{"id":136738,"date":"2026-05-02T23:50:12","date_gmt":"2026-05-02T23:50:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/136738\/"},"modified":"2026-05-02T23:50:12","modified_gmt":"2026-05-02T23:50:12","slug":"holen-wir-zu-viel-holz-aus-dem-wald-diepresse-com","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/at\/136738\/","title":{"rendered":"Holen wir zu viel Holz aus dem Wald? \u2013 DiePresse.com"},"content":{"rendered":"<p>Der April war trocken und hei\u00df. F\u00fcr \u00d6sterreichs W\u00e4lder ist das eine toxische Mischung. Die Witterung ist nicht nur ideal f\u00fcr die Ausbreitung des Borkenk\u00e4fers. So hat im K\u00e4rntner Lesachtal mutma\u00dflich eine achtlos weggeworfene Zigarette ausgereicht, um in den vergangenen Tagen 110 Hektar Forst zu verbrennen. Es war nur einer von 75\u2009dokumentierten Waldbr\u00e4nden im heurigen Jahr. Und das ist ein Problem. <\/p>\n<p>Denn jeder Baum, der aus dem Wald verschwindet, schm\u00e4lert seine Kraft, Kohlendioxid aus der Atmosph\u00e4re zu binden \u2013 und verst\u00e4rkt den anhaltenden Druck auf die Forstwirte, doch weniger gesundes Holz zu ernten. Das fordern inzwischen l\u00e4ngst nicht mehr nur Umweltsch\u00fctzer, auch die Industrie ist skeptisch und selbst im Finanzministerium be\u00e4ugen Beamte den Trend mit Sorge. <\/p>\n<p>Belastbare Daten \u00fcber die tats\u00e4chliche Nutzung des Waldes liefert die j\u00e4hrliche Holzeinschlagsmeldung des Landwirtschaftsministeriums, die der \u201ePresse am Sonntag\u201c vorliegt. Demnach fiel die Holzernte 2025 mit 19,56 Millionen Festmetern im Vorjahr etwas geringer aus als im Jahr zuvor. Hauptgrund daf\u00fcr war der starke R\u00fcckgang an Schadholz. Mit 6,38 Millionen Festmetern mussten 2025 deutlich weniger B\u00e4ume aus dem Wald geholt werden, die von Borkenk\u00e4fer, Sturm oder D\u00fcrre gesch\u00e4digt waren. Zum Vergleich: Im Rekordjahr 2019 betrug die Schadholzmenge noch 11,7 Millionen Festmeter. Im Gegenzug haben die Forstbetriebe 2025 den Anteil der B\u00e4ume, die aus rein wirtschaftlichen Gr\u00fcnden geerntet werden, ausgebaut. Der Gro\u00dfteil landete in der S\u00e4geindustrie, ein gutes Viertel der geernteten Menge wurde in Hackschnitzelanlagen und Pellet\u00f6fen verbrannt. <\/p>\n<p>Die intensive Nutzung der heimischen W\u00e4lder ruft inzwischen auch die Budgetverantwortlichen der Republik auf den Plan. Denn die Zeiten, in denen sich das Land darauf verlassen konnte, dass der Wald Jahr um Jahr mehr Treibhausgase bindet und \u00d6sterreich damit hilft, seine <a href=\"https:\/\/www.diepresse.com\/thema\/eu\" data-tracking=\"at-link\" data-tracking-data=\"{\" event=\"\" click=\"\" article=\"\" wir=\"\" zu=\"\" viel=\"\" holz=\"\" aus=\"\" dem=\"\" wald=\"\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">EU<\/a>-Klimaziele zu erreichen, sind vorbei. Das best\u00e4tigt auch <a href=\"https:\/\/www.umweltbundesamt.at\/fileadmin\/site\/publikationen\/rep0964.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">die aktuelle Treibhausgasinventur 2026<\/a>, die in \u00d6sterreich zwar noch nicht offiziell pr\u00e4sentiert, aber vom Umweltbundesamt bereits an die EU geschickt wurde. Laut dem Dokument war der Wald nun auch in der letzten Berichtsperiode 2024 f\u00fcr zus\u00e4tzliche Treibhausgasemissionen von rund 2,6 Millionen Tonnen CO2 verantwortlich. Schon 2023 war das System in dieser Bilanz deutlich im Minus. Bis vor wenigen Jahren galt der Wald hingegen noch als eine stabile CO2-Senke, die \u00d6sterreichs Klimabilanz im Schnitt um knapp f\u00fcnf Millionen Tonnen Kohlendioxid im Jahr reduziert hat. <\/p>\n<p>Die nunmehr verfestigte Trendumkehr k\u00f6nnte f\u00fcr das Land teuer werden. Denn laut EU-Vorgaben muss \u00d6sterreich jedes Jahr zumindest 4,6 Millionen Tonnen Kohlendioxid binden \u2013 oder entsprechende Ausgleichszahlungen leisten. <\/p>\n<p class=\"fm-quote__text\">         \u00bbWo heute Fichten stehen, m\u00fcssen morgen Eichen, L\u00e4rchen und Kiefern wachsen. \u00ab     <\/p>\n<p>Neben der intensiven kommerziellen Nutzung des Waldes sind es vor allem Klimasch\u00e4den, die f\u00fcr diese Entwicklung der j\u00fcngeren Vergangenheit verantwortlich waren. Ganz unschuldig ist die Branche daran aber nicht. Die besondere Anf\u00e4lligkeit heimischer W\u00e4lder f\u00fcr bestimmte Klimafolgen liegt daran, dass die Forstwirte lange Zeit vor allem Fichten gepflanzt haben. Aus der damaligen Sicht war der schnell wachsende und gen\u00fcgsame \u201eBrotbaum\u201c der Branche eine gute Wahl. Doch aufgrund seiner flachen Wurzeln kann er mit den immer intensiveren Phasen der Trockenheit nur schlecht umgehen und gilt als anf\u00e4llig f\u00fcr den Borkenk\u00e4fer.