{"id":136081,"date":"2026-05-02T14:31:08","date_gmt":"2026-05-02T14:31:08","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/136081\/"},"modified":"2026-05-02T14:31:08","modified_gmt":"2026-05-02T14:31:08","slug":"2200-wilde-ecken-wie-bauern-im-salzburger-land-die-artenvielfalt-zurueckholen-diepresse-com","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/136081\/","title":{"rendered":"2200 \u201ewilde Ecken\u201c: Wie Bauern im Salzburger Land die Artenvielfalt zur\u00fcckholen \u2013 DiePresse.com"},"content":{"rendered":"<p>Zwischen alten Bl\u00e4ttern, trockener Erde und verwelkten Stauden aus dem Vorjahr gr\u00fcnt es: Kuckucksnelken, Schafgarben, Flockenblumen, Wundklee, Margeriten, Wilde Stiefm\u00fctterchen, L\u00f6wenzahn und Brennnesseln \u2013 noch bl\u00fchen sie nicht, aber die Artenvielfalt auf dieser unscheinbaren B\u00f6schung am Rande der K\u00e4serei Woerle in Henndorf am Wallersee ist un\u00fcbersehbar. Noch ein paar Tage und es wird hier ein buntes Durcheinander geben \u2013 und damit Nahrung f\u00fcr Wildbienen, Hummeln &amp; Co. Ein Eck, das zwar nicht besonders sch\u00f6n, aber trotzdem wertvoll f\u00fcr die Artenvielfalt ist. <\/p>\n<p>Die wilde Fl\u00e4che ist Teil einer Mission, die Gerrit Woerle, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der Privatk\u00e4serei, verfolgt: Der Betriebswirt, der seit 2020 die K\u00e4serei in f\u00fcnfter Generation f\u00fchrt, will im Flachgau und im Mondseeland \u2013 dem Einzugsgebiet der Milchlieferanten von Woerle &#8211; m\u00f6glichst viele solcher Inseln der Artenvielfalt erhalten. \u201eMein Ziel ist ein Mosaik an biodiversen Lebensr\u00e4umen. Es soll so eng vernetzt sein, dass ein Gen-Austausch zwischen den Arten m\u00f6glich ist\u201c, sagt Woerle im Gespr\u00e4ch mit der \u201ePresse am Sonntag\u201c. Vor zehn Jahren hat er die Initiative \u201eArtenvielfalt in Bauernhand\u201c ins Leben gerufen. In einer Landschaft, die traditionell stark von Milchwirtschaft gepr\u00e4gt und damit intensiv bewirtschaftet ist, sollen Trittsteine f\u00fcr Biodiversit\u00e4t entstehen.<\/p>\n<p>Die Idee dazu hatte Woerle, als er eine Dokumentation \u00fcber Wildbienen sah und sich fragte, ob es im Flachgau \u00fcberhaupt noch welche gab. Er holte sich den Fachbereich Umwelt &amp; Biodiversit\u00e4t der <a href=\"https:\/\/www.diepresse.com\/thema\/uni-salzburg\" data-tracking=\"at-link\" data-tracking-data=\"{\" event=\"\" click=\"\" article=\"\" ecken=\"\" wie=\"\" bauern=\"\" im=\"\" salzburger=\"\" land=\"\" die=\"\" artenvielfalt=\"\" zur=\"\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Uni Salzburg<\/a> als Partner und initiierte eine Basiserhebung \u00fcber Wildbienenarten im Flachgau. Es zeigte sich, dass es zwar noch zahlreiche Arten gab, die Populationen aber unter Druck sind. In einer Landschaft, in der gef\u00fchlt jeder Quadratmeter bewirtschaftet und bebaut wird, bleiben viele Organismen auf der Strecke. Da entstand die Idee, Lebensr\u00e4ume zu sichern, in denen Artenvielfalt m\u00f6glich ist. <\/p>\n<p>Dazu wollte Woerle die Landwirte ins Boot holen. Wiesen f\u00fcr Gr\u00fcnfutter und Heu kamen nicht in Frage. Das Wildbienen-Projekt hatte aber gezeigt, dass in den Randstrukturen von bewirtschafteten Fl\u00e4chen die Biodiversit\u00e4t tendenziell h\u00f6her war. Die Lebensr\u00e4ume sollten auf jenen Fl\u00e4chen entstehen, die ohnehin wenig Ertrag bringen oder schwer zu pflegen sind: B\u00f6schungen, Hecken, Wegr\u00e4nder oder bewachsene Mittelstreifen von Feldwegen. \u201eJeder Betrieb hat solche Fl\u00e4chen\u201c, war sich Woerle sicher. <\/p>\n<p>Anfangs stie\u00df er auf Ablehnung. \u201eDie Landwirte hatten Angst, dass ihnen zus\u00e4tzlich etwas verordnet wird\u201c, erinnert sich der Unternehmer. Deshalb war klar: Wer mitmachen will, sollte das freiwillig tun. Einige Betriebe hatten Interesse und meldeten Fl\u00e4chen f\u00fcr \u201eArtenvielfalt in Bauernhand\u201c. Es sind oft nur wenige Quadratmeter, wo die Natur weitgehend sich selbst \u00fcberlassen wird. Dort, wo nicht alles penibel gem\u00e4ht, gej\u00e4tet, gezupft, geschnitten und sauber gehalten wird, herrscht eine gro\u00dfe Vielfalt von Tieren und Pflanzen. Dadurch wuchs der Stolz auf die Biodiversit\u00e4t am eigenen Hof. Ein Bauer habe vor Freude, dass auf seiner Wiese Knabenkraut w\u00e4chst, alle Pfl\u00e4nzchen eingez\u00e4unt, um sie vor Beweidung zu sch\u00fctzen, erz\u00e4hlt Woerle. <\/p>\n<p>Die Rettungsinseln wirkten ansteckend \u2013 auf der interaktiven Karte, auf der jedes Fleckchen eingetragen ist, sind mittlerweile 2.263 Fl\u00e4chen verzeichnet. Urspr\u00fcnglich wollte Woerle bis zum Jahr 2030 auf 1.000 biodiverse Lebensr\u00e4ume in der Region kommen. Eine Marke, die schon 2024 erreicht wurde. Mittlerweile lautet das Ziel 5.000 Lebensr\u00e4ume bis 2030. <\/p>\n<p>                               <img decoding=\"async\" class=\"figure__image\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-content\/uploads\/2026\/05\/Woerle.webp\" alt=\"Auf speziellen Tafeln wird \u00fcber die  Fl\u00e4chen informiert.