{"id":135699,"date":"2026-05-02T09:59:06","date_gmt":"2026-05-02T09:59:06","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/135699\/"},"modified":"2026-05-02T09:59:06","modified_gmt":"2026-05-02T09:59:06","slug":"ohne-orban-koennte-fidesz-in-sich-zusammenfallen-diepresse-com","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/135699\/","title":{"rendered":"Ohne Orb\u00e1n k\u00f6nnte Fidesz in sich zusammenfallen \u2013 DiePresse.com"},"content":{"rendered":"<p>Unter den unz\u00e4hligen Erkl\u00e4rungen f\u00fcr die vernichtende Niederlage von Premier Viktor <a href=\"https:\/\/www.diepresse.com\/thema\/viktor-orban\" data-tracking=\"at-link\" data-tracking-data=\"{\" event=\"\" click=\"\" article=\"\" orb=\"\" k=\"\" fidesz=\"\" in=\"\" sich=\"\" zusammenfallen=\"\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Orb\u00e1n<\/a> und der nationalpopulistischen Regierungspartei <a href=\"https:\/\/www.diepresse.com\/thema\/fidesz\" data-tracking=\"at-link\" data-tracking-data=\"{\" event=\"\" click=\"\" article=\"\" orb=\"\" k=\"\" fidesz=\"\" in=\"\" sich=\"\" zusammenfallen=\"\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Fidesz<\/a> (Bund der Jungdemokraten) bei der Parlamentswahl am 12. April mutet der Kommentar eines popul\u00e4ren Musikers aus dem Dunstkreis der Regierung besonders skurril an. Der Rapper \u201eDopeman\u201c f\u00fchrte die Wahlschlappe Orb\u00e1ns vor allem auf die Leibesf\u00fclle des Noch-Premiers zur\u00fcck. Die Dickleibigkeit des ehemaligen aktiven Fu\u00dfballers Orb\u00e1n sei ein Wettbewerbsnachteil gewesen, so \u201eDopeman\u201c.<\/p>\n<p>Im Wahlkampf nahm sich der Langzeitpremier neben seinem schlanken und dynamischen Widersacher <a href=\"https:\/\/www.diepresse.com\/thema\/peter-magyar\" data-tracking=\"at-link\" data-tracking-data=\"{\" event=\"\" click=\"\" article=\"\" orb=\"\" k=\"\" fidesz=\"\" in=\"\" sich=\"\" zusammenfallen=\"\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">P\u00e9ter Magyar<\/a> tats\u00e4chlich ungelenk und schwerf\u00e4llig aus. Gleichwohl soll nun ausgerechnet Orb\u00e1n, der Ende Mai 63 Jahre alt wird, seiner darniederliegenden Partei Fidesz wieder auf die Spr\u00fcnge helfen. Obwohl der Noch-Premier nach der Wahl einr\u00e4umte, der Hauptverantwortliche f\u00fcr die Wahlpleite zu sein, h\u00e4lt seine Partei verbissen an ihm fest.<\/p>\n<p>Der Kopf des von den W\u00e4hlern abgestraften Ancien R\u00e9gime soll es nun also als Reformer richten und die \u201evollst\u00e4ndige Erneuerung\u201c des Fidesz vorantreiben. Allein, jene Partei, die in den vergangenen 16 Jahren das Leben in Ungarn ma\u00dfgeblich pr\u00e4gte, l\u00e4sst jegliche Form \u201eehrlicher Selbstkritik\u201c vermissen, wie der Politologe Zolt\u00e1n Lakner bedauert. Dies sei aber eine unabdingbare Voraussetzung daf\u00fcr, um sich erneuern zu k\u00f6nnen. Das Politikforschungsinstitut Political Capital weist au\u00dferdem darauf hin, dass es \u201e\u00e4u\u00dferst schwierig\u201c sei, eine machtverw\u00f6hnte Partei wie den Fidesz \u201ezu neuer Aktivit\u00e4t und organisatorischer Erneuerung zu bewegen\u201c.