<\/p>\n<p>Dar\u00fcber, dass sich der heimische Wald ver\u00e4ndern muss, herrscht im Grunde Einigkeit. Heikel wird es bei der Frage, was genau passieren soll \u2013 und wer daf\u00fcr bezahlen muss. <a href=\"https:\/\/www.diepresse.com\/thema\/greenpeace\" data-tracking=\"at-link\" data-tracking-data=\"{\" event=\"\" click=\"\" article=\"\" wir=\"\" zu=\"\" viel=\"\" holz=\"\" aus=\"\" dem=\"\" wald=\"\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Greenpeace<\/a> fordert etwa mehr Schutzw\u00e4lder, einen Stopp des Kahlschlags und ein Ende des Boykotts des Landwirtschaftsministeriums gegen die EU-Entwaldungsverordnung. Die Holzindustrie propagiert dagegen \u201eeine aktive und nachhaltige Waldbewirtschaftung, um die Best\u00e4nde zu verj\u00fcngen und klimafit zu machen.\u201c Durch den starken Aufbau der Holzvorr\u00e4te, der auch in der Waldinventur nachzulesen ist, seien \u00d6sterreichs W\u00e4lder heute \u201evielfach \u00fcberaltert, zu dicht und dadurch anf\u00e4lliger f\u00fcr Klimasch\u00e4den wie St\u00fcrme, Trockenheit oder Borkenk\u00e4ferbefall.\u201c Wo derzeit noch Fichten stehen, m\u00fcssten morgen Ahorn, Eiche, L\u00e4rche und Kiefer wachsen. Aber wie viel m\u00fcssen die Steuerzahler f\u00fcr diesen Umbau des Waldes hinlegen?<\/p>\n<p>Das Landwirtschaftsministerium preist den Waldfonds als wichtigstes Vehikel f\u00fcr einen \u201evorausschauenden Waldumbau\u201c, der die \u201eWiderstandsf\u00e4higkeit gegen\u00fcber Schadereignissen\u201c langfristig erh\u00f6he. Der Waldfonds wurde 2020 von der damaligen Agrarministerin <a href=\"https:\/\/www.diepresse.com\/thema\/elisabeth-koestinger\" data-tracking=\"at-link\" data-tracking-data=\"{\" event=\"\" click=\"\" article=\"\" wir=\"\" zu=\"\" viel=\"\" holz=\"\" aus=\"\" dem=\"\" wald=\"\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Elisabeth K\u00f6stinger<\/a> (\u00d6VP) ins Leben gerufen und mit 430 Millionen Euro bis 2027 dotiert. Ihr Nachfolger <a href=\"https:\/\/www.diepresse.com\/thema\/norbert-totschnig\" data-tracking=\"at-link\" data-tracking-data=\"{\" event=\"\" click=\"\" article=\"\" wir=\"\" zu=\"\" viel=\"\" holz=\"\" aus=\"\" dem=\"\" wald=\"\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Norbert Totschnig<\/a> (\u00d6VP) ringt im Budgetkampf gerade darum, den Fonds \u00fcber 2027 hinaus zu verl\u00e4ngern. 91 Prozent der verf\u00fcgbaren F\u00f6rdermittel seien bereits durch Bewilligungen gebunden, hei\u00dft es auf Anfrage. Zum Teil l\u00e4sst sich die positive Wirkung der eingesetzten Steuermittel gut nachvollziehen, etwa wenn 68\u2009Millionen Euro f\u00fcr die Wiederaufforstung nach Schadereignissen oder 91 Millionen Euro f\u00fcr das Pflanzen neuer hitzeresistenter Baumarten ausgegeben werden.<\/p>\n<p>Warum aber 68 Millionen an Steuergeldern in \u201eMa\u00dfnahmen zur verst\u00e4rkten Nutzung des Rohstoffes Holz\u201c investiert wurden oder Forstwirten 31,5\u2009Millionen Euro f\u00fcr den Wertverlust durch den Borkenk\u00e4fer \u00fcberwiesen wurden, sei angesichts der knappen Mittel im Bundesbudget schwer zu rechtfertigen, sagen Kritiker des Waldfonds hinter vorgehaltener Hand. <\/p>\n<p>Auch der Rechnungshof bem\u00e4ngelte die Umsetzung des millionenschweren F\u00f6rderinstruments vor einem guten Jahr als \u201eintransparent\u201c. Kritisiert wurden das hohe Budgetvolumen und das Fehlen einer nachvollziehbaren Bedarfsanalyse. Zudem sei unklar, wer die Empf\u00e4nger von den F\u00f6rderungen sind, so die staatlichen Pr\u00fcfer damals. Ihr Fazit: \u201e\u00dcberf\u00f6rderungen konnten nicht ausgeschlossen werden.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Der April war trocken und hei\u00df. F\u00fcr \u00d6sterreichs W\u00e4lder ist das eine toxische Mischung. 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