\" width=\"1000\" height=\"600\" loading=\"lazy\" fetchpriority=\"low\"\/>                                     <\/p>\n<p>Auf speziellen Tafeln wird \u00fcber die  Fl\u00e4chen informiert.\u2003Woerle<\/p>\n<p>Alle gemeldeten Fl\u00e4chen werden von einem Team von Woerle sowie einem externen Biologen gepr\u00fcft. Gemeinsam wird \u00fcberlegt, was im Sinne  der Artenvielfalt verbessert werden kann. Die Bauern und B\u00e4uerinnen erhalten Tafeln, mit denen sie ihre Fl\u00e4che kennzeichnen und \u00fcber Besonderheiten informieren k\u00f6nnen. Das macht die oft unscheinbaren Lebensr\u00e4ume sichtbar. <\/p>\n<p>Das Unternehmen bietet au\u00dferdem Praxisworkshops f\u00fcr alle Interessierten an. Gemeinsam werden Insektenhotels oder Nistk\u00e4sten gebaut. Man besch\u00e4ftigt sich mit Ma\u00dfnahmen, wie Engerlinge durch nat\u00fcrliche Feinde bek\u00e4mpft werden k\u00f6nnen oder mit der Frage, welche Rolle Kuhfladen im \u00f6kologischen Kreislauf haben. \u201eWir wollen Bewusstsein schaffen und Praxistipps geben\u201c, so Woerle. Bisher haben rund 1.700 Menschen teilgenommen. <\/p>\n<p>Das Projekt wird wissenschaftlich begleitet, die Artenvielfalt hat nachweislich zugenommen: Von 63 Wildbienenarten im Jahr 2017 auf 147. Darunter auch Arten, die im Flachgau selten geworden sind \u2013 wie die Glockenblumen-S\u00e4gehornbiene, die Zweifarbige Sandbiene oder die Dichtpunktierte Goldfurchen-Biene. Und das, obwohl auf dem einen oder anderen Hof die junge Generation wilde Fleckchen stehen l\u00e4sst, die von den Altbauern und -b\u00e4uerinnen dann doch noch nachgem\u00e4ht werden \u2013 weil es nicht ordentlich ausschaut, erz\u00e4hlt Woerle augenzwinkernd. Auch das ist eine Frage der Bewusstseinsbildung. <\/p>\n<p>                    Auf einen Blick <\/p>\n<p>Artenvielfalt in Bauernhand wurde von der Privatk\u00e4serei Woerle im Jahr 2019 initiiert. <\/p>\n<p>Ziel ist, gemeinsam mit B\u00e4uerinnen und Bauern und zunehmend auch mit Privathaushalten bis zum Jahr 2030 insgesamt 5.000 biodiverse Lebensr\u00e4ume zu schaffen, um ein m\u00f6glichst dichtes Netz zum Erhalt der Artenvielfalt im Flachgau und im Mondseeland zu weben. <\/p>\n<p>Die 1889 gegr\u00fcndete K\u00e4serei in Henndorf arbeitet mit rund 440 b\u00e4uerlichen Betrieben, die Milch liefern. Bisher wurden 2.263 Lebensr\u00e4ume gemeldet, die in einer <a href=\"https:\/\/www.woerle.at\/wirktweiter\/projekt-artenvielfalt\/map\/\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">interaktiven Karte<\/a> erfasst werden.<\/p>\n<p>Die Erfahrung zeigt: F\u00fcr viele Insektenarten sind kurze Distanzen entscheidend, oft nicht mehr als 100 Meter. Gerade deshalb kommt es auf die Vielzahl kleiner \u201eRettungsinseln\u201c an. Selbst ein Quadratmeter kann einen Unterschied machen.<\/p>\n<p>Web: <a href=\"https:\/\/www.woerle.at\/wirktweiter\/projekt-artenvielfalt\/\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">www.woerle.at\/wirktweiter\/projekt-artenvielfalt<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Zwischen alten Bl\u00e4ttern, trockener Erde und verwelkten Stauden aus dem Vorjahr gr\u00fcnt es: Kuckucksnelken, Schafgarben, Flockenblumen, Wundklee, Margeriten,&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":136082,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[8],"tags":[31709,40,41,39,38],"class_list":{"0":"post-136081","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-nachrichten","8":"tag-flachgau","9":"tag-nachrichten","10":"tag-news","11":"tag-schlagzeilen","12":"tag-top-meldungen"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@at\/116505469480204330","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/136081","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=136081"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/136081\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media\/136082"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=136081"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=136081"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=136081"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}