{"id":133686,"date":"2026-05-01T05:46:06","date_gmt":"2026-05-01T05:46:06","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/133686\/"},"modified":"2026-05-01T05:46:06","modified_gmt":"2026-05-01T05:46:06","slug":"europa-will-dominanz-von-visa-und-mastercard-brechen-doch-widerstand-waechst","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/133686\/","title":{"rendered":"Europa will Dominanz von Visa und Mastercard brechen, doch Widerstand w\u00e4chst"},"content":{"rendered":"<p>Europas Zahlungssystem steht vor der gr\u00f6\u00dften Umw\u00e4lzung seit Jahrzehnten.<\/p>\n<p>          <img decoding=\"async\" class=\"c-ad__placeholder__logo\" src=\"https:\/\/static.euronews.com\/website\/images\/logos\/logo-euronews-stacked-outlined-72x72-grey-9.svg\" width=\"72\" height=\"72\" alt=\"\" loading=\"lazy\"\/><br \/>\n          WERBUNG<\/p>\n<p>          <img decoding=\"async\" class=\"c-ad__placeholder__logo\" src=\"https:\/\/static.euronews.com\/website\/images\/logos\/logo-euronews-stacked-outlined-72x72-grey-9.svg\" width=\"72\" height=\"72\" alt=\"\" loading=\"lazy\"\/><br \/>\n          WERBUNG<\/p>\n<p>Ein digitaler Euro, der Wunsch nach Unabh\u00e4ngigkeit von US-Zahlungsriesen und ein erbitterter Streit zwischen Banken und Br\u00fcssel treffen jetzt aufeinander. Das Ergebnis k\u00f6nnte ver\u00e4ndern, wie Europ\u00e4er selbst die einfachsten Alltagszahlungen abwickeln.<\/p>\n<p>Der digitale Euro ist elektronisches Bargeld. Er wird von der Europ\u00e4ischen Zentralbank (EZB) gedeckt und soll Bargeldscheine sowie die Dienste kommerzieller Banken erg\u00e4nzen.<\/p>\n<p>Nach dem Vorschlag der Europ\u00e4ischen Kommission sollen Nutzer eine digitale Geldb\u00f6rse erhalten \u2013 mit einem noch nicht festgelegten Ausgabelimit. Diese Wallet soll f\u00fcr Online- und Offline-Zahlungen funktionieren. Die Transaktionen sollen nicht nachverfolgbar sein.<\/p>\n<p>Verabschieden die EU-Institutionen das Gesetz noch vor Ende 2026, k\u00f6nnte der digitale Euro ab 2029 im Einzelhandel zur Verf\u00fcgung stehen.<\/p>\n<p>Der Vorsto\u00df ist politisch ebenso motiviert wie finanziell.<\/p>\n<p>Visa und Mastercard, beide US-Konzerne, wickeln laut Daten der EZB einundsechzig Prozent der Kartenzahlungen im Euroraum ab \u2013 und fast alle grenz\u00fcberschreitenden Transaktionen.<\/p>\n<p>Die R\u00fcckkehr von US-Pr\u00e4sident Donald Trump ins Wei\u00dfe Haus und seine konfrontative Au\u00dfen- und Handelspolitik haben die Debatte zus\u00e4tzlich beschleunigt. Beim Europ\u00e4ischen Rat Mitte M\u00e4rz setzten die EU-Staats- und Regierungschefs eine Frist: Bis Ende 2026 soll die Gesetzgebung stehen.<\/p>\n<p>Der Vorsto\u00df der EZB ist auch eine Antwort auf den Aufstieg privater Stablecoins, die sich zunehmend in der Zahlungslandschaft breitmachen.<\/p>\n<p>Die Botschaft aus Br\u00fcssel und von Institutionen in ganz Europa ist klar: Europa will sein Geld selbst kontrollieren.<\/p>\n<p>Der Kontrast zu anderen gro\u00dfen Volkswirtschaften ist deutlich. Die USA gehen den entgegengesetzten Weg und treiben den GENIUS Act voran, der privaten Stablecoins einen klaren Rechtsrahmen geben soll. China hat seinen digitalen Yuan bereits im gro\u00dfen Stil eingef\u00fchrt.<\/p>\n<p>Europa sucht den Mittelweg: Der digitale Euro soll staatlich gest\u00fctzt, streng reguliert und so konstruiert sein, dass die monet\u00e4re Souver\u00e4nit\u00e4t nicht in private H\u00e4nde wandert.<\/p>\n<p>Digitaler Euro: Wer blockiert, wer daf\u00fcr wirbt?<\/p>\n<p>\u00dcberzeugt sind l\u00e4ngst nicht alle. Mit dem Fortschreiten der Gesetzgebung w\u00e4chst der Widerstand der Gesch\u00e4ftsbanken.<\/p>\n<p>Bei einer Branchenveranstaltung Mitte April in Br\u00fcssel zielte Daniel Baal, Pr\u00e4sident des franz\u00f6sischen Bankenverbands, direkt auf das Projekt.<\/p>\n<p>\u201eDer digitale Euro f\u00fcr den Einzelhandel, so wie er derzeit entworfen ist, bringt dieses Gleichgewicht durcheinander, weil Zentralbankgeld zu einem direkten Wettbewerber von Gesch\u00e4ftsbankengeld wird\u201c, sagte er.