{"id":130470,"date":"2026-04-29T13:44:11","date_gmt":"2026-04-29T13:44:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/130470\/"},"modified":"2026-04-29T13:44:11","modified_gmt":"2026-04-29T13:44:11","slug":"wegen-aeusserungen-ueber-gender-klima-etc-uni-wien-sagt-ehrung-fuer-mathematiker-taschner-ab-diepresse-com","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/130470\/","title":{"rendered":"Wegen \u00c4u\u00dferungen \u00fcber Gender, Klima etc.: Uni Wien sagt Ehrung f\u00fcr Mathematiker Taschner ab \u2013 DiePresse.com"},"content":{"rendered":"<p>Der Senat der Uni Wien hat die bereits fixierte Vergabe des Goldenen Doktordiploms an den namhaften Mathematiker Rudolf Taschner verhindert, u. a. wegen dessen \u00c4u\u00dferungen zu Gender Studies und Klimawandel.<\/p>\n<p>Der Termin stand fest, der Laudator hatte seine Rede schon vorbereitet: Am 13. Mai sollte dem namhaften Mathematiker Rudolf Taschner gemeinsam mit zwei Kollegen \u2013 darunter der Finanzmathematiker Walter Schachermayer\u00a0\u2013 das Goldene Doktordiplom der Uni Wien in einem kleinen Festakt an der Fakult\u00e4t f\u00fcr Mathematik \u00fcberreicht werden. Doch die Veranstaltung wurde recht kurzfristig, kaum drei Wochen vor dem Termin, abgesagt: Am Mittwoch, den 29. April, musste Radu Ioan Bot,\u00a0Dekan der Fakult\u00e4t, Taschner dies offiziell erkl\u00e4ren.<\/p>\n<p>Was ist das f\u00fcr eine Auszeichnung, die Taschner versagt wird? Wie etliche andere Universit\u00e4ten, etwa die TU Wien oder die Uni Graz, vergibt die Uni Wien Goldene Doktordiplome an Absolventen 50 Jahre nach deren Promotion, wenn sich diese durch \u201ebesondere wissenschaftliche Verdienste\u201c, \u201ehervorragendes berufliches Wirken\u201c oder \u201eenge Verbundenheit mit der Universit\u00e4t Wien\u201c daf\u00fcr empfehlen. Diese Kriterien werden \u00fcblicherweise nicht sonderlich streng interpretiert, das Goldene Ehrendiplom ist an Bedeutung durchaus nicht mit dem Gro\u00dfen Ehrenzeichen f\u00fcr Verdienste um die Republik \u00d6sterreich zu vergleichen, das Taschner bereits 2010 verliehen wurde.<\/p>\n<p>Zumindest \u201ehervorragendes berufliches Wirken\u201c kann Taschner, der 1981 an der TU Wien habilitiert wurde und dort vor allem \u00fcber Funktionentheorie geforscht hat, aber auch sehr erfolgreiche Lehrb\u00fccher geschrieben hat, risikolos attestiert werden: Er ist unter Nichtmathematikern der wohl bekannteste \u00f6sterreichische Vertreter seiner Zunft. <\/p>\n<p>Das kann man w\u00f6rtlich nehmen: Taschner vertritt die Mathematik eloquent, er kann sie so verst\u00e4ndlich wie spannend erkl\u00e4ren \u2013 in zahlreichen popul\u00e4rwissenschaftlichen B\u00fcchern (\u201eDer Zahlen gigantische Schatten\u201c, \u201eRechnen mit Gott und der Welt\u201c, \u201eDie Mathematik des Daseins\u201c u.v.a.) und gut besuchten Vortr\u00e4gen. Von 2003 bis 2017 hielt er solche im von ihm und seiner Frau Bianca gegr\u00fcndeten \u201emath.space\u201c im Museumsquartier, dieser war auch international gesehen ein einzigartiger Ort zur Vermittlung von Mathematik.<\/p>\n<p>Nebenbei \u00e4u\u00dferst sich Taschner gern zu nichtmathematischen, vor allem gesellschaftspolitischen Fragen, etwa im Buch \u201eGerechtigkeit siegt \u2013 aber nur im Film\u201c und zehn Jahre lang auch in einer \u201ePresse\u201c-Kolumne, \u00fcber die man gut debattieren, auch streiten konnte: Taschner liebt die pointierte Formulierung, vertritt auch unorthodoxe Meinungen. Diese Liebe ist nun offenbar schuld daran, dass der Senat der Uni Wien, derzeit geleitet vom Germanisten Stefan Krammer, beschlossen hat, ihm die vorgesehene Ehrung vorzuenthalten.<\/p>\n<p>Auf Anfrage der \u201ePresse\u201c schreibt Krammer, es seien im Fall von Taschner \u201eBedenken aufgrund seiner \u00c4u\u00dferungen in Zusammenhang mit Evidenz, Autonomie und Freiheit der Wissenschaft\u201c vorgebracht worden. Diese unscharfe Formulierung erstaunt, zumal Taschner oft explizit die Autonomie und Freiheit der Wissenschaft betont hat. Doch in Klammer schreibt Krammer Genaueres: Es gehe um \u00c4u\u00dferungen \u201einsbesondere zum Klimawandel, zu Vergaberichtlinien des FWF, zu Gender und Postcolonial Studies\u201c. <\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich sieht Taschner die derzeit an Unis stark pr\u00e4senten Gender Studies und Postcolonial Studies kritisch (freilich nicht als einziger); den Klimawandel \u201eleugnet\u201c er zwar nicht, hat ihn aber einmal als \u201eScheinproblem\u201c bezeichnet. Am ehesten entscheidend f\u00fcr das Cancelling Taschners d\u00fcrfte seine Polemik gegen die F\u00f6rderungsvergabe des Wissenschaftsfonds FWF gewesen sein: Vor ungef\u00e4hr zehn Monaten nannte er speziell ein Projekt \u00fcber Schlaf und Traum (an der Wiener Privatuniversit\u00e4t f\u00fcr Musik und Kunst) \u201esinnlos\u201c, sprach sogar von \u201everbranntem Geld\u201c.<\/p>\n<p>Ob das reicht, einem um sein Fach verdienten Mann eine Routineehrung vorzuenthalten? Die Entscheidung des Uni-Senats d\u00fcrfte auch eine Regierungspartei br\u00fcskieren: Taschner sitzt seit 2017 \u2013 mit Unterbrechungen \u2013 f\u00fcr die \u00d6VP im Nationalrat und ist dort deren Bereichssprecher f\u00fcr Wissenschaft.<\/p>\n<p>    Lesen Sie mehr zu diesen Themen:<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Der Senat der Uni Wien hat die bereits fixierte Vergabe des Goldenen Doktordiploms an den namhaften Mathematiker Rudolf&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":130471,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[28],"tags":[46,42,44,181,182,44415],"class_list":{"0":"post-130470","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-wien","8":"tag-at","9":"tag-austria","10":"tag-oesterreich","11":"tag-vienna","12":"tag-wien","13":"tag-wissenschaftspolitik"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@at\/116488297903241356","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/130470","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=130470"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/130470\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media\/130471"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=130470"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=130470"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=130470"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}