<\/p>\n<p>Hinzu kommt, dass der \u201eharte Kern\u201c ihrer W\u00e4hlerschaft \u00fcberwiegend aus \u00e4lteren, sozial schwachen und bildungsfernen W\u00e4hlern bestehe. Gerade in diesen gesellschaftlichen Gruppen sei politisches Engagement, geschweige denn Aktivismus aber wenig ausgepr\u00e4gt. Mithin erscheine eine Ausweitung des W\u00e4hlerreservoirs f\u00fcr den Fidesz wenig realistisch, so das Institut Political Capital. Der Experte f\u00fcr Wahlgeographie, M\u00e1ty\u00e1s B\u00f3di, hebt \u00fcberdies hervor, dass angesichts der \u00dcberalterung der Fidesz-W\u00e4hlerschaft das Orb\u00e1n-Lager\u00a0bis zum Jahr 2030 um rund 300.000 Personen schrumpfen werde.<\/p>\n<p>Demnach verwundert es kaum, dass der renommierte Politik-Analyst und fundierte Orb\u00e1n-Kenner P\u00e9ter T\u00f6lgyessy es nahezu ausschlie\u00dft, dass der Noch-Premier irgendwann ein weiteres Mal an die Macht zur\u00fcckkehren k\u00f6nnte. <\/p>\n<p>T\u00f6lgyessy sp\u00f6ttelte k\u00fcrzlich, dass Orb\u00e1n nach 20 Jahren am Regierungsruder (1998 bis 2002, 2010 bis 2026) und insgesamt 37 Jahren in der Politik besser daran gehen sollte, seine \u201eMemoiren\u201c zu schreiben, wie es viele altgediente und verdienstvolle Politiker vor ihm in einer solchen Situation getan h\u00e4tten. Andererseits geben Beobachter auch zu bedenken, dass es innerhalb des Fidesz weit und breit keine personellen Alternativen zu Orb\u00e1n gebe. Was bedeutet, dass er immer noch den Status des unumstrittenen und allm\u00e4chtigen Chefs seiner Partei genie\u00dfe. Dass die Nachwuchsf\u00f6rderung im Sinne des behutsamen Aufbaus von Nachfolgekandidaten in der Noch-Regierungspartei zu w\u00fcnschen \u00fcbrig l\u00e4sst, ist freilich auch Orb\u00e1ns \u00fcbersteigertem Machtwillen geschuldet. So war er immer schon darauf bedacht, aufstrebende Politiker innerhalb seiner Partei kleinzuhalten.<\/p>\n<p>              Fakten<\/p>\n<p>Fidesz wurde 1988 in einem Studentenheim in Budapest gegr\u00fcndet.<\/p>\n<p>35 Jahre durften die Mitglieder in den ersten Jahren maximal alt sein. <\/p>\n<p>1990 erhielt die Partei bei den ersten freien Wahlen neun Prozent. <\/p>\n<p>1998 konnte Fidesz zum ersten Mal in einer Koalition regieren. <\/p>\n<p>Seit 2010 stellte die Partei durchgehend den Premierminister, Viktor Orb\u00e1n. Bei den Wahlen im April 2026 verlor sie den ersten Platz gegen P\u00e9ter Magyars Tisza. <\/p>\n<p>In Ermangelung von Fidesz-Politikern, die Orb\u00e1n das Wasser reichen k\u00f6nnen, sehen Fachleute auch die Gefahr, dass der Fidesz wie ein Kartenhaus zusammenfallen k\u00f6nnte, sollte der Noch-Premier sich einmal dazu entscheiden, der Politik den R\u00fccken zu kehren. F\u00fcr viele ist Orb\u00e1n die Verk\u00f6rperung des Fidesz schlechthin und folglich der Einzige in der Partei, der imstande sei, die ein bis zwei Millionen W\u00e4hler der Noch-Regierungspartei bei der Stange zu halten.