{"id":130417,"date":"2026-04-29T13:16:09","date_gmt":"2026-04-29T13:16:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/130417\/"},"modified":"2026-04-29T13:16:09","modified_gmt":"2026-04-29T13:16:09","slug":"tristan-horx-ueber-hype-arbeit-und-ki","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/130417\/","title":{"rendered":"Tristan Horx \u00fcber Hype, Arbeit und KI"},"content":{"rendered":"<p>Hype-Zyklen, Gegentrends und eine Arbeitswelt, die ihre eigenen Regeln neu schreibt: Tristan Horx besch\u00e4ftigt sich seit Jahren damit, Gegenwart zu deuten und Szenarien zu denken. Im Gespr\u00e4ch vor seinem Auftritt bei der Career &amp; Competence in Innsbruck erkl\u00e4rt er, warum die Zukunft menschlicher wird \u2013 nicht trotz der Technologie, sondern wegen ihr.<\/p>\n<p>Du bist Trend- und Zukunftsforscher. Was darf man sich darunter eigentlich vorstellen?<\/p>\n<p>Tristan Horx: Der Gro\u00dfteil meiner Arbeit ist Trendforschung \u2013 also Gegenwartsanalyse. Der prognostische Teil, wo ich sage, wo f\u00fchrt das alles hin, ist ein kleinerer Bestandteil des Berufs. Aber nat\u00fcrlich der, der die meisten Leute interessiert. Das f\u00fchrt dann allerdings schnell zu Missverst\u00e4ndnissen: Was viele mit dem Zukunftsforscher assoziieren, ist eigentlich ein Prophet. Das ist nicht unser Business. Ich bin haupts\u00e4chlich in der Wirtschaft unterwegs \u2013 Unternehmen wollen verschiedene Strategien f\u00fcr verschiedene Zukunftsszenarien und Wahrscheinlichkeiten entwickeln. Genau dabei helfe ich.<\/p>\n<p>Und wie komplex ist das gerade in einer Zeit, die sich so rasant ver\u00e4ndert?<\/p>\n<p>Die Gegenwart ist momentan so \u00fcberfordernd, dass schon ihre Analyse allein eine enorme Aufgabe ist. Was die Sache zus\u00e4tzlich verkompliziert: Entwicklungen verlaufen nie linear. Es gibt immer Abzweigungen, Gegenl\u00e4ufe, \u00dcberraschungen. Wir befinden uns gerade mitten in einer massiven KI-Hype-Phase \u2013 die sich allerdings schon merklich abk\u00fchlt. Ein klassischer Hype-Cycle eben. Die Erwartung, diese Technologie werde alles auf einmal l\u00f6sen, war schlicht \u00fcberzogen.<\/p>\n<p>Wo siehst du diese Gegenbewegungen besonders deutlich?<\/p>\n<p>Ausgerechnet dort, wo man sie am wenigsten erwartet h\u00e4tte: in der Digitalisierung sozialer Beziehungen. Das \u00f6sterreichische Social-Media-Verbot unter 14 Jahren hat mich ehrlich \u00fcberrascht. Ich bin jung, tech-affin, und setze mich trotzdem f\u00fcr weniger Vernetzung in bestimmten Lebensbereichen ein \u2013 das klingt widerspr\u00fcchlich, ist aber genau der Kern meiner Arbeit. Trends kippen. Sie entwickeln sich nicht einfach weiter, sie brechen auch.<\/p>\n<p>Welche Entwicklungen werden die n\u00e4chsten Jahre am st\u00e4rksten pr\u00e4gen?<\/p>\n<p>An erster Stelle w\u00fcrde ich das Abflachen der Globalisierung nennen \u2013 vielleicht sogar deren Trendwende. Das Regionale gewinnt an Bedeutung, globale Lieferketten geraten zunehmend unter Druck. Dann ein Thema, das viele nicht mehr h\u00f6ren wollen, das aber nicht verschwindet: Nachhaltigkeit. F\u00fcr Europa hat das eine ganz konkrete wirtschaftliche Logik \u2013 wir verf\u00fcgen \u00fcber keine nennenswerten \u00d6lreserven, weshalb wir bei Solar, Wind und Elektromobilit\u00e4t gerade regelrecht explodierende Wachstumszahlen erleben. Und schlie\u00dflichdie Frage, wie sich unsere Arbeitskultur grundlegend wandelt.<\/p>\n<p>Was macht dieses Thema gerade so brisant?<\/p>\n<p>Es gibt eine tiefe Diskrepanz zwischen dem, was wir \u00fcber produktives Arbeiten wissen, und dem, was in vielen Betrieben noch gelebte Realit\u00e4t ist. Wir wissen aus unz\u00e4hligen Studien: Menschen, die am Bildschirm arbeiten, sind im Schnitt maximal viereinhalb Stunden t\u00e4glich wirklich konzentriert produktiv. Trotzdem klammern sich viele Unternehmenskulturen an das Achtstunden-Modell des Industriezeitalters. Und gleichzeitig beobachten wir gerade, dass immer mehr Firmen ihre Belegschaft wieder ins B\u00fcro zur\u00fcckrufen. Es ist eine spannungsreiche Zeit.<\/p>\n<p>Wie gelingt es, F\u00fchrungskr\u00e4fte davon zu \u00fcberzeugen, etwas zu \u00e4ndern?