{"id":132010,"date":"2026-04-30T09:00:08","date_gmt":"2026-04-30T09:00:08","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/132010\/"},"modified":"2026-04-30T09:00:08","modified_gmt":"2026-04-30T09:00:08","slug":"glanz-und-sentimentalitaet-was-fuer-ein-schoenes-ende-im-theater-in-der-josefstadt-diepresse-com","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/132010\/","title":{"rendered":"Glanz und Sentimentalit\u00e4t: \u201eWas f\u00fcr ein sch\u00f6nes Ende\u201c im Theater in der Josefstadt \u2013 DiePresse.com"},"content":{"rendered":"<p>Mozart-Librettist Da Ponte ist in Santa Fe gelandet und muss der Oper ade sagen: Mit einer charismatischen Hauptrolle in einem Turrini-St\u00fcck verabschiedet sich Direktor Herbert F\u00f6ttinger abermals von seinem Theater in der Josefstadt. Lustig, ber\u00fchrend, gelungen.<\/p>\n<p>Mit der Rolle des nach Utzbach heruntergekommenen Theatermachers in Thomas Bernhards St\u00fcck hat sich Herbert F\u00f6ttinger, Intendant des Theaters in der Josefstadt von 2006 bis 2026, schon standesgem\u00e4\u00df auf der B\u00fchne verabschiedet. Doch im Showbusiness und schon gar im Theater ist genug nicht genug, und so l\u00e4sst er noch einen w\u00fcrdigen Abschied folgen: in \u201eWas f\u00fcr ein sch\u00f6nes Ende\u201c. Es ist das neunte St\u00fcck von Peter Turrini, das in F\u00f6ttingers \u00c4ra in der Josefstadt uraufgef\u00fchrt wird \u2013 ein seltener Fall von produktiver Treue zwischen einem Direktor und einem Autor \u2013 und es ist eines seiner besten: tragisch und komisch und wunderbar sentimental. <\/p>\n<p>Im Zentrum steht ein Absteiger, Hochstapler und Tr\u00e4umer, ein dichterisches Gem\u00fct, das in seiner Vergangenheit regiert und die Gegenwart durch Fantasie bew\u00e4ltigt: der alte Lorenzo Da Ponte, der Opernwelt bekannt durch seine Libretti f\u00fcr drei gro\u00dfe Mozart-Opern, einst Dichter am Hof Josephs II, nunmehr als Branntweinh\u00e4ndler an der Oper in Santa Fe t\u00e4tig. Letzteres entspricht nicht ganz der historischen Wahrheit, aber Da Ponte war tats\u00e4chlich in den USA, wenn auch nicht in Santa Fe, doch er handelte mit Tabak und Brandy, bevor er in New York \u201eDon Giovanni\u201c zur Auff\u00fchrung brachte.<\/p>\n<p>Es ist auch nicht ganz die Wahrheit, dass \u201eWas f\u00fcr ein sch\u00f6nes Ende\u201c nun uraufgef\u00fchrt wurde, eine fr\u00fchere Fassung namens \u201eDa Ponte in Santa Fe\u201c wurde 2002 bei den Salzburger Festspielen von Claus Peymann inszeniert, und zwar wenig erfolgreich, sogar mit Buhrufen. Das kann man sich nach dieser Josefstadt-Premiere kaum vorstellen. Liegt es daran, dass Turrini \u2013 oder die Regie? \u2013 einige Derbheiten durch Altersweisheiten ersetzt hat? Liegt es an der gediegenen, aufkommendes Gebl\u00f6del bald wieder bremsenden Inszenierung von Janusz Kica, dem Karin Fritz einen sehr josefst\u00e4dterischen Western Saloon auf die B\u00fchne gestellt hat?<\/p>\n<p>Gewiss liegt es am Schauspiel, vor allem F\u00f6ttingers. Gravit\u00e4tisch hatschend, bei heftigeren Bewegungen staubend, mit sehns\u00fcchtig verquollener Miene, schleudert er gro\u00dfe Gesten in die ihm zu klein gewordene Welt: \u201eWei\u00dft du nicht, dass ich unsterblich bin?\u201c, ruft er, hadert mit Mozart und der notorischen Untersch\u00e4tzung der Sprache in der Oper, verzeiht in so majest\u00e4tischer wie l\u00e4cherlicher Gro\u00dfmut allen seinen Feinden und beschw\u00f6rt seine Glorie: \u201eIch war ein Gott in Wien!\u201c Nat\u00fcrlich, dieses Spiel lebt davon, dass F\u00f6ttinger seine eigene Rolle als Theatermacher in stolzer Selbstironie reflektiert, aber es wird nie plumpe Parodie. Nicht einmal, wenn er \u2013 was ja oft peinlichste Momente im Theater beschert \u2013 inmitten des Publikums auftritt und Kritiker zaust.<\/p>\n<p>Maria K\u00f6stlinger spielt Da Pontes Frau \u2013 deren Mission es wird, das Sauerkraut nach Amerika zu bringen \u2013 h\u00fcbsch resolut und gesch\u00e4ftig, in einer alten Ehe, die noch nicht erkaltet ist. F\u00e9lix Kama ist ein Garderobier von wortkarger Tiefe; Alexander Str\u00f6mer als Tenor tr\u00e4gt dick auf; Raphael von Bargen verleiht dem ehemaligen Saloonbetreiber und nunmehrigem Operndirektor eitle Eleganz. Juliette Larat bezaubert als Dorka Du\u0161kov\u00e1 vulgo Dolly Delors, eine \u201ejunge Naive\u201c, wie man diesen Rollencharakter in patriarchalischen Theatertagen nannte, aber die Naivit\u00e4t selbst klug in Frage stellend. Ein Jammer, dass sie das Ensemble verl\u00e4sst.<\/p>\n<p>Noch mehr Abschiedsstimmung im Publikum \u2013 und Szenenapplaus gleich zu Beginn \u2013 weckte die ebenfalls scheidende Doyenne Marianne Nentwich als alte Du\u0161kov\u00e1\/Delors, der auch die letzten Worte geh\u00f6ren. Einmal im Kritikerleben darf man den Schlusssatz und Titel des zu rezensierenden St\u00fccks so schlicht wie taxfrei als Res\u00fcmee \u00fcbernehmen: Was f\u00fcr ein sch\u00f6nes Ende (f\u00fcr eine Josefstadt-\u00c4ra). <\/p>\n<p>    Lesen Sie mehr zu diesen Themen:<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Mozart-Librettist Da Ponte ist in Santa Fe gelandet und muss der Oper ade sagen: Mit einer charismatischen Hauptrolle&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":132011,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[22],"tags":[46,42,147,44,4653,148],"class_list":{"0":"post-132010","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-unterhaltung","8":"tag-at","9":"tag-austria","10":"tag-entertainment","11":"tag-oesterreich","12":"tag-premiere","13":"tag-unterhaltung"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@at\/116492843805139637","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/132010","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=132010"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/132010\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media\/132011"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=132010"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=132010"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=132010"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}