dass der Iran nicht noch einmal angreifen kann. \u201eAus ihrer Sicht sind Saudis und andere bereit, sich mit weniger zufrieden zu geben.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Als die Regierung der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) den Austritt ihres Landes aus dem \u00d6lkartell Opec verk\u00fcndete, sprach&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":130383,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[14],"tags":[1493,46,42,95,90,89,91,94,44,93,92],"class_list":{"0":"post-130382","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-unternehmen-maerkte","8":"tag-analyse","9":"tag-at","10":"tag-austria","11":"tag-business","12":"tag-companies","13":"tag-companies-markets","14":"tag-markets","15":"tag-maerkte","16":"tag-oesterreich","17":"tag-unternehmen","18":"tag-unternehmen-maerkte"},"share_on_mastodon":{"url":"","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/130382","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=130382"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/130382\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media\/130383"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=130382"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=130382"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=130382"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}