<\/p>\n<p>Den j\u00fcngsten Entschluss Orb\u00e1ns, in der n\u00e4chsten Legislaturperiode nicht im Parlament Platz zu nehmen, wertet Politologe Lakner als \u201eWortbruch\u201c gegen\u00fcber seinen W\u00e4hlern. Lakner erinnert daran, dass Orb\u00e1n in der Vergangenheit wiederholt erkl\u00e4rt habe, auch bei einer Wahlniederlage des Fidesz als Abgeordneter ins Parlament einzuziehen. Als Chef der k\u00fcnftig gr\u00f6\u00dften Oppositionspartei sei es seine \u201ePflicht\u201c, sich auch \u201eunangenehmen Situationen\u201c auszusetzen und mitunter scharfe politische Auseinandersetzungen im Parlament auszuhalten, so der Politologe.<\/p>\n<p>Wahrscheinlich will Orb\u00e1n aber auch dem Trommelfeuer der Kritik entgehen, das seitens der k\u00fcnftigen Regierungspartei <a href=\"https:\/\/www.diepresse.com\/thema\/tisza\" data-tracking=\"at-link\" data-tracking-data=\"{\" event=\"\" click=\"\" article=\"\" orb=\"\" k=\"\" fidesz=\"\" in=\"\" sich=\"\" zusammenfallen=\"\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Tisza<\/a> im Parlament auf ihn einprasseln w\u00fcrde. Der Noch-Premier d\u00fcrfte wohl eine \u00e4hnliche Strategie verfolgen wie nach der Parlamentswahl 2002, als er sich als abgew\u00e4hlter Regierungschef lange Zeit aus der \u00d6ffentlichkeit zur\u00fcckzog, um sich einerseits den politischen Schlammschlachten zu entziehen, andererseits die Massenbewegung der \u201eB\u00fcrgerkreise\u201c auf den Weg zu bringen, deren gesellschaftliche Wucht ihn 2010 ins Ministerpr\u00e4sidentenamt hieven sollte.<\/p>\n<p>Laut dem Institut Political Capital scheint Orb\u00e1n mit seinem R\u00fcckzug dem Beispiel seines Gesinnungsgenossen Jaros\u0142aw <a href=\"https:\/\/www.diepresse.com\/thema\/jaroslaw-kaczynski\" data-tracking=\"at-link\" data-tracking-data=\"{\" event=\"\" click=\"\" article=\"\" orb=\"\" k=\"\" fidesz=\"\" in=\"\" sich=\"\" zusammenfallen=\"\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Kaczy\u0144ski<\/a> in Polen zu folgen, der seine nationalkonservative Partei \u201eRecht und Gerechtigkeit\u201c (<a href=\"https:\/\/www.diepresse.com\/thema\/pis\" data-tracking=\"at-link\" data-tracking-data=\"{\" event=\"\" click=\"\" article=\"\" orb=\"\" k=\"\" fidesz=\"\" in=\"\" sich=\"\" zusammenfallen=\"\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">PiS<\/a>) seit Jahren aus dem Hintergrund lenkt, w\u00e4hrend er den Parteivorsitz innehat. Ein wesentlicher Unterschied zu Orb\u00e1n sei aber, dass Kaczy\u0144ski kein Regierungsamt bekleidet habe, als die PiS 2023 die Parlamentswahl verlor. Folglich sei er bei den polnischen W\u00e4hlern auch nicht so in Ungnade gefallen wie Orb\u00e1n in Ungarn. Wohl deshalb habe die PiS auch reale Chancen, die polnische Parlamentswahl im kommenden Jahr zu gewinnen.<\/p>\n<p>Ob es der Fidesz der polnischen Schwesterpartei PiS nachmachen k\u00f6nnen wird, ist indes fraglich. Schon jetzt, wenige Wochen nach der Wahl, hat die W\u00e4hlerbasis der Orb\u00e1n-Partei massiv zu br\u00f6ckeln begonnen. Wie aus einer aktuellen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Medi\u00e1n hervorgeht, w\u00fcrden heute 56 Prozent der Befragten die k\u00fcnftige Regierungspartei Tisza w\u00e4hlen und lediglich 21 Prozent den Fidesz \u2013 das entspricht nur noch 1,6 Millionen W\u00e4hlern. <\/p>\n<p>Mehr noch: Gem\u00e4\u00df einer anderen Medi\u00e1n-Erhebung erachtet bereits ein F\u00fcnftel der Fidesz-W\u00e4hler den ungarischen Premier in spe, P\u00e9ter Magyar, f\u00fcr das Amt des Regierungschefs als \u201egeeignet\u201c.