<\/p>\n<p>Wero, die von gro\u00dfen Banken getragene europ\u00e4ische Zahlungsplattform, reagiert ebenfalls vorsichtig.<\/p>\n<p>Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin Martina Weimert r\u00e4umte ein, dass es einen Bedarf f\u00fcr Offline-Zahlungen gebe. Sie warnte aber, der Status als gesetzliches Zahlungsmittel \u2013 H\u00e4ndler m\u00fcssten den digitalen Euro dann wie Bargeld annehmen \u2013 f\u00fchre zu einer \u201eWettbewerbsverzerrung\u201c.<\/p>\n<p>Bef\u00fcrworter halten dagegen, die Banken verfehlten den Kern der Sache.<\/p>\n<p>\u201eEs ist, als ob Bargeld nicht existierte und die Branche argumentieren w\u00fcrde, das sei unfair, weil H\u00e4ndler es annehmen m\u00fcssen und Nutzer keine Geb\u00fchr zahlen\u201c, sagte Peter Norwood, Forscher bei Finance Watch, einer europ\u00e4ischen Nichtregierungsorganisation, die sich f\u00fcr Finanzreformen im \u00f6ffentlichen Interesse einsetzt, gegen\u00fcber Euronews.<\/p>\n<p>\u201eBargeld ist ein \u00f6ffentliches Gut. Genau das soll der digitale Euro im digitalen Zeitalter bewahren.\u201c<\/p>\n<p>Ohne den Status als gesetzliches Zahlungsmittel werde das Projekt nie die kritische Masse erreichen, argumentiert er.<\/p>\n<p>\u201eWenn H\u00e4ndler ihn nicht akzeptieren m\u00fcssen, wird die Nutzung gering bleiben. Dann ist die Verf\u00fcgbarkeit \u00f6ffentlichen Geldes nicht dauerhaft gesichert\u201c, so Norwood.<\/p>\n<p>Die EZB versucht die Spannungen zu d\u00e4mpfen. Sie betont, dass der Privatsektor den digitalen Euro mitgestalten und mitverwalten soll.<\/p>\n<p>Demnach sollen Gesch\u00e4ftsbanken als zentrale Dienstleister auftreten und daf\u00fcr von der EZB entsch\u00e4digt werden.<\/p>\n<p>Der Widerstand gegen den digitalen Euro reicht jedoch weit \u00fcber den Bankensektor hinaus.<\/p>\n<p>Datensch\u00fctzer und Bef\u00fcrworter dezentraler Strukturen warnen, eine staatliche Digitalw\u00e4hrung k\u00f6nnte Regierungen einen beispiellosen Einblick in die Ausgaben der B\u00fcrger geben \u2013 und ihnen wom\u00f6glich die Macht, diese Ausgaben zu begrenzen.<\/p>\n<p>Der geplante Deckel f\u00fcr individuelle Guthaben hat diese Sorgen kaum gemildert.<\/p>\n<p>Auch Stimmen aus der Kryptobranche \u2013 in Europa schw\u00e4cher als in den USA \u2013 \u00fcben Kritik. Sie f\u00fcrchten eine Digitalw\u00e4hrung, die mit dezentralen Alternativen konkurriert, aber vollst\u00e4ndig unter institutioneller Kontrolle steht.<\/p>\n<p>Digitaler Euro: Der Mann mit dem Schl\u00fcssel<\/p>\n<p>Das Schicksal des digitalen Euro liegt jetzt weitgehend in den H\u00e4nden eines Mannes: Fernando Navarrete Rojas, ein spanischer Abgeordneter der Mitte-Rechts-Fraktion der Europ\u00e4ischen Volkspartei (EVP). Er verantwortet die Vorlage im Europ\u00e4ischen Parlament \u2013 der einzigen EU-Institution, die das Projekt noch nicht vorangebracht hat.<\/p>\n<p>Auf Anfragen von Euronews reagierte er nicht.<\/p>\n<p>Sein Auftreten in den Verhandlungen, seine \u00f6ffentlichen Reden und seine Auftritte bei Branchenveranstaltungen zeigen klar: Er bevorzugt L\u00f6sungen des Privatsektors gegen\u00fcber dem digitalen Euro.<\/p>\n<p>Navarrete bringt eine lange Karriere im Bankensektor mit. Er bekleidete mehrere Spitzenposten bei der Bank von Spanien und war Finanzdirektor des spanischen Staatskreditinstituts.<\/p>\n<p>Au\u00dferdem leitete er den Bereich Wirtschaft und \u00f6ffentliche Politik bei der Stiftung f\u00fcr Sozialanalyse und Studien (FAES), einem rechtsgerichteten Thinktank mit engen Verbindungen zum fr\u00fcheren spanischen Premier Jos\u00e9 Mar\u00eda Aznar L\u00f3pez.<\/p>\n<p>Aus seinen \u00f6ffentlich einsehbaren Terminkalendern geht hervor, dass er seit der \u00dcbernahme des Dossiers im Dezember 2024 mehr als einhundert Treffen speziell zum digitalen Euro abgehalten hat.<\/p>\n<p>Da die Regierungen der EU das Projekt klar unterst\u00fctzen, entscheidet nun vor allem das Parlament \u00fcber Erfolg oder Scheitern.<\/p>\n<p>Bei einer Veranstaltung des franz\u00f6sischen Bankenverbands Mitte April sprach Navarrete offen \u00fcber seine Skepsis. Der digitale Euro sei f\u00fcr ihn kein dringendes Projekt.