<\/p>\n<p>Ich argumentiere grunds\u00e4tzlich wirtschaftlich \u2013 weil ich meist vor Menschen stehe, die Zahlen brauchen, keine Visionen. Das Argument ist simpel: Wer mit veralteten Strukturen auf eine ver\u00e4nderte Arbeitswelt trifft, verliert Produktivit\u00e4t. Wer hingegen daf\u00fcr sorgt, dass MitarbeiterInnen Sinn empfinden und Freude an ihrer T\u00e4tigkeit haben, wird belohnt \u2013 mit weniger Krankenst\u00e4nden, mehr Engagement, besseren Ergebnissen. Das l\u00e4sst sich empirisch belegen. Der wirtschaftliche und der menschliche Blick auf Arbeit f\u00fchren letztlich zum selben Schluss.<\/p>\n<p>Und welche Rolle spielt KI in dieser Gleichung \u2013 gerade f\u00fcr junge Menschen, die jetzt ins Berufsleben einsteigen?<\/p>\n<p>Man kann Berufsfelder grob in drei Kategorien einteilen. Erstens: hochrepetitive T\u00e4tigkeiten, bei denen immer wieder dieselben Abl\u00e4ufe wiederholt werden \u2013 diese werden fr\u00fcher oder sp\u00e4ter \u00f6konomisch von Algorithmen \u00fcbernommen. Zweitens: sogenannte Human-Machine-Jobs, in denen Mensch und Technologie eng zusammenarbeiten. Drittens: Berufe mit hoher zwischenmenschlicher Komponente \u2013 Pflege, Beratung, Begleitung. Wer heute jung ist, muss sich relativ fr\u00fch entscheiden, in welche Richtung er oder sie investiert: in tiefe technologische Kompetenz oder in die Qualit\u00e4ten, die keine Software replizieren kann.<\/p>\n<p>Was w\u00fcrdest du pers\u00f6nlich empfehlen?<\/p>\n<p>Es gibt da eine sch\u00f6ne Paradoxie: Weil Maschinen immer bessere Maschinen werden, m\u00fcssen Menschen immer humanere Menschen werden. Empathie, Urteilsverm\u00f6gen, echte Verbindung \u2013 das sind keine weichen Faktoren mehr, sondern strategische Ressourcen. Gleichzeitig gilt: Wer versteht, wie KI funktioniert und eingesetzt wird, hat enormes Potenzial. Was ich in vielen Unternehmen aber beobachte, ist ein strukturelles Problem: Wer seine Prozesse mit KI effizienter gestaltet, spart sich im schlimmsten Fall selbst weg. Also erledigen viele ihre eigentliche Arbeit in einer Stunde \u2013 und spielen den Rest des Tages besch\u00e4ftigt. Das ist weder f\u00fcr die Person noch f\u00fcr das Unternehmen eine L\u00f6sung. Das ist ein F\u00fchrungsversagen.<\/p>\n<p>Vielen Dank f\u00fcr das Gespr\u00e4ch!<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Zur Person:<\/p>\n<p>Tristan Horx ist Trend- und Zukunftsforscher, Autor und Hochschuldozent. Aufgewachsen in der wohl bekanntesten Zukunftsforscher-Familie Europas \u2013 sein Vater ist der renommierte Matthias Horx \u2013 entwickelte er fr\u00fch einen eigenen, kritisch-optimistischen Blick auf gesellschaftliche Ver\u00e4nderungen. Er ist Mitgr\u00fcnder des \u201eThink-Tanks The Future:Project\u201c, Kolumnist der Kronen Zeitung und seit 2025 Mitglied im Nachhaltigkeitsbeirat der Commerzbank.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Hype-Zyklen, Gegentrends und eine Arbeitswelt, die ihre eigenen Regeln neu schreibt: Tristan Horx besch\u00e4ftigt sich seit Jahren damit,&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":130418,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[14],"tags":[39702,46,42,95,90,89,44403,2058,44402,91,94,44405,44,10173,42978,254,44404,93,92,432],"class_list":{"0":"post-130417","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-unternehmen-maerkte","8":"tag-arbeitswelt","9":"tag-at","10":"tag-austria","11":"tag-business","12":"tag-companies","13":"tag-companies-markets","14":"tag-gegentrends","15":"tag-gegenwart","16":"tag-hype-zyklen","17":"tag-markets","18":"tag-maerkte","19":"tag-menschlicher","20":"tag-oesterreich","21":"tag-regeln","22":"tag-szenarien","23":"tag-technologie","24":"tag-tristan-horx","25":"tag-unternehmen","26":"tag-unternehmen-maerkte","27":"tag-zukunft"},"share_on_mastodon":{"url":"","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/130417","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=130417"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/130417\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media\/130418"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=130417"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=130417"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=130417"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}