<\/p>\n<p>Dass das Orb\u00e1n-Regime von den W\u00e4hlern abgestraft wurde, hat nicht zuletzt auch mit seiner gl\u00fccklosen und verschwenderischen Wirtschafts- und Finanzpolitik zu tun. Mit Blick auf den ungarischen Haushalt hinterl\u00e4sst es P\u00e9ter Magyar und seiner k\u00fcnftigen Regierung ein klaffendes Loch. Im ersten Quartal des laufenden Jahres wurden bereits 80 Prozent des Gesamtbudgets f\u00fcr 2026 aufgebraucht. In Anbetracht dieser dramatischen Schieflage wird die Regierung Magyar denn auch buchst\u00e4blich auf jeden Euro angewiesen sein.<\/p>\n<p>Wohl deshalb reiste Magyar am vergangenen Mittwoch nach Br\u00fcssel, um mit <a href=\"https:\/\/www.diepresse.com\/thema\/eu\" data-tracking=\"at-link\" data-tracking-data=\"{\" event=\"\" click=\"\" article=\"\" orb=\"\" k=\"\" fidesz=\"\" in=\"\" sich=\"\" zusammenfallen=\"\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">EU<\/a>-Kommissionspr\u00e4sidentin Ursula von der Leyen \u00fcber die von der Kommission eingefrorenen EU-Gelder f\u00fcr Ungarn zu verhandeln. Diese Gelder werden zur\u00fcckgehalten, weil die Regierung Orb\u00e1n aus der Sicht Br\u00fcssels nicht nur systematisch gegen die Rechtsstaatlichkeit in Ungarn versto\u00dfen, sondern mutma\u00dflich auch der Korruption im Land T\u00fcr und Tor ge\u00f6ffnet habe.<\/p>\n<p>Aus dem EU-Wiederaufbaufonds stehen Budapest noch insgesamt 10,4 Milliarden Euro zu, die das Land bis Ende August abrufen muss. Ende Mai wollen Magyar, der voraussichtlich am 9. Mai als ungarischer Premier vereidigt wird, und von der Leyen ein \u201epolitisches Abkommen\u201c unterschreiben, das den Weg f\u00fcr die blockierten EU-Mittel freimachen soll. Damit erhoffen sich Magyar und seine k\u00fcnftige Regierung, das gigantische Haushaltsdefizit einigerma\u00dfen zu kompensieren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Unter den unz\u00e4hligen Erkl\u00e4rungen f\u00fcr die vernichtende Niederlage von Premier Viktor Orb\u00e1n und der nationalpopulistischen Regierungspartei Fidesz (Bund&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":135700,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[8],"tags":[40,41,39,38,2066],"class_list":{"0":"post-135699","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-nachrichten","8":"tag-nachrichten","9":"tag-news","10":"tag-schlagzeilen","11":"tag-top-meldungen","12":"tag-ungarn"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@at\/116504399894953553","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/135699","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=135699"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/135699\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media\/135700"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=135699"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=135699"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=135699"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}