<\/p>\n<p>\u201eEs tut mir leid, dass wir vielleicht nicht mit den dringendsten Teilen des Geb\u00e4udes begonnen haben\u201c, sagte er.<\/p>\n<p>Er stellte klar, dass er dem Privatsektor den Vorzug gibt, den er als \u201edeutlich effizienter\u201c bezeichnete.<\/p>\n<p>Wie die Gesch\u00e4ftsbanken warnte auch er vor dem Status als gesetzliches Zahlungsmittel. Er nannte ihn eine \u201eAtombombe\u201c, die private Alternativen aushebeln k\u00f6nne. \u201eSelbst wenn der digitale Euro schlecht ist, werden Sie gezwungen, ihn zu benutzen\u201c, sagte er.<\/p>\n<p>Hinter den Kulissen<\/p>\n<p>Laut mehreren mit den Verhandlungen vertrauten Personen nutzte der spanische Abgeordnete vertrauliche Treffen, um den Prozess zu bremsen. Er versuchte, seine Positionen in den Text zu schreiben und k\u00e4mpfte f\u00fcr eine zentrale Konzession: Der digitale Euro sollte nur f\u00fcr Offline-Zahlungen gelten. Ein Online-Einsatz, so seine Begr\u00fcndung, w\u00fcrde direkt mit Wero, Visa, Mastercard und anderen privaten Anbietern konkurrieren.<\/p>\n<p>Die Treffen wurden zunehmend polarisiert.<\/p>\n<p>Auf der einen Seite standen Sozialdemokraten (S&amp;D), Liberale (Renew Europe), Gr\u00fcne und Linke, die den Vorschlag der Kommission \u00fcberwiegend unterst\u00fctzten.<\/p>\n<p>Auf der anderen Seite stand Navarrete f\u00fcr die EVP in einer Minderheitsposition. Gelegentlich schlossen sich ihm Parteien von weit rechts an, allerdings unregelm\u00e4\u00dfig.<\/p>\n<p>Zwei mit den Gespr\u00e4chen vertraute Personen beschrieben sein Auftreten als unberechenbar und darauf ausgerichtet, die Gesetzgebung zu verz\u00f6gern.<\/p>\n<p>\u201eWir kommen nicht voran\u201c, fasste man am Ende mehrerer Sitzungen die Lage zusammen.<\/p>\n<p>Der deutsche Finanzminister Lars Klingbeil sagte im Februar, Gegner des digitalen Euro schadeten Europa \u2013 eine deutliche Botschaft an Navarrete und die EVP-Fraktion, die in der Frage gespalten ist.<\/p>\n<p>Die Forderung, den digitalen Euro strikt auf Offline-Zahlungen zu begrenzen, wurde schlie\u00dflich aus dem Entwurf gestrichen. Damit war ein wichtiger Stolperstein ausger\u00e4umt.<\/p>\n<p>Digitaler Euro: Stand der Dinge<\/p>\n<p>Die Verhandlungen sind noch nicht abgeschlossen und bleiben kompliziert, doch der Prozess kommt voran.<\/p>\n<p>Entw\u00fcrfe und Protokolle, die Euronews einsehen konnte, deuten auf ein ausgewogeneres Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnis hin als in den vergangenen Monaten.<\/p>\n<p>Eine urspr\u00fcnglich f\u00fcr Mai geplante Abstimmung im Plenum wurde verschoben. Der zust\u00e4ndige Parlamentsausschuss soll nun Ende Juni abstimmen, das Plenum folgt im Anschluss.<\/p>\n<p>Wenn das Parlament sein Votum abgibt, beginnen die Verhandlungen zwischen den EU-Mitgliedstaaten, dem Parlament und der Kommission. Die endg\u00fcltige Verabschiedung der Gesetzgebung ist bis Ende 2026 geplant.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Europas Zahlungssystem steht vor der gr\u00f6\u00dften Umw\u00e4lzung seit Jahrzehnten. WERBUNG WERBUNG Ein digitaler Euro, der Wunsch nach Unabh\u00e4ngigkeit&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":133687,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[76,6481,75,2386,74],"class_list":{"0":"post-133686","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-europa","8":"tag-eu","9":"tag-eu-parlament","10":"tag-europa","11":"tag-europaeische-union","12":"tag-europe"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@at\/116497742960235035","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/133686","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=133686"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/133686\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media\/133687"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=133686"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=133686